5. Oktober 1996


„Lycée? Jo! Um Tossebierg? Nee!“

"D'Georges Kayser Altertumsforscher" sind gegen den Bau eines Lyzeums auf dem "Tossebierg" in Mamer

 

"Mir sin nëtt geint e Lycée, mee mir si géint e Lycée um Mamer Tos­sebierg" hieß es vorgestern von den "Georges Kayser Altertumsforscher", die sich während einer Pressekonferenz vehement gegen den Bau des geplanten Gymnasiums auf dem archäologisch wertvollen „Tossebierg“ wehrten.

 

Ihren Aussagen zufolge gefährdet der für das Lyzeum ausgewählte Bauplatz ein archäologisches Areal von großer Bedeutung; die Überreste eines gallo-römischen Vicus, der vom ersten bis zum vierten Jahrhundert bewohnt war, soll hier unter dem Boden liegen.

 

Auch wenn das Lyzeum nicht direkt in den Vicus hineingebaut würde, so müsse doch damit gerechnet werden, dass wichtige archäologische Strukturen im Umfeld überbaut würden, meinen die Nospelter Hobbyarchäologen. "Da in Richtung Bartringen eine Villa und ein größeres Gräberfeld bekannt sind, muss davon ausgegangen werden, dass in Richtung der vorgesehenen Baustelle Ähnliches verborgen liegt und die notwendigen Infrastrukturarbeiten am Lyzeum auch den Kern des Vicus treffen werden", so Jacques Bonifas von den Altertumsforschern.

 

Ein Schritt in Richtung Zerstörung

Sogar wenn Voruntersuchungen durchgeführt und keine Spuren von antiken Überresten gefunden würden, wäre dies keine Garantie dafür, dass nicht dennoch wichtige Zeugen der Vergangenheit unter der Erde verborgen lägen, meinte auch Michel Polfer, Präsident der Vereinigung der Luxemburger Geschichtsprofessoren, die sich zusammen mit vier anderen Geschichtsvereinen den "Georges Kayser Altertumsforscher" angeschlossen haben, um gegen den geplanten Standort Einspruch zu er­heben. Das "Anknabbern" eines archäologischen Standortes sei ein Schritt in Richtung Zerstörung des historischen Erbgutes. Der Bau einer Schule auf diesem wichtigen historischen Grundstück sei für die luxemburgische Denkmalschutzpolitik eine katastrophale Entscheidung weil es die Türen zur Reklassierung eines historisch wertvollen Areals öffnen wurde, gab Michel Polfer zu bedenken.

 

Verkehrstechnisch nicht ideal

Auch aus verkehrstechnischer Sicht sei der Standpunkt nicht ideal, erklärten die "Georges Kayser Altertumsforscher", die den geplanten Bauplatz geprüft und für gefährlich empfunden haben.

 

Die Zufahrt zum neuen Lyzeum erfolge ab der Arloner Straße entweder über einen Kreisverteiler oder über eine mit Ampeln geregelte Kreuzung. Beide Lösungen seien gefährlich, da die - oft mit großer Geschwindigkeit - aus Richtung Strassen kommenden Fahrzeuge dieses Hindernis zu spät hinter der Kurve bemerkten.

 

Da das neue Lyzeum vorwiegend Schüler aus dem Westen des Landes aufnehmen soll, schlagen die "Georges Kayser Altertumsforscher" nun einen neuen Standort vor, der sich westlich von Mamer zwischen Mamer und Capellen befinden sollte. Allerdings müsste auch hier vorher geprüft werden, welcher Ort aus ökologischen, archäologischen und verkehrstechnischen Gründen in Frage komme.

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