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ZUSAMMENFASSUNG:
Entdeckt und ausgegraben in den Jahren 1972
bis 1976 durch Pfarrer Georges Kayser und seine Mitarbeiter auf dem Plateau des
"Juckelsboesch" nördlich von Mamer, rund hundert Schritte südöstlich der
Vermessungsmarke 351,5 m ü. NN.
Auf einer Fläche
von 50 x 20 m kamen 38 Fundkomplexe, in der überwiegenden Mehrzahl Brandgräber,
zum Vorschein, die bis auf wenige Ausnahmen ziemlich beigabenarm ausgestattet
waren.
Als Besonderheit
ist hier der Fund einer halbkugeligen, gerippten Mosaikschale von blauer
Grundfarbe anzusehen, die ohne erkenntlichen Grabzusammenhang in der Nähe von
Grab 18 gefunden wurde.
Bei einigen Gräbern
wurde eine kistenförmige Grabanlage beobachtet. Ein Scheiterhaufenplatz konnte
nicht entdeckt werden. Der kleine Friedhof ist jedoch nicht vollständig
untersucht worden. Auch der zum Friedhof gehörige Gutshof konnte nicht eindeutig
identifiziert werden.
Zur Datierung
dienten die in mehr als der Hälfte der Gräber aufgefundenen Krüge (Ritterling
50B oder 52, Gose 362), Bronzefibeln, vornehmlich aus der 1. Hälfte des 1. Jh.,
1 stark abgegriffenes As des Augustus (Lyon 10-3 v. Chr.; RIC 360) mit
Gegenstempel des Tiberius, 1 prägefrisches As des Vespasian (Rom, 71 n. Chr.,
RIC 502 I).
Dieser Beitrag ist Herrn Pfarrer
Georges Kayser gewidmet, in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste auf dem
Gebiete der Archäologie. In nun mehr als zehnjähriger, uneigennütziger und
fruchtbarer Zusammenarbeit mit dem Staatsmuseum Luxemburg hat er das Seinige
dazu beigetragen, der Bodenforschung hierzulande einen neuen Auftrieb zu
verleihen.
"Miécher", "Scheierheck",
"Kreckelbierg'', "Telpeschholz", "Tonn" und nun Juckelsboesch" sind nur einige
Fluren im näheren Umkreis seines Heimatdorfes Nospelt, wo die Spürnase des
unermüdlichen Suchers und seiner Getreuen ein mehr oder weniger ergiebiges
Arbeitsfeld fanden; nicht zu reden von ungezählten Einsätzen bei Notgrabungen in
anderen Landesteilen. Seinen Ausgrabungen verdanken wir nicht nur eine große
Anzahl von außergewöhnlichen Fundstücken (die allesamt im Staatsmuseum Luxemburg
zu bewundern sind!), sondern indirekt auch eine Reihe von Veröffentlichungen,
welche vornehmlich durch die Zeitschrift "Hémecht" wichtige archäologische
Entdeckungen bis weit über die Grenzen unseres Landes bekannt machten.
1. Die Lage und
Grabungsumstände
Der „Juckelsboesch“, ein etwa
150 ha großes, rautenförmiges, allseitig von bewaldeten Bachtälern begrenztes
Sandsteinplateau, liegt halbwegs zwischen Kehlen (im Norden) und Mamer (im
Süden); es gehört zur letztgenannten Gemeinde.
Erst im 19. Jh. wurde die westliche
Hälfte des Plateaus gerodet. Dabei kamen archäologische Funde zutage, denen man
leider zu geringe Beachtung schenkte und die heute bis auf einige im
Staatsmuseum verwahrte Stücke größtenteils wieder verschollen sind.
Im Walde
versteckte Grabhügel - unweit der in der süd-östlichen Plateau-Ecke gelegenen
Fliehburg mit Abschnittswall
(1
Vgl. Reinhard Schindler, Vor- und Frühgeschichtliche Burgwälle im G.-H.
Luxemburg, Plan 5, Trier 1977)
lockten natürlich Schatzgräber.
Mit welchem Erfolg, weiß man nicht.
