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MAMER - "JUCKELSBËSCH"

Grabungen 2006-2008 der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher"

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Zwei gläserne Balsamarien

 

[Sand,2009]
Die römischen Glasbalsamarien, auch Salbfläschchen genannt, stehen in der Tradition der Gefäße aus Ägypten und Vorderasien. Sie dienten, wie schon ihre Vorgänger, zur Aufbewahrung von Ölen, Salbölen und Essenzen, die zur Reinigung und zum Schutz der Haut, sowie als Duftstoffe im profanen und im rituellen Kontext eingesetzt wurden.

 

Die birnenförmige oder konische Form der Salbfläschchen ist ideal für die Aufbewahrung und den Transport von Duftölen. Der lange, schmale Hals sorgt dafür, dass die Essenzen nicht so schnell verfliegen. Im Laufe des 2. Jahrhunderts n. Chr. veränderten sich die Proportionen der Fläschen und der Hals wurde, im Verhältnis zum Körper, immer länger (Honroth, Margret, Vom Luxusobjekt zum Gebrauchsgefäß - Vorrömische und römische Gläser, aus: Sammlungen des Landesmuseums Württemberg (Bd. 3), Stuttgart 2007).

 

Besonders häufig traten Balsamarien in den früh- bis mittelkaiserzeitlichen Brandgräbern auf (1. und 2. Jahrhundert n. Chr.). Die Verwendung der wohlriechenden Essenzen bei der Einäscherung war ein aus dem mediterranen Gebiet stammender Brauch, der sich im Zuge der Romanisierung auch in den Nordwestprovinzen des Römischen Reiches durchgesetzt hat (Beat Rütti, Die römischen Gläser aus Augst und Kaiseraugst, in: Forschungen in Augst 13 (Bd. 1), Basel 1991). Glasgefäße in Gräbern deuten ebenfalls auf einen gewissen Lebensstandard der verstorbenen Person hin.

 



Befund 102


Balsamarium in Fundlage
(Fotos GKA)

Aus solch einem Kontext stammen auch die beiden im Gräberfeld von Mamer-Juckelsboesch gefundenen Balsamarien aus dem Befund 102. Das erste, nur zur Hälfte erhaltene Balsamarium (Form Ising 28a), wird meist in claudisch-neronische Zeit, also Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., datiert. Das zweite, vollständig erhaltene Salbfläschchen (Form Ising 8), entspricht einer der häufigsten Formen des 1. Jahrhunderts n. Chr., die sich aber auch am Anfang des 2. Jahrhunderts noch findet. Wegen ihrer Form werden diese Balsamarien auch als Tränenfläschchen bezeichnet (Isings, C., Roman glass from dated finds).


Bei beiden Fläschchen handelt es sich um mundgeblasene Balsamarien aus naturfarbenem, blaugrünem Glas. Vor allem in der frühen Kaiserzeit (1. und Anfang 2. Jahrhundert n. Chr.) spielte das naturfarbene Glas eine wichtige Rolle. Seine Färbung erhält es durch Verunreinigungen des verwendeten Rohmaterials. Es handelt sich hierbei um die eigentlichen Gebrauchsgläser des täglichen Lebens
(Fritz, Das naturfarbene, sogenannte blaugrüne Glas in Köln, Köln 1958).


Ein ähnliches Balsamarium aus claudisch-neronischer Zeit stammt aus dem Gräberfeld Septfontaines-Dëckt , Grab 3
(Polfer, Michel, Das gallorömische Brandgräberfeld und der dazugehörige Verbrennungsplatz von Septfontaines-Dëckt (Luxemburg), Luxemburg 1996). Weitere Parallelen finden sich im Gräberfeld Kehlen-Rennpad und in den Gräberfeldern des 1. Jahrhunderts rund um Trier.



Die beiden Glasbalsamarien und 4 Glasperlen aus Befund 102 nach der Restaurierung
 (Foto Tom Lucas, MNHA).

Datierung: 1. Hälfte 1. Jh. n. Chr.


Herkunft und Verbreitung


Glasmacherwerkstätten (officinae) finden sich im gesamten Römischen Reich, was sowohl durch Grabinschriften (Grabaltar des Iulius Alexander aus Karthago in Lyon) wie auch durch archäologische Zeugnisse, Öfen, Tiegel, Rohglas und Glasschrott, belegt ist.


Wurde das Farbglas im 1. Jahrhundert n. Chr. meist noch aus italischen Werkstätten in die Nordwestprovinzen exportiert, so stellte man die Glaswaren für den täglichen Gebrauch meist in lokalen und regional begrenzten Glashütten her. In Gallien gilt dies für Vienne, Lyon, Saintes, Autun, Le Mans, Bavay und besonders für das Gewerbegebiet von Trier
(Fischer, Thomas, Die römischen Provinzen - Eine Einführung in ihre Archäologie, Stuttgart 2001).


Allerdings ist es nur bedingt möglich gefundene Gläser einer bestimmten Werkstatt zuzuschreiben, sofern diese nicht gestempelt sind. Somit bleibt auch die Herkunft der Balsamarien aus dem Gräberfeld Mamer-Juckelsboesch ungeklärt, auch wenn mit Trier ein plausibler Herstellungsort nicht allzu weit entfernt liegt.

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