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Die Gräber des gallo-römischen vicus von Mamer
Das östliche Gräberfeld
 

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Notgrabungen auf dem Tossenberg 2001
Joël Adam, Notgrabung auf Tossenberg, in: Den Ausgriewer 2002, Nummer 12

Beginn der Grabung 2001 

Parallel zu der 1991 verlegten Gasleitung soll nun eine neue Wasserleitung verlegt werden. Eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Bartringen und den Museumsverantwortlichen ermöglicht einen mehrmonatigen Grabungseinsatz der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" (GKA) im Vorfeld der Baggerarbeiten. Da für die Verlegung der Wasserleitung ein etwa 15 bis 20 Meter breiter Streifen benötigt wird auf welchem der Ackerboden entfernt werden muss um einerseits die Leitung zu verlegen und andererseits das Befahren mit schweren Maschinen zu ermöglichen, musste die gesamte Fläche untersucht werden. Die Feldeinteilung erfolgt nach den Plänen von 1991, wobei die beiden, vor 10 Jahren entdeckten Gräber, welche sich in Feld 1 befanden, als Anhaltspunkt für den Beginn der Grabung gelten.

 
Mamer-Tossenberg, Urnengräberfeld, Grabung 1991 Mamer-Tossenberg, Urnengräberfeld, Grabung 1991
Mamer-Tossenberg, Urnengräberfeld, Grabung 1991 Mamer-Tossenberg, Urnengräberfeld, Grabung 1991
Grabungsareal 2001

Freigelegte Strukturen zur nördlichen Seite der Römerstrasse Reims-Trier

Gesamtplan der freigelegten Strukturen und Befunde

 


Google Earth overlay

Übersichtskarte

 

Grab an Grab

Nach einem Monat Arbeit auf Tossenberg sind bereits 2 Dutzend Gräber freigelegt und geborgen. Die Form der verschiedenen Gräber ist immer wieder dieselbe: Nach der Einäscherung des Verstorbenen wurden die unverbrannten Knochenteilchen (Leichenbrand) in einem Tongefäß eingesammelt (Urne, Schüssel, abgebrochener Doppelhenkelkrug.

Eine Grabgrube wurde ausgehoben und das mit dem Leichenbrand gefüllte Tongefäß wurde, abgedeckt mit einem anderen Tongefäß (Varianten: Dachziegel oder Stein), der Erde beigesetzt. Ab und zu wurden weitere Grabbeigaben hinzugegeben. Dann wurde die Grabgrube wieder zugeschüttet und mit großer Wahrscheinlichkeit nach außen hin markiert, denn die Gräber wurden dermaßen dicht aneinandergelegt, dass im Falle einer fehlenden Markierung das Risiko der Zerstörung eines älteren Grabes bei der Anlegung eines neuen Grabes doch sehr groß gewesen wäre.

Mamer-Tossenberg, Urnengräberfeld, Grabung 1991

So wurden denn auch bei mehreren Gräbern einen größeren Stein dicht über der Grabgrube bemerkt. Dies war jedoch nicht die Regel. Bis Ende Juni 2001 wurden insgesamt über 50 Brandgräber auf einer Fläche von nur knapp 50 Quadratmetern geborgen. In der Regel haben diese Grabgruben einen Durchmesser von rund 50 cm.

In seltenen Fällen war die Grabgrube verfüllt mit Resten des Scheiterhaufens (Holzkohle, verbrannten Tongefäßen, Knochenteilchen, Schuhnägeln, usw.). Bei einigen Gräbern wurde eine Aschengrube dicht neben einem Grab festgestellt.

Besonders interessant war die Feststellung der grubenähnlichen Vertiefung im Bereich der nordöstlichen und nordwestlichen Grabungsgrenze. Südöstlich kann eine derartige Abgrenzung nicht festgestellt werden, da hier die Grabungsgrenze verläuft und Anzeichen bestehen, dass sich weitere Gräber in diesem Bereich befinden.

Südwestlich, etwa in 5 Metern Entfernung, verläuft  die Römerstraße von Reims nach Trier. Ein etwa 1 m breiter Streifen entlang des Kiem, verfüllt zum Teil mit Humuserde, weist ausschließlich modernes Material auf. Berücksichtigt man die Orientierung der Gräbergruppe, muss man davon ausgehen, dass der Verlauf der Römerstraße in römischer Zeit leicht anders verlief.