Seit Jahrzehnten
schon begehen mehrere Sammler die Felder dort oben und lesen vor allem
steinzeitliche Artefakten auf. Gelegentlich wurden auf diese Art auch
latènezeitliche Funde getätigt; in einem Falle führten zahlreiche
Tonscherben, die durch die Pflugschar ans Tageslicht gefördert worden waren, zur
Entdeckung einer eisenzeitlichen Siedlungsstelle im südwestlichen Zipfel des
Plateaus (2
Herr Professor Marcel Lamesch, der erfolgreichste Sammler des "Juckelsboesch",
bearbeitet seit einiger Zeit diesen, vornehmlich aus Tongefäßen bestehenden
Fundkomplex, zu dessen besseren Deutung allerdings noch eine sachgerechte
Nachgrabung aussteht.).
Desgleichen wurden römische
Ziegelstücke, Scherben und Metallgegenstände gefunden. An einer Stelle, rund
hundert Schritte südöstlich der Vermessungsmarke 351,5 m ü. NN
(3
Vgl. Topographische Karte Luxemburgs 1:20000, Capellen - 21; ein Ausschnitt
dieses Blattes in "Hémecht" 1973/4, J. Metzler, Ein gallo-römischer Vicus beim
Tossenberg, Mamer, S. 485 ff., Tafel 2, bezeichnet das Gräberfeld mit T.
Eigentümer des Ackers ist Herr Léon Pauly, Pächter Herr Jos.
Brunsfeld-Feyereisen (+) aus Kehlen; beiden gebührt unser aufrichtiger Dank für
die uneigennützige Bereitschaft, mit der sie die Ausgrabung zuließen),
häuften sich solche Streufunde so lange, bis es schließlich zur Freilegung eines
Grabes und schlussendlich des hier behandelten Gräberfeldes kam. Eine
Fläche von rund 50
X
20 m wurde
untersucht, ohne dass anzunehmen ist, dass somit die Grenzen der Anlage erreicht
sind.
Etwa drei Dutzend Brandgräber kamen
dabei zum Vorschein. Bis auf wenige Ausnahmen waren sie ziemlich beigabenarm
ausgestattet. Dort, wo sie "kistenförmig", z. B. mit Steinen umstellt, angelegt
waren, ließen sie sich von den Ausgräbern leicht erkennen. Schwieriger waren
schon die "nestartigen" Aschen- und Scherbenhäufchen als Gräber auszumachen oder
voneinander zu unterscheiden.
Da die Grabgruben im allgemeinen nur
ein bis zwei Spaten tief in den lockeren Sandboden eingelassen waren, hatten der
Pflug und vorher die Baumwurzeln die Mobiliare teilweise aufgewühlt oder
durcheinandergebracht.
Ausgegraben wurde in den Jahren 1972
bis 1976, jeweils nach der Ernte oder vor der Aussaat, also meistens zur
schlechten Jahreszeit. Dass bei dieser notgedrungen unregelmäßigen Arbeitsweise
die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gräbern und die Anlage der Gräberreihen
(wenn es eine gab) schwierig zu erkennen waren, darf nicht wundernehmen.
Immerhin hat Herr Pfarrer Georges Kayser erneut seinen Spürsinn unter Beweis
gestellt, ihm freien Lauf gelassen und ohne viel Aufhebens - unterstützt von
einigen getreuen Mitarbeitern, vornehmlich Herrn René Gary - geborgen, was es da
zu bergen gab. Natürlich geschah dies im Interesse des Staatsmuseums, wie so
üblich bei Pfarrer Kayser.
2. Die Beigaben
(Taf. I u. II)
Auf einen regelrechten Grabungsbericht
und eine detaillierte Analyse der Grabinventare muss hier - nur zum Teil
allerdings wegen der oben angeführten Gründe - verzichtet werden. Lediglich
einige typische Grabkombinationen (wie 19, 24, 27, 34) sollen erwähnt oder
zeichnerisch dargestellt werden.


Tafel I
Auswahl von Keramik und Glas (Gr. 27a)
aus den frühkaiserzeitlichen Gräbern 1-27 vom "Juckelsboesch" (Maßstab 1/5)

Tafel IIa
Auswahl von Keramik und Glas (Gr. 37a)
aus den frühkaiserzeitlichen Gräbern 33-38 vom ,,Juckelsboesch" (Maßstab 1/5).
Grab 19 könnte das eines Kindes
gewesen sein, wegen der ausschließlich kleinen, grautonigen Gefäße: ein Becher,
zwei Tässchen, ein Krüglein sowie ein Gieß- oder Saugnäpfchen mit Tülle.
