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Fortführung der Ausgrabungen
im gallo-römischen Gräberfeld vom "Juckelsboesch"
[Adam, Juckelsboesch
II]
Im Jahr 2007 konnte an 21 Tagen, während rund 1800 Stunden, im Juckelsboesch
gegraben werden.
229 Befunde konnten untersucht werden - diejenigen von Pfarrer Kayser
miteinbezogen. Bei rund 150 dieser Befunde handelt es sich zweifelsohne um
Gräber. Bei weiteren Befunden kann es sich ebenfalls um Gräber handeln, welche
durch Baumwurzelrodung Anfang des vergangenen Jahrhunderts und
landwirtschaftliche Bewirtschaftung während der letzten Jahrzehnte arg in
Mitleidenschaft gezogen wurden.
Betrachtet man den Gesamtplan des Gräberfeldes stellt man
fest, dass zwei isolierte Gräbergruppen vorliegen. Beide Gruppen werden durch
einen rund 25 Meter breiten gräberfreien Raum getrennt. Ob die Gräber in
römischer Zeit beidseitig eines dort verlaufenden Weges angelegt worden waren,
konnte während den Ausgrabungsarbeiten nicht geklärt wer¬en.
Da die quer zum heutigen Weg verlaufenden Erdverfärbung,
welche wir als früheren Hohlweg deuteten, über eine der beiden Gräbergruppen
verläuft, stammt sie mit Sicherheit aus spätrömischer, beziehungsweise aus
nachrömischer Zeit.


Plan der
freigelegten Gräber (nummeriert)
und sonstige Strukturen.
Möglich ist allerdings, dass bereits in römischer,
beziehungsweise vorrömischer Zeit ein Weg dort verlief und, nachdem die
Gräber in Vergessenheit geraten waren, der Weg über einen Teil des
Friedhofes parallel zur älteren Trasse führte.
Die aktuelle Wegeeinteilung stammt aus dem Beginn des 20.
Jahrhunderts, als nach der Rodung des Waldes Wege schachbrettmusterartig
angelegt wurden um die Felder landwirtschaftlich zu nutzen.
Sollten beide Gräbergruppen wären durch einen Weg getrennt gewesen sein,
so wäre dies eine Feststellung von großer Bedeutung, welche bisher an
keinem anderen ländlichen Gräberfeld aus spätkeltischer, beziehungsweise
aus frührömischer Zeit aus unserer Gegend bekannt ist. Die Bestattung
der Toten links und rechts einer Straße oder eines Weges kennen wir aus
den römischen Vici. Dort wurden die Toten außerhalb der Siedlung
beidseitig entlang der Zufahrtsstraßen beigesetzt, Die Bestattung der
Toten entlang einer Straße sollte die Überfahrt ins Jenseits
erleichtern.
Es ist ebenfalls nicht auszuschließen, dass das Gräberfeld von zwei
verschiedenen Familien / Gutshöfen als Bestattungsplatz genutzt wurde,
wobei der Weg als Trennung beider Areale gedient hätte.

Vergangenes Jahr vermuteten wir den Verbrennungsplatz an einer
bestimmten Stelle. Diese Vermutung sollte sich allerdings nicht
bewahrheiten. Obwohl mehrere Aschengruben und verbranntes
Keramikmaterial nach großflächiger Untersuchung vorgefunden wurden, gab
es keine konkreten Hinweise auf den Verbrennungsplatz, So bleibt
anzunehmen, dass die Scheiterhaufenteile durch Erosion komplett
abgetragen wurden.
Wie bereits in den ländlichen, frührömischen Gräberfeldern von Nospelt-Krëckelbierg,
Keispelt-Hohbuch, Meispelt-Filsched und Kehlen-Rennpad
konnten auch im Juckelsboesch keine so genannten treverischen Grabgärten
festgestellt werden. Demnach scheint es so, als gäbe es solche
Grabgärten ausschließlich in den Nekropolen der Adelsfamilien wie z.B.
in Clémency, Nospelt-Scheierheck oder Feulen.
Welchem der im näheren Umkreis bekannten gallo-römischen Siedlungsplätze
das Juckelsboescher Gräberfeld zugewiesen werden kann, ist derzeit noch
unklar. Von allen bekannten Stellen kommt wohl eine am ehesten in Frage,
da dort ausschließlich spätkeltisches, beziehungsweise gallo-römisches
Fundmaterial aufgelesen wird. Die Tatsache, dass keine typisch römischen
Lehmdachziegel von dieser Fundstelle vorliegen, erhärtet diesen
Verdacht. Ein älterer Landwirt, welcher das Feld früher mit den Pferden
bewirtschaftete, wusste zu berichten, dass er als kleiner Junge mit
seinem Vater oder Großvater Mauersteine mit dem Karren aus dem Feld
beförderte, um sie im nahen Wald abzulagern. Der Steinhaufen befindet
sich noch heute an dieser Stelle. Die nähere Betrachtung der Steine
bestätigt die Aussage des Landwirtes. Es dürfte sich hierbei um
Mauersteine von mindestens einem Keller handeln.

