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MAMER - "JUCKELSBËSCH"

Grabungen 2006-2008 der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"

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Fortführung der Ausgrabungen
im gallo-römischen Gräberfeld vom "
Juckelsboesch"

 

[Adam, Juckelsboesch II]
Im Jahr 2007 konnte an 21 Tagen, während rund 1800 Stunden, im Juckelsboesch gegraben werden.

229 Befunde konnten untersucht werden - diejenigen von Pfarrer Kayser miteinbezogen. Bei rund 150 dieser Befunde handelt es sich zweifelsohne um Gräber. Bei weiteren Befunden kann es sich ebenfalls um Gräber handeln, welche durch Baumwurzelrodung Anfang des vergangenen Jahrhunderts und landwirtschaftliche Bewirtschaftung während der letzten Jahrzehnte arg in Mitleidenschaft gezogen wurden.

 

 

 

Die Grabbeigaben, ins besonders die Keramikgefässe, wurden im Boden zum Teil zerdrückt.

Typische sogenannte Kistengräber
Detailbild einer Bestattung: Im Leichenbrand liegen Fibeln und eine Münze, daneben steht ein kleines Tässchen mit Stempel. Detailbild einer Fibel in Fundlage Glasbalsamarium in Fundlage
Weitere Grabbefunde

Betrachtet man den Gesamtplan des Gräberfeldes stellt man fest, dass zwei isolierte Gräbergruppen vorliegen. Beide Gruppen werden durch einen rund 25 Meter breiten gräberfreien Raum getrennt. Ob die Gräber in römischer Zeit beidseitig eines dort verlaufenden Weges angelegt worden waren, konnte während den Ausgrabungsarbeiten nicht geklärt wer¬en.

Da die quer zum heutigen Weg verlaufenden Erdverfärbung, welche wir als früheren Hohlweg deuteten, über eine der beiden Gräbergruppen verläuft, stammt sie mit Sicherheit aus spätrömischer, beziehungsweise aus nachrömischer Zeit.



Plan der freigelegten Gräber (nummeriert)
und sonstige Strukturen.

Möglich ist allerdings, dass bereits in römischer, beziehungsweise vorrömischer Zeit ein Weg dort verlief und, nachdem die Gräber in Vergessenheit geraten waren, der Weg über einen Teil des Friedhofes parallel zur älteren Trasse führte.

Die aktuelle Wegeeinteilung stammt aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, als nach der Rodung des Waldes Wege schachbrettmusterartig angelegt wurden um die Felder landwirtschaftlich zu nutzen.

Sollten beide Gräbergruppen wären durch einen Weg getrennt gewesen sein, so wäre dies eine Feststellung von großer Bedeutung, welche bisher an keinem anderen ländlichen Gräberfeld aus spätkeltischer, beziehungsweise aus frührömischer Zeit aus unserer Gegend bekannt ist. Die Bestattung der Toten links und rechts einer Straße oder eines Weges kennen wir aus den römischen Vici. Dort wurden die Toten außerhalb der Siedlung beidseitig entlang der Zufahrtsstraßen beigesetzt, Die Bestattung der Toten entlang einer Straße sollte die Überfahrt ins Jenseits erleichtern.

Es ist ebenfalls nicht auszuschließen, dass das Gräberfeld von zwei verschiedenen Familien / Gutshöfen als Bestattungsplatz genutzt wurde, wobei der Weg als Trennung beider Areale gedient hätte.

GKA Mamer Juckelsboesch


Vergangenes Jahr vermuteten wir den Verbrennungsplatz an einer bestimmten Stelle. Diese Vermutung sollte sich allerdings nicht bewahrheiten. Obwohl mehrere Aschengruben und verbranntes Keramikmaterial nach großflächiger Untersuchung vorgefunden wurden, gab es keine konkreten Hinweise auf den Verbrennungsplatz, So bleibt anzunehmen, dass die Scheiterhaufenteile durch Erosion komplett abgetragen wurden.

Wie bereits in den ländlichen, frührömischen Gräberfeldern von Nospelt-Krëckelbierg, Keispelt-Hohbuch, Meispelt-Filsched und Kehlen-Rennpad konnten auch im Juckelsboesch keine so genannten treverischen Grabgärten festgestellt werden. Demnach scheint es so, als gäbe es solche Grabgärten ausschließlich in den Nekropolen der Adelsfamilien wie z.B. in Clémency, Nospelt-Scheierheck oder Feulen.

