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ORIGINALTEXT VON
1849
Die dem römischen Begräbnisplatze (am Tossenberg) zunächst gelegenen
Wohnungsspuren sind verschiedene Mauer- und Gebäulichkeitsreste, die zu
verschiedenen Zeiten, besonders aber seit einigen Jahren, in dessen Umberinge
entblösst wurden. « Das Ackerfeld des Schöffen Wagner (aus Bartringen),
sagt Hr. de la Fontaine
(Fussnote 2 : Itin. d. Lbg.
G. S. 47 u. 48),
durchwühlt’ ich und fand den Begräbnisplatz eines unweit desselben gelegenen
Dorfes, dessen Stelle mehrfache Mauerlinien
(Fussnote
3 : S. Pl. IV, 8),
die Fundamente alter zerstörter Gebäulichkeiten darstellend, bezeichnen. »


Karte aus [Engling, 1849]:
Der Tossenberg.
Die Römerstrasse von dem Titelberg nach der Kaap
und das alte Begräbnisz
zu Steinfort


Um
dieselbe Zeit, oder wohl etwas früher noch, entblössten in dem wenig entfernten
Liegenthume des Hrn. W. Pescatore seine Pflüger die Fundamente eines nicht
unbedeutenden Gebäudes
(Fussnote 4: S. Pl. IV, 7),
dabei eine schöne streifenförmig angestrichene Urne und einige dunkelfarbige
Glasscherben.
Vor ungefähr 12 Jahren (1837) grub man auch and der östlichen Seite der neuen
Strasse, am Anfangspunkte der nordwestlichen Abhängigkeit des Tossenberges gegen
Mamer und an dem gewöhnlichen Steinbruche dieses Ortes
(Fussnote 5: Pl. IV, 4),
eine in den Fels eingehauene s. g. «Pfütz », d. i. einen runden Brunneschacht
auf, wo auch einige alte Steinstücke vorkamen.
Als ... der Eigenthümer eines zur Mittagseite der Landstrasse und dem erwähnten
Brunnenschachte gegenüber (im Juni 1849), auf dem Bartringer Banne, unterhalb
des obgemeldeten Todtenackers gelegenen Feldes in diesem Mauersteine ausbrach,
stiess er zufälligerweise, und ohne es im Mindesten zu ahnen, auf einem zweiten
obigen ähnlichen, alten, runden Schacht
(Fussnote 6: S. Pl. IV, 5),
welcher, wie sich in der Folge ergab, der eines verschütteten und aus allem
Andenken längst verschwundenen Schöpfbrunnens war.
Auf gemeinsames Betreiben der Herren Nachbarsgeistlichen Asselborn, Haas,
Kirpach, Niederkorn, Pastoret und Stronck setzte der Eigenthümer die Ausgrabung
fort, und gelangte im October zu einer Tiefe von ungefähr 47 Fuss. Von ihrem
oberen Rande an, wo die Öffnung 4 Fuss im Durchschnitte misst, ist dieselbe bis
zu einer Tiefe von 6 Schuh ausgemauert, von da an aber bis unten in lebendigen
Fels gesprengt, in welchem sie sich abwärts allmälig verengert, bis sie zuletzt
in einem etwas erweiterten Wasserbehälter endigt. Zählt man den in diesem
Behälter zurückgelassenen, aber durchsuchten 6 Fuss hohen Schutt zu dem
ausgegrabenen Schachttheile, so ergibt sich eine Gesamttiefe des Brunnens von 53
Fuss.

Der ausgeworfene Schutt enthielt nichts, was die Erwartung besonders überascht
hätte; doch fand man gleich unterhalb der Mündung einen Haufen durcheinander
gewürfelter Pferds-, Ochsen-, Kälber-, Vögel-, Hasen- und anderer
Wildpretsknochen, etwas mehr hinab 18 schichtenweis über einander gelegte
Menschengerippe, und darunter drei mit Schädeln von auffallender Bildung, welche
dermalen im Pfarrhofe von Bartringen aufbewahrt werden (Fussnote1: Sind es
vielleicht die von Sklaven, Missethätern, zum Tode Verutheilten, oder von
Kretinen und Sechsen, die gewöhnlich eine unvollständige Hirnentwicklung und
auffalende Schädelform zeigen, und deren man sich durch Werfung in den
Brunnenschacht losmachte ? !), und unter diesen Gerippen ein Stück
Handmühlstein, eine irdene schwarzggraue Urne, einige schwarze celtische Steine,
eine gelbliche Büste aus dem Differdinger Bruche, wovon aber nur noch Brust und
Bart übrig sind, einen anderen angebrannten Stein, wahrscheinlich einen
Sargstein, mit einer Aushöhlung, und eine kleine, jedoch unkenntliche Münze.
