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Joh. Engling (1801-1888)
Die Römerstation auf dem Tossenberg
in: Publications de la Section Historique, V, 1849 = [Engling,1849]
 

ORIGINALTEXT VON 1849

Die dem römischen Begräbnisplatze (am Tossenberg) zunächst gelegenen Wohnungsspuren sind verschiedene Mauer- und Gebäulichkeitsreste, die zu verschiedenen Zeiten, besonders aber seit einigen Jahren, in dessen Umberinge entblösst wurden. « Das Ackerfeld des Schöffen Wagner (aus Bartringen), sagt Hr. de la Fontaine (Fussnote 2 : Itin. d. Lbg. G. S. 47 u. 48), durchwühlt’ ich und fand den Begräbnisplatz eines unweit desselben gelegenen Dorfes, dessen Stelle mehrfache Mauerlinien (Fussnote 3 : S. Pl. IV, 8), die Fundamente alter zerstörter Gebäulichkeiten darstellend, bezeichnen. »

 
Mamer Tossenberg vicus Karte aus Engling, römerstation, 1849
Karte aus [Engling, 1849]:
Der Tossenberg.
Die Römerstrasse von dem Titelberg nach der Kaap
und das alte Begräbnisz
zu Steinfort

 

Um dieselbe Zeit, oder wohl etwas früher noch, entblössten in dem wenig entfernten Liegenthume des Hrn. W. Pescatore seine Pflüger die Fundamente eines nicht unbedeutenden Gebäudes (Fussnote 4: S. Pl. IV, 7), dabei eine schöne streifenförmig angestrichene Urne und einige dunkelfarbige Glasscherben.

Vor ungefähr 12 Jahren (1837) grub man auch and der östlichen Seite der neuen Strasse, am Anfangspunkte der nordwestlichen Abhängigkeit des Tossenberges gegen Mamer und an dem gewöhnlichen Steinbruche dieses Ortes (Fussnote 5: Pl. IV, 4), eine in den Fels eingehauene s. g. «Pfütz », d. i. einen runden Brunneschacht auf, wo auch einige alte Steinstücke vorkamen.

Als ... der Eigenthümer eines zur Mittagseite der Landstrasse und dem erwähnten Brunnenschachte gegenüber (im Juni 1849), auf dem Bartringer Banne, unterhalb des obgemeldeten Todtenackers gelegenen Feldes in diesem Mauersteine ausbrach, stiess er zufälligerweise, und ohne es im Mindesten zu ahnen, auf einem zweiten obigen ähnlichen, alten, runden Schacht (Fussnote 6: S. Pl. IV, 5), welcher, wie sich in der Folge ergab, der eines verschütteten und aus allem Andenken längst verschwundenen Schöpfbrunnens war. 

Auf gemeinsames Betreiben der Herren Nachbarsgeistlichen Asselborn, Haas, Kirpach, Niederkorn, Pastoret und Stronck setzte der Eigenthümer die Ausgrabung fort, und gelangte im October zu einer Tiefe von ungefähr 47 Fuss. Von ihrem oberen Rande an, wo die Öffnung 4 Fuss im Durchschnitte misst, ist dieselbe bis zu einer Tiefe von 6 Schuh ausgemauert, von da an aber bis unten in lebendigen Fels gesprengt, in welchem sie sich abwärts allmälig verengert, bis  sie zuletzt in einem etwas erweiterten Wasserbehälter endigt. Zählt man den in diesem Behälter zurückgelassenen, aber durchsuchten 6 Fuss hohen Schutt zu dem ausgegrabenen Schachttheile, so ergibt sich eine Gesamttiefe des Brunnens von 53 Fuss.