Bei der grubenähnlichen Vertiefung handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Abgrenzung eines Grabgartens, der jedoch wegen der östlich verlaufenden Grabungsgrenze nicht komplett erfasst wurde. Dabei scheint es sich um eine Abgrenzung der in den Gräberfeldern der Vici üblichen Grabgärten zu handeln.

 
Unter der Steinpackung befindet sich ein sehr gut erhaltenes Urnengrab (Befund 16).

Befund 29: Ein Urnengrab abgedeckt mit einem kleinen Teller.

Befund 33: Ein Gefässboden deckt eine Aschenurne ab, daneben liegt ein kleiner Einhenkelkrug als weitere Grabbeigabe.

Befund 37: Beigabe 4 ist ein Tierknochen; der hohe Kalkgehalt der Bodenzusammensetzung auf Tossenberg erlaubt eine besonders gute Knochenkonservierung.

 

Dicht nebeneinander liegen die muldenartigen Grabgruben (hier die Befunde 33, 34 und 35).

 

Mamer-Tossenberg, Urnengräberfeld, Grabung 1991 Mamer-Tossenberg, Urnengräberfeld, Grabung 1991
Befunde 9 und 49: Typische Urnengräber vom Tossenberg.
 

Opferplatz inmitten der Gräberanlage ?

An der westlichen Begrenzung des Grabgartens legen wir eine Steinpflasterung frei. Am Anfang wurde diese als Weg gedeutet, welcher verschiedene Grabgärten miteinander verbindet.

Beim Untersuchen dieser Pflasterung wird jedoch schnell klar, dass es sich wohl eher um eine Art Opferstelle handelt. Zahlreiche Münzen, die meisten aus dem 2. Jh. n. Chr. und große Mengen Keramikscherben, vermischt mit faustdicken Steinen, bilden die Pflasterung. Im zentralen Bereich des vermuteten Opferplatzes befinden sich die Überreste einer Brandstelle. Ob es sich dabei um die Überreste eines frühen Scheiterhaufenplatzes handelt, konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Drei Pfostengruben unterhalb der Pflasterung lassen eine Aufbahrung der Toten in diesem Bereich vermuten. Die Opferkeramik besteht zum größten Teil aus Krugscherben.

 

Ein gemauerter Grabgarten?

Eine weitere Überraschung erwartet uns zur westlichen Seite der Grabungsfläche. Dicht am Gasleitungsgraben von 1991 kommt ein quadratischer Mauergrundriss zum Vorschein. Beim Vergleich mit ähnlichen Strukturen des Gräberfeldes von Wederath vermuten wir, dass es sich um einen ummauerten Grabgarten handelt.

Da das quadratische Mauerfundament durch die Steinpflasterung mit dem Grabgarten in direkter Verbindung steht, könnte es sich bei diesem Grundriss ebenfalls um eine Art kleines Heiligtum handeln, in der möglicherweise eine Götterfigur stand, und wo Opfer gebracht wurden.

 

Im Viertelschnittsystem wir der gesamte Innenbereich des etwa 3 mal 3 Meter großen Quadrates untersucht. Einen Grabfund gibt es allerdings nicht. Lediglich ein paar Tierknochen werden gefunden. Auch im Aussenbereich kommt keine Bestattung zum Vorschein. Deshalb können wir annehmen, dass es sich um das Fundament einer Grabsäule handelt.



Grabung auf der gegenüberliegenden Seite des Kiem
Fundament einer weiteren Grabsäule

Der untersuchte Grabgarten liegt entlang der nördlichen Seite der römischen Fernstraße Reims-Trier. Da bekannt ist, dass entlang der beiden Straßenseiten am Ausgang der Vici bestattet wurde, müssen südlich des Kiem weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Schließlich wird die Trasse der Wasserleitung auch diesen Bereich schneiden.