Hierzu berichtete
das "Luxemburger Wort":
Vom Tossenberge, 7. Juli.
Gegen die Mitte des vorigen Monats fanden einige Männer in einer Steingrube
einen in den Felsen eingehauenen aber ganz verschütteten Schöpfbrunnen.
Derselbe liegt nur 4 bis 5 Fuss seitwärts von der Römerstrasse. Daneben hat
man auch die Fundamente eines bedeutenden Gebäudes gefunden.
Da überdies der im vorigen Jahre entdeckte, an Aschenurnen so reiche
römische Begräbnnissplatz nur etwa 15 Schritte davon entfernt ist, so
glaubte man, es dürften sich in diesem Brunnen wohl manche römische
Alterthümer finden lassen, und grub den Schutt bis zu einer ziemlichen Tiefe
aus. Es fanden sich darin eine bedeutende Menge von Thierknochen. Beim
weitern Nachgraben stiess man auf drei Menschengerippe, die unter einer
Schicht von Strassensteinen lagen.
Die Arbeiter, die nur von ihrer Hände Arbeit leben, konnten nicht weiter ein
Unternehmen fortsetzen, das für sie von keinem eigentlichen Nutzen war. Da
wurde die Sache der "Gesellschaft für die Aufsuchung und Erhaltung der
historischen Monumente im Grossherzogthum Luxemburg" berichtet. Diese aber
erklärte, sie glaube, es sei hier nichts zu finden, und übrigens habe sie
auch kein Geld, um die Ausgrabungen fortsetzen zu lassen.
Da glaubten die Geistlichen der umliegenden Pfarreien, die Sache nicht so
gleichgültig, wie die Alterthumsgesellschaft ansehen zu müssen, und aus
Liebe zur Wissenschaft und zur vaterländischen Geschichte, auf ihre Kosten
die Nachgrabungen fortsetzen zu lassen.
Bis jetzt hat man 17 Tage an der Ausgrabung fortgearbeitet und ist zu einer
Tiefe von 45 Schuh unter dem Boden gelangt. Die Gegenstände, die man
gefunden, sind ausser dem oben Erwähnten, noch etwa 12 Menschengerippe,
darunter einige Schädel von ganz auffallender Bildung. Ferner eine Urne von
grober Erde, die mit einer rothen Farbe streifenförmig überstrichen ist. In
derselben lagen zwei kleine Knochen; sodann der untere Theil einer Urne aus
schwarzgrauer Erde; mehrere Ziegel, Glasscherben u. dgl. m. Zuletzt zwei
Stücke von dem untern Theile einer antiken Handmühle, und eine ungefähr zwei
Fuss hohe steinerne Büste, die aber sehr beschädigt ist. Münzen wurden
bisher noch nicht gefunden.
Die Geistlichen sind entschlossen, die Ausgrabungen noch ferner fortsetzen
zu lassen. Sollten noch andere Gegenstände zu Tage kommen, so wird später
darüber berichtet werden.
X.
Luxemburger Wort, 09.07.1848 -
Link zum Artikel
Tossenberg, 18. Juli.
Wie ich aus dem
„Volksfreunde" sehe, hat der Sekretär der Gesellschaft für Aufsuchung und
Erhaltung der geschichtlichen Monumente im Großherzogthum Luxemburg, Hr. Prof.
A. Namur, einen spaltenlangen Artikel in die Welt gesandt, um die Aussagendes
Korrespondenten „X" in Nr. 32 des „Luxemb. Wortes" zu berichtigen und zu
widerlegen.