Mamer-Tossenberg Vicus Brunnen aus Engling, Römerstation, 1849

Der ausgeworfene Schutt enthielt nichts, was die Erwartung besonders überascht hätte; doch fand man gleich unterhalb der Mündung einen Haufen durcheinander gewürfelter Pferds-, Ochsen-, Kälber-, Vögel-, Hasen- und anderer Wildpretsknochen, etwas mehr hinab 18 schichtenweis über einander gelegte Menschengerippe, und darunter drei mit Schädeln von auffallender Bildung, welche dermalen im Pfarrhofe von Bartringen aufbewahrt werden (Fussnote1: Sind es vielleicht die von Sklaven, Missethätern, zum Tode Verutheilten, oder von Kretinen und Sechsen, die gewöhnlich eine unvollständige Hirnentwicklung und auffalende Schädelform zeigen, und deren man sich durch Werfung in den Brunnenschacht losmachte ? !), und unter diesen Gerippen ein Stück Handmühlstein, eine irdene schwarzggraue Urne, einige schwarze celtische Steine, eine gelbliche Büste aus dem Differdinger Bruche, wovon aber nur noch Brust und Bart übrig sind, einen anderen angebrannten Stein, wahrscheinlich einen Sargstein, mit einer Aushöhlung, und eine kleine, jedoch unkenntliche Münze.

>>> vgl.:
Ältere Funde aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes
Die Grabung De la Fontaine/Namur von 1844

Auch fand man noch im Herbste des laufenden Jahrers in unmittelbarer Nähe des Brunnens einen Sandstein, worauf in grossen Unzialbuchstaben zu lesen war: TEMONY, anscheinlich statt TEMONII. Es war mithin ein Grab oder Denkstein, welcher auf den Römer Temonius Bezug hatte.

Es fehlt demanch keineswegs an Beweisgründen, wegen welcher wir glauben dürfen, dass ehemals die ebene Kuppe des Tossenberges ein bedeutender Aufenthaltsplatz der Römer und sogar in der nächsten Nähe des oben beschriebenen Friedhofes von vielen derselben wirklich bewohnt war. Dafür sprechen sattsam die oben erwähnten alten Mauer- und Gebäulichkeitsspuren, ein auf dem Bartringer Banne, nördlich des Kémweges, gefundener bleierner Sarg, ein an derselben Stelle, wie die Volkssage berichtet, ausgegrabenes goldenes Kalb (vermuthlich ein bronzener Stier, wie deren mehrere zu Alttrier vorkamen), einige Streitäxte, verspreitete Eisenschlacken (Fussnote 3: Sollten diese Schlacken, so wie die unverkennbaren Spuren eines Schmelzofens im Busche bei Bofor, in der Nähe von Bartringen, vielleicht auf eine römische oder gar, wie das Itin. Du L. g. S. g5 meint, auf eine celtische Eisenhütte hindeuten?), die jetzt im « Carmeshause » befindliche Hälfte eines 1844 ausgeacckerten Handmühlsteins, und hauptsächlich die zwei angeführten fast neben einander entdeckten Brunnenlöcher.

Ohne daher die Verstorbenen der angrenzenden Ortschaften zu Hülfe zu rufen, könnten wir schon durch die Anzahl der blossen Bewohner des Tossenberges die Grösse ihrers in ihrer Mitte gelegenen Brandackers und die Unzahl seiner Urnen und Aschenkrüge erklären. Doch gibt es Alterthumsforscher, welche diesen Friedhof lieber für ein Zubehör des daran stossenden alten Mambra nehmen. Ihre Ansicht stützen sie auf die frühzeitige Wichtigkeit dieser Villa (Fussnote 1: Als solche wird sie schon vor dem 6. Jahrh. angeführt) und die vielen in deren Umkreise früher und später aufgefundenen Alterthumsreste. “Wir sind geneigt zu glauben, sagt der mehrangeführte Chevalier l’Évêque de la Basse-Moûturie, (Fussnote 2: Itin. D. L. g. S.45), dass die Begräbnissstätte auf dem Tossenberg einen Theil oder gar das Centrum des alten Mambra bildete; die Nähe des Mamerer Schlosses und die Richtung des vom Titelberg kommenden und hier an den Heerweg reichenden römischen Nebenweges (Diverticulum) berechtigen zu dieser Muthmassung (Fussnote 3: Wie das Itin. D. L. g. S. 47 angibt, soll dieser Weg über Lamadelaine, Petingen, Sprinkingen, Dippach, Dahlem und Holzem nach Mamer gegangen sein. Die Bezweifelbarkeit dieser Angaben werden wir unten besprechen.).”

