|

Neuere Funde
aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes
Relieffragment mit Wagenfahrtdarstellung
Der
linke Teil des Fragments wurde 1975 bei Strassenarbeiten an der Arlonerstrasse
in Mamer, in Richtung Tossenberg, unweit des damals noch bestehenden "Flugzeugrestaurants"
(heute
Salle de Vente du Particulier / Joël Hintgen, 7, route d'Arlon, Mamer), von
einem Privatmann, Herrn J. P. Clemens aus Mamer, gefunden.
Nach Auskunft des Finders befanden sich bei dem Relieffragment auch mehrere 50 x
80 cm grosse, unverzierte Steinplatten. Es bestehen leider keine Aufzeichnungen,
aus denen sich weitere Einzelheiten über die genaue Lage oder Fundsituation
erschließen ließen. Am 15. September 1975 hat Herr Clemens
seinen Fund uneigennützigerweise dem Staatsmuseum Luxemburg geschenkt
[Polfer, 1988].
 
Michel Polfer
hat sich eingehend mit diesem Fund in seinem
Artikel "Ein technik- und wirtschaftsgeschichtlich interessantes
Relieffragment aus Mamer-Tossenberg, in Hémecht 1988/4, SS. 527-540,
befasst.
►Den ganzen Artikel hier lesen
...
[Polfer, 1988]
Beschreibung:
"Da über die Fundlage
leider keine Informationen vorliegen, sind wir somit für die Datierung auf die
allgemeinen stilistischen Eigenschaften des Reliefs, sowie auf die Tatsache,
daß es sich offensichtlich um ein Fragment einer Wagenszene im Rahmen eines
provinzialrömischen Grabmonumentes handelt, angewiesen. Beides spricht für
einen zeitlichen Ansatz des Fragmentes in die mittlere Kaiserzeit (2.-3. Jh.
n. Chr.).
Es handelt sich um ein 44 cm breites und 35 cm hohes, an allen 4 Seiten
beschädigtes Fragment eines Kalksteinreliefs. Die Darstellung zeigt ein nach
links gehendes oder laufendes Zugtierpaar in Profilsicht. Es dürfte sich eher
um Maultiere denn um um Pferde handeln. Es handelt sich bei dem Relieffragment
zweifellos um den Teil einer Wagenfahrtdarstellung im Rahmen eines grösseren
Grabmonumentes.
Die Darstellung zeigt ein nach links gehendes oder laufendes Zugtierpaar in
Profilsicht. Leider ist nur die vordere Körperhälfte der Tiere bis zur
Kniehöhe erhalten, es fehlen somit sowohl die zweite Körperhälfte der Zugtiere
als auch das dazugehörige Fahrzeug samt Fahrer. Vom rechten Zugtier sind in
Folge der Profilsicht nur ein kleiner Teil des Kopfes sowie der Bugspitze und
der obere Teil eines Vorderbeines sichtbar.
Die Bestimmung der Zugtiere kann nicht mit letzter Sicherheit vorgenommen
werden, es dürfte sich aber eher um Maultiere denn um Pferde handeln.
Interpretation:
Es handelt sich bei dem von uns
beschriebenen Relieffragment zweifellos um den Teil einer
Wagenfahrtdarstellung im Rahmen eines größeren Grabmonumentes.
In einigen Fällen hat man solche Szenen, sicherlich zu Unrecht, pauschal im
Sinne einer „Reise ins Jenseits“ interpretiert.
Die besonders zahlreichen Gespanndarstellungen aus dem nordgallischen Raum, zu
denen auch unser Fragment gehört, reihen sich ein in die in diesem Gebiet so
beliebten Darstellungen von Szenen aus dem Alltagsleben des oder der
Verstorbenen.
Das Relief aus Mamer ist dabei insoweit wichtig, als es neue Anhaltspunkte
gegen die bisherige These von der technischen Unzulänglichkeit antiker
Anspannmethoden liefert."
 
Das
rechte Teil des Relieffragments in Fundlage (Photo: GKA)
Der rechte Teil des Relieffragments
wurde am 27.09.1991 bei der Verlegung von Gas- und Postleitungen gefunden. Der
Block war in sekundärer Verwendung in die Wand eines römerzeitlichen Kellers
eingepaßt (ungefähr 100 Meter vom Fundort von des linken Teils entfernt, an der
Einmündung der rue Dangé-Saint-Romain in die Arlonerstrasse).

Im Rahmen
einer Notgrabung wurde ein Teil des Kellers teilweise von der uneigennützigen
Vereinigung "D'Georges Kayser
Altertumsfuerscher" untersucht. Das Relieffragment zeigt den hinteren
Teil eines Zugtieres sowie die vordere Hälfte eines vierrädrigen Wagens mit
Kutscher und paßt fast nahtlos an das bereits 1975 entdeckte Fragment an
(vgl. Ein römerzeitlicher Keller - Grabungsbericht). Der
gesamte Reliefblock befindet sich heute im Museum für Geschichte und Kunst in
Luxemburg.
 
Die beiden zusammengefügten und restaurierten
Teile des Reliefs (Photo: J. Thiel) |