Der Steinhaufen
Parallelen hierzu liefern das frührömische Dalheim und
der Titelberg. Die spätkeltischen und frührömischen Gebäude waren noch
aus Holz, Lehm und Stroh errichtet, besaßen jedoch bereits Keller mit
steinernem Mauerwerk. Eine archäologische Ausgrabung an besagter Stelle
könnte in dieser Frage Klarheit schaffen.
[Adam, Juckelsboesch
III]
Integrierung der Befunde von Pfarrer Kayser in den
Gesamtplan Gräberfeldes
Nachdem die Ausgrabungsarbeiten bis Ende 2007 fast
abgeschlossen werden konnten stellte sich die Frage nach der genauen
Fundlage der von Pfarrer Kayser entdeckten Gräber und deren Integrierung
in den Gesamtplan der Nekropole.
Nach mündlicher Aussage einiger Landwirte und insbesondere nach
Informationen von Herrn Theo Brunsfeld, welcher die Ausgrabungsarbeiten
in den siebziger Jahren zeitweilig verfolgte, konnte die damalige
Fundsteile mehr oder weniger präzise bestimmt werden. Doch zur
Eintragung in den Gesamtplan waren diese Aussagen zu ungenau. Und da gab
es noch dieses außergewöhnliche Fundstück, nämlich die marmorierte
Rippenschale aus Glas, deren genaue Fundlage zusammen mit den neueren
Grabfunden vielleicht zu weiteren Erkenntnissen führen könnte.
Ein Übersichtsplan der von Pfarrer Kayser entdeckten Grabbefunde liegt
nicht vor. Allerdings befanden sich in seinen Grabungsnotizen
eingetragene Koordinaten, welche es uns nachträglich ermöglichen einen
Gesamtplan der von ihm untersuchten Befunde zu erstellen.


Gesamtplan der Grabung 1972-1976 von Pfarrer
Kayser
Während der Ausgrabungsarbeiten der vergan¬genen zwei
Jahre bestätigten sich die mündlichen Aussagen. Entlang des Weges kamen
unter dem Ackerboden typische Suchgräben von Pfarrer Kayser zum
Vorschein. Vereinzelt wurden an einigen Stellen Leichenbrandteilchen
aufgelesen, welche als Überreste der geborgenen Gräber gedeutet werden
konnten. Diese Stellen zeichneten wir in unserem neueren Gesamtplan ein.
Ab Grab Nummer 4 beschreibt Pfarrer Kayser die Lage der Gräber in seinen
Notizen. Zur Einmessung der Fundlage eines jeweiligen Grabes nahm
Pfarrer Kayser einerseits die Entfernung zum Weg und andererseits die
Entfernung zu einer Linie A-B (Beispiel Grab Nummer 4: Weg 2, 4 und A-B
1,45).
Da der Weg auch heute noch vorhanden ist, kann die
Entfernung eines jeweiligen Grabes zum Weg ohne Probleme nachvollzogen
werden. Allerdings bereitet die Eintragung der Linie A-B größere
Schwierigkeiten.