Von dem alten Mambra als einer bedeutenden Villa thun nicht allein schon vor und in dem 6. Jahrhunderte römische und nichtrömische Schriftsteller, und eine Tabula Luitgardis (Fussnote 4: Itin. d. L. g. a. a. O.) vom Jahre 960 Meldung, sondern von jeher auch wurden auf dem bis über einen Theil des Tossenberges sich erstreckenden Mamerer Banne zahlreiche Überbleibsel aus der Römerzeit : Hausgeräthe, Münzen, Götterköpfe, Mauerspuren u. dgl. m. entdeckt. In der Nähe von Mamer, vermuthlich am s. g. Schlossberge, bemerkte vor 200 Jahren Alex. Wiltheim (Fussnote 5: L. R. S. 253) nebst einem krotalförmig gehauenen und auf Tanzmusik bezüglichen Stein eine Menge Urnen- und anderer Vasenscherben, und fand Christoph Wiltheim (Fussnote 6: L. Rom. S. 94 u. 305) ein Metallgewicht mit der römischen Zahl : XXXIIII, einen Siegelring, einen Köcher mit den Bildnissen Euridicens und Cassandra’s, und verschieden Münzen.

>>> vgl.:
Alexander Wiltheim über Mamer in seinem Luxemburgum Romanum
Kommentare zum Text

Desgleichen brachte vor einigen Jahren ein Partikular von Mamer an dem Orte “Op der Schmelz” und an der Chaussee von diesem Dorfe nach Kehlen einen bleiernen Sarg zutage. In freudiger Hoffnung, darin einen Schatz zu finden, schlug er ihn entzwei. “Dass dich der T.....!” rief er, denn er fand nur Knochen und Asche. Unweit desselben Ortes und in der Nähe des s. g. Katharinenhäuschens, d. i. eines daselbst an dem Kéme nach Kapellen hin früher bestandenen Feldkapellchens, fand sogar erst vor einigen Wochen ein Schullehrer aus der Umgegend eine schöne Silbermünze von Kaiser Hadrian.

[FMRL I, p. 407] zu dieser Münze, einem Denar des Hadrianus:

Lieu-dit: "Catherinenheischen" (« Kiem »).
Pièce trouvée en 1849 dans des substructions romaines.
PSH V 1849, p. 137.

Hadrianus
D (imitation

Av. : NNDΛIΛNVUS-ΛVCCOSIII, tête laurée à droite.

Rv. : IETΛSΛo-CTPXXCOSIи, Pietas debout à gauche, étendant le bras droit au-dessus d’un autel tenant une boîte d’encens.


Vergleichsfund - Herkunft unbekannt

Noch merkwürdiger war der Fund eines Inwohners von Mamer, Namens Johann Marx. Als er im Jahre 1832 zum Neubau seiner Scheune Steine brach, an dem Orte “Auf Berg”, d. h. auf einer kleinen Anhöhe, welche unten hart an Mamer, am rechten Ufer des gleichnamigen Flüsschens, westlich gegenüber dem von ihr durch eine Schlucht getrennten Tossenberge liegt, einen Theil des Schlossberges (Fussnote 7 : S. Pl. IV) bildet, und dermalen durch einen kräftigen Birnbaum bezeichnet ist, fand er mehrere behauene Steine, eine Menge antiker Köpfe mit jugendlichen Gesichtern und von verschiedener Grösse, mancherlei Töpfe und Urnen, sowie auch, seinem Ausdrucke gemäss, “alte Dubblen.”

