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Die Gräber des gallo-römischen vicus von Mamer

Das östliche Gräberfeld

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Ältere Funde aus dem Bereich des östlichen Gräberfeldes

Überreste eines Grabmonumentes und Steinsarg

Diese wurden 1832 beim Steinebrechen auf dem östlichen Abhang der Flur "Op Bierg", am rechten Ufer der Mamer entdeckt  [PSH V, 1849, S. 137-138 sowie FLENER, S. 26 und WILHELM, 1974, S. 43].

[FLENER, S. 26] "Von allen Fluren auf Mamer Gebiet haftet einzig an "Biérg" die Sage vom Hexensabbat."

Joh. Engling berichtet über diesen Fund [PSH V, 1849, S. 137]:

"Noch merkwürdiger war der Fund eines Inwohners von Mamer, Namens Johann Marx. Als er im Jahre 1832 zum Neubau seiner Scheune Steine brach, an dem Orte “Auf Berg”, d. h. auf einer kleinen Anhöhe, welche unten hart an Mamer, am rechten Ufer des gleichnamigen Flüsschens, westlich gegenüber dem von ihr durch eine Schlucht getrennten Tossenberge liegt, einen Theil des Schlossberges (Fussnote 7 : S. Pl. IV) bildet, und dermalen durch einen kräftigen Birnbaum bezeichnet ist, fand er mehrere behauene Steine, eine Menge antiker Köpfe mit jugendlichen Gesichtern und von verschiedener Grösse, mancherlei Töpfe und Urnen, sowie auch, seinem Ausdrucke gemäss, alte Dubblen."

Mamer Tossenberg Karte Engling 1849
Auszug aus der Karte Englings in PSH V, 1849

Zwei dieser Köpfe befinden sich rechts und links des Scheunentores des 1832 erbauten "Deckenhauses" in Mamer (12, rue Knaeppchen) eingebaut. Über diese beiden Köpfe schreibt Engling weiter:

"Zwei dieser Köpfe befinden sich jetzt eingemauert in der Wohnung ihres Finders, oder in dem s. g. “Dickenhause” zu Mamer, und zwar der eine rechts und der andere links oben an den Pfosten der Scheuerpforte. Sie sind beide nur wenig hervorragend, der eine 11 (30 cm) und der andere 8 Zoll (22 cm) hoch, unbärtig und jugendlich, mit krausem und kurzem Haare bedeckt, von altrömischer Physionomie, und sollen der Endpunkt sein von zwei feinkörnigen, die ganze Mauerbreite durchlaufenden Sandsteinen. Diese Köpfe standen, als sie gefunden wurden, auf hohen, beinahe nackten, aber unselbstständigen, ich will sagen, aus dem Stein nur stark erhobenen Rümpfen, welche mit den sie tragenden Blöcken zu Radabhaltungsklötzen verschlagen wurden, und vor dem Eingang der Scheune liegen."

Die beiden links und rechts oben neben dem Scheunentor eingebauten Köpfe
(Fotos: Jos Thiel 1996)

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Dank der Zuvorkommenheit der jetzigen (1996) Besitzerin des Hofes, Frau Loni Marx-Heuertz, war es uns möglich, die beiden Köpfe zu photographieren. Engling versuchte folgendermassen, diese Köpfe zu interpretieren:

"Allerdings ist es eine schwierige Aufgabe zu bestimmen, was alle diese Köpfe ursprünglich zu bedeuten hatten. Man könnte sie, freilich nicht wegen vorzüglicher Arbeit, die ihnen abgeht, sondern bloss um ihrer Form willen, für Apollo’sköpfe ansehen. Aber eben so leicht dürfte sie Jemand für andere Götterköpfe oder gar auch, verleitet durch die Siebenzahl der vollkommen ähnlichen, jugendlich aussehenden und stufenmässig an Grösse abnehmenden Gesichter, für Theile einer Niobe’sgruppe und insofern für das Symbol einer mörderischen Seuche und ihrer hierortigen Opfer halten.

Niobegruppe Villa Medici Rom
Teil der Niobegruppe aus der Villa Medici in Rom
(Quelle: http://flickr.com/photos/16833954@N00/412089616)
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Allein nicht von ihrer symbolischen Bedeutung allein, sondern auch von ihrer unmittelbaren hängt ihre Wichtigkeit ab für den Zweck dieser Darstellung. Da die Köpfe, und besonders die sie tragenden Rümpfe, an den Steinen nur als stark erhobene Arbeit erschienen, so lässt sich denken, dass sie einst, was sie auch übrigens für eine Bestimmung mögen gehabt haben, allenfalls an einem grösseren, ansehnlichen Grab- oder Denkmale, dessen Ecken in Löwenköpfe ausliefen, prangten, und insoweit gewiss monumentale Bedeutung hatten."

Über dem Scheunentor hatte man noch einen dritten, grösseren Kopf eingesetzt, der aber wieder entfernt wurde [PSH V, 1849, S. 138]:

" ... als die Frau des Hauses, wie sie mir (Engling) selbst erzählte, es gewahrte und denselben herausnehmen und zerstückeln liess, aus Furcht, von den Leuten für vergeckt oder verteufelt gehalten zu werden. Dieser Kopf, ein Löwengesicht vorstellend, machte den dickeren Theil eines sargförmigen Steines aus, aus welchem sofort Thür - und Fensterstücke gehauen wurden."



Steinsarg

Steinsarg von einer Länge von 2 Metern, "... in welchem einiger Moder und Geldstücke lagen." .
[FLENER, S. 26]. Dieser Steinsarg soll sich hinter den 1832 entdeckten Resten des Grabmonumentes befunden haben; er wurde zu Hausteinen für den Neubau des Hauses des Finders Johann Marx verarbeitet.


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