Chartulare von Sankt Maximin von Ende saec.
XVII zu Trier, S. 42;
dgl. im
Landeshauptarchiv Koblenz, Abt. 701, A VII I. nr. 220, f.113; A VII 1, nr.
222, f. 304; A
VII 1, nr. 223 (unter dem Titel
Mambra; nicht foliiert) (E.) .
Die
Originalurkunde existiert bedauerlicherweise nicht mehr. Nach
[Wampach, 1935]
entstammte
sie dem liber aureus der Abtei St. Maximin, aber diese kostbare Handschrift ist
verloren gegangen.
Aus nicht viel späterer Zeit datiert aber das Sankt Maximiner Chartikular (Chartular von Sankt Maximin im Staatsarchiv zu Koblenz, f.16,
16' ) im Landeshauptarchiv in Koblenz (I C 15; alte Zählung 641/83), das zum
liber aureus der Abtei in irgendeiner Beziehung stand, ohne indes dessen
Kopie oder Konzept zu sein.
Die Handschrift, mit
Pergamentblättern verschiedenen Ausmasses (durchschnittlich 322,5x216mm),
enthält 12 Lagen verschiedener Stärke mit drei vorgebundenen Blättern: 3ǁ8|8|8|6|6|8|8|8|7
(+1)|8|5 (+1)|8|. Verschiedene Blattzählungen sind nachzuweisen: Wampach
hielt sich an die ziemlich moderne für die exzerpierten Urkunden. Die
Schrift jeder Seite steht zwischen je einem senkrechten Linienpaar. Die
horizontalen Linien, 25 für den alten Kodex, durchschneiden die Begrenzungssenkrechten.
Diese wie die horizontalen sind zum Teil mit schwachem Blei vorgezogen, zum
Teil blind durchgedrückt. Gutes Gutes Pergament wechselt mit ganz
vergilbtem. Viele Folien sind angeschnitten und zeigen Lücken. Mehrere Hände
waren an der Niederschrift beteiligt: ie unterscheiden sich so wenig
voneinander, dass auf eine Abgrenzung der verschiedenen Anteile verzichtet
werden kann. Die Spiegelblätter des alten Einbandes sind noch vorhanden. Der
jetzige, aus dicker Pappe mit Überzug von braunem Leder und mit
Blindpressung, hat weder Schliessen noch Buckeln.
Die bei Wampach
auf Tafel I abgebildete 1. Seite der Mamer Schenkungsurkunde gehört einem
Schreiber an, der zur Fertigstellung der Handschrift erheblichen Anteil hat.
Individuelle Züge
der Handschrift sind die mächtig entwickelten Oberschäfte von f, s, h, l, b.
Der Schaft von dem unzialen d mit seiner weit nach links gezogenen Oberlänge
durchneidet die anderen Oberschäfte desselben Wortes. Diese Art der Schrift
erinnert an so manche Urkundenschriften der Zeit.
Rundes (unziales)
und senkrechtes d sind unterschiedlich gebraucht, ohne dass sich indes für
die Anwendung der einen oder anderen Form eine besondere Regel aufstellen
liesse. Rundes r erscheint nie selbstständig und wird nur nach o und in der
altbekannten Genitivendung gebraucht. Wampach konnte diese r-Form nicht nach
anderen Bogenbuchstaben nachweisen, wie er z. B. zu den Urkunden von Sankt
Paulin ausgeführt hat.
Von gotischen
Bogenverbindungen hält Wampach fest: b-b, p-e, p-p, p-o (aber noch erst
zaghaft). Durch Aneinanderschieben der Schäfte, durch schöne An- und
Abstriche werden andere Ligaturen erzielt. In Majuskel -N hebt er den
doppelten Stützbalken hervor: dieses N ist der betreffenden Hand eigen.
Andere Majuskelformen erzielt der Schreiber durch Hochziehen der
Minuskelbuchstaben.
Das ganze
Schriftbild weist auf das ausgehende erste Viertel des 13. Jh.
Andere Werke,
die die Urkunde zitieren:
A.
Wiltheim, Origines et annales coenobii d. Maximini, II,
lib. 4 S. 159
ff.
(D).
Copie von A. Henn, I, S. 1079 ff.
Aus B: HONTHEIM,
Historia Trevirensis, I, S. 291.
BERTHOLET,
Histoire de Luxembourg,
II, S. 86.
GUDENUS,
Codex diplomaticus, III, S. 1027. BEYER, Mittelrhein. Urkdbch.,
I, S. 266, nr. 206.


