Körperbestattungen
Nur wenige Meter südlich der Urnengräberansammlung deutet eine längliche,
rund 2m lange Verfärbung auf einen weiteren Befund hin (Befund 20). Die
Verfüllung ist homogen und kompakt. Die Orientierung ist dieselbe wie die
des Grabens zur nördlichen Seite. Nur gibt es zu beiden Seiten einen klaren
Abschluss.
Beim Anlegen eines Querschnittes werden menschliche Knochen freigelegt; es
handelt sich um eine Körperbestattung. Die Knochen sind sehr gut erhalten.
Bei den Fußknochen werden zahlreiche Schuhnägel festgestellt. Ein
Silexfeuerstein befindet sich zwischen den Beinknochen. Ansonsten werden
keine weiteren Beigaben bemerkt.
Erst
wenige Tage vor dem Abschluss der Grabungskampagne auf Tossenberg wird eine
weitere Körperbestattung (Befund 72) an der nördlichen Seite der
Gräberkonzentration entdeckt. Das Skelett liegt im Begrenzungsgraben des
Grabgartens. Folglich muss der Graben bereits verfüllt gewesen sein, als die
Person hier bestattet wurde.
Die Bestattung hebt sich durch die außergewöhnliche Lage des Skelettes
hervor: der rechte Arm ist auf Augenhöhe über den Kopf geschlagen, der linke
Unterarm liegt auf dem Oberarm und berührt mit der Handrückseite die
Schulter. Die Finger sind leicht gekrümmt. Diese besondere Lage erinnert an
eine Verteidigungsposition, als wollte die Person sich vor Schlägen
schützen. Die Fußknochen fehlen gänzlich, allerdings in Folge einer modernen
Störung. Wahrscheinlich wurden sie bei der Untersuchung der
Bodenbeschaffenheit im Vorfeld der Baggerarbeiten zum Verlegen der
Gasleitung 1991 abgetrennt. Eine etwa einen Quadratmeter große Verfärbung
mit modernem Fundmaterial bezeugt dies.
Der Befund 72 enthält eine Gefäßbeigabe. Es handelt sich um einen rötlichen
Teller mit überhängender Lippe, welcher teils unter dem linken
Schulterblatt, teils unter den Halswirbeln steht. Da der Erhaltungszustand
des Tellers hervorragend ist, müssen wir davon ausgehen, dass er als Beigabe
ins Grab gelangte und nicht zufällig im Begrenzungsgraben stand, als die
Person bestattet wurde, denn im Begrenzungsgraben waren gebrochene
Keramikfunde sehr zahlreich.
Fotos: "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
(GKA)