Aber auch abgesehen von
dem pedantischen Tone dieses Artikels, ist der Inhalt desselben so nichtssagend,
daß gewiß der Hr. Namur selbst, so sehr er sich auch in seinem weitschweifigen
Geschreibsel zu gefallen scheint, denselben nicht veröffentlicht hätte, wenn er
nicht darin eine Gelegenheit gefunden, einmal nach Herzenslust auf das Luxemb.
Wort zu schimpfen.
Hr. Namur hat diese
Gelegenheit aber recht wacker benutzt.
Daß das Luxemb. Wort seine
Spalten nicht hergeben konnte, ein so albernes Gewäsch mit solchen Anzüglichkeit
aufzunehmen, begreift sich leicht. Das ist nicht die Feder eines
wissenschaftlich gebildeten Mannes, so darf kein Professor schreiben.
Berichtigungen und
wissenschaftliche Bemerkungen nimmt das Luxemb. Wort auf, Schimpfereien nicht.
Glücklich war also der
Gedanke des Hrn. Namur, den vom Luxemb. Wort zurückgewiesenen Artikel dem
Volksfreunde zuzuschicken. Dort fand er seine passende Stelle.
— Die Ausgrabungen auf dem
Tossenberge werden fleißig fortgesetzt.
Der Nachbar des X: B.
Luxemburger Wort, 20.07.1848 -
Link zum Artikel
>>> vgl.:
Ältere Funde aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes
Die Grabung De la Fontaine/Namur von 1844
Engling schreibt weiter:
Auch fand man noch im Herbste des laufenden Jahrers in unmittelbarer Nähe des
Brunnens einen Sandstein, worauf in grossen Unzialbuchstaben zu lesen war:
TEMONY, anscheinlich statt TEMONII. Es war mithin ein Grab oder Denkstein,
welcher auf den Römer Temonius Bezug hatte.
Es
fehlt demanch keineswegs an Beweisgründen, wegen welcher wir glauben dürfen,
dass ehemals die ebene Kuppe des Tossenberges ein bedeutender Aufenthaltsplatz
der Römer und sogar in der nächsten Nähe des oben beschriebenen Friedhofes von
vielen derselben wirklich bewohnt war. Dafür sprechen sattsam die oben erwähnten
alten Mauer- und Gebäulichkeitsspuren, ein auf dem Bartringer Banne, nördlich
des Kémweges, gefundener bleierner Sarg, ein an derselben Stelle, wie die
Volkssage berichtet, ausgegrabenes goldenes Kalb (vermuthlich ein bronzener
Stier, wie deren mehrere zu Alttrier vorkamen), einige Streitäxte, verspreitete
Eisenschlacken
(Fussnote 3: Sollten diese
Schlacken, so wie die unverkennbaren Spuren eines Schmelzofens im Busche bei
Bofor, in der Nähe von Bartringen, vielleicht auf eine römische oder gar, wie
das Itin. Du L. g. S. g5 meint, auf eine celtische Eisenhütte hindeuten?),
die jetzt im « Carmeshause » befindliche Hälfte eines 1844 ausgeacckerten
Handmühlsteins, und hauptsächlich die zwei angeführten fast neben einander
entdeckten Brunnenlöcher.
Ohne daher die Verstorbenen der angrenzenden Ortschaften zu Hülfe zu rufen,
könnten wir schon durch die Anzahl der blossen Bewohner des Tossenberges die
Grösse ihrers in ihrer Mitte gelegenen Brandackers und die Unzahl seiner Urnen
und Aschenkrüge erklären. Doch gibt es Alterthumsforscher, welche diesen
Friedhof lieber für ein Zubehör des daran stossenden alten Mambra nehmen. Ihre
Ansicht stützen sie auf die frühzeitige Wichtigkeit dieser Villa
(Fussnote 1: Als solche wird sie schon vor dem 6.
Jahrh. angeführt) und die vielen in deren Umkreise früher und später
aufgefundenen Alterthumsreste. “Wir sind geneigt zu glauben, sagt der
mehrangeführte Chevalier l’Évêque de la Basse-Moûturie,
(Fussnote 2: Itin. D. L. g.