aus
[BEYER,
1860, SS. 266-267, nr. 206]
Regest: SCHÖTTER,
Einige kritische Erörterungen, S. 28 ff.(mit ganz verfehlten
Ausführungen und Auffassungen).
BEYER,
ebd. II, S. 621 nr. 236 WAUTERS,Table chronol., I, S. 366.
GÖRZ, Mittelrhein.
Regesten,
I,
S. 276, nr. 97 (ebenfalls irrige Auffassungen).

aus
[BEYER,
1865, S. 621, nr. 236]
Erwähnt u. a.: J. M. KREMER,
Genealog. Geschichte des alten ardenn.
Geschlechtes, S. 19, Anm. 4. CROLLIUS, Westricher Abhandlungen, S.13, 14. WITTE,
Genealogische Untersuchungen (= Jahrbuch der
Gesellschaft für lothr. Geschichte, V, 2, S. 42f.). KRÜGER, Der
Ursprung des Hauses Lothringen-Habsburg, Wien 1890, S. 13 f.
VANDERKINDERE, Formation territoriale des principautés belqes, II,
S. 350 ff. S. 36.
PARISOT, Origines de la
Haute-Lorraine, S. 281 und Anm. 3; S. 291 und Anm. 3,4.
E.
KIMPEN, Rheinische Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen = Annalen des hist. Vereins für den Niederrhein,
Heft 123, 1933, S. 17 f.,
21.
Über
die Streitigkeiten der Herren von AuteI (de Altario) mit der Abtei um
den zu Mamner und zu Sankt Maximin gehrigen Jockelsbusch, die schon sehr
früh beginnen, s. Archivium Maxim., a. a. O., VI, S. 1173-1204. Der
Besitz jenes Waldes geht auf jene Urkunde zurück. - Die Abschrift in C
entstammt dem liber aureus von S. Maximin: damals scheint das
Original bereits verloren gewesen zu sein. - Zu den chronologischen Angaben
s. auch die diesbez. Ausführungen zu Urkunde nr. 160. - Zum Formular vgl.
auch unten die Urkunde des Thyedo, nr. 171.
Lesung nach
[Wampach, 1935]
In nomine
sancte et individue Trinitatis
[a) in B am Rande: [nr.] XVII].
Cum scriptura
divina omnem hominem moneat elemosinis esse peccata redimenda, quia: Sicut aqua extinguit ignem, ita elemosina extinguit
peccatum
[4 Lib. Eccles,
29, 15.]
et
item: Facite elemosinam et munda erunt omnia vobis
[5) LUCAS 11, 41:
Date elemosinam et ecce omnia munda sunt nobis]
;
idcirco ego Liutgardis necessariam esse huius precepti obedicionem omni
christiano, prospiciens tam salubri ammonicioni fidelem obedientie aurem
accomodare disposui et ne inutilis esset et vana cogitacio operibus
adimplere curavi [1]. Tradidi igitur sancto confessori Christi
Maximino, qui in suburbio urbis Treverice requiescit, quoddam mee
proprietatis predium Mambra
[b) In B am Rande von Hand des 14.--15.
Jahrhunderts: Mambren]
nuncupatum ad opus monachorum ibidem Deo servientium in comitatu Mithegovve
[c) BEYER: Nilhegovve; daraus schlussfolgert F. LOT falsch; s. Anm. 3)],
cui Godefridus comes preesse videtur, quod michi ex parentibus meis
Wigerico et Cunegunda hereditario iure accessit, pro remedio
[d) das m aus d von derselben Hand.]
et absolutione eorundem parentum meorum, seniorum
[6) Auf die Bedeutung ist an anderer Stelle einzugehen; s. auch Anm. 1. Den
Irrtum, dem SCHÖTTER, a. a. O., S. 30, verfallen ist, das Wort mit Vorfahren
zu übersetzen, hat von neueren u. a. WITTE, a. a. O., S. 43, hervorgehoben.] quoque meorum Alberti et Everhardi vel filiorum meorum et remissione
peccatorum meorum, cum ecclesia eiusdem ville et omnibus appendiciis suis,
vel quicquid eo locis (!) possessionis habere videbar tam in mancipiis quam
in edificiis, terris cultis et incultis, pratis, pascuis, silvis, aquis
aquarumve decursibus, molendinis, mobilibus scilicet et immobilibus,
exitibus et reditibus, quesitis et adquirendis, ut absque ullius
contradictione iure perpetuo teneant et possideant, ea siquidem conditione,
ut meis utilitatibus quousque vixero, cedat
[e) So weit ich feststellen konnte, ist diese Schreibart von e mit cauda
(hier vollauf überflüssig) das einzige Mal für die S. Maximiner HS.
festzustellen.]
et postea plena et perfecta possessione ad prescriptum cenobium appendeat [2].