Jacques Bonifas, Präsident der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
Anhand welcher Kriterien hatte Pfarrer Kayser diese Linie
A-B festgelegt? Verschiedene Möglichkeiten wurden von uns in Betracht
gezogen. Senkrecht zum bereits oben erwähnten Weg verläuft ein weiterer
Weg. Der Entfernung wegen konnte dieser Weg nicht die Linie A-B
darstellen, aber warum nicht als Basis mit einer parallelen Verschiebung
von einer runden Meterzahl (z.B. 50 Meter) nach Osten hin dienen?
Eine Feldgrenze könnte ebenso als Festlegung der Linie A-B gedient
haben. Durch eine ältere Katasterkarte ist festzustellen, dass das
gegenüber liegende Feld einst unterteilt war. Warum also nicht diese
Linie nach Süden verlängern und als Koordinatenlinie A-B nutzen?
Leider führt keine unserer Hypothesen zu einem befriedigenden Resultat.
Schließlich legten wir willkürlich auf einem Plan eine
Linie A-B senkrecht zur Linie "Weg" fest. Die Lage der jeweiligen Gräber
nach den Beschreibungen von Pfarrer Kayser einzutragen, stellte
nun ein leichtes Unterfangen dar. Nur bei wenigen Gräbern fehlte die A-B
Koordinate. Nach der Eintragung aller Grabfunde in diesen Plan, blieb
als Herausforderung, dessen Integrierung in den neuen Gesamtplan zu
erstellen. Doch wie sollte dies erfolgen, ohne die Linie A-B zu kennen?
Die Gräber 13 und 14 beschrieb Pfarrer Kaiser als
sogenannte Kistengräber. Da er nach der Bergung der Funde diese
Grabkisten, bestehend aus hochkant stehenden Steinen, an Ort und Stelle
beließ und wieder mit Erde verfüllte, war es uns möglich, diese
Kistengräber während der Grabungskampagne wieder zu finden und in
unseren Gesamtplan einzutragen. In einer dieser Grabgruben mit
Steinumfassung fanden wir eine leere Weinflasche vor. Dieser Fund gab
uns Gewissheit, dass das Grab von Pfarrer Kayser entdeckt und die
Beigaben von ihm geborgen worden waren.
Bereits bei der Nachuntersuchung des Gräberfeldes von Nospelt-Kreckelbierg
Anfang der 1990er Jahre stießen wir in Grabungsabschnitten und
Grabgruben immer wieder auf leere Weinflaschen in bereits von Pfarrer
Kayser untersuchten Befunden. Schließlich gelang es uns mittels dieser
beiden Kistengräber die beiden Pläne zusammenzufügen.
Bestätigt wurde die Integrierung der früheren Grabfunde
durch die beiden von Pfarrer Kayser entdeckten Gräber 24 und 25. Bei der
Nachgrabung erkannten wir an jener Stelle Grabgruben mit noch einigen
vorhandenen Leichenbrandteilchen. Die Eintragung dieser beiden
Fundkomplexe auf dem neueren Gesamtplan passt ausgezeichnet zur
Beschreibung der Fundlage aus Pfarrer Kaysers Zeit.


Gesamtplan (Stand Ende 2007)
>>> Weitere Fotos der Grabung 2006-2007
[Adam, Juckelsboesch
V]
Abschluss der Ausgrabungen im gallo-römischen
Gräberfeld von Mamer „Juckelsboesch“
Am 15. März 2008 wurden die Ausgrabungsarbeiten nach
einer dreimonatigen Pause wieder aufgenommen. Nur noch eine kleinere
Fläche nördlich entlang des Feldweges musste untersucht werden, sodass
bereits am 12. April 2008 die Grabung im Juckelsboesch abgeschlossen
werden konnte.
Während der kurzen Grabungszeit 2008 wurden noch verschiedene
Verfärbungen untersucht, wobei allerdings keine dieser Strukturen sich als
Bestattung erwies. Lediglich bei Befund 241, welcher am letzten Grabungstag,
während einer Tiefensondage zum Vorschein kam, handelt es sich um einen
Grabbefund.

Befund 232
Insgesamt wurden während der Grabungskampagne im „Juckelsboesch“
241 Befunde untersucht.
Alle Fotos und Zeichnungen dieser Seite:
"D`Georges Kayser Altertumsfuerscher", Nospelt (GKA)
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