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MAMER - "JUCKELSBËSCH"

Grabungen 2006-2008 der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"

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Vorbereitungen zu den Ausgrabungen im "Juckelsboesch" 2006

 

[Adam, Juckelsboesch I] Nachdem verschiedene Sammler in den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jh. immer wieder zahlreiche Bruchstücke von Keramikgefäßen aus frührömischer Zeit bei ihrer Felderbegehung auf der Suche nach Steinzeitartefakten auf dem gepflückten Acker auflasen und fachgerecht in einer Kartierung eintrugen, wurde ersichtlich, dass in nächster Nähe zu den von Pfarrer Kayser entdeckten Gräbern, mit weiteren Grabfunden zu rechnen sei.

Am 2. Februar 1987 entdeckte Andre Schoellen, Archäologe der "Ponts & Chaussées" wenige Meter neben den von Pfarrer Kayser ausgegrabenen Gräbern ein weiteres Brandgrab. Darin befanden sich 2 Distelfibeln, Keramikscherben und Leichenbrand.

Die immer tiefer ins Erdreich vordringenden landwirtschaftlichen Maschinen beförderten Scherben der sich in den Gräbern befindenden Gefäße an die Oberfläche. Da die Grabbeigaben und das Gräberfeld dadurch einer kontinuierlichen und unwiderruflichen Zerstörung ausgesetzt waren, wurde im Winter 2005/2006 nach einer Unterredung mit dem zuständigen Archäologen des Nationalmuseums Jean Krier eine archäologische Untersuchung des betroffenen Areals beschlossen.

Die freundliche Zuvorkommenheit des Besitzers Francis Walentiny und seiner Tochter Marianne sowie des Pächters Theo Brunsfeld erlaubten uns, eine Grabung für 2006 einzuplanen.

Die ministerielle Grabungserlaubnis wurde uns am 8. März 2006 von Staatssekretärin Octavie Modert ausgehändigt.

Gemäß der neuen Naturschutzgesetzgebung (Loi rnodifiée du 19 janvier 2004 concernant la protection de la nature et des ressources naturelles) beantragen wir gleichsam eine ministerielle Genehmigung seitens des Umweltministers.

Mit Herrn Walentiny wird ein Ausgrabungsvertrag abgeschlossen, in welchem er als Eigentümer seine Zustimmung gibt, dass alle zu erwartenden Funde in den Besitz des Nationalmuseums übergehen sollten.

Die Ausgrabungsfläche der Vogelperspektive. Foto: GKA
Die Ausgrabungsfläche der Vogelperspektive.


Grabungsbeginn

Am ersten Grabungstag werden großräumig Suchgräben angelegt, um das Gräberfeld zur östlichen Seite einzugrenzen. Nur vereinzelt waren in diesem Bereich bei der Felderbegehung Keramikscherben aufgelesen worden. Da in diesem Bereich keine Gräber zum Vorschein kommen, wurden diese Scherben mit großer Wahrscheinlichkeit beim Bearbeiten der Felder verlagert.

Suchgräben werden mit Hilfe eines kleinen Baggers angelegt. Foto: GKA
Suchgräben werden mit Hilfe eines kleinen Baggers angelegt.

Als erste archäologische Struktur stoßen wir auf die Überreste eines neuzeitlichen Holzkohlemeilers. Eine weitere, längliche, von Nord nach Süd verlaufende Verfärbung interpretieren wir als eingeebneten Hohlweg, welcher quer über den Juckelsboesch verlief (die schachbrettmusterartige Wegeeinteilung erfolgte erst Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Rodung des Waldbestandes).

Überreste eines Holzkohlemeilers und Hohlweg
Im Hintergrund sind in dunkler Verfärbung die Überreste eines Holzkohlemeilers sichtbar,
 während die quer im Vordergrund verlaufende Verfärbung
 als Überbleibsel eines früheren Hohlweges gedeutet wird.

