Beginn der Grabung 2001
Parallel zu der 1991 verlegten Gasleitung soll nun eine neue Wasserleitung
verlegt werden. Eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde
Bartringen und den Museumsverantwortlichen ermöglicht einen mehrmonatigen
Grabungseinsatz der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" (GKA) im
Vorfeld der Baggerarbeiten. Da für die Verlegung der Wasserleitung ein etwa
15 bis 20 Meter breiter Streifen benötigt wird auf welchem der Ackerboden
entfernt werden muss um einerseits die Leitung zu verlegen und andererseits
das Befahren mit schweren Maschinen zu ermöglichen, musste die gesamte
Fläche untersucht werden. Die Feldeinteilung erfolgt nach den Plänen von
1991, wobei die beiden, vor 10 Jahren entdeckten Gräber, welche sich in Feld
1 befanden, als Anhaltspunkt für den Beginn der Grabung gelten.
Grab an Grab
Nach einem Monat Arbeit auf Tossenberg sind bereits 2 Dutzend Gräber
freigelegt und geborgen. Die Form der verschiedenen Gräber ist immer wieder
dieselbe: Nach der Einäscherung des Verstorbenen wurden die unverbrannten
Knochenteilchen (Leichenbrand) in einem Tongefäß eingesammelt (Urne,
Schüssel, abgebrochener Doppelhenkelkrug.
Eine Grabgrube wurde ausgehoben und das mit dem Leichenbrand gefüllte
Tongefäß wurde, abgedeckt mit einem anderen Tongefäß (Varianten: Dachziegel
oder Stein), der Erde beigesetzt. Ab und zu wurden weitere Grabbeigaben
hinzugegeben. Dann wurde die Grabgrube wieder zugeschüttet und mit großer
Wahrscheinlichkeit nach außen hin markiert, denn die Gräber wurden dermaßen
dicht aneinandergelegt, dass im Falle einer fehlenden Markierung das Risiko
der Zerstörung eines älteren Grabes bei der Anlegung eines neuen Grabes doch
sehr groß gewesen wäre.

So wurden denn auch bei mehreren Gräbern einen größeren Stein dicht über der
Grabgrube bemerkt. Dies war jedoch nicht die Regel. Bis Ende Juni 2001
wurden insgesamt über 50 Brandgräber auf einer Fläche von nur knapp 50
Quadratmetern geborgen. In der Regel haben diese Grabgruben einen
Durchmesser von rund 50 cm.
In seltenen Fällen war die Grabgrube verfüllt mit Resten des Scheiterhaufens
(Holzkohle, verbrannten Tongefäßen, Knochenteilchen, Schuhnägeln, usw.). Bei
einigen Gräbern wurde eine Aschengrube dicht neben einem Grab festgestellt.
Besonders interessant war die Feststellung der grubenähnlichen Vertiefung im
Bereich der nordöstlichen und nordwestlichen Grabungsgrenze. Südöstlich kann
eine derartige Abgrenzung nicht festgestellt werden, da hier die
Grabungsgrenze verläuft und Anzeichen bestehen, dass sich weitere Gräber in
diesem Bereich befinden.
Südwestlich, etwa in 5 Metern Entfernung, verläuft die Römerstraße von
Reims nach Trier. Ein etwa 1 m breiter Streifen entlang des Kiem,
verfüllt zum Teil mit Humuserde, weist ausschließlich modernes Material auf.
Berücksichtigt man die Orientierung der Gräbergruppe, muss man davon
ausgehen, dass der Verlauf der Römerstraße in römischer Zeit leicht anders
verlief.
Bei der grubenähnlichen Vertiefung handelt es sich mit großer
Wahrscheinlichkeit um die Abgrenzung eines Grabgartens, der jedoch wegen der
östlich verlaufenden Grabungsgrenze nicht komplett erfasst wurde. Dabei
scheint es sich um eine Abgrenzung der in den Gräberfeldern der Vici
üblichen Grabgärten zu handeln.
Opferplatz inmitten der
Gräberanlage ?
An der westlichen Begrenzung des Grabgartens legen wir eine Steinpflasterung
frei. Am Anfang wurde diese als Weg gedeutet, welcher verschiedene
Grabgärten miteinander verbindet.
Beim Untersuchen dieser Pflasterung wird jedoch schnell klar, dass es sich
wohl eher um eine Art Opferstelle handelt. Zahlreiche Münzen, die meisten
aus dem 2. Jh. n. Chr. und große Mengen Keramikscherben, vermischt mit
faustdicken Steinen, bilden die Pflasterung. Im zentralen Bereich des
vermuteten Opferplatzes befinden sich die Überreste einer Brandstelle. Ob es
sich dabei um die Überreste eines frühen Scheiterhaufenplatzes handelt,
konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Drei Pfostengruben
unterhalb der Pflasterung lassen eine Aufbahrung der Toten in diesem Bereich
vermuten. Die Opferkeramik besteht zum größten Teil aus Krugscherben.
Ein gemauerter
Grabgarten?
Eine weitere Überraschung erwartet uns zur westlichen Seite der
Grabungsfläche. Dicht am Gasleitungsgraben von 1991 kommt ein quadratischer
Mauergrundriss zum Vorschein. Beim Vergleich mit ähnlichen Strukturen des
Gräberfeldes von Wederath vermuten wir, dass es sich um einen ummauerten
Grabgarten handelt.
Da das quadratische Mauerfundament durch die Steinpflasterung mit dem
Grabgarten in direkter Verbindung steht, könnte es sich bei diesem
Grundriss ebenfalls um eine Art kleines Heiligtum handeln, in der
möglicherweise eine Götterfigur stand, und wo Opfer gebracht wurden.