Ne vero hec tradicio debilis et infirma esse videretur, vestituram eis de
eadem proprietate concessi: mansum videlicet unum cum ancilla Alphilda et
filiis eius Woppone, Humboldo et Thietgero.
Si
vero post obitum meum eiusdem monasterii abbas vel alia persona eundem locum
in beneficium aut in precariam alicui dare temptaverit, in primis ipse Deo
omnipotenti reus existat et idem predium in ius heredum meorum absque ullo
illorum periculo vel culpa redeat; familia quoque predicti loci eisdem
legibus, quibus ab antiquitate vel sub parentihus meis vel etiam me subiecta
fuerat, utatur nec aliis gravioribus subdi cogatur.
Acta est hec traditio publice Treviris in cenobio sancti Maximini sub die
VI. idus Aprilis anno Dominice incarnationis D CCCC
o
LX
o,
indictione III, regno serenissimi Ottonis XXV, per manum Irimherti
[7) Offenbar ist dieser lrimbertus als Vogt von Sankt Maximin zu verstehen.
Zwei Träger dieses Namens begegnen uns als Zeugen in der Urkunde des
Megingau für Sankt Maximin; s. oben nr. 152 vom Jahre 929.]
sub fideiussorihus, quos vulgo saleburgiones vocamus: Cunrado, Folmaro
[8) AIs saleburqio (über dieses besonders in bayrischen Urkunden
auftretendes Institut s. STOBBE, Zeitschrift für Rechtsgeschichte VII
[1868], s. 405 - 438. Aber auch zu Echternach ist das Institut nachzuweisen;
s. bei C. WAMPACH, Grundherrschaft Echternach, I, 2, nr. 169. Neben dieser
Urkunde weisen noch andere Sankt Maximiner Urkunden darauf hin.) kommt der
eine dieser Namensträger noch vor in der Urkunde des Thiedo für Sankt
Maximin vom Jahre 962 ; s. unten nr. 171. Ich weise auf den bereits
genannten Abteivogt Wolmar hin; s. nr. 156, Anm. 2. der aber kaum mit dem
obigen Folmar saleburqio identifiziert werden kann.],
Wolmaro, astante ipsius loci abbate Wikero
[9)
Über ihn siehe die Vorbesprechungen oben, nr. 166, Anm. 1.]
omnique congregatione monachorum coram eiusdem cenobii advocatis Adalberto
[10)
Ein Vogt Adalbert ist allein in dieser Urkunde nachzuweisen ; ob er in
Verbindung zu bringen ist mit dem Adalbertus, der als scabinus palacii
919 zu Herstal erscheint (BOUQUET, IX, S. 542; BEYER, I, nr. 160, oder aber
ob er identisch ist mit dem Adalbertus testis vom Jahre 959 (BEYER,
a. a. O., I, nr. 204), oder aber oben, m. 166, resp. auch mit dem Adalbertus
der nachfolgenden Urkunde, nr. 173 und dem saleburqio von nr. 171,
oder der andern Stücke bei BEYER, nr. 213 (aus dem Jahre 963) nr. 245 (aus
dem Jahre 975), nr. 255 (aus dem Jahre 981), muss dahingestellt bleiben.]
et Hildrado
[11)
Zu dieser Person s. oben. nr. 166, Anm. 6.]
et testibus subnotatis : Erhardo
[12)
Von den nachfolgenden Namen wird nur Liuthardus noch einmal unten, nr. 171
und Thiedo, oben, nr. 166, Anm. 7 erwähnt. Immerhin sei auf den Schenkgeber
an Sankt Maximin in nr. 171 hingewiesen. Beide dürften identisch sein.],
Bernuino, Alberto, Liuthardo, Thiedone et multis aliis.
Deutsche Übersetzung
nach Henri Koch, Direktor des
Knabenlyzeums Esch-Alzette (1960)
(aus
[Mamer, 1960]):
Im
Namen der Heiligen Dreifaltigkeit: Die heilige Schrift ermahnt alle Menschen
durch Almosen sich von ihren Sünden loszukaufen, denn wie das Wasser das
Feuer löscht, so löscht Almosen die Sünden. Gebet also Almosen und werdet
rein sein.
Ich, Luitgardis, habe erkannt, dass notwendigerweise jeder Christ dieser
Vorschrift folgen muss und habe beschlossen einem so heilsamen Rat ein
treues und geneigtes Ohr zu schenken.