Welchem der im näheren Umkreis bekannten gallo-römischen Siedlungsplätze das Juckelsboescher Gräberfeld zugewiesen werden kann, ist derzeit noch unklar. Von allen bekannten Stellen kommt wohl eine am ehesten in Frage, da dort ausschließlich spätkeltisches, beziehungsweise gallo-römisches Fundmaterial aufgelesen wird. Die Tatsache, dass keine typisch römischen Lehmdachziegel von dieser Fundstelle vorliegen, erhärtet diesen Verdacht. Ein älterer Landwirt, welcher das Feld früher mit den Pferden bewirtschaftete, wusste zu berichten, dass er als kleiner Junge mit seinem Vater oder Großvater Mauersteine mit dem Karren aus dem Feld beförderte, um sie im nahen Wald abzulagern. Der Steinhaufen befindet sich noch heute an dieser Stelle. Die nähere Betrachtung der Steine bestätigt die Aussage des Landwirtes. Es dürfte sich hierbei um Mauersteine von mindestens einem Keller handeln.

GKA Mamer Juckelsboesch
Der Steinhaufen

Parallelen hierzu liefern das frührömische Dalheim und der Titelberg. Die spätkeltischen und frührömischen Gebäude waren noch aus Holz, Lehm und Stroh errichtet, besaßen jedoch bereits Keller mit steinernem Mauerwerk. Eine archäologische Ausgrabung an besagter Stelle könnte in dieser Frage Klarheit schaffen.

[Adam, Juckelsboesch III]

Integrierung der Befunde von Pfarrer Kayser in den Gesamtplan  Gräberfeldes

Nachdem die Ausgrabungsarbeiten bis Ende 2007 fast abgeschlossen werden konnten stellte sich die Frage nach der genauen Fundlage der von Pfarrer Kayser entdeckten Gräber und deren Integrierung in den Gesamtplan der Nekropole.

Nach mündlicher Aussage einiger Landwirte und insbesondere nach Informationen von Herrn Theo Brunsfeld, welcher die Ausgrabungsarbeiten in den siebziger Jahren zeitweilig verfolgte, konnte die damalige Fundsteile mehr oder weniger präzise bestimmt werden. Doch zur Eintragung in den Gesamtplan waren diese Aussagen zu ungenau. Und da gab es noch dieses außergewöhnliche Fundstück, nämlich die marmorierte Rippenschale aus Glas, deren genaue Fundlage zusammen mit den neueren Grabfunden vielleicht zu weiteren Erkenntnissen führen könnte.

Ein Übersichtsplan der von Pfarrer Kayser entdeckten Grabbefunde liegt nicht vor. Allerdings befanden sich in seinen Grabungsnotizen eingetragene Koordinaten, welche es uns nachträglich ermöglichen einen Gesamtplan der von ihm untersuchten Befunde zu erstellen.


Mamer Juckelsboesch. Gesamtplan der Grabung 1972-1976
Gesamtplan der Grabung 1972-1976 von Pfarrer Kayser

Während der Ausgrabungsarbeiten der vergan¬genen zwei Jahre bestätigten sich die mündlichen Aussagen. Entlang des Weges kamen unter dem Ackerboden typische Suchgräben von Pfarrer Kayser zum Vorschein. Vereinzelt wurden an einigen Stellen Leichenbrandteilchen aufgelesen, welche als Überreste der geborgenen Gräber gedeutet werden konnten. Diese Stellen zeichneten wir in unserem neueren Gesamtplan ein.

Ab Grab Nummer 4 beschreibt Pfarrer Kayser die Lage der Gräber in seinen Notizen. Zur Einmessung der Fundlage eines jeweiligen Grabes nahm Pfarrer Kayser einerseits die Entfernung zum Weg und andererseits die Entfernung zu einer Linie A-B (Beispiel Grab Nummer 4: Weg 2, 4 und A-B 1,45).

Da der Weg auch heute noch vorhanden ist, kann die Entfernung eines jeweiligen Grabes zum Weg ohne Probleme nachvollzogen werden. Allerdings bereitet die Eintragung der Linie A-B größere Schwierigkeiten.