In weit mehr als der Hälfte der Gräber
waren einhenklige - auch einige größere, doppelhenklige - Krüge beigegeben (die
Typen begegnen wir vor allem im frührömischen Lager Hofheim, vgl. Ritterling 50B
oder 52).
Drei Gräber
enthielten ein Glasgefäß (18: Mosaikschale; 27a: Fläschchen; 37a: Balsamarium).
Zwei bargen ein Fibelpaar (16; 38) und vier je eine Fibel (11; 12; 19; 31). Die
zwei einzigen Münzen des Friedhofs stammen aus den Gräbern 13 und 15. Bei der
ersten handelt es sich um einen unter Kaiser Augustus geprägten As (Lyon 10-3 v,
Chr.; RIC 360) welcher unter Tiberius einen Gegenstempel erhielt und stark
abgegriffen aussieht; ein Krug desselben Grabes - Form Gose 362 - gehört
ebenfalls der tiberischen Zeit an. Die zweite Münze, ein As des Kaisers
Vespasian (Rom 71 n. Chr., RIC 502 I) wirkt sozusagen, prägefrisch und dürfte
also nicht lange im Umlauf gewesen sein
(4
Die Bestimmung der Münzen besorgte Herr R. Weiller vom Staatsmuseum).
Ein bronzenes Metallöffelchen wurde zwischen den Gräbern 3 und 4 aufgefunden.
[Wilhelm, 1979]
151 BOUTEILLE
Panse piriforme. Fond aplati. La lèvre manque.
Teinte: Verre translucide bleuâtre.
Isings, forme 26a.
Dimensions: H. 12 cm, Ø 8,2 cm, col 2,5 cm.
Date: Ier siècle.
Musée 1972. - No d'inventaire 1972-111/a.
Provenance: «Juckelsboesch», commune de Marner. Nécropole romaine I,
tombe 27. 1972.
Réf. PSH 89, 1975 p. 387 (RC).- Thill, Römerzeitlicher Friedhof bei
Mamer-«Juckelsboesch» (1. Jh. n. Chr.), p. 7, pl. I,27a (Hémecht
1977,1).
152 Lacrymatoire (balsamaire)
Col et panse séparés par une légère dépression
circulaire.
La partie supérieure manque. Fond aplati.
Teinte : Verrre incolore, nuance bleue
Isings, forme 8.
L. du fragment : 8,7 cm, Ø pance 2,2 cm.
Date : Ier siècle.
Musée 1972. - No d'inventaire 1972-111/b.
Provenance: «Juckelsboesch», commune de Mamer. Nécropole romaine I,
tombe 37. 1972.
Réf. PSH 89, 1975 p. 387 (RC).- Thill, Römerzeitlicher Friedhof bei
Mamer-«Juckelsboesch» (1. Jh. n. Chr.), p. 7, pl. II,37a (Hémecht
1977,1).
Ab und zu (z. B. in den Gräbern 25 u.
26) fanden sich in der Aschenschicht korrodierte Eisennägel, wohl Sargüberreste,
die mit dem am Scheiterhaufen aufgelesenen Leichenbrand in die Grabgruben
gelangt waren.


Tafel II
Bronzene Fibeln und Löffelchen
aus den Gräbern 11, 12, 16, 19,31,38; 3-4 (Maßstab 1/2).
Wie die Münzen, datieren auch die
Fibeln, die Gläser und die Tongefäße aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert,
vornehmlich aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts. Letztere setzen teils
grobtonige Formen der Spätlatènezeit fort, teils gehören sie zu den bekannten
Terra-BelgicaTypen der frühen Kaiserzeit; Terra Sigillata fehlt gänzlich.
Auffallend ist eines der seltenen, mit Rankenmustern verziertes Krüglein aus
weißem, glasierten Ton (Gr. 34b).
Die Mosaikglasschale (Taf. III, IV
)
Fundplatz: Grab (?) 18
Im Mittelpunkt etwa des kleinen
Friedhofs vom "Juckelsboesch" kam dieses Prunkstück unter dem sonst eher
bescheidenen Gräbermobiliar zum Vorschein. Völlig unversehrt stand die
Glasschale im Sandboden, nur eine Handspanne tief unter der Ackeroberfläche,
einen Schritt entfernt vom heutigen Wegesrand. Ganz isoliert fanden sie die
Ausgräber vor; kein Zusammenhang soll zu erkennen gewesen sein mit zwei in der
Nähe liegenden, fragmentarischen Tongefäßen, einem TB-Teller und einer Schüssel.