Damit es aber kein unnützer und leerer Gedanke sei, habe ich Sorge getragen
ihn durch Taten zu bekräftigen. Ich habe deshalb dem Bekenner Christi, dem
heiligen Maximin, der in der Vorstadt von Trier ruht, ein Erbgut, Mambra
genannt, aus meinem Besitz übergeben, zum Nutzen der Mönche, die dort Gott
dienen.
Es
ist im Methingau gelegen, dem Graf Gottfried versteht und es kam mir zu von
meinen Eltern Wigerich und Kunigunde durch Erbschaft. Zur Rechtfertigung und
Lossprechung dieser meiner Eltern, meiner Gatten Albert und Eberhard, meiner
Söhne und zum Nachlass meiner eigenen Sünden habe ich das Gut verschenkt,
mit der Kirche des Dorfes und allen Zugehörigkeiten mit allem was mir an
jenem Orte gehörte an Hörigen, Gebäuden, bestellbarem und unbestellbarem
Land, Wiesen, Weiden, Wäldern, Wassern und Wasserläufen, Mühlen, beweglichen
und unbeweglichen Gütern, sowie an Einkünften, die ich erhebe oder noch
erheben darf.
Die
Mönche sollen das alles, ohne Einspruch, auf ewig inne haben und besitzen,
unter der Bedingung, dass ich, solange ich lebe, die Nutznießung habe und es
danach in den Besitz des Klosters gelangt. Damit aber diese Schenkung bis
dahin nicht unbedeutend und wertlos sei, habe ich dem Kloster als Zinsgabe
dieses Besitzes einen Hof mit der Hörigen Alphis und ihren Söhnen Woppo,
Humbold und Thietger abgetreten.
Wenn nach meinem Tode der Abt des Klosters oder eine andere Person versucht,
jenen Ort einem Dritten als Lehen oder Prekarie zu geben, so soll er dafür
vor Gott dem Allmächtigen schuldig sein, und das Gut soll in meiner Erben
Besitz zurückfallen, ohne Gefahr oder Schuld ihrerseits. Die Hörigen des
besagten Ortes sollen denselben Gesetzen unterworfen sein wie seit langem,
zur Zeit meiner Eltern und zu meiner Zeit, nicht etwa strengeren Gesetzen.
Diese Mahnung geschah öffentlich zu Trier, im Kloster des heiligen Maximin,
am 6. Tag vor den Iden des Aprils (8. April) im Jahre 960 nach der
Menschwerdung des Herrn, in der dritten Indiktion, unter der Regierung Ottos
XXV durch die Hand Irimberts, im Beisein von Treuhändern, die man gewöhnlich
Salbürgen nennt, nämlich Konrad, Folmar und Wolmar, im Beisein Wikeros, des
Abtes dieses Klosters Adalbert und Hildradus, sowie der Zeugen Erhard,
Berninus, Albert, Liuthard, Thiedo, zusammen mit vielen anderen.
Noch auf eine
andere grössere Quelle der Geschichte des ersten wie des späteren
Mittelalters ist hier hinzuweien: auf das
Archivium Maximinianum.
Als Autor gilt Abt Alexander Henn von Sankt Maximin. Er hat alle im Archiv
der Abtei befindlichen Urkunden über die Provenienz des abteilichen Besitzes
sammeln, und, wo die Besitztitel fehlten, diese neu aufnehmen lassen. In 15
grossen Folio-Einbänden, die sich heute alle in der Trierer Stadtbibliothek
befinden fasste er sämtliche Besitztitel zusammen. Die Urkundenabschriften
liess er notariell beglaubign. Von den Notaren hält Wampach die Namen
Conrardi und Martini fest.
 |
 |
|
Die notariell
beglaubigte
Übersetzung
von 1693 |
| |
Archivium Maximinianum, VI, S. 120 S
;
daselbst die deutsche Übersetzung
dieser Urkunde,
XV,
S. 35 f.
Abschrift von Pierre Roller, Sandweiler, Januar 2010.