Im Gegensatz zum nördlichen Randgebiet des Kiem wurden hier keine Oberflächenfunde aufgelesen, welche einen deutlichen Anhaltspunkt auf vorhandene Bestattungen geliefert hätten. Mit Hilfe des wiederum von der Gemeinde Bartringen zu Verfügung gestellten Baggers wird vorsichtig der Ackerboden entfernt.

Nach wenigen Arbeitsstunden liegt ein größerer, länglicher Steinblock frei. Anfangs wird angenommen, es handele sich um den Deckel eines Sarkophags. Nachdem schließlich eine größere Fläche gesäubert ist, wird ersichtlich, dass wir das rund 4x5 Meter große Fundament eines Grabmonumentes freigelegt haben. Das Fundament ist massiv und besteht aus einer fast zwei Meter mächtigen Steinschicht. Der Steinquader gehörte zur ersten Sockelreihe.

Zahlreiche aufgelesene Muschelkalkbruchstücke belegen diese Vermutung. Der anfänglich als Sarkophagdeckel gedeutete Steinquader war Teil des Sockels.

 

Kalkbrennöfen aus dem 19. Jahrhundert

Etwa 1 Kilometer südlich von der Gräberstätte entfernt entdecken wir 2 Kalkbrennöfen, welche vor ihrer endgültigen Zerstörung untersucht und dokumentiert werden. Vermutlich stammen sie aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Sie befanden sich nur wenige hundert Meter vom alten Dorfkern von Bartringen entfernt und dienten mit größter Wahrscheinlichkeit zur Gewinnung des für den Häuserbau benötigten Kalks.

Diese Kalkbrennöfen waren knapp einen Meter tief ins Erdreich eingebettet. Die Ummantelung bestand aus roten Lehmziegeln. Spuren, der nach außen hin sichtbaren Ofenkuppel konnten nicht mehr festgestellt werden. Die innere Ladefläche, in Form von regelmäßig verlegten, massiven Eisenstangen (fünf an der Zahl, welche auf quer liegenden Stangen auflagen) befand sich in gutem Erhaltungszustand. Kalkhaltige Steine wurden auf diesen Eisenstangen aufgetürmt und von unten erhitzt. Der Kalk löste sich und konnte auf der Ofensohle aufgelesen werden. Eine dünne Kalkschicht über den Holzkohleüberresten auf der Ofensohle zeugte von der letzten Benutzung.

 

Römische Drainagegraben und Pfostenlöcher

Wenige hundert Meter weiter südlich legen wir mehrere Drainagegräben frei, sowie etwa ein Dutzend Pfostenlöcher.

Die Drainagegraben dienten offensichtlich der Entwässerung eines sich im angrenzenden Acker befindlichen römischen Steingebäudes. Wir verzichten allerdings auf eine Untersuchung der Pfostenlöcher, weil sie nicht von der Zerstörung durch die Wasserleitung betroffen waren und somit die Möglichkeit gegeben ist, sie zu einem späteren Zeitpunkt großflächig zu untersuchen. Die Frage bleibt offen, ob sich an jener Stelle ein vorrömischer oder römischer Holzbau befand.
 


Römischer Drainagegraben. Der Entwässerungskanal bestand aus hochkant stehenden Steinen und einer Abdeckplatte.

Nachdem der Wasserleitungsgraben bereits ausgehoben worden war, wurden bei Baggerarbeiten weitere römerzeitliche Keramikscherben im Grabenrand entdeckt. Eine Notgrabung wird umgehend an dieser Stelle eingeleitet, da die zügig vorangetriebenen Arbeiten zum Verlegen der Wasserleitung bereits weit fortgeschritten sind.

Bei den Aushubarbeiten des Wasserleitungsgrabens wird eine "moderne" Störung geschnitten. Vermutlich stammt diese Störung aus der Zeit, als auf Tossenberg Steine zum Bau der Häuser in den umliegenden Dörfern gewonnen wurden. Dabei stießen die Arbeiter damals auf Graburnen, welche sie nicht zerstörten, sondern behutsam an anderer Stelle niederlegten. Fünf solcher Urnen können wir vor einer endgültigen Zerstörung durch die Baggerschaufel bewahren.
 


Mit ungewaschenem Leichenbrand gefüllte Urne

Fotos und Zeichnungen: "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" (GKA)

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