Aus solch einem Kontext stammen auch die beiden im Gräberfeld von Mamer-Juckelsboesch
gefundenen Balsamarien aus dem Befund 102. Das erste, nur zur Hälfte erhaltene
Balsamarium (Form Ising 28a), wird meist in claudisch-neronische Zeit, also
Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., datiert. Das zweite, vollständig erhaltene
Salbfläschchen (Form Ising 8), entspricht einer der häufigsten Formen des 1.
Jahrhunderts n. Chr., die sich aber auch am Anfang des 2. Jahrhunderts noch
findet. Wegen ihrer Form werden diese Balsamarien auch als Tränenfläschchen
bezeichnet (Isings,
C., Roman glass from dated finds).
Bei beiden Fläschchen handelt es sich um mundgeblasene Balsamarien aus
naturfarbenem, blaugrünem Glas. Vor allem in der frühen Kaiserzeit (1. und
Anfang 2. Jahrhundert n. Chr.) spielte das naturfarbene Glas eine wichtige
Rolle. Seine Färbung erhält es durch Verunreinigungen des verwendeten
Rohmaterials. Es handelt sich hierbei um die eigentlichen Gebrauchsgläser des
täglichen Lebens
(Fritz,
Das naturfarbene, sogenannte blaugrüne Glas in Köln, Köln 1958).
Ein ähnliches Balsamarium aus claudisch-neronischer Zeit stammt aus dem
Gräberfeld Septfontaines-Dëckt , Grab 3
(Polfer, Michel,
Das gallorömische Brandgräberfeld und der dazugehörige Verbrennungsplatz von
Septfontaines-Dëckt (Luxemburg), Luxemburg 1996).
Weitere Parallelen finden sich im Gräberfeld Kehlen-Rennpad und in den
Gräberfeldern des 1. Jahrhunderts rund um Trier.

Die beiden
Glasbalsamarien und 4 Glasperlen aus Befund 102 nach der Restaurierung
(Foto Tom
Lucas, MNHA).
Datierung: 1. Hälfte 1. Jh.
n. Chr.
Herkunft und Verbreitung
Glasmacherwerkstätten (officinae) finden sich im gesamten Römischen
Reich, was sowohl durch Grabinschriften (Grabaltar des Iulius Alexander aus
Karthago in Lyon) wie auch durch archäologische Zeugnisse, Öfen, Tiegel, Rohglas
und Glasschrott, belegt ist.
Wurde das Farbglas im 1. Jahrhundert n. Chr. meist noch aus italischen
Werkstätten in die Nordwestprovinzen exportiert, so stellte man die Glaswaren
für den täglichen Gebrauch meist in lokalen und regional begrenzten Glashütten
her. In Gallien gilt dies für Vienne, Lyon, Saintes, Autun, Le Mans, Bavay und
besonders für das Gewerbegebiet von Trier
(Fischer,
Thomas, Die römischen Provinzen - Eine Einführung in ihre Archäologie,
Stuttgart 2001).
Allerdings ist es nur bedingt möglich gefundene Gläser einer bestimmten
Werkstatt zuzuschreiben, sofern diese nicht gestempelt sind. Somit bleibt auch
die Herkunft der Balsamarien aus dem Gräberfeld Mamer-Juckelsboesch
ungeklärt, auch wenn mit Trier ein plausibler Herstellungsort nicht allzu weit
entfernt liegt.