Zwei dieser Köpfe befinden sich jetzt eingemauert in der Wohnung ihres Finders, oder in dem s. g. “Dickenhause” zu Mamer, und zwar der eine rechts und der andere links oben an den Pfosten der Scheuerpforte. Sie sind beide nur wenig hervorragend, der eine 11 und der andere 8 Zoll hoch, unbärtig und jugendlich, mit krausem und kurzem Haare bedeckt, von altrömischer Physionomie, und sollen der Endpunkt sein von zwei feinkörnigen, die ganze Mauerbreite durchlaufenden Sandsteinen. Diese Köpfe standen, als sie gefunden wurden, auf hohen, beinahe nackten, aber unselbstständigen, ich will sagen, aus dem Stein nur stark erhobenen Rümpfen, welche mit den sie tragenden Blöcken zu Radabhaltungsklötzen verschlagen wurden, und vor dem Eingang der Scheune liegen.

Allerdings ist es eine schwierige Aufgabe zu bestimmen, was alle diese Köpfe ursprünglich zu bedeuten hatten. Man könnte sie, freilich nicht wegen vorzüglicher Arbeit, die ihnen abgeht, sondern bloss um ihrer Form willen, für Apollo’sköpfe ansehen. Aber eben so leicht dürfte sie Jemand für andere Götterköpfe oder gar auch, verleitet durch die Siebenzahl der vollkommen ähnlichen, jugendlich aussehenden und stufenmässig an Grösse abnehmenden Gesichter, für Theile einer Niobe’sgruppe und insofern für das Symbol einer mörderischen Seuche und ihrer hierortigen Opfer halten.

>>> vgl.:
Ältere Funde aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes
Überreste eines Grabmonumentes und Steinsarg

Allein nicht von ihrer symbolischen Bedeutung allein, sondern auch von ihrer unmittelbaren hängt ihre Wichtigkeit ab für den Zweck dieser Darstellung. Da die Köpfe, und besonders die sie tragenden Rümpfe, an den Steinen nur als stark erhobene Arbeit erschienen, so lässt sich denken, dass sie einst, was sie auch übrigens für eine Bestimmung mögen gehabt haben, allenfalls an einem grösseren, ansehnlichen Grab- oder Denkmale, dessen Ecken in Löwenköpfe ausliefen, prangten, und insoweit gewiss monumentale Bedeutung hatten.

Deswegen sind diese Köpfe, sowie die anderen vorerwähnten Überbleibsel aus dem hohen Alterthume jedenfalss beachtenswert und neben so vielen anderen in alter und neuer Zeit gemachten Entdeckungen ein noch unerwähnter Beweis, dass der dadurch bezeichnete Punkt den Römern zum Aufenthaltsorte diente, dass das alte Mambra am Tossenberge lag, oder sich bis zu demselben erstreckte, und dass es in Verbindung mit letzterem eine sehr wichtge und beträchtliche Statio oder Mutatio der Römer müsse gewesen sein.

Hatte demnach aber diese Station ihren Todtenacker auf der Höhenfläche des Tossenberges, so lässt sich doch daraus noch lange nicht folgern, dass derselbe auch zum ausschliesslichen Gebrauche der Bewohner dieser Anhöhe bestimmt gewesen sei. Vielmehr wird es augenfällig sowohl durch die Lage als auch die Vielheit der unterirdischen Bau- und Bildwerksspuren nahe gelegener Römerniederlassungen, dass auch letztere einen grossen Antheil an der Besetzung des obenerwähnten Aschenfeldes müssen gehabt haben. Diese Niederlassungen sind das nahgelegene Bartringen und das alte Strata oder Strassa, dessen schon im 6. Jahrhundert erwähnung geschieht.

