5. Oktober 1996


 "Georges Kayser Altertumsfuerscher"- Nospelt setzen sich zur Wehr:

Protest gegen Lyzeumsbau am Tossenberg
Warum kein "Campus Haebicht"?

 ck. - Die engagierten Altertumsforscher aus Nospelt, die sich den Namen des früheren Pfarrers und Hobbyarchäologen zugelegt haben, hatten am vergangenen Donnerstag zu einer Informationsversammlung in das einheimische Kulturzentrum geladen, um ihren Protest gegen den geplanten Bau eines sechsten Lyzeums im Zentrum mit Argumenten zu untermauern.

 

Man sei prinzipiell nicht gegen den Bau eines Lyzeums im Westen des Landes, meinte Jacques Bonifas in seiner Einführung ins Thema. Nur weiß man aber spätestens seit 1973, als bei Straßenarbeiten (damals wurde ein Drittel des Vicus zerstört) skandalöserweise eine Fläche von 200 x 80 Metern Maueranlagen aus der Römerzeit abgeräumt worden war, dass unterhalb des Tossenberges eine bedeutende römische Siedlung liegt, von denen im Luxemburger Land bis heute nur 5 gefunden wurden.

 

Wenn das geplante Lyzeum auch nicht direkt in den Kern des Vicus gebaut werden soll, so ist dennoch zu befürchten, dass es berührt wird und einzelne Überreste von römischen Grabstätten, Villen, Tempel oder Theateranlagen durch die erforderlichen Infrastrukturarbeiten doch überbaut würden. Auch mögliche Erweiterungspläne, die bei solchen Schulkomplexen ja zur Tagesordnung gehören, könnten die archäologischen Arbeiten in Zu­kunft erschweren, ja sogar unmöglich machen.

 

Wie man aus Erfahrung mit dieser Methode im Dalheimer Vicus nun weiß, sind auch elektromagnetische Voruntersuchungen keine Garantie, dass sich keine wichtigen Zeugen unter der Erde befinden, meinte ein anwesender Vertreter der Luxemburger Geschichtsprofessoren, die sich gemeinsam mit der Société des Antiquités Nationales, den Geschichtsfreunden aus Hesperingen und Differdingen sowie den "Frënn vun der Festungsgeschicht Lëtzebuerg" spontan den "Georges Kayser Altertumsforscher" angeschlossen haben.

 

Jos Thiel ging auf die archäologische Bedeutung der Funde ein, die mit der Entdeckung der Thermen im ominösen Jahr 1973 aufgewertet wurden. Er stellte die Hypothese auf, es deute alles darauf hin, dass die römische Ortschaft im voraus geplant war. Auch der gemeinsame Mythenkult von Kybele und Apollo, den man bisher lediglich in einem Vicus in Bayern beobachtete, stellte eine archäologische Herausforderung dar, die man sich nicht verbauen sollte.

 

Ellen Heinemann ging auf die internationale Bestimmungen im Bereich der Archäologie ein, die zwar von Luxemburg unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert wurden, in denen das kulturelle Erbe aber in etwa den gleichen Stellenwert einnimmt wie die Bewahrung der natürlichen Umwelt. Anlagen wie die am Tossenberg sollten eindeutig in situ erhalten werden.

 

Abschließend ging Jacques Bonifas auf die Argumente seiner Vereinigung ein, die aus geographischer Sicht gegen das Projekt sprechen. So ist ein Lyzeum im östlichsten Teil des westlichen Einzugsgebiets der Hauptstadt mit ihrem üppigen Angebot an schulischen Infra­strukturen wohl wenig sinnvoll. Aus diesen - für uns durchaus einsichtigen - Gründen wäre für die Nospelter Altertumsfor­scher ein Standort zwischen Mamer und Capellen weitaus günstiger.

 

Ohne vorher aber noch unsere Verwunderung darüber zu bekunden, dass kein Vertreter des staatlichen Museums den Weg zu dieser Informationsveranstaltung gefunden hatte, plädieren wir - auf eigene Verantwortung - für den Standort Haebicht.