|
"Georges Kayser
Altertumsfuerscher"- Nospelt setzen sich zur Wehr:
Protest
gegen Lyzeumsbau am Tossenberg
Warum kein "Campus Haebicht"?
ck. - Die engagierten
Altertumsforscher aus Nospelt, die sich den Namen des früheren Pfarrers und
Hobbyarchäologen zugelegt haben, hatten am vergangenen Donnerstag zu einer
Informationsversammlung in das einheimische Kulturzentrum geladen, um ihren
Protest gegen den geplanten Bau eines sechsten Lyzeums im Zentrum mit Argumenten
zu untermauern.
Man sei prinzipiell nicht gegen den
Bau eines Lyzeums im Westen des Landes, meinte Jacques Bonifas in seiner
Einführung ins Thema. Nur weiß man aber spätestens seit 1973, als bei
Straßenarbeiten (damals wurde ein Drittel des Vicus zerstört) skandalöserweise
eine Fläche von 200 x 80 Metern Maueranlagen aus der Römerzeit abgeräumt worden
war, dass unterhalb des Tossenberges eine bedeutende römische Siedlung liegt,
von denen im Luxemburger Land bis heute nur 5 gefunden wurden.
Wenn das geplante Lyzeum auch nicht
direkt in den Kern des Vicus gebaut werden soll, so ist dennoch zu befürchten,
dass es berührt wird und einzelne Überreste von römischen Grabstätten, Villen,
Tempel oder Theateranlagen durch die erforderlichen Infrastrukturarbeiten doch
überbaut würden. Auch mögliche Erweiterungspläne, die bei solchen Schulkomplexen
ja zur Tagesordnung gehören, könnten die archäologischen Arbeiten in Zukunft
erschweren, ja sogar unmöglich machen.
Wie man aus Erfahrung mit dieser
Methode im Dalheimer Vicus nun weiß, sind auch elektromagnetische
Voruntersuchungen keine Garantie, dass sich keine wichtigen Zeugen unter der
Erde befinden, meinte ein anwesender Vertreter der Luxemburger
Geschichtsprofessoren, die sich gemeinsam mit der Société des Antiquités
Nationales, den Geschichtsfreunden aus Hesperingen und Differdingen sowie den
"Frënn vun der Festungsgeschicht Lëtzebuerg" spontan den "Georges Kayser
Altertumsforscher" angeschlossen haben.
Jos Thiel ging auf die archäologische
Bedeutung der Funde ein, die mit der Entdeckung der Thermen im ominösen Jahr
1973 aufgewertet wurden. Er stellte die Hypothese auf, es deute alles darauf
hin, dass die römische Ortschaft im voraus geplant war. Auch der gemeinsame
Mythenkult von Kybele und Apollo, den man bisher lediglich in einem Vicus in
Bayern beobachtete, stellte eine archäologische Herausforderung dar, die man
sich nicht verbauen sollte.
Ellen Heinemann ging auf die
internationale Bestimmungen im Bereich der Archäologie ein, die zwar von
Luxemburg unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert wurden, in denen das
kulturelle Erbe aber in etwa den gleichen Stellenwert einnimmt wie die Bewahrung
der natürlichen Umwelt. Anlagen wie die am Tossenberg sollten eindeutig in situ
erhalten werden.
Abschließend ging Jacques Bonifas auf
die Argumente seiner Vereinigung ein, die aus geographischer Sicht gegen das
Projekt sprechen. So ist ein Lyzeum im östlichsten Teil des westlichen
Einzugsgebiets der Hauptstadt mit ihrem üppigen Angebot an schulischen
Infrastrukturen wohl wenig sinnvoll. Aus diesen - für uns durchaus einsichtigen
- Gründen wäre für die Nospelter Altertumsforscher ein Standort zwischen Mamer
und Capellen weitaus günstiger.
Ohne vorher aber
noch unsere Verwunderung darüber zu bekunden, dass kein Vertreter des
staatlichen Museums den Weg zu dieser Informationsveranstaltung gefunden hatte,
plädieren wir - auf eigene Verantwortung - für den Standort Haebicht.
|