S.45),
dass die Begräbnissstätte auf dem Tossenberg einen Theil oder gar das Centrum
des alten Mambra bildete; die Nähe des Mamerer Schlosses und die Richtung des
vom Titelberg kommenden und hier an den Heerweg reichenden römischen Nebenweges
(Diverticulum) berechtigen zu dieser Muthmassung
(Fussnote 3: Wie das Itin.
D. L. g. S. 47 angibt, soll dieser Weg über Lamadelaine, Petingen, Sprinkingen,
Dippach, Dahlem und Holzem nach Mamer gegangen sein. Die Bezweifelbarkeit dieser
Angaben werden wir unten besprechen.).”
Von dem alten Mambra als einer bedeutenden Villa thun nicht allein schon vor und
in dem 6. Jahrhunderte römische und nichtrömische Schriftsteller, und eine
Tabula Luitgardis
(Fussnote 4: Itin. d. L. g.
a. a. O.)
vom Jahre 960 Meldung, sondern von jeher auch wurden auf dem bis über einen
Theil des Tossenberges sich erstreckenden Mamerer Banne zahlreiche Überbleibsel
aus der Römerzeit : Hausgeräthe, Münzen, Götterköpfe, Mauerspuren u. dgl. m.
entdeckt. In der Nähe von Mamer, vermuthlich am s. g. Schlossberge, bemerkte vor
200 Jahren Alex. Wiltheim
(Fussnote 5: L. R. S. 253)
nebst einem krotalförmig gehauenen und auf Tanzmusik bezüglichen Stein eine
Menge Urnen- und anderer Vasenscherben, und fand Christoph Wiltheim
(Fussnote 6: L. Rom. S. 94
u. 305)
ein Metallgewicht mit der römischen Zahl : XXXIIII, einen Siegelring, einen
Köcher mit den Bildnissen Euridicens und Cassandra’s, und verschieden Münzen.
>>> vgl.:
Alexander Wiltheim über Mamer in seinem Luxemburgum
Romanum
Kommentare zum Text
Desgleichen brachte vor einigen Jahren ein Partikular von Mamer an dem Orte “Op
der Schmelz” und an der Chaussee von diesem Dorfe nach Kehlen einen bleiernen
Sarg zutage. In freudiger Hoffnung, darin einen Schatz zu finden, schlug er ihn
entzwei. “Dass dich der T.....!” rief er, denn er fand nur Knochen und
Asche. Unweit desselben Ortes und in der Nähe des s. g. Katharinenhäuschens, d.
i. eines daselbst an dem Kéme nach Kapellen hin früher bestandenen
Feldkapellchens, fand sogar erst vor einigen Wochen ein Schullehrer aus der
Umgegend eine schöne Silbermünze von Kaiser Hadrian.
[FMRL I, p. 407]
zu dieser Münze, einem Denar des Hadrianus:
Lieu-dit: "Catherinenheischen" (« Kiem »). Pièce trouvée en 1849 dans des substructions romaines.
PSH V 1849, p. 137.
Hadrianus D (imitation
Av. : NNDΛIΛNVUS-ΛVCCOSIII, tête laurée à droite.
Rv. : IETΛSΛo-CTPXXCOSIи, Pietas debout à gauche,
étendant le bras droit au-dessus d’un autel tenant une boîte d’encens.

Vergleichsfund - Herkunft unbekannt
Noch merkwürdiger war der Fund eines Inwohners von Mamer, Namens Johann Marx.
Als er im Jahre 1832 zum Neubau seiner Scheune Steine brach, an dem Orte “Auf
Berg”, d. h. auf einer kleinen Anhöhe, welche unten hart an Mamer, am rechten
Ufer des gleichnamigen Flüsschens, westlich gegenüber dem von ihr durch eine
Schlucht getrennten Tossenberge liegt, einen Theil des Schlossberges (Fussnote
7 : S. Pl. IV) bildet, und dermalen durch einen kräftigen Birnbaum bezeichnet
ist, fand er mehrere behauene Steine, eine Menge antiker Köpfe mit jugendlichen
Gesichtern und von verschiedener Grösse, mancherlei Töpfe und Urnen, sowie auch,
seinem Ausdrucke gemäss, “alte Dubblen.”