35
Mammeren
Donatio Mammeren Anno 960
In den
namenn der Heiliger ungeschaidener Dreyfaltigkeit diewyle die
Heilligeschrift einen Ieglichen menchen ermanet daß durch almußenn die
sonden
werden verzyhenn dann alß daß Waßer verleschet fure also verdilget
almußenn die sondenn, unnd ain ein anderen Endt .richs die schrift gebst
almußenn Soe wirt alle reinigkeith sinn mit auch, demnach Soe Ich genant
Luitgardiß bedenckenn binn daß .wit ist sulchen geboderen der Heilligen
Schrift
gehorsam zu sinn hirumb uf daß sulche min wille nit yttell oder unfruchtbahr
findenn werde hain Ich den willenn mit denn Werckenn gedacht zu erfullen
unnd
hain dem Heilligen Confehsori Christi Sancto Maximino der do in
der
vorstath by Trier rostet ein nunß eigenthumbß Erbschaft genant Mambern
mit
sampt der Kirchenn daß dorffs mit alle sein zubehoer unnd waß Ich da
hatt
oder haben mocht ain luden Erdenn feldenn gebuwet unnd ungebuwet
Wießenn, Waßer Weiden Waldenn Waßergingen Moelen unnd anderß
beweglich und unbeweglich .ust ußgescheidenn zu guth den Geystlichen bruder^
die
Gott daselbst dienen in der Graffschaft (Muhewe) gelegenn da Graf^
Godtfridt ein Herr ist welche Erbschaft Mambern mir rechtlichen und
Erblichen
von
meinen Alderen Wirich unnd Kunigund an erfallen unnd Ererbt ist
umb
meiner unnd mineß Man Alderen unnd Soon Albert unnd Euerhardt Soole^
Heill
willen zugestalt uffdragen unnd gegeben hain uff daß die genante
Geistliche Herrn dieselbige gutter zu .ewigen Tagen restlichenn sonder ymanß
Wieder.frache habenn haldenn unnd besitzenn mit sulchen underschaidt daß
min
Lebtagh die nutzungh daruw mir zu guth kommenn soll unnd na minem
dodt
von stundt daß Gotteshuiß dieselbige in kraft der gyft an .ast unnd
voothan besitz geniß unnd gebruch unnd uf daß inliche gift nit ver unwerde
geachtet werde So hain Ich daß egenant Gotteshuiß geerft mit einem
36
Mammeren
oobstath, Hob unnd sinenn zubehoer mit sampt
der Hoebfrauwenn Alphilda unnd
Ihren Soenen
Weppone Hunibaldt unnd Direch, unnd abesach were daß hernamalß
ein Apt oder yemanß anderß sulche guether von dem Gotteshuiß verwenden
oder verußeren wurdenn der soll wißenn daß Er Gott den Almechtigen
(danon) pflichtigh sy rechenschaft zuthun, unnd soll alß dan sulch guether
wieder-
rumb sonder ..mantß wiederßfrache ain min Erbenn kommen unnd sullen
die (Lude) daselbst soliches gesetz (Lebenn) alß daß by minen Alderen unnd
mir
gewonlich ist gerecht Solche gift ist geschett zu Trier in Sanct Maximinß
Closter uf den sehesten Dagh genant Idus Aprilis im Iahr Unnßers Herrn
Nuenhondert Sehstzigh in der daitten indiction by Ziten deß …Konigh
Otten funff unnd zwantzigh in byweßen Conradt Holmar Wolram unnd unß
Aptß zu Sanct Maximin genant Wicker mit Sampt allen den Monchen
Unnd den Veden Albert unnd Hilboldt unnd anderen gezugen Erbardt Berten
Albert Luithardt deile unnd viell anderen
Cottasioata et transumpta est ha. prosens copia per me Henricu^
Pergener Notarium publicum ex ver. originali et aureo libro
Monastery sancti Maximini et concordat per omnia in omnibus cum
Originali nit mutato de Facti Substantia in ..ius rei Fidem
me manicatiter Sabscrepsi p Henricus Pergener m.^
Pro copia per..
tusti Instrumenti in pergamino
Conrardi
Nots (N)artim nots
1693 1693
Luitgardis, geboren um 910(?), war die Tochter des
Pfalzgrafen Wigerich auch Widericus, Windericus, Widiacus
von Lothringen, Graf im
Bidgau (* um 870; † vor 922), und der Kunigunde von
Hennegau (* 890/895), einer Enkelin des Karolingerkaisers
Ludwigs des Stammlers.
Luitgardis war auch die
Schwester von Graf Siegfried von Luxemburg. Ihr Todestag ist nicht bekannt.
Ihr im Methingau gelegenes Eigengut Mamer, das ihr von
ihren Eltern Wigerich und Kunigunde hereditario iure zugefallen war,
überließ sie der Abtei
Sankt Maximin
in Trier - für das Seelenheil ihrer
genannten Eltern und ihrer Gemahle Adalbert und Eberhard sowie ihrer Söhne
wie auch für die Tilgung der eigenen Sündenschulden. Ob ihr das Erbgut von
Mamer schon zu den Lebzeiten ihrer Eltern vermacht wurde oder
erst bei ihrem Tod ist nicht bekannt.