 Im Verlaufe so geraumer Zeit konnte die Tossenberger Station, wie unbedeutend sie auch bei ihre Gründung sein durfte, sich jedoch nach und nach entwickeln, ihren Umfang erweitern, die Zahl ihrer Dächer vermehren, und zu beiden Seiten der Heerstarsse eine Menge Villen und Wohnungen in’s Leben rufen. Zu ihrer Entstehung mochte wohl Anfangs keine andere Veranlassung gewesen sein, als das Bedürfnis eines Ruhepunktes zwischen Andethanna und Orolaunum, ihre erhabene Stelle und Lage an der ältesten und wichtigsten Heerstrasse des Landes (Fussnote 1, S. 143: Nach Arn. Schanes (P.-B. av. Et pend. La dom. Rom. II. Brux. 1838. S. 254 und 55) und vieler Anderer Angabe bestand die Heerstrasse von Trier nach Rheims, weil darauf Orolaunum und Andethanna nicht vorkommen, noch nicht zur Zeit der Anfertigung der Peutinger’schen Tafel. Wie Diesem aber auch sei, so bestand sie zuverlässig schon, wie sich aus der Lebensbeschreibung des hl. Martinus von Sulpit. Sen. erweisen lässt, gegen Ende des 4ten Jahrhunderts, und bestimmte die nachmalige Richtung der jetztigen Landstrasse.).

Doch mag auch hinwieder die frühzeitige Bedeutsamkeit der Tossenberger Station keinen geringen Antheil gehabt haben an der Veranlassung dieser Nebenstrassen. Denn es war wohl schwerlich blosser Zufall, dass deren so viele nächst dem Tossenberge in die Hauptstrasse einmündeten; es war nicht blosser Zufall, dass hier in die Strasse von Orolaunum nach Andethanna ein erster Nebenweg, von Dalheim über Hassel, Itzig, Gasperich und Merl ziehend, bei dem s. g. Steichen’shause, ein zweiter, von dem Titelberg über Lamadelaine, Petingen, Dippach, Dahlem und durch den Holzemer und Mamerer Wald kommend, unterhalb des s. g. Schlossberges (Fussnote 2, S. 143: Das Vorhandensein dieses vom It. du L. g. angegebenen Diverticulums bezweifelt Hr. G. München, und beschreibt dagegen in seinem interessanten Berichte vom 10. Dez. l. J. (S.S. 89 u. ff.) einen andern jenem beinahe gleichlaufenden und von ihm selbst und den HH. De la Fontaine, Batz, und Würth-Paquet vor kurzem untersuchten Römerweg, welcher ebenfalls vom Titelberg über Petingen kommt, von da an aber durch den Garnicher Bann, den Holzemer Wald und längs des Hagener Busches sich nach der Kaap hinzieht, und dort in den alten Römerweg nach Arlon einläuft), und ein dritter von Orolaunum über Clairefontaine und Körich, und von da vielleicht über Nospelt nach Kehlen (Fussnote 1, S. 144: Zu Kehlen ... führt zur Stunde noch die äusserste zur Mittagsseite hin gelegene Strasse den Namen “Im Kém” (Pl. IV, 2). ... im s. g. Juckelsbusche oberhalb der “Neumaxmühle” (Pl. IV,2) sollen frühere Kémspuren erkannt worden sein und einst “Wichtelcher” gewohnt haben.”

Ältere Kommentare zu Englings Artikel:

PSRCMH, 1846

Was nun zuerst die römische Periode betrifft: so verdient zunächst die “Römerstation auf dem Tossenberg” von Prof. Engling in Luxemburg (Engling 1849) eine nähere Betrachtung (S. 132-145). Den Städten, Lagern und Strassen aus der Römerzeit haben frühere Gelehrte schon mehrfach Untersuchungen zugewendet, nicht so gerade den Stationen. Gewiss ist aber, dass keine genaues Bild der militärischen Colonisation des Landes aufgestellt werden kann, wenn nicht die Stationen ermittelt sind. Einen schönen Beitrag hiezu liefert der erwähnte Aufsatz.