Jacques Bonifas, Präsident der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"
Jacques Bonifas, Präsident der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"

Anhand welcher Kriterien hatte Pfarrer Kayser diese Linie A-B festgelegt? Verschiedene Möglichkeiten wurden von uns in Betracht gezogen. Senkrecht zum bereits oben erwähnten Weg verläuft ein weiterer Weg. Der Entfernung wegen konnte dieser Weg nicht die Linie A-B darstellen, aber warum nicht als Basis mit einer parallelen Verschiebung von einer runden Meterzahl (z.B. 50 Meter) nach Osten hin dienen?

Eine Feldgrenze könnte ebenso als Festlegung der Linie A-B gedient haben. Durch eine ältere Katasterkarte ist festzustellen, dass das gegenüber liegende Feld einst unterteilt war. Warum also nicht diese Linie nach Süden verlängern und als Koordinatenlinie A-B nutzen?

Leider führt keine unserer Hypothesen zu einem befriedigenden Resultat.

Schließlich legten wir willkürlich auf einem Plan eine Linie A-B senkrecht zur Linie "Weg" fest. Die Lage der jeweiligen Gräber nach den Beschreibungen von Pfarrer Kayser  einzutragen, stellte nun ein leichtes Unterfangen dar. Nur bei wenigen Gräbern fehlte die A-B Koordinate. Nach der Eintragung aller Grabfunde in diesen Plan, blieb als Herausforderung, dessen Integrierung in den neuen Gesamtplan zu erstellen. Doch wie sollte dies erfolgen, ohne die Linie A-B zu kennen?

Befund 13.
Kistengrab mit Weinflasche.
Befund 14.
Kistengrab.

Die Gräber 13 und 14 beschrieb Pfarrer Kaiser als sogenannte Kistengräber. Da er nach der Bergung der Funde diese Grabkisten, bestehend aus hochkant stehenden Steinen, an Ort und Stelle beließ und wieder mit Erde verfüllte, war es uns möglich, diese Kistengräber während der Grabungskampagne wieder zu finden und in unseren Gesamtplan einzutragen. In einer dieser Grabgruben mit Steinumfassung fanden wir eine leere Weinflasche vor. Dieser Fund gab uns Gewissheit, dass das Grab von Pfarrer Kayser entdeckt und die Beigaben von ihm geborgen worden waren.

Bereits bei der Nachuntersuchung des Gräberfeldes von Nospelt-Kreckelbierg Anfang der 1990er Jahre stießen wir in Grabungsabschnitten und Grabgruben immer wieder auf leere Weinflaschen in bereits von Pfarrer Kayser untersuchten Befunden. Schließlich gelang es uns mittels dieser beiden Kistengräber die beiden Pläne zusammenzufügen.

Bestätigt wurde die Integrierung der früheren Grabfunde durch die beiden von Pfarrer Kayser entdeckten Gräber 24 und 25. Bei der Nachgrabung erkannten wir an jener Stelle Grabgruben mit noch einigen vorhandenen Leichenbrandteilchen. Die Eintragung dieser beiden Fundkomplexe auf dem neueren Gesamtplan passt ausgezeichnet zur Beschreibung der Fundlage aus Pfarrer Kaysers Zeit.


Mamer juckelsboesch gesamtplan
Gesamtplan (Stand Ende 2007)
 

>>> Weitere Fotos der Grabung 2006-2007

[Adam, Juckelsboesch V]

Abschluss der Ausgrabungen im gallo-römischen Gräberfeld von Mamer „Juckelsboesch“

Am 15. März 2008 wurden die Ausgrabungsarbeiten nach einer dreimonatigen Pause wieder aufgenommen. Nur noch eine kleinere Fläche nördlich entlang des Feldweges musste untersucht werden, sodass bereits am 12. April 2008 die Grabung im Juckelsboesch abgeschlossen werden konnte.

Während der kurzen Grabungszeit 2008 wurden noch verschiedene Verfärbungen untersucht, wobei allerdings keine dieser Strukturen sich als Bestattung erwies. Lediglich bei Befund 241, welcher am letzten Grabungstag, während einer Tiefensondage zum Vorschein kam, handelt es sich um einen Grabbefund.


Befund 232

Insgesamt wurden während der Grabungskampagne im „Juckelsboesch“ 241 Befunde untersucht.

Alle Fotos und Zeichnungen dieser Seite:
"D`Georges Kayser Altertumsfuerscher", Nospelt (
GKA)

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