Die
Schenkung erfolgte zu einer Zeit, als die Kirche das Ihrige tat, den
Schenkungswillen anzustacheln durch die Schilderung der Höllenqualen derer,
die keine Vorsorge für ihr Seelenheil getroffen hatten.
Sie war verheiratet mit Adalbert, Graf von Metz (†
944?) (L.
Vanderkindere, La formation territoriale des principautés belges
1902, 2, 350)
sowie mit Eberhard, Graf des elsässischen Nordgaus.
Von den beiden Ehemännern von Luitgardis ist außer dem Namen wenig bekannt
(vgl. Eduard Hlawitschka, Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen und
des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert, Saarbrücken, 1969, SS.
74,107,109,123-125,130).
Nach
[Bertholet, Band II, S. 547]
war sie schon Witwe, als sie die Schenkung
veranlasste: "Le second fut un legs du Village de Mammeren, près de
Luxembourg, que la veuve Liutgarde fit à S. Maximin, avec toutes ses
appartenances, meubles & immeubles, tant pour le repos de son ame, que pour
celui de ses fils & parens."
Im Dokument werden ihre
Ehegatten mit "seniores" bezeichnet. Senior heisst Herr und nicht
Vorfahr so wie bei Schötter, denn in jener Zeit war der Ehegatte der Herr
seiner Frau. Auch Görz erklärt Seniores als Vorfahren.
Leider überliefert sie in der Schenkungsurkunde nicht die die Namen ihrer
Söhne, obschon sie ihre Ehegatten mit Namen nennt sowie die Namen der
Bewohner eines ihrer Höfe und die saleburgiones, die Salmänner,
Mittels- und Gewährsleute, die bei der rechtliche Übergabe des Erbgutes
zugegen waren.
Die
eindeutigste Bedeutung der Salmänner leitet sich von saellen =
übergeben (engl.: to sell) ab. Salmänner sind alle, durch
deren Hände anderen Personen etwas ausgehändigt wird. Als Salmänner
erscheinen meist einflussreiche Männer, die in der Lage sind, dem Willen des
Erblassers Nachachtung zu verschaffen, mit den heutigen Notaren zu
vergleichen.
Etwa im 7. Jahrhundert teilten die Franken ihr Reich
in Gaue ein. Der Gau war die Bezeichnung für einen landschaftlich
geschlossenen Siedlungsraum und diente als allgemeine Bezeichnung von
Regionen als Landschaft oder Verwaltungseinheit. Auch die lateinische
Bezeichnung pagus, die spätestens mit der Spätantike zu einem festen
Bestandteil der römischen Regionalverwaltung geworden ist, wird traditionell
mit „Gau“ wiedergegeben. Es ist jedoch Vorsicht angeboten, die römischen pagi mit den fränkischen Gauen gleichzustellen, da erstere einen
politischen und letztere einen geografischen Raum bezeichnen (RIETSCHEL,
S.: Gau, in: HOOPS, J., Reallexikon der germanischen Altertumskunde 2,
1913/15, S. 124-126.).
Der Methingau, "in comitatu Mithegovve" war ein
fränkischer Gau in der südlichen Hälfte Luxemburgs, welcher 959/960 von
Gottfried dem Gefangenen (* 935/940; † 3./4. April nach 995) verwaltet wurde
(http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_der_Gefangene).
Er war Teil des Wavergaus im Herzogtum Oberlothringen und umfasste die
trierischen Landkapitel Mersch und Luxemburg sowie einen Teil des Dekanats
Remich. Nch Norden hin wurde er begrenzt vom Kölner Ardennergau, westlich
vom Arelgau, südlich und östlich vom Bedagau
[Beyer, 1865, Bd. II, S. XXIX].


Die mittelalterlichen Gaue um das Jahr 1000
(Heiliges Römisches Reich um 1000
aus: Allgemeiner historischer Handatlas,
Gustav Droysen, 1886)
Ein bis heute umstrittener Aspekt blieb vor allem das
Verhältnis der Gaue zu den Grafschaften. Während S. Rietschel noch jede
Verbindung abstritt, vermuteten W. Niemeyer
(NIEMEYER, W.,
Der Pagus des frühen Mittelalters in Hessen (Schr.
30), 1968)
und H. K. Schulze
(SCHULZE, H. K.:
Gau, in: HRG l, 1971, Sp. 1392-1403),
dass der Gau in der Regel die Grundlage der Grafschaft bildete. Auf einen
gewissen Zusammenhang deutet auch die Ergänzung der "in pago" seit
dem 9. Jh. durch den Zusatz "in comitatu" hin (Quelle:
Die Gaue vor und nach 900 (Uni-Marburg) von Fritz
Backhaus Lfg. 2, 1961 - M. l =900000
Kartenentwurf: Hildegard John).