Eine Grabgrube ließ sich ebenfalls nicht im näheren Umkreis feststellen, so dass
die Frage berechtigt scheint, ob die Glasschale überhaupt als eine zu einem
bestimmten Grab gehörige Beigabe anzusehen ist.

Bol de verre côtelé
Mamer-«Juckelsboesch». 2e moitié du 1er siècle après J.-C. H. 5,2 cm, Ø 9,5 cm
Foto: Albert Biwer, MNHA
Bol de verre côtelé
Le bol de verre polychrome (brun violacé à spirales blanches) imite l’agate
rubanée. Il a été fabriqué en façonnant de petites plaques de verre coloré à
plusieurs reprises, au moyen d’un moule côtelé. Ce vase très rare a été
trouvé intact dans une nécropole du 1er siècle entre Kehlen et Mamer,
fouillée entre 1972 et 1976. La découverte est due au pionnier de
l’archéologie luxembourgeoise, l’abbé Georges Kayser et à ses compagnons
bénévoles.
Source:
Musée National d'Histoire & d'Art, Luxembourg
Beschreibung
Ein halbkugeliges
und relativ dickwandiges Schälchen (Höhe: 5,2 cm; Dm. am Rand: 9,5 cm); 18
senkrechte, hervorstehende Rippen gliedern die äußere Wandung auf; sie reichen
von unterhalb der glatten Randzone bis an die sehr leicht aufgewölbte
Standfläche heran, wo sie auslaufen (Isings, Form 3b)
(5 C. Isings, Roman Glass from dated finds,
Groningen 1957).
Die Grundfarbe des Glases ist
amethyst-blau; je nach Be- oder Durchleuchtung kann sich die Farbenskala
verändern und violette, burgunderweinrote und schwarze Schattierungen aufweisen.
Die weißen Farbeffekte sind besonders reizvoll und rühren von spiral-,
schlieren-, wellen- und bandartigen Gebilden her, welche die Glasmasse regellos
zu durchwachsen scheinen und an Innen- sowie Außenseite mehr oder weniger opak
zum Vorschein kommen. Auf der inneren Randzone zeigen sich die weißen
Spiralmuster kleiner und geschlossener, auf der inneren Bodenfläche hingegen
größer und aufgelöster.
Die rippenverzierte Außenwand zeichnet
sich auch heute noch, trotz beinahe 2000jähriger Lagerung im ungünstigen
Sandboden, durch ihren auffallenden Politurglanz aus; die Standflache. der
äußere Schalenrand, sowie das Gefäßinnere schimmern hingegen nur (mehr?) matt.
Die letztgenannten, glatten Stellen, insbesondere die Schalenlippe, weisen
übrigens unter dem Vergrößerungsglas typische Spuren des Schleifrädchens auf,
mit dem sie überarbeitet werden konnten, im Gegensatz zu der reliefierten
Rippenzone, die durch erneutes Aufwärmen im Feuer poliert werden musste.
Herstellungstechnik und Wert
Das führt uns zu
der raffinierten Herstellungstechnik dieser schon in der Antike sehr geschätzten
und kostbaren marmorierten Buntgläser, die man eine Zeitlang "Murrinen", auch
"Millefiori" nannte; heute scheint man den Ausdruck "Mosaikgläser" vorzuziehen (6
Grundlegendes dazu s chrieb schon A. Kisa in seinem Standardwerk "Das Glas im
Altertum II", Leipzig 1908, S. 501 ff. Hier ein Auszug, zu dem allerdings
jüngere Autoren Varianten vorschlagen: "Diese wundervollen Gefäße, die zu den
schönsten und kunstvollsten der antiken Glasindustrie gehören, sind zumeist
flachrunde oder halbkugelige Schalen auf niederem Fuß oder unten einfach
gerundet, ungehenkelt und ohne jede plastische Verzierung, mit Ausnahme
senkrechter Rippen, welche viele von ihnen bis zum Rande hinauf gliedern. Die
Mosaikplättchen, aus welchen sie zusammengesetzt sind, wurden in einer Hohlform
aus Terrakotta nebeneinander gelegt und entweder durch Hitze erweicht, wobei die
einzelnen Stücke an den Rändern sich verbanden oder durch eine meist farbig
durchsichtige Glasblase vereinigt, welche man von innen einblies, so dass sie
die Lücken zwischen ihnen füllte und im Innern einen überfang bildete, welcher
die Form zusammenhielt und zu weiterer Bearbeitung durch Pressung und Schliff
geeignet machte. Die Plättchen wurden durch Quer-, manchmal auch durch
Schrägschnitte aus Stabbündeln gewonnen. Wurden sie, wie das bei den einfacheren
Arbeiten der zuerst genannten Art mitunter geschah, nicht weiter bearbeitet, so
erscheint ihr Äußeres nicht ganz ebenmäßig gerundet, sondern leicht gekantet,
aus kleinen, den Mosaikplättchen entsprechenden Flächen zusammengesetzt. Zumeist
aber wurde die Schale durch Hitze erweicht und durch Pressung genau der Hohlform
angepasst, wobei auch die Rippen, welche von ihnen so viele zeigen, ausgeprägt
wurden. Die Unregelmäßigkeiten der Außenseite wurden durch nachträgliches
Anwärmen und durch Abschleifen beseitigt.").