Zwei dieser Köpfe befinden sich jetzt eingemauert in der Wohnung ihres Finders,
oder in dem s. g. “Dickenhause” zu Mamer, und zwar der eine rechts und der
andere links oben an den Pfosten der Scheuerpforte. Sie sind beide nur wenig
hervorragend, der eine 11 und der andere 8 Zoll hoch, unbärtig und jugendlich,
mit krausem und kurzem Haare bedeckt, von altrömischer Physionomie, und sollen
der Endpunkt sein von zwei feinkörnigen, die ganze Mauerbreite durchlaufenden
Sandsteinen. Diese Köpfe standen, als sie gefunden wurden, auf hohen, beinahe
nackten, aber unselbstständigen, ich will sagen, aus dem Stein nur stark
erhobenen Rümpfen, welche mit den sie tragenden Blöcken zu Radabhaltungsklötzen
verschlagen wurden, und vor dem Eingang der Scheune liegen.
Allerdings ist es eine schwierige Aufgabe zu bestimmen, was alle diese Köpfe
ursprünglich zu bedeuten hatten. Man könnte sie, freilich nicht wegen
vorzüglicher Arbeit, die ihnen abgeht, sondern bloss um ihrer Form willen, für
Apollo’sköpfe ansehen. Aber eben so leicht dürfte sie Jemand für andere
Götterköpfe oder gar auch, verleitet durch die Siebenzahl der vollkommen
ähnlichen, jugendlich aussehenden und stufenmässig an Grösse abnehmenden
Gesichter, für Theile einer Niobe’sgruppe und insofern für das Symbol einer
mörderischen Seuche und ihrer hierortigen Opfer halten.
>>> vgl.:
Ältere Funde aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes
Überreste eines Grabmonumentes und Steinsarg
Allein nicht von ihrer symbolischen Bedeutung allein, sondern auch von ihrer
unmittelbaren hängt ihre Wichtigkeit ab für den Zweck dieser Darstellung. Da die
Köpfe, und besonders die sie tragenden Rümpfe, an den Steinen nur als stark
erhobene Arbeit erschienen, so lässt sich denken, dass sie einst, was sie auch
übrigens für eine Bestimmung mögen gehabt haben, allenfalls an einem grösseren,
ansehnlichen Grab- oder Denkmale, dessen Ecken in Löwenköpfe ausliefen,
prangten, und insoweit gewiss monumentale Bedeutung hatten.
Deswegen sind diese Köpfe, sowie die anderen vorerwähnten Überbleibsel aus dem
hohen Alterthume jedenfalss beachtenswert und neben so vielen anderen in alter
und neuer Zeit gemachten Entdeckungen ein noch unerwähnter Beweis, dass der
dadurch bezeichnete Punkt den Römern zum Aufenthaltsorte diente, dass das alte
Mambra am Tossenberge lag, oder sich bis zu demselben erstreckte, und dass es in
Verbindung mit letzterem eine sehr wichtge und beträchtliche Statio oder Mutatio
der Römer müsse gewesen sein.
Hatte demnach aber diese Station ihren Todtenacker auf der Höhenfläche des
Tossenberges, so lässt sich doch daraus noch lange nicht folgern, dass derselbe
auch zum ausschliesslichen Gebrauche der Bewohner dieser Anhöhe bestimmt gewesen
sei. Vielmehr wird es augenfällig sowohl durch die Lage als auch die Vielheit
der unterirdischen Bau- und Bildwerksspuren nahe gelegener Römerniederlassungen,
dass auch letztere einen grossen Antheil an der Besetzung des obenerwähnten
Aschenfeldes müssen gehabt haben. Diese Niederlassungen sind das nahgelegene
Bartringen und das alte Strata oder Strassa, dessen schon im 6. Jahrhundert
erwähnung geschieht.
Im Verlaufe so geraumer Zeit konnte die Tossenberger Station, wie unbedeutend
sie auch bei ihre Gründung sein durfte, sich jedoch nach und nach entwickeln,
ihren Umfang erweitern, die Zahl ihrer Dächer vermehren, und zu beiden Seiten
der Heerstarsse eine Menge Villen und Wohnungen in’s Leben rufen. Zu ihrer
Entstehung mochte wohl Anfangs keine andere Veranlassung gewesen sein, als das
Bedürfnis eines Ruhepunktes zwischen Andethanna und Orolaunum, ihre erhabene
Stelle und Lage an der ältesten und wichtigsten Heerstrasse des Landes
(Fussnote 1, S. 143: Nach
Arn.