Von großem Interesse ist ebenfalls die Erwähnung von
Mühlen sowie einer Kirche in Mamer. Es geht allerdings nicht daraus hervor,
dass schon gegen Mitte des 10 Jh. eine selbstständige Pfarrei bestand,
welche damit Mamer als eine der ältesten Pfarreien qualifiziert. Es scheint
sich eher um eine
Eigenkirche
der Ardennergrafen gehandelt zu haben.
Luitgardis behält sich die Nutznießung ihre Mamer Besitztümer bis zu ihrem
Tode aus; damit Sankt Maximin jedoch bis dahin nicht leer ausgeht, bekommt
die Abtei einen der Höfe, mansum, als Zinsgabe, von dem dann
wahrscheinlich an einem festgelegten Tag im Jahr Zinsen in Form von Geld
und/oder Naturalien an die Abtei abgeführt wurden. Über die Höhe und die
Form dieser Zinsabgabe ist jedoch nichts bekannt.
Ein mansum ist, nach Beyer, [Beyer,
1865, Bd. II, S. XCVIII ff.],
ein geschlossener unteilbarer Güterkomplex von so viel Land, Acker, Bungert,
Wiese, Busch, als zur Unterhaltung einer bäuerlichen Familie mit einem
Gespann Vieh nötig war. Dieselben hatten daher wohl eine nach der
Fruchtbarkeit des Bodens bemessene Größe von 30 bis 160 Morgen. Das
Flächenmaß
Morgen
bezieht sich auf die Fläche, welche ein
Mann an einem Morgen mit einem Joch Ochsen ackern kann. Die Größe eines
Morgen Landes war gleichfalls verschieden und schwankte in seinem
Flächeninhalt zwischen 150 bis 270
Quadratruten
preußischen Maßes.
Luitgardis gebraucht den Namen mancipia (an
der Hand zu Führende) zur Qualifikation ihrer Untertanen. Wurde mit dem
Wort mancipia zur römischen Zeit noch die Sklaven bezeichnet, so
handelt es sich hier um
Leibeigene,
welche ihrem Herrn so unterworfen
sind, dass dieser als Eigentümer des Leibeigenen erscheint und über ihn
alle Rechte eines Eigentümers auszuüben befugt ist, ganz nach seiner Willkür
Dienste und Leistungen von ihm verlangen kann und ihn verkaufen oder
verschenken kann, so wie das auch in Mamer geschehen ist. Andrerseits wird
der Name
familia
gebraucht, um den von einem Herrn
abhängigen und unter dessen Schutz stehenden Personenkreis zu bezeichnen.
[Werner Rösener,
Agrarwirtschaft, Agrarverfassung und ländliche
Gesellschaft im Mittelalter, Oldenburg, 1992, Bd 13, S. 15]
"Die familia vereinigte in sich Personen mit
unterschiedlichem rechtlichem undwirtschaftlichem Status; zu ihrem Kreis
gehörten dabei sowohl unfreie und halbfreie Personengruppen als auch freie
Hintersassen, die allein den leiherechtlichen Bestimmungen des Hofrechts
unterworfen waren." Es besteht also eine gewisse Unsicherheit über den
genauen Status der Mamer Einwohner.
Der schon erwähnte Zinshof war bewohnt von Alphilda
mit ihren Söhnen, die namentlich aufgeführt sind "cum ancilla Alphilda et
filiis eius Woppone, Humboldo et Thietgero". Die Übersetzung des Wortes
"ancilla" lässt einen ziemlich großen Raum für Interpretationen zu,
die von Sklavin, von Magd, die Hausarbeiten verrichte, von Dienerin bis Zofe
reicht
[J.M. Stowasser, M. Petschening und F. Skutsch, Lateinisch - deutsches
Schulwörterbuch, 1998; Karl Ernst Georges, Ausführliches
lateinisch-deutsches Handwörterbuch (unveränderter Nachdruck der 8.
Aufl. 1913)].
Nach
[Funck, 1994, S. 727]
ist ancilla ein äußerst selten gebrauchtes Wort in den Urkunden von
697 bis 1260; es kommt außer in der Urkunde von Mamer nur noch in einer
Urkunde des Jahres 1000 vor
[Wampach, 1935, Band 1, Nr. 213, SS. 302-303]:

[Funck, 1994, S. 727]
über Alphilda und ihre Söhne: "… on ne précise pas
leur condition et rien ne dit si l'on doit les compter parmi les
mancipiis installés sur le predium (Gut), objet de la donation ou
si, au contraire, on oppose les uns aux autres. L'usage des chancelleries à
l'égard des servi fait plutôt pencher pour la deuxième branche de
l'alternative. Leur inclusion dans la donation permet de conclure que tant
la mère tant les fils sont liés à la terre et donc de condition servile.
