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Bauvorhaben am «Tossebierg»
Lyzeum kontra Römersiedlung
Die Regierung trägt sich mit der
ernsthaften Absicht, auf dem Tossenberg. zwischen Mamer und Bartringen. ein
sechstes Lyzeum zu errichten. Das wurde am vergangenen 6. August bekannt, als
der Staatssekretär im Bautenministerium, Georges Wohlfart und der Bürgermeister
von Mamer, Henri Hosch, sich das Gelände gemeinsam ansahen.
Die Regierung hatte mit offenen Karten
gespielt und ihr Vorhaben unverzüglich publik gemacht. Das hat verschiedene
Archäologen auf den Plan gerufen, die genau an diesem Standort die Überreste
einer alten gallo-römischen Siedlung ausgemacht haben wollen. Sie erinnern mit
Nachdruck an den «Skandal» von 1973, als wertvolle Überreste beim Bau der
Schnellstraße dem Bagger zum Opfer fielen. Claude Wolf wollte wissen, was es
damit auf sich hat. Ute Metzger (Fotos) sah sich in Mamer um.

Die Wahl des Standortes Mamer ist
einerseits dadurch bedingt, dass die Regierung davon absehen wollte, noch ein
weiteres Lyzeum in der Hauptstadt zu bauen und andererseits durch statistische
Erhebungen, wonach fast 600 Schüler des Untergrades des postprimären Unterrichts
aus dem Kanton Capellen kommen. Daraufhin wurde der Mamer Bürgermeister gebeten,
der Regierung ein geeignetes Terrain zu suchen. Er machte den Vorschlag, das
Lyzeum am Tossenberg anzusiedeln.
Bereits bei der Besichtigung hatte der
Verwalter des Bautenministeriums, Regierungsrat Fernand Pesch, selbst ein
Bewohner der Mamer Gemeinde, auf mögliche archäologische Überreste hingewiesen.
Tags darauf ging ein entsprechender Hinweis an das Kulturministerium.
Die «Georges Kayser
Altertumsfuerscher» jedoch läuten die Alarmglocke. Sie sind nämlich überzeugt
davon, dass sich auf dem Bauterrain umfangreiche Überreste einer römischen
Siedlung befinden.
AUF DEN SPUREN DER VERGANGENHEIT
Spuren dieser gallo-römischen Stadt
waren in der Tat 1973 ausgemacht worden, als die Straße am Tossenberg gebaut
wurde. Schutz und Wahrung archäologischer Funde waren damals noch kein Thema. Es
war nur der Reaktion eines Privatmannes zu verdanken, dass die Baggerarbeiten
vorübergehend gestoppt, Notgrabungen durchgeführt und das Notwendigste
dokumentiert wurde. Damals waren auf einer 200 x 80 m großen Fläche Maueranlagen
aus der Römerzeit freigelegt worden. Die Altertumsforscher schließen daraus,
dass sich auf einer etwa 12 Hektar großen Fläche ein kompletter gallo-römischer
Vicus (größere dörfliche Ansiedlung) befindet.
Die Überreste der Siedlung, die auf
das 1. Jahrhundert datiert werden, würden zwar durch den Bau der Schule nicht
direkt in Mitleidenschaft gezogen werden, dafür aber durch die
Infrastrukturarbeiten. «Der Staat darf doch wohl nicht derjenige sein, der
archäologisch wertvolles Gebiet kaltschnäuzig überbaut. In der Gemeinde Mamer
ist garantiert auch ein anderer Standort für den Bau des Lyzeums auszumachen»,
fordern die Archäologen, denen sich u.a. die Vereinigung der
Geschichtsprofessoren angeschlossen hat.
DIE STIMME DER VERNUNFT
Im Museum ist der Ton gemäßigter.
Mitte Oktober werden Fachleute der Universität Kiel erwartet. Sie erhielten den
Auftrag, mit hochmodernen Methoden geotechnische Erhebungen verschiedener
Standorte, darunter auch der Mamer «Tossebierg», zu machen. «Diese Technologien
sind durchaus verläßlich und werden aufzeigen, was an wertvollen Überresten
vorhanden ist. Aufgrund dieser Informationen wird die Regierung entscheiden, ob
sie das Lyzeum am Tossenberg baut oder sich nach einem anderen Standort
umsieht», heißt es mit der Bemerkung, die primäre Aufgabe der Archäologie
bestehe ja eigentlich darin, wertvolle Überreste aus vergangenen Zeiten
auszugraben, zu vermessen, zu analysieren und auszuwerten. Das gehöre, z.B. in
der Hauptstadt, zum Alltag der Archäologen. Es sei nicht ihre Aufgabe, das Land
in eine einzige Grabungsstätte zu verwandeln oder daraus ein Freilichtmuseum zu
machen. Es gibt nämlich über tausend gallorömische Standorte in unserem Land.
Wenn wir alle bewahren wollten, würde wohl kaum noch eine Autobahn, eine Cité
oder ein Industriegebiet gebaut werden können.
Die staatlichen Archäologen sind
weniger zuversichtlich als die «Georges Kayser Altertumsfuerscher». Die
Messungen könnten durchaus darauf schließen lassen, dass die Überreste kaum der
Rede wert seien, versucht man den Katastrophenmeldungen der Hobby-Archäologen
gegenzusteuern. «Was spricht dagegen, dass man die archäologischen Funde in das
Lyzeum mit einbezieht und als didaktisches Material verwendet. Ausgrabungen
verlangen Pflege und Unterhalt, sonst fordert die Natur ihre Rechte zurück.
Warum sollte man diese Aufgabe nicht einfach dem Lyzeum übertragen?», so Fernand
Pesch. Die Vereinigung der Geschichtsprofessoren läßt sich nicht so schnell
abspeisen. Die geotechnischen Messungen sind ihnen nicht verläßlich genug, sie
verlangen zusätzliche Ausgrabungen.
Laut Fernand Pesch sind die
geotechnischen Erhebungen ein Bestandteil der Machbarkeitsstudie. Wenn sich
herausstellen würde, dass der archäologische Standort geschützt werden sollte,
werde man sich nach einem neuen Baugelände umsehen. Bis dahin jedoch sollten
keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.
Claude Wolf

Die
Schule auf der grünen Wiese
Ein präzises Projekt für die in Mamer
zu errichtende Schule liegt bislang noch nicht vor. Gewußt ist lediglich, dass
ein Neubau geplant ist, der auf etwas mehr als 1 Milliarde Flux veranschlagt
wird. Die Rede war von rund 1200 Schülern, die dort in den drei Unterstufen des
klassischen und technischen Sekundarunterrichts, sowie des 'Préparatoire'
unterrichtet würden.
Der ausgemachte Standort liegt etwas
außerhalb des Wohngebietes von Mamer, auf einem 4,7 Hektar großen Gelände an der
Arloner Straße, kurz vor der Abbiegung nach Kopstal. Die Regierung argumentiert
damit, dass er mit dem Zug (zum Bahnhof sind es 10 Minuten) sowie mit dem
Fahrrad gut zu erreichen ist.
Das Projekt soll einen vorrangigen
Platz auf dem neuen Prioritätenplan der Regierung einnehmen, der möglicherweise
in den nächsten Wochen erstellt werden könnte.
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