|

Neuere Funde
aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes
Das Grab Nummer 4
Grabungsbericht
Am 7. Februar 1992 entdeckte ein Vereinsmitglied der "D’Georges
Kayser Altertumsfuerscher" Scherben und Kohlespuren auf einem frisch
gepflügten Acker auf dem Tossenberg. Nach Absprache mit Herrn Dr. Jean Krier vom
Musée National d’Histoire et d’Art wurde am darauffolgenden Tag eine Notgrabung
durchgeführt, bei der jedoch lediglich eine Fläche von 1m2
untersucht werden konnte. Die Fundstelle liegt etwa 75m westlich der drei
Gräber, die bereits am 5. Oktober 1991 geborgen worden waren. In der
Ackerschicht wurden zahlreiche Streuscherben sowie Leichenbrandfragmente und ein
Eisennagel aufgelesen.
In 25 cm Tiefe, direkt unter der Ackerschicht, fanden sich die Reste eines stark
gestörten Brandgrabes: ein fast vollständig erhaltenes Terra-Sigillata-Schälchen
(Durchm. 8,6 cm, Höhe 3,1 cm) stand schräg mit dem Sockel nach oben im Boden.
Etwa 20 cm südwestlich davon lag ein auf die Seite gestürzter Topf (Durchm. 11,5
cm, Höhe 8,3 cm). Auf gleichem Niveau fand sich der Hals eines
Doppelhenkelkruges.
Acht Zentimeter tiefer als der Krughals wurde ein Bronzebeschlag entdeckt. In 35
cm Tiefe konnte noch ein stark korrodierter Gegenstand aus Bronze entdeckt
werden. Nur wenig Leichenbrand wurde zwischen den Beigaben aufgesammelt,
lediglich um den Bronzebeschlag lag der Leichenbrand etwas dichter. Zwischen dem
TS-Schälchen und dem Topf zeigten sich schwache Brandspuren im Boden. Zwischen
den Beigaben lagen vereinzelte kleine Steine ohne erkennbare Ordnung. Nur wenig
Leichenbrand konnte zwischen den Beigaben aufgesammelt werden.
In 15m Entfernung westlich der Fundstelle konnten zahlreiche hochgepflügte
Holzkohlefragmente beobachtet werden. Dies läßt auf das Vorhandensein weiterer
Gräber in diesem Bereich des Geländes schließen.


Zeichnung von Grab Nummer 4
Inventar von Grab 4
1) Terra-Sigillata-Napf (1992-86/1) vom Typ Dragendorff 35
(vgl. Oswald/Pryce, Introduction, S. 192-194
und Taf. 53). Barbotineauflage im Uhrzeigersinn. Matte,
braunrote Oberfläche, teilweise abgerieben. Lachsfarbener Ton. Sekundärbeigabe.

2) Weitbauchiger kleiner Topf (1992-86/2)
beziehungsweise Becher mit nach außen umgelegtem Rand
(vgl. Grab Nummer 2,
Beigabe 2). Muschelgemagerte Ware. Dunkelgrauer bis
schwarzer Ton. Grobe, an der Oberfläche sichtbare Muschelmagerung. Hellbraune
Oberfläche. Sekundärbeigabe.

3) Hals und Rand eines Doppelhenkelkruges
(1992-86/3) mit Trichterhals (vgl. Gose,
Gefässkeramik, Taf. 34, Typ 397). Glattwandige Ware.
Hellrötlicher Ton mit ebensolcher Oberfläche. Sekundärbeigabe.

4) Bronzebeschlag (1992-86/4).
Bandförmiges Bronzeblech mit kreisrunder Verzierung. Massive, herzförmige
Abschlußplatte. Sekundärbeigabe.

5) Bronzering? Sekundärbeigabe.
Bei Grab 4 erweist sich aufgrund des schlechten
Erhaltungszustands und der ungünstigen Bergungsumstände eine Bestimmung der
Grabkategorie leider als unmöglich. Die keramischen Beigaben erlauben eine
Datierung in das letzte Viertel des ersten bzw. das erste Viertel des zweiten
Jahrhunderts n. Chr.
Bei dem bronzenen Beschlagteil und dem Bronzering
dürfte es sich wohl um die beiden einzigen erhaltenen Spuren einer Holzkassette
handeln, die als Sekundärbeigabe ins Grab gelangte. Solche Holzkassetten dienten
in der Regel der Aufbewahrung von Schmuck, Toilettegerät oder anderen
persönlichen Gegenständen. Sie wurden bereits häufiger in gallo-römischen
Gräbern des Treverergebietes beobachtet und gelten als eine für Mädchen- oder
Frauengräber typische Beigabe. Somit ist das Grab 4 das einzige unserer Reihe,
das von archäologischer Seite her eine Vermutung hinsichtlich des Geschlechts
der bestatteten Person erlaubt.
Nähere Informationen zu Geschlecht und Alter der Bestatteten könnte
darüberhinaus eine anthropologische Untersuchung der geborgenen Leichenbrände
liefern. In Anbetracht der damit verbundenen Unkosten wurde auf diese
Untersuchungen verzichtet, da es sich bei den vier vorgestellten Gräbern
lediglich um Einzelbefunde aus einem sehr viel größeren, bislang so gut wie
unerforschten Gräberfeld handelt und somit einzelne Analysen ohnhin keinerlei
weitere Schlüsse erlauben würden.
Zeichnungen: "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
(GKA)
|