Leur statut n'est cependant pas celui des mancipia. L'une été
l'autre, devenus familia garderont les lois auxquelles ils sont
soumis ab antiquitate qui ne pourront être aggravées."
War aber Alphilda vielleicht nicht nur eine einfache
Hörige, sondern im engeren Kontaktbereich der
Luitgardis zu finden? Vielleicht genoss sie dadurch eine privilegierte
Situation. Ging ihr persönliches Verhältnis zu Luitgardis so weit, dass sie
zu einer Freigelassenen wurde? Wurden aus ihren Söhnen die Herren von Mamer?
Fragen, auf die wohl nie Antworten gefunden werden können.
Etwas lockerer sah Funck die oben zitierte "condition
servile" in
[Funck,
1990, S. 408 ff.]
"Certains
de ces humbles sortis du rang réussirent même à acquérir quelques propriétés"
sowie bei seinem auf S. 409 angeführtem Beispiel über Mamer "Mais la
promotion sociale peut aller au-delà de l'acquisition de biens réels et
s'étendre à des droits personnels".
Überhaupt scheint Luitgardis das Schicksal der Hörigen
ihres Gutes nicht egal gewesen zu sein, da sie nicht will, dass der Ort
einem Dritten als
Lehen
oder
Prekarie
gegeben werden soll. Auch sollten die
Hörigen keinen strengeren Gesetzen unterworden werden als denen, welchen sie
zum Zeitpunkt der Schenkung bereits unterworfen waren.
Zur Datierung des Dokuments (8. April 960):
"sub die VI. idus Aprilis anno Dominice incarnationis D CCCC
o
LX o, indictione III, regno serenissimi Ottonis XXV
" - am 6. Tag vor den Iden des Aprils (8. April)
im Jahre 960 nach der Menschwerdung des Herrn, in der dritten Indiktion,
unter der Regierung Ottos XXV.
sub die VI. idus Aprilis anno Dominice incarnationis D CCCC
o
LX
o
Der römische Kalender
diente nicht nur in der
Antike, sondern auch im Mittelalter und teilweise bis in die Neuzeit zur
Bezeichnung der Tage innerhalb des Monats. In der von Julius Cäsar
regulierten Form gibt es drei Tage innerhalb des Monats, die einen
besonderen Namen haben, und zwar:
-
die Kalenden: der Monatserste;
-
die Iden: die Monatsmitte. Sie liegen im März, Mai, Juli und Oktober
am 15., sonst am 13.;
-
die Nonen: neun Tage vor den Iden, also im März, Mai, Juli und
Oktober am 7., sonst am 5.
Die übrigen Tage des Monats werden auf diese Termine bezogen, und zwar
rückwärts. Man gibt an, am wievielten Tag vor den Kalenden, Iden oder
Nonen man sich befindet. Dabei gilt Inklusivrechnung, d.h. der erste und
letzte Tag wird mitgezählt.
In unserem Beispiel entspräche diese Rechnung also
13. April – 6 Tage = 8. April. Die
römische Zahl
DCCLX steht für das Jahr 960.
Übrigens war der 8. April 960 ein Sonntag.
Die Indiktion ist die Zählung der Jahre nach ihrer Stellung innerhalb
eines 15jährigen Zyklus, der ursprünglich von der spätrömischen
Steuerverwaltung herkommt (daher auch auf Deutsch: "Römerzinszahl").
Die Zählung startet fiktiv im Jahre 3 v. Chr., tatsächlich erst im 3.
Jahrhundert. Man gibt aber nicht die Zahl der abgelaufenen Zyklen an
(wie bei den Olympiaden), sondern nur die Stellung des Jahres innerhalb
des Zyklus. In der 3. Indiktion bedeutet im 3. Jahr eines (beliebigen)
Indiktionszyklus.
Berechnung: (Jahr + 3) / 15; der Divisonsrest ist die Indiktion (Rest 0
= 15. Indiktion).
= (960+3)/15 = 963/15 = 64, Rest 3.
"regno serenissimi Ottonis XXV":
hier handelt es sich um das 25. Regierungsjahr von
Otto I, dem Großen, (912–973), ostfränkischer
König seit 936 und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs seit 962. Wenn
man das Jahr seiner Thronbesteigung (936) mitzählt, so ergibt 936+25 das
Jahr 960.