Ohne hier auf den komplizierten
Arbeitsvorgang einzugehen, möchten wir nur hervorheben, dass Schalen dieser Art
in Hohlformen oder Modeln (z. B. aus Terrakotta oder Metall) gepresst, mit einer
durchsichtigen Glasblase von innen überfangen und schließlich teils durch
Schleifen, teils durch Feuerpolitur überarbeitet wurden. Dabei musste die zu
verarbeitende polychrome Glasmasse durch fortwährendes Wiedererwärmen plastisch
genug gehalten werden.
Entdeckung und Bergung der marmorierten
Rippenschale aus Glas durch René Gary, dem engsten Mitarbeiter von Pfarrer
Georges Pfarrer Kayser.
(Quelle: Den Ausgriewer 2008, S. 18, Zeitung vun den "D'Georges
Kayser Altertumsfuerscher")
Man kann sich vorstellen, wie viel
Sachkenntnis und Fingerfertigkeit die antiken Glasmacher aufbringen müssten bei
der Anfertigung solcher spröden Luxusgläser. Die meisten Werkstücke
verunglückten notgedrungen unterwegs und nur wenige Endprodukte fielen völlig
befriedigend aus.
Die
spezialisierten Werkstätten von Alexandrien (später auch Rom) suchten ihre
Fabrikationsrezepte geheimzuhalten, was den Seltenheitswert der Mosaikgläser nur
förderte und ihren Preis natürlich für gewöhnliche Sterbliche unerschwinglich
machte. Ob es sich in den Augen der antiken Liebhaber um einen Ersatz für die
aus Alabaster oder gar Achat und Onyx geschliffenen Gefäße oder eine täuschend
ähnliche und bewusst irreführende Imitation aus Glas handelte, ist eine
diskutierte Frage; sie hatte aber bei der Geheimniskrämerei der oben erwähnten
Manufakturen wahrscheinlich einen geringeren Einfluss auf den Preisunterschied
als man heutzutage annehmen könnte
(7
Die astronomischen Preise, die z. B. für die geheimnisumwitterten "Murrinen"
ausgesetzt wurden, lassen den modernen Leser von Plinius, N.H. 37, 7, Sueton,
Properz u. a. sprachlos);
ihr
Handelswert war sicherlich dem von Edelsteinarbeiten vergleichbar!

Tafel IV
Mosaikschale vom „Juckelsboesch“: Sicht auf das umgestülpte Gefäß

Die innere Bodenfläche.
Vergleichsstücke
Scherben buntmarmorierter Rippenschalen kommen in unseren
Gegenden verhältnismäßig häufig vor. Ganz erhaltene Exemplare dieser
Gefäßgattung sind hingegen äußerst selten. Das Staatsmuseum Luxemburg besitzt
schon ein solches seit dem 19 Jh. (8
PSH 21 (1866) S. XXV u. XXXV;) Eugénie Wilhelm, La verrerie gallo-romaine au
Musée d'Histoire et d'Art, Luxembourg 1969, S. 12, Nr. 6, Farbtafel S. 47;
Wilhelm Reusch, Rippenschale aus buntem Glas von Nahbollenbach, in Aus
der Schatzkammer des antiken Trier, 1959, S. 31-32, Abb. 2; W. Reusch,
Treverergrab aus Nahbollenbach (Kr. Birkenfeld), in Trierer Zeitschrift
1956/58, I, S. 111-112, Taf. 26; