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Die Gräber des gallo-römischen vicus von Mamer

Das östliche Gräberfeld
 

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Neuere Funde aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes

Die Gräber 1-3 in der Trasse der Verlegung der Gasleitung

Da es sich bei den hier vorgestellten Neufunden lediglich um Einzelbefunde aus zwei sehr kleinen Notgrabungsflächen handelt, erlauben sie naturgemäß keine allgemeineren Schlußfolgerungen zu Bestattungssitten und Bevölkerungsstruktur des gallo-römischen vicus von Mamer.

Die Befunde - insbesondere die 1991 entdeckten Gräber 1, 2 und 3 - zeigen jedoch, daß trotz der aus den Berichten des 19. Jahrhunderts ersichtlichen Störungen durch Steinabbau und Schatzgräberei dennoch in einigen Bereichen des östlichen Gräberfeldes mit relativ gut erhaltenen Gräbern in großer Dichte zu rechnen ist.

 Ihre wissenschaftliche Untersuchung wäre aus mehreren Gründen interessant. Zum einen könnten sie wichtige Aufschlüsse zur Gründung, Entwicklung und Endphase des bislang ja nur sehr ausschnitthaft bekannten vicus von Mamer sowie zur Sozialstruktur von dessen Bevölkerung liefern. Zum anderen würden nach modernen wissenschaftlichen Methoden untersuchte Gräberfeldareale aus Mamer sicherlich auch eine willkommene Vergleichsbasis1 liefern für die Analyse der zahlreichen kleineren ländlichen Nekropolen römischer Zeitstellung.

Die Tatsache, daß beide Notgrabungen von 1991 und 1992 durch bei Feldbegehungen entdeckte, hochgepflügte Scherben ausgelöst wurden, zeigt jedoch auch, daß sich die Bedingungen einer solchen wissenschaftlichen Untersuchung infolge der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der in Frage kommenden Geländebereiche von Jahr zu Jahr weiter verschlechtern dürften.

Carte topographique 1:20000 Série TC, Edition 2002
© Origine Administration du Cadastre et de la Topographie Luxembourg.
Droits réservés au Grand-Duché de Luxembourg (1998-2000) (ACT)

 

Lageplan 1:20000    

Carte topographique 1:5000 BD-L-TC
© Origine Administration du Cadastre et de la Topographie Luxembourg.
Droits réservés au Grand-Duché de Luxembourg (2004) (ACT)

Lageplan 1:5000  
     
   

Grabungsbericht

Am 5.Oktober 1991 entdeckten Mitglieder der "D’Georges Kayser Altertumsfuerscher" Scherben auf einem auf dem Bartringer Bannteil "Kéimpen" des Tossenbergs gelegenen Ackers, zwischen der Arlonerstraße und der römischen Straße. Die Fundstelle befindet sich direkt unter der 220 kV Überlandleitung, die hier vorbeiführt.

Eine erste Untersuchung ergab Spuren, die auf ein Grab hindeuteten. Landwirt Weber aus Bartringen gab sofort die Erlaubnis, auf seinem Acker zu graben und säte zuvorkommenderweise sein Feld nur in größerem Umkreis von der Fundstelle ein. Nach telephonischer Absprache mit dem zuständigen Konservator des Musée National d’Histoire et d’Art, Herrn Dr. Jean Krier, konnte somit mit der Bergung begonnen werden.

In der Ackerschicht konnte eine Reihe von Streuscherben aufgelesen werden. In dem nach Entfernen der Ackerschicht angelegtem Planum konnte man deutlich eine schwarze, fast quadratische Bodenverfärbung erkennen. Aus diesem Planum stammen die Funde Nummer 1 – Leichenbrand und Scherben, Nummer 5 – Knochen und 2 Scherben, Nummer 7 – Knochen, Zähne, Scherben und Nummer 6 – Dachziegelstücke.

Mamer Tossenberg Gräber 1-3

Neben dieser Verfärbung stand eine Schüssel (Nummer 4) mit dem Boden nach oben in der Erde. Ihr Durchmesser betrug 27 cm, die Höhe noch 17cm. Der Schüsselboden ist vom Pflug stark beschädigt.

Der Rand der Schüssel ruhte in westlicher Richtung auf einem sehr kleine Stein, in südöstlicher Richtung auf einem grossen Stein und in nordöstlicher Richtung auf der Schulter eines kleinen Einhenkelkruges auf. Der mit Nummer 2 bezeichnete Einhenkelkrug ist 17 cm hoch und hat einen Durchmesser von 13 cm.

Neben diesem Einhenkelkrug stand eine 15 cm grosse Terra-Sigillata-Schale (Nummer 3), mit 60 Grad Neigung. Darunter kam ein Doppelhenkelkrug (Nummer 4A) mit abgeschlagenem Boden zum Vorschein. Diese so künstlich geschaffene Oeffnung zeigte nach oben. Der Krug mit einem Durchmesser von 22 cm hat kräftig gerillte Lippen und einen scharfen Schulterabsatz. Er war gefüllt mit Leichebrand und enthielt ausserdem ein stark verbranntes Terra-Sigillata-Schälchen (Nummer 4B), welches noch Glasscherben enthielt. Die Schüssel befand sich 30 cm, das Halsende des Doppelhenkelkruges 53 cm unter der Ackerschicht.

Mamer Tossenberg Gräber 1-3

Mamer Tossenberg Gräber 1-3

Mamer Tossenberg Gräber 1-3

Beim Entfernen des grossen Steines kam der abgeschlagene Boden eines Topfes (Nummer 8) zum Vorschein. Er diente als Deckel eines darunter stehenden schwarzen Topfes mit wulstigem Rand (Nummer 9), mit einem Durchmesser von 17 cm und einer Höhe von 15 cm. Er war mit Leichenbrand verfüllt. Der Boden des Topfes stand leicht schräg, 78 cm unter der Ackerschicht. Die Unterkante des grossen Steins reichte ebenfalls bis in diese Tiefe, genau wie die daneben befindliche schwarze Bodenverfärbung, welch eine mit Asche und Leichenbrand verfüllte Grube war. Wir haben es hier mit 2 übereinandergelegenen Gräbern zu tun.

Mamer Tossenberg Gräber 1-3

Mit dem Gittermast Nummer 28 der 220 kV Überlandleitung als Ausgangspunkt wurden die Befunde im Plan eingezeichnet.


Mamer Tossenberg Gräber 1-3
Profilzeichnung der Gräber 1-3

 

Fotos und Zeichnungen: "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" (GKA)


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