Am Samstag, dem 9. September werden die ersten Gräber gefunden. Der Erhaltungszustand ist eher schlecht. Zum Teil bis zum Gefäßboden waren die Grabbeigaben abgepflügt. Bei einigen Gräbern wird nur noch wenig Leichenbrand vorgefunden. Da man annehmen kann, dass Leichenbrand und Gefäße in den allermeisten Gräbern auf der Grabsohle Platz fanden, wird ersichtlich wie viel Erdreich in den vergangenen zwei Jahrtausenden und ganz besonders in den letzten hundert Jahren durch Erosion verschwunden ist.

 

Allgemeine Beschreibung der Gräber

Von Ende August bis Mitte Dezember werden insgesamt 70 Fundkomplexe (Befunde) untersucht. Bei 45 dieser Befunde handelt es sich zweifelsohne um Gräber. Bei weiteren Befunden können wir davon ausgehen, dass es sich um ein bereits zerstörtes Grab handelt. Manches Grab wurde mit großer Wahrscheinlichkeit Anfang des 20. Jahrhunderts bei der Rodung des Waldes und dem Entreißen der Wurzeln gestört. Höher gelegene Gräber wurden durch das jahrzehntelange Pflügen vom Pflug erfasst und zerstreut.

In den seltensten Fällen konnte eine Grabgrube erkannt werden. Beim Anlegen des ersten Planums verrieten Leichenbrandteilchen, Scherben oder aber die bereits angepflügten Grabbeigaben, dass ein Grab vorhanden sein könnte.

Joël Adam Präsident der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
Joël Adam, Sekretär der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"

Bei verschiedenen Befunden wurden nur Leichenbrandteilchen, bei anderen nur Scherben festgestellt. Verschiedentlich stand ein einzelnes Gefäß ohne erkennbaren Zusammenhang im Boden. Hierbei kann es sich möglicherweise um sogenannte Sekundärbeigaben handeln.

In anderen Gräberfeldern wird oft angenommen, dass es sich bei solchen Gräbern um Säuglings oder Kinderbestattungen handelt, wobei der Leichnam nicht eingeäschert wurde und die noch weichen Knochen sich gänzlich im Erdreich aufgelöst haben. Hinweise auf Kinderbestattungen mit Miniaturgefäßen oder Saugnäpfchen als Grabbeigaben wie wir sie in den Gräberfeldern von Meispelt-Filsched, Kehlen-Rennpad oder Mamer-Tossenberg vorfanden, wurden nicht beobachtet.

In 18 Befunden wurden eine oder mehrere Fibeln geborgen. 26 Exemplare sind aus Bronze und 3 aus Eisen. Weitere 7 Fibeln aus Bronze wurden als Oberflächenfunde aufgelesen. Möglicherweise kommen weitere Fibeln beim Auswaschen der Leichenbrände zum Vorschein, denn bei mehreren Gräbern befand sich der Leichenbrand in einer Urne.

In einem Befund (83) lag eine Münze und eine weitere Münze wurde als Oberflächenfund aufgelesen. In 3 Befunden (54, 76 und 83) lag eine Schafsschere aus Eisen. In Befund 87 befand sich eine Lanzenspitze.

Als Besonderheit gilt eine Schöpfkelle oder ein Sieb aus Bronze. Da dieses sich beim Auffinden zusammen in einem Block mit einer eisernen Schere und mindestens 3 Fibeln befand, wurde der ganze Block eingegipst und dem Museum zwecks Restaurierung übergeben. Glasbeigaben konnten nur in einem Befund (102) festgestellt werden. Dabei handelt es sich gleich um zwei Glasbalsamarien sowie mehrere Glasperlen.