Im Viertelschnittsystem wir der gesamte Innenbereich des
etwa 3 mal 3 Meter großen Quadrates untersucht. Einen Grabfund gibt es
allerdings nicht. Lediglich ein paar Tierknochen werden gefunden. Auch im
Aussenbereich kommt keine Bestattung zum Vorschein. Deshalb können wir
annehmen, dass es sich um das Fundament einer Grabsäule handelt.
Grabung auf der gegenüberliegenden Seite des Kiem
Fundament einer weiteren Grabsäule
Der untersuchte Grabgarten
liegt entlang der nördlichen Seite der römischen Fernstraße Reims-Trier. Da
bekannt ist, dass entlang der beiden Straßenseiten am Ausgang der Vici
bestattet wurde, müssen südlich des Kiem weitere Untersuchungen vorgenommen
werden. Schließlich wird die Trasse der Wasserleitung auch diesen Bereich
schneiden.

Im Gegensatz zum nördlichen Randgebiet des Kiem wurden hier keine
Oberflächenfunde aufgelesen, welche einen deutlichen Anhaltspunkt auf
vorhandene Bestattungen geliefert hätten. Mit Hilfe des wiederum von der
Gemeinde Bartringen zu Verfügung gestellten Baggers wird vorsichtig der
Ackerboden entfernt.
Nach wenigen Arbeitsstunden liegt ein größerer, länglicher Steinblock frei.
Anfangs wird angenommen, es handele sich um den Deckel eines Sarkophags.
Nachdem schließlich eine größere Fläche gesäubert ist, wird ersichtlich,
dass wir das rund 4x5 Meter große Fundament eines Grabmonumentes freigelegt
haben. Das Fundament ist massiv und besteht aus einer fast zwei Meter
mächtigen Steinschicht. Der Steinquader gehörte zur ersten Sockelreihe.
Zahlreiche aufgelesene Muschelkalkbruchstücke belegen diese Vermutung. Der
anfänglich als Sarkophagdeckel gedeutete Steinquader war Teil des Sockels.

Kalkbrennöfen aus dem
19. Jahrhundert
Etwa 1 Kilometer südlich von der Gräberstätte entfernt entdecken wir 2
Kalkbrennöfen, welche vor ihrer endgültigen Zerstörung untersucht und
dokumentiert werden. Vermutlich stammen sie aus dem 18. oder 19.
Jahrhundert. Sie befanden sich nur wenige hundert Meter vom alten Dorfkern
von Bartringen entfernt und dienten mit größter Wahrscheinlichkeit zur
Gewinnung des für den Häuserbau benötigten Kalks.
Diese Kalkbrennöfen waren knapp einen Meter tief ins Erdreich eingebettet.
Die Ummantelung bestand aus roten Lehmziegeln. Spuren, der nach außen hin
sichtbaren Ofenkuppel konnten nicht mehr festgestellt werden. Die innere
Ladefläche, in Form von regelmäßig verlegten, massiven Eisenstangen (fünf an
der Zahl, welche auf quer liegenden Stangen auflagen) befand sich in gutem
Erhaltungszustand. Kalkhaltige Steine wurden auf diesen Eisenstangen
aufgetürmt und von unten erhitzt. Der Kalk löste sich und konnte auf der
Ofensohle aufgelesen werden. Eine dünne Kalkschicht über den
Holzkohleüberresten auf der Ofensohle zeugte von der letzten Benutzung.
Römische Drainagegraben
und Pfostenlöcher
Wenige hundert Meter weiter südlich legen wir mehrere Drainagegräben frei,
sowie etwa ein Dutzend Pfostenlöcher.
Die Drainagegraben dienten offensichtlich der Entwässerung eines sich im
angrenzenden Acker befindlichen römischen Steingebäudes. Wir verzichten
allerdings auf eine Untersuchung der Pfostenlöcher, weil sie nicht von der
Zerstörung durch die Wasserleitung betroffen waren und somit die Möglichkeit
gegeben ist, sie zu einem späteren Zeitpunkt großflächig zu untersuchen. Die
Frage bleibt offen, ob sich an jener Stelle ein vorrömischer oder römischer
Holzbau befand.

Römischer Drainagegraben. Der Entwässerungskanal bestand aus hochkant
stehenden Steinen und einer Abdeckplatte.
Nachdem der Wasserleitungsgraben bereits ausgehoben worden war, wurden bei
Baggerarbeiten weitere römerzeitliche Keramikscherben im Grabenrand
entdeckt. Eine Notgrabung wird umgehend an dieser Stelle eingeleitet, da die
zügig vorangetriebenen Arbeiten zum Verlegen der Wasserleitung bereits weit
fortgeschritten sind.

Bei den Aushubarbeiten des Wasserleitungsgrabens wird eine "moderne" Störung
geschnitten. Vermutlich stammt diese Störung aus der Zeit, als auf
Tossenberg Steine zum Bau der Häuser in den umliegenden Dörfern gewonnen
wurden. Dabei stießen die Arbeiter damals auf Graburnen, welche sie nicht
zerstörten, sondern behutsam an anderer Stelle niederlegten. Fünf solcher
Urnen können wir vor einer endgültigen Zerstörung durch die Baggerschaufel
bewahren.

Mit ungewaschenem Leichenbrand gefüllte Urne
Fotos und Zeichnungen: "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
(GKA)