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Neuere Funde
aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes
Die Gräber 1-3 in der Trasse
der Verlegung der Gasleitung
Da es sich bei den hier
vorgestellten Neufunden lediglich um Einzelbefunde aus zwei sehr kleinen
Notgrabungsflächen handelt, erlauben sie naturgemäß keine allgemeineren
Schlußfolgerungen zu Bestattungssitten und Bevölkerungsstruktur des
gallo-römischen vicus von Mamer.
Die Befunde - insbesondere die
1991 entdeckten Gräber 1, 2 und 3 - zeigen jedoch, daß trotz der aus den
Berichten des 19. Jahrhunderts ersichtlichen Störungen durch Steinabbau und
Schatzgräberei dennoch in einigen Bereichen des östlichen Gräberfeldes mit
relativ gut erhaltenen Gräbern in großer Dichte zu rechnen ist.
Ihre wissenschaftliche
Untersuchung wäre aus mehreren Gründen interessant. Zum einen könnten sie
wichtige Aufschlüsse zur Gründung, Entwicklung und Endphase des bislang ja nur
sehr ausschnitthaft bekannten vicus von Mamer sowie zur Sozialstruktur von
dessen Bevölkerung liefern. Zum anderen würden nach modernen wissenschaftlichen
Methoden untersuchte Gräberfeldareale aus Mamer sicherlich auch eine willkommene
Vergleichsbasis1 liefern für die Analyse der zahlreichen kleineren ländlichen
Nekropolen römischer Zeitstellung.
Die Tatsache, daß beide Notgrabungen von 1991 und 1992 durch bei Feldbegehungen
entdeckte, hochgepflügte Scherben ausgelöst wurden, zeigt jedoch auch, daß sich
die Bedingungen einer solchen wissenschaftlichen Untersuchung infolge der
intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der in Frage kommenden Geländebereiche
von Jahr zu Jahr weiter verschlechtern dürften.
Grabungsbericht
Am 5.Oktober 1991 entdeckten Mitglieder
der "D’Georges Kayser Altertumsfuerscher" Scherben auf einem auf dem
Bartringer Bannteil "Kéimpen" des Tossenbergs gelegenen Ackers, zwischen
der Arlonerstraße und der römischen Straße. Die Fundstelle befindet sich direkt
unter der 220 kV Überlandleitung, die hier vorbeiführt.
Eine erste Untersuchung ergab Spuren, die auf ein Grab hindeuteten. Landwirt
Weber aus Bartringen gab sofort die Erlaubnis, auf seinem Acker zu graben und
säte zuvorkommenderweise sein Feld nur in größerem Umkreis von der Fundstelle
ein. Nach telephonischer Absprache mit dem zuständigen Konservator des Musée
National d’Histoire et d’Art, Herrn Dr. Jean Krier, konnte somit mit der Bergung
begonnen werden.
In der Ackerschicht konnte eine Reihe von Streuscherben aufgelesen werden. In
dem nach Entfernen der Ackerschicht angelegtem Planum konnte man deutlich eine
schwarze, fast quadratische Bodenverfärbung erkennen. Aus diesem Planum stammen
die Funde Nummer 1 – Leichenbrand und Scherben, Nummer 5 – Knochen und 2
Scherben, Nummer 7 – Knochen, Zähne, Scherben und Nummer 6 – Dachziegelstücke.

Neben dieser Verfärbung stand eine Schüssel (Nummer 4) mit dem Boden nach oben
in der Erde. Ihr Durchmesser betrug 27 cm, die Höhe noch 17cm. Der Schüsselboden
ist vom Pflug stark beschädigt.
Der Rand der Schüssel ruhte in westlicher Richtung auf einem sehr kleine Stein,
in südöstlicher Richtung auf einem grossen Stein und in nordöstlicher Richtung
auf der Schulter eines kleinen Einhenkelkruges auf. Der mit Nummer 2 bezeichnete
Einhenkelkrug ist 17 cm hoch und hat einen Durchmesser von 13 cm.
Neben diesem Einhenkelkrug stand eine 15 cm grosse Terra-Sigillata-Schale
(Nummer 3), mit 60 Grad Neigung. Darunter kam ein Doppelhenkelkrug (Nummer 4A)
mit abgeschlagenem Boden zum Vorschein. Diese so künstlich geschaffene Oeffnung
zeigte nach oben. Der Krug mit einem Durchmesser von 22 cm hat kräftig gerillte
Lippen und einen scharfen Schulterabsatz. Er war gefüllt mit Leichebrand und
enthielt ausserdem ein stark verbranntes Terra-Sigillata-Schälchen (Nummer 4B),
welches noch Glasscherben enthielt. Die Schüssel befand sich 30 cm, das Halsende
des Doppelhenkelkruges 53 cm unter der Ackerschicht.



Beim Entfernen des grossen Steines kam der abgeschlagene Boden eines Topfes
(Nummer 8) zum Vorschein. Er diente als Deckel eines darunter stehenden
schwarzen Topfes mit wulstigem Rand (Nummer 9), mit einem Durchmesser von 17 cm und
einer Höhe von 15 cm. Er war mit Leichenbrand verfüllt. Der Boden des
Topfes stand leicht schräg, 78 cm unter der Ackerschicht. Die Unterkante des
grossen Steins reichte ebenfalls bis in diese Tiefe, genau wie die daneben
befindliche schwarze Bodenverfärbung, welch eine mit Asche und Leichenbrand
verfüllte Grube war. Wir haben es hier mit 2 übereinandergelegenen Gräbern zu
tun.

Mit dem Gittermast Nummer 28 der 220 kV Überlandleitung als Ausgangspunkt wurden
die Befunde im Plan eingezeichnet.


Profilzeichnung
der Gräber 1-3
Fotos und
Zeichnungen: "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
(GKA) |