Schanes
(P.-B. av. Et pend. La dom. Rom. II.
Brux. 1838. S. 254 und 55) und
vieler Anderer Angabe bestand die Heerstrasse von Trier nach Rheims, weil darauf
Orolaunum und Andethanna nicht vorkommen, noch nicht zur Zeit der Anfertigung
der Peutinger’schen Tafel. Wie Diesem aber auch sei, so bestand sie zuverlässig
schon, wie sich aus der Lebensbeschreibung des hl. Martinus von Sulpit. Sen.
erweisen lässt, gegen Ende des 4ten Jahrhunderts, und bestimmte die nachmalige
Richtung der jetztigen Landstrasse.).
Doch mag auch hinwieder die frühzeitige Bedeutsamkeit der Tossenberger Station
keinen geringen Antheil gehabt haben an der Veranlassung dieser Nebenstrassen.
Denn es war wohl schwerlich blosser Zufall, dass deren so viele nächst dem
Tossenberge in die Hauptstrasse einmündeten; es war nicht blosser Zufall, dass
hier in die Strasse von Orolaunum nach Andethanna ein erster Nebenweg, von
Dalheim über Hassel, Itzig, Gasperich und Merl ziehend, bei dem s. g.
Steichen’shause, ein zweiter, von dem Titelberg über Lamadelaine, Petingen,
Dippach, Dahlem und durch den Holzemer und Mamerer Wald kommend, unterhalb des
s. g. Schlossberges (Fussnote
2, S. 143: Das Vorhandensein dieses vom It. du L. g. angegebenen
Diverticulums bezweifelt Hr. G. München, und beschreibt dagegen in seinem
interessanten Berichte vom 10. Dez. l. J. (S.S. 89 u. ff.) einen andern jenem
beinahe gleichlaufenden und von ihm selbst und den HH. De la Fontaine, Batz, und
Würth-Paquet vor kurzem untersuchten Römerweg, welcher ebenfalls vom Titelberg
über Petingen kommt, von da an aber durch den Garnicher Bann, den Holzemer Wald
und längs des Hagener Busches sich nach der Kaap hinzieht, und dort in den alten
Römerweg nach Arlon einläuft),
und ein dritter von Orolaunum über Clairefontaine und Körich, und von da
vielleicht über Nospelt nach Kehlen
(Fussnote 1, S. 144: Zu
Kehlen ... führt zur Stunde noch die äusserste zur Mittagsseite hin gelegene
Strasse den Namen “Im Kém” (Pl. IV, 2). ... im s. g. Juckelsbusche oberhalb der
“Neumaxmühle” (Pl. IV,2)
sollen frühere Kémspuren erkannt worden sein und einst “Wichtelcher” gewohnt
haben.”


Ältere Kommentare zu Englings Artikel:
[PSRCMH, 1846]
Was nun zuerst die römische Periode betrifft: so verdient zunächst die
“Römerstation auf dem Tossenberg” von Prof. Engling in Luxemburg (Engling 1849)
eine nähere Betrachtung (S. 132-145). Den Städten, Lagern und Strassen aus der
Römerzeit haben frühere Gelehrte schon mehrfach Untersuchungen zugewendet, nicht
so gerade den Stationen. Gewiss ist aber, dass keine genaues Bild der
militärischen Colonisation des Landes aufgestellt werden kann, wenn nicht die
Stationen ermittelt sind. Einen schönen Beitrag hiezu liefert der erwähnte
Aufsatz.
