Nr. 51/187


 

Bedroht Lyzeum römischen Vicus?

 

»Lycée? Jo! Am Tossebierg? Nee!«, so lautet in einem Satz die Forderung der »Georges Kay­ser Altertumsforscher«, welche sich, unterstützt von fünf weiteren Vereinen, die im historischen Bereich aktiv sind, gegen den Bau eines Lyzeums in unmittelbarer Nähe eines römischen Vicus in der Gemeinde Mamer aussprechen. »Es muss befürchtet werden«, so Jacques Bonifas in Vertretung von Präsident Louis Kayser, »dass wichtige archäologische Strukturen im direkten Umfeld des Vicus überbaut werden und der Wissenschaft für immer verlorengehen«

 

Lycée? Jo! Am Tossebierg? Nee!
Altertumsforscher sehen römischen Vicus durch Bau eines Lyzeums bedroht

»Lycée? Jo! Am Tossebierg? Nee! «, so lautet in einem Satz die Forderung der »Georges Kayser Altertumsforscher", welche sich, unterstützt von fünf weiteren Vereinen, die im historischen Bereich aktiv sind, gegen den Bau eines Lyzeums in unmittelbarer Nähe eines römischen Vicus in der Gemeinde Mamer aussprechen. »Es muss befürchtet werden", so Jacques Bonifas vorgestern während einer Pressekonferenz in Vertretung des Präsidenten der "Georges Kayser Altertumsforscher" Louis Kayser, "dass wichtige archäologische Strukturen im direkten Umfeld des Vicus überbaut werden und der Wis­senschaft für immer verlorengehen«. Um seine Aussage zu untermauern, erläuterte Jacques Bonifas im Detail die während der letzten 20 Jahre am Fuß des »Tossebierg« gemachten Funde, wovon größere Gräberfelder, eine Villa in Richtung Bartringen, die einem gutsituierten Römer hört haben soll, und die Ma­mer Thermen wohl die bekanntesten sind.

 

Kern des Vicus wird zerstört

Die Gefahr besteht, dass die zum Bau des Lyzeums notwendigen Infrastrukturarbeiten den Kern des Vicus anschneiden. Wenngleich auch das Bautenministerium - auf einen Leserbrief hin, den die Altertumsforscher mitten in der Sommerpause, als das Regierungsprojekt bekannt wurde, in aller Eile formulierten - sich mit sogenannten Probegrabungen herausredete, so sind diese Untersuchungen vom wissenschaftlichen Standpunkt her gesehen völlig ineffizient. Aussagen eines Vertreters der Vereinigung der Luxemburger Geschichtslehrer zufolge muss davon ausgegangen werden, dass sich im Laufe der Jahrhunderte auch die Erosion eine ca. drei Meter dicke Bodenschicht über die römischen Anlagen gelegt hat. Mit einem Gerät, das elektromagnetische Wellen aussendet, könnten archäologische Objekte untereiner solch dicker Bodenschicht überhaupt nicht erkannt werden. Eine einigermaßen seriöse durchgeführte Grabung dauert - falls genügend Geld und erfahrenes Personal vorhanden sind - wenigstens drei Jahre. Angesichts der Tatsache, dass das Lyzeum je­och in wenigen Jahren eröffnet werden soll, wird dazu kaum die notwendige Zeit vorhanden sein.

 

Historisch wertvolle Stätte.

Wie bedeutungsvoll der Mamer Vicus für unser Land im all­gemeinen und für die Geschichtsforschung im Besonderen ist, erläuterte Jos Thiel im Detail. 1973 wurden Mitarbeiter des Museums zum ersten Mal aufmerksam auf den Mamer Vicus, als ein Bulldozer im Rahmen der Arbeiten zur Verlegung der Straße Teile des Gemäuers bereits zerstört hatte. In Zwi­chen 1974 und 1975wurden wenige hundert Meter von besagtem Ort entfernt römische Thermen freigelegt. Zahlreiche Grabreste wurden jedoch in den 70er Jahren zerstört. Die wenigen, noch erhaltenen Grabmonumente zählen neben den Funden in Lellig, Dahlheim und Grevenmacher zu den wichtigsten unseres Landes. All diese Funden lassen die Schlussfolgerung zu, dass der Mamer Vicus außerordentlich groß war. In der direkten Umgebung der Thermen soll sogar ein Tempel gestanden haben. Die meisten Funde stammen aus der Zeit um 79 nach Christus. In einer wissenschaft1icher Publikation wird die Größe des Mamer Vicus mit ungefähr 12 ha geschätzt; aufgrund der Anordnung der Gebäude sowie der Lage und Belegungsdichte der Gräberfelder schließt man auf eine verhältnismäßig große Bedeutung der Siedlung, die über ein einfaches Einstraßendorf hinausgehe.

 

Kulturerbe soll an Ort und Stelle renoviert werden

Ellen Heinmann, ebenfalls Vorstandsmitglied der »Georges Kayser Altertumsforscher", nannte einige rechtliche Argumente, die sich gegen den Bau des Lyzeums am Fuß des "Tossebierg« wenden würden. Unter anderem habe die WeItkulturorganisation UNESCO eine Empfehlung für die Bewahrung von archäologischem Erbe an Ort und Stelle ausgesprochen (d.h. kein Abriss von Gemäuern und deren Wiederaufbau in einem Museum). Der Europarat seinerseits habe die Schaffung von sogenannten Schutzzonen für archäologisches Gut empfohlen, die es den zukünftigen Generationen ermöglichen würden, mit modernem Gerät wissenschaft­liche Untersuchungen durchzuführen. Schließlich soll einer EU­Richtlinie zufolge nicht nur die Umwelt sondern auch das kulturelle Erbe, was Teil der Umwelt sei, geschützt werden. Als Alternative schlagen die Altertumsforscher den Bau des Lyzeums auf einem Grundstück zwischen Mamer und Capellen vor, welches aus verkehrstechnischer Sicht viel günstiger liege.

 

Der Ball liegt jetzt beim Bautenminister und bei den Mamer Gemeindebehörden, die ihr Projekt hoffentlich überdenken werden. Doch - so lautet zumindest ein indischer Spruch ­"Wer das Gestern nicht sehen will, kann das Heute nicht erkennen". Ob das wohl auch für gewisse Politiker gilt?