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Bedroht Lyzeum römischen Vicus?
»Lycée? Jo! Am Tossebierg? Nee!«, so
lautet in einem Satz die Forderung der »Georges Kayser Altertumsforscher«,
welche sich, unterstützt von fünf weiteren Vereinen, die im historischen Bereich
aktiv sind, gegen den Bau eines Lyzeums in unmittelbarer Nähe eines römischen
Vicus in der Gemeinde Mamer aussprechen. »Es muss befürchtet werden«, so Jacques
Bonifas in Vertretung von Präsident Louis Kayser, »dass wichtige archäologische
Strukturen im direkten Umfeld des Vicus überbaut werden und der Wissenschaft für
immer verlorengehen«
Lycée? Jo! Am Tossebierg? Nee!
Altertumsforscher sehen
römischen Vicus durch Bau eines Lyzeums bedroht
»Lycée? Jo! Am Tossebierg? Nee! «, so
lautet in einem Satz die Forderung der »Georges Kayser Altertumsforscher",
welche sich, unterstützt von fünf weiteren Vereinen, die im historischen Bereich
aktiv sind, gegen den Bau eines Lyzeums in unmittelbarer Nähe eines römischen
Vicus in der Gemeinde Mamer aussprechen. »Es muss befürchtet werden", so Jacques
Bonifas vorgestern während einer Pressekonferenz in Vertretung des Präsidenten
der "Georges Kayser Altertumsforscher" Louis Kayser, "dass wichtige
archäologische Strukturen im direkten Umfeld des Vicus überbaut werden und der
Wissenschaft für immer verlorengehen«. Um seine Aussage zu untermauern,
erläuterte Jacques Bonifas im Detail die während der letzten 20 Jahre am Fuß des
»Tossebierg« gemachten Funde, wovon größere Gräberfelder, eine Villa in Richtung
Bartringen, die einem gutsituierten Römer hört haben soll, und die Mamer
Thermen wohl die bekanntesten sind.
Kern des Vicus wird zerstört
Die Gefahr besteht, dass die zum Bau
des Lyzeums notwendigen Infrastrukturarbeiten den Kern des Vicus anschneiden.
Wenngleich auch das Bautenministerium - auf einen Leserbrief hin, den die
Altertumsforscher mitten in der Sommerpause, als das Regierungsprojekt bekannt
wurde, in aller Eile formulierten - sich mit sogenannten Probegrabungen
herausredete, so sind diese Untersuchungen vom wissenschaftlichen Standpunkt her
gesehen völlig ineffizient. Aussagen eines Vertreters der Vereinigung der
Luxemburger Geschichtslehrer zufolge muss davon ausgegangen werden, dass sich im
Laufe der Jahrhunderte auch die Erosion eine ca. drei Meter dicke Bodenschicht
über die römischen Anlagen gelegt hat. Mit einem Gerät, das elektromagnetische
Wellen aussendet, könnten archäologische Objekte untereiner solch dicker
Bodenschicht überhaupt nicht erkannt werden. Eine einigermaßen seriöse
durchgeführte Grabung dauert - falls genügend Geld und erfahrenes Personal
vorhanden sind - wenigstens drei Jahre. Angesichts der Tatsache, dass das Lyzeum
jeoch in wenigen Jahren eröffnet werden soll, wird dazu kaum die notwendige
Zeit vorhanden sein.
Historisch wertvolle Stätte.
Wie bedeutungsvoll der Mamer Vicus für
unser Land im allgemeinen und für die Geschichtsforschung im Besonderen ist,
erläuterte Jos Thiel im Detail. 1973 wurden Mitarbeiter des Museums zum ersten
Mal aufmerksam auf den Mamer Vicus, als ein Bulldozer im Rahmen der Arbeiten zur
Verlegung der Straße Teile des Gemäuers bereits zerstört hatte. In Zwichen 1974
und 1975wurden wenige hundert Meter von besagtem Ort entfernt römische Thermen
freigelegt. Zahlreiche Grabreste wurden jedoch in den 70er Jahren zerstört. Die
wenigen, noch erhaltenen Grabmonumente zählen neben den Funden in Lellig,
Dahlheim und Grevenmacher zu den wichtigsten unseres Landes. All diese Funden
lassen die Schlussfolgerung zu, dass der Mamer Vicus außerordentlich groß war.
In der direkten Umgebung der Thermen soll sogar ein Tempel gestanden haben. Die
meisten Funde stammen aus der Zeit um 79 nach Christus. In einer
wissenschaft1icher Publikation wird die Größe des Mamer Vicus mit ungefähr 12 ha
geschätzt; aufgrund der Anordnung der Gebäude sowie der Lage und Belegungsdichte
der Gräberfelder schließt man auf eine verhältnismäßig große Bedeutung der
Siedlung, die über ein einfaches Einstraßendorf hinausgehe.
Kulturerbe soll an Ort und Stelle
renoviert werden
Ellen Heinmann, ebenfalls
Vorstandsmitglied der »Georges Kayser Altertumsforscher", nannte einige
rechtliche Argumente, die sich gegen den Bau des Lyzeums am Fuß des "Tossebierg«
wenden würden. Unter anderem habe die WeItkulturorganisation UNESCO eine
Empfehlung für die Bewahrung von archäologischem Erbe an Ort und Stelle
ausgesprochen (d.h. kein Abriss von Gemäuern und deren Wiederaufbau in einem
Museum). Der Europarat seinerseits habe die Schaffung von sogenannten
Schutzzonen für archäologisches Gut empfohlen, die es den zukünftigen
Generationen ermöglichen würden, mit modernem Gerät wissenschaftliche
Untersuchungen durchzuführen. Schließlich soll einer EURichtlinie zufolge nicht
nur die Umwelt sondern auch das kulturelle Erbe, was Teil der Umwelt sei,
geschützt werden. Als Alternative schlagen die Altertumsforscher den Bau des
Lyzeums auf einem Grundstück zwischen Mamer und Capellen vor, welches aus
verkehrstechnischer Sicht viel günstiger liege.
Der Ball liegt
jetzt beim Bautenminister und bei den Mamer Gemeindebehörden, die ihr Projekt
hoffentlich überdenken werden. Doch - so lautet zumindest ein indischer Spruch
"Wer das Gestern nicht sehen will, kann das Heute nicht erkennen". Ob das wohl
auch für gewisse Politiker gilt?
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