8. Oktober 1996


Zankapfel Tossenberg
Scherben oder Schule
"D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" gegen Sekundarschule auf römischen Trümmern

 

Auf dem Wiesengelände am Tassenberg soll das neue Lyzeum errichtet werden

Photo: Alain Rischard

 

Mamer - Zur Entlastung der aktuellen Schulinfrastrukturen und wegen steigender Schülerzahlen in den kommenden Jahren im Sekundarunterricht wurde vor einiger Zeit vom Bautenministerium im Einverständnis mit der Gemeinde Mamer das Projekt eines zusätzlichen Lyzeums am Tossen­berg in Aussicht gestellt.

 

Der auserwählte Standort ist den .D'Georges Kayser-Altertumsfuerscher" jedoch ein Dorn im Auge.

 

Die archäologische Vereinigung, die sich für den Erhalt antiker Überbleibsel einsetzt und bei Ausgrabungen eng mit dem Nationalen Kunsthistorischen Museum zusammenarbeitet, ist laut Aussagen der Verantwortlichen auf keinen Fall gegen den Bau neuer Schulräumlichkeiten, aber nicht auf dem angeblich wertvollen "site gallo-romain".

 

Wie angedeutet wurde, würde das Projekt vor Ort mit den damit zusammenhängenden Unterbauten (unterirdische Leitungen und Anschlüsse) die Reste dieser Siedlung an der ehemaligen Römerstraße Trier-Arlon größtenteils zerstören.

 

Römische Scherben statt Schulkomplex?

So soll schon 1973 bei Straßenbauarbeiten kostbares antikes Material, datierend zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert unseres Zeitalters, rücksichtslos zerstört worden sein. Vorausgegangene archäologische Stichproben wurden damals erst nach öffentlichen Protesten mit Rettungsgrabungen gekoppelt. Um neuerdings weitere Zerstörungen zu vermeiden, müssten Überlegungen angestellt und Ausweichmöglichkeiten berücksichtigt werden.

 

Ideen und Vorschläge müssten gewissenhaft geprüft werden, anstatt, wie vor 23 Jahren, blindlings zu handeln.

 

In der Gemeinderatssitzung vom Mittwoch ist nach Aussagen von Bürgermeister Henri Hosch ein Sachverständiger des Luxemburger Museums vom Kulturministerium beauftragt worden, das Grundstück zu untersuchen.

 

Dieser Fachmann habe erklärt, dass es hierzulande rund tausend solcher Standorte gebe, die jedoch meistens ohne historische Bedeutung seien.

M.A.