Die
Gräber des gallo-römischen vicus von Mamer
Das östliche Gräberfeld
Notgrabungen auf dem Tossenberg 2001
Eine
Vogelterrakotta vom Tossenberg
Joël Adam, Notgrabung auf Tossenberg,
in: Den Ausgriewer 2002, Nummer 12

Grabbeigabe aus Befund 64, Feld 2 vom 19.
Mai 2001 vom Tossenberg.
Bei dieser
Terrakotta, die eine Taube darstellt, handelt es sich mit großer
Wahrscheinlichkeit um eine Grabbeigabe eines Kindergrabes.
Die Fundumstände
Die
Vogelterrakotta befand sich in der Aschenurne, seitlich auf dem
Leichenbrand liegend, mit der schöneren Seite nach oben gedreht. Die
Aschenurne (Beigabe 2) war abgedeckt mit dem Unterteil eines rötlichen
Gefäßes (1), offensichtlich eines größeren Kruges.
Außergewöhnlich dabei war, dass diese Abdeckung nicht wie üblich in
umgekehrter Stellung die Urne abdeckte, sondern gerade auf der Öffnung der
Urne stand. Eine weitere Beigabe (3) bildete ein Miniaturbecher, seitlich
auf der Urnenwand stehend. Die Vogelterrakotta (4) wurde erst sichtbar,
nachdem bei der Freilegung dieses Grabfundes die Abdeckung in die Urne fiel.
Die Urne selbst war bis etwa zur Hälfte mit Leichenbrand gefüllt. Die andere
Hälfte war leer. Erstaunlich, dass nach rund 1800 Jahren in der Erde, die
Urne sich nicht völlig mit Boden gefüllt hat oder etwa bei der Arbeit auf
dem Feld mit schweren Traktoren in sich eingebrochen ist. Als Beigabe (5)
gilt ein Tierknochen, welcher 30 Zentimeter westlich, auf einem Stein
liegend entdeckt wurde.
Solche Knochenfunde, welche Überreste von Fleischbeigaben darstellen,
befanden sich in mehreren Gräbern oder in nächster Nähe zu Gräbern. Das Grab
mit der Vogelterrakotta wurde unter Befund 64 registriert. Eine Grabgrube
war nur schwer erkennbar. Einige Streuscherben wurden beim Ausheben der
Grabgrube aufgelesen. Beim Waschen des Leichenbrandes kam ein leicht
verbogener Nagel zum Vorschein.
Beigabe eines Kindergrabes?
In
römischer Zeit war die Kindersterblichkeit verhältnismäßig hoch. Kleinkinder
wurden in der Regel unverbrannt beigesetzt. Das Fehlen von Kinderskeletten
auf römischen Gräberfeldern überrascht nicht, da sich die noch sehr weichen
Knochen von Kleinkindern ziemlich schnell in der Erde auflösen. Ab einem
bestimmten Alter wurden die Kinder ebenfalls auf dem Scheiterhaufen
eingeäschert.
Um
das Sterbealter der in Befund 64 eingeäscherten Person genau zu bestimmen,
muss der Leichenbrand untersucht werden. Anhand der Knochenreste jedoch
könnte es sich um ein etwa zehnjähriges Kind gehandelt haben.
In
Ermangelung der Analyse des Leichenbrandes, gibt es jedoch noch zwei weitere
Hinweise, welche auf eine Kinderbestattung schließen lassen: allgemein
werden (Tier-)Terrakotten überwiegend in Kinderbestattungen aufgefunden.
Bereits in vorrömischer Zeit war dies eine beliebte, wenig kostspielige
Beigabe, die unter verschiedenen Formen eine schützende Funktion ausüben
sollte oder einfach nur das Lieblingstier des jeweiligen Kindes darstellte
und in Form einer Terrakotta als Spielzeug diente.
Den
zweiten Hinweis auf ein Kindergrab stellt der Miniaturbecher (Beigabe 3).
Bei Kinderbestattungen sind die Tongefäße kleiner (oft in Miniaturform) als
bei Erwachsenengräbern, entsprechen jedoch den Größenverhältnissen der
jeweiligen Gefäßformen.

Fotos und Zeichnungen: "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
(GKA)
 
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