Ungefähr 5000 Meter von Luxemburg an der Mamer, dicht an der alten Römerstrasse, wurden schon vor vielen Jahren manche Grabalterthümer zu Tage gefördert. Durch unermüdliches Nachforschen und mehrfach vorgenommene Nachgrabungen hat der Verf. eine römische Station daselbst mit Wahrscheinlichkeit nachgewiesen; sie lag so ziemlich in der Mitte zwischen Orolaunum (Arlon) und Andethanna (wovon weiter unten), von jedem ungefähr 3 Stunden entfernt. Dass diese Station auch als Mansio gedient haben möge, wie der Verf. uns ausführlich zu zeigen sucht, ist leicht möglich, so wie auch, dass aus der Station nach und nach eine militärische Colonie, oder wie wir zusetzen möchten, ein vicus entstand; ja wir werden sogar versucht, aus der Beschreibung des Verfassers auf ein Tempelgebäude zu schliessen. S. 135 f. wird nämlich erzählt, wie bei grösseren Mauerresten “ zwei fast neben einander entdeckte Brunnenlöcher” sich vorfanden, in deren einen “Haufen durcheinander gewürfelter Pferds-, Ochsen-, Kälber-, Vögel-, Hasen- und anderer Wildpretsknochen, und etwas tiefer hinab 18 schichtenweis über einander gelegte Menschengerippe, und darunter drei mit auffallender Schädelbildung” u. s. w. gewesen sind. Sollten dies nicht die Gruben sein, in welche die Überreste der Opfer und Opferschmäuse geworfen wurden? Dergleichen Gruben oder alte Brunnen werden häufig in der Nähe von Tempeln entdeckt, und sind mit ähnlichen Gebeinen u. s. w. erfüllt.Was die Menschengerippe, die sich in manchen dieser Brunnen vorfanden, bedeuten sollen, ist bis jetzt noch nicht ermittelt; keinenfalls können wir dem Verf. beistimmen, wenn er S. 136 Anm. die Frage aufwirft ob man sich dieser Sclaven, Missethäter oder Kretinen von auffallender Schädelbildung “durch Werfen in den Brunnenschacht losmachen wollte.” Eher möchten wir an Menschenopfer denken.

Die sonstigen Auffindungen auf dem Tossenberg sind unbedeutend; wenn oben S. 133 die einzige Inschrift, die sich auf einer Urne fand, MARCIAN. L. XXVI.  Mit der 26. Legion erklärt wird. So ist dies falsch, indem keine solche in der Kaiserzeit existierte. Bedeutet L., wenn der Buchstabe überhaupt richtig ist, vielleicht ein Mass (libra, ligula)?

Ebenso ward 1850 auf demselben Tossenberg eine Urne gefunden, wo auf der einen Seite III auf der andern XVIII S (sextari?) stand, vgl. VI. Band S. 267f.) .

PSRCMH 1850

Wichtiger ist die Auffindung einer Römerstation auf dem Tossenberg, etwa 500 Meter von Luxemburg auf dem Wege nach Arlon: Prof Engling gibt eine ausführliche Beschreibung von den Mauern und Auffindungen; da bei grösseren Mauerüberresten sich “zwei fast neben einander entdeckten Brunnenlöcber fanden in deren einem ein Haufen durchgewürfelter Pferds-, Ochsen-, Kälber-, Vögel-, Hasen-, Wildpretsknochen und etwas tiefer hinab 18 schichtenweise einander gelegte Menschengerippe und darunter 3 mit auffallender Schädelbildung” gewesen sind: so möchten wir annehmen, dass hier ein Tempel stand, indem in der Nähe derselben Gruben oder alte Brunnen dienten um die Ueberreste der Opfer wie die Knochen der Thiere sogleich hinwegzuschaffen: höchst auffallend sind hierbei die Menschengerippe; wir können aber dem Verf. nicht beistimmen wenn er die Frage aufwirft: “ ob man sich dieser Sklaven, Missethäter oder Kretinen von auffallender Schädelbildung durch Werfen in den Brunnenschacht losmachen wollte”; wir möchten an Menschenopfer denken.

Die einzige Inschrift die auf einer Urne sieht : MARCIAN. L. XXVI. wird unrichtig auf eine Legio XXVI bezogen, denn eine solche existierte zu der Kaiser Zeit nicht : die wird auf ein Mass gehn sowie ein Jahr später auf demselben Tossenberg eine Urne gefunden wurde wo auf der einen Seite III der andern XVIIII S stand was wir ebenfalls für eine Massbezeichnung halten (vgl. Tom. VI, S. 267).

 

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