 

 
Befund 102

 

Einer der beiden Glasbalsamarien aus Befund 102 in Fundlage

 

 

Bronze- und Eisenfibeln in Fundlage. Zusammen mit dem Leichenbrand wurden sie in einer Urne ins Grab gegeben

 

Glasperlen aus Befund 102

 

 
Weitere Gräber


Schlussfolgerungen

Ohne einer wissenschaftlichen Auswertung vorgreifen zu wollen und in Anbetracht der Tatsache, dass noch im selben Grabungsbereich mit weiteren Gräbern zu rechnen ist, können wir jetzt bereits festhalten, dass die 2006 entdeckten Befunde zum Teil in augusteische Zeit datieren und somit älter sind als die in den 1970er Jahren von Pfarrer Kayser freigelegte Gräbergruppe.

Eine weitere wichtige Feststellung besteht darin, dass zwischen den neueren Grabfunden und der von Pfarrer Kayser freigelegten Gräbergruppe ein etwa 30 Meter breiter Streifen liegt, in welchem nicht bestattet wurde. Eine Erklärung hierfür liegt bisher nicht vor, dürfte jedoch in der zeitlichen Abfolge der Bestattungen zu finden sein.

In seltenen Fällen wird bei der Untersuchung eines Gräberfeldes der Scheiterhaufenplatz aufgefunden, so wie dies zum Beispiel in Nospelt-Krëckelbierg oder Simmern-Dëckt der Fall war. Im "Juckelsboesch" wurde der Verbrennungsplatz bislang nicht gefunden, allerdings gibt es Hinweise dafür, dass dieser in einem angrenzenden Feld liegt.

Das Gräberfeld reiht sich zeitlich nahtlos an die bereits untersuchten frührömischen Gräberfelder von Nospelt-Krëckelbierg, Keispelt-Hobuch, Kehlen-Rennpad, Meispelt-Filsched und Nospelt-Scheierheck an, wobei letzteres der etwas früheren Zeitstellung und des außerordentlichen  Reichtums wegen, allerdings hervorsticht.

GKA Mamer Juckelsboesch

Zählt man zu diesen sechs frührömischen Bestattungsplätzen das Gräberfeld von Septfontaines-Dëckt noch hinzu, so sieht es aus, als würden diese Gräberfelder Nospelt-Scheierheck kreisförmig umschließen.

Die Bestattungen beginnen jeweils in den letzten Jahrzehnten v. Chr. (in Septfontaines-Dëckt beginnen die Bestattungen erst in der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr., doch wegen zahlreicher Oberflächenfunde muss angenommen werden, dass hier die ältesten Gräber bisher noch nicht erfasst wurden). Zahlreiche Parallelen finden wir in den Bestattungsformen und den Grabbeigaben dieser Gräberfelder. Auffallend sind die überaus häufig vorkommenden Kragenfibeln des speziellen Typs der sogenannten Schildflügelfibeln.

Ein jedes dieser Gräberfelder gehört zu mindestens einem ländlichen Anwesen, möglicherweise sogar zu mehreren solcher Familienbetriebe.

In wie fern ein gesellschaftlicher Zusammenhang zwischen den Bewohnern dieser einzelnen landwirtschaftlichen Anwesen in Betracht gezogen werden muss, ist schwer zu sagen. Man kann sich jedoch vorstellen, dass die Familie des Anwesens von Scheierheck als ländliche Fürstenfamilie anzusehen ist und die Bewohner der umliegenden Höfe in irgendeiner Weise von diesem zentral gelegenen Hof abhängig gewesen sein könnten. Die geringe Entfernung zwischen diesen Gräberfeldern lässt Kontakte unter den hier lebenden Menschen vermuten. DNA-Analysen der Leichenbrände könnten Aufschluss über familiäre Beziehungen geben.


Grabungsplan Mitte Dezember 2006
Plan der bis Mitte Dezember 2006
freigelegten Gräber (nummeriert)
und sonstige Strukturen.

>>> Weitere Fotos der Grabung 2006-2007

 

Alle Fotos und Zeichnungen dieser Seite:
"D`Georges Kayser Altertumsfuerscher", Nospelt (
GKA)

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