Ungefähr 5000 Meter von Luxemburg an der Mamer, dicht an der alten Römerstrasse,
wurden schon vor vielen Jahren manche Grabalterthümer zu Tage gefördert. Durch
unermüdliches Nachforschen und mehrfach vorgenommene Nachgrabungen hat der Verf.
eine römische Station daselbst mit Wahrscheinlichkeit nachgewiesen; sie lag so
ziemlich in der Mitte zwischen Orolaunum (Arlon) und Andethanna (wovon weiter
unten), von jedem ungefähr 3 Stunden entfernt. Dass diese Station auch als
Mansio gedient haben möge, wie der Verf. uns ausführlich zu zeigen sucht, ist
leicht möglich, so wie auch, dass aus der Station nach und nach eine
militärische Colonie, oder wie wir zusetzen möchten, ein vicus entstand; ja wir
werden sogar versucht, aus der Beschreibung des Verfassers auf ein Tempelgebäude
zu schliessen. S. 135 f. wird nämlich erzählt, wie bei grösseren Mauerresten “
zwei fast neben einander entdeckte Brunnenlöcher” sich vorfanden, in deren einen
“Haufen durcheinander gewürfelter Pferds-, Ochsen-, Kälber-, Vögel-, Hasen- und
anderer Wildpretsknochen, und etwas tiefer hinab 18 schichtenweis über einander
gelegte Menschengerippe, und darunter drei mit auffallender Schädelbildung” u.
s. w. gewesen sind. Sollten dies nicht die Gruben sein, in welche die Überreste
der Opfer und Opferschmäuse geworfen wurden? Dergleichen Gruben oder alte
Brunnen werden häufig in der Nähe von Tempeln entdeckt, und sind mit ähnlichen
Gebeinen u. s. w. erfüllt.Was die Menschengerippe, die sich in manchen dieser Brunnen vorfanden, bedeuten
sollen, ist bis jetzt noch nicht ermittelt; keinenfalls können wir dem Verf.
beistimmen, wenn er S. 136 Anm. die Frage aufwirft ob man sich dieser Sclaven,
Missethäter oder Kretinen von auffallender Schädelbildung “durch Werfen in den
Brunnenschacht losmachen wollte.” Eher möchten wir an Menschenopfer denken.
Die sonstigen Auffindungen auf dem Tossenberg sind unbedeutend; wenn oben S. 133
die einzige Inschrift, die sich auf einer Urne fand, MARCIAN. L. XXVI. Mit der
26. Legion erklärt wird. So ist dies falsch, indem keine solche in der
Kaiserzeit existierte. Bedeutet L., wenn der Buchstabe überhaupt richtig ist,
vielleicht ein Mass (libra, ligula)?
Ebenso ward 1850 auf demselben Tossenberg eine Urne gefunden, wo auf der einen
Seite III auf der andern XVIII S (sextari?) stand, vgl. VI. Band S. 267f.) .
[PSRCMH 1850]
Wichtiger ist die Auffindung einer Römerstation auf dem Tossenberg, etwa 500
Meter von Luxemburg auf dem Wege nach Arlon: Prof Engling gibt eine ausführliche
Beschreibung von den Mauern und Auffindungen; da bei grösseren Mauerüberresten
sich “zwei fast neben einander entdeckten Brunnenlöcber fanden in deren einem
ein Haufen durchgewürfelter Pferds-, Ochsen-, Kälber-, Vögel-, Hasen-,
Wildpretsknochen und etwas tiefer hinab 18 schichtenweise einander gelegte
Menschengerippe und darunter 3 mit auffallender Schädelbildung” gewesen sind: so
möchten wir annehmen, dass hier ein Tempel stand, indem in der Nähe derselben
Gruben oder alte Brunnen dienten um die Ueberreste der Opfer wie die Knochen der
Thiere sogleich hinwegzuschaffen: höchst auffallend sind hierbei die
Menschengerippe; wir können aber dem Verf. nicht beistimmen wenn er die Frage
aufwirft: “ ob man sich dieser Sklaven, Missethäter oder Kretinen von
auffallender Schädelbildung durch Werfen in den Brunnenschacht losmachen
wollte”; wir möchten an Menschenopfer denken.
Die einzige Inschrift die auf einer Urne sieht : MARCIAN. L. XXVI. wird
unrichtig auf eine Legio XXVI bezogen, denn eine solche existierte zu der Kaiser
Zeit nicht : die wird auf ein Mass gehn sowie ein Jahr später auf demselben
Tossenberg eine Urne gefunden wurde wo auf der einen Seite III der andern XVIIII
S stand was wir ebenfalls für eine Massbezeichnung halten (vgl. Tom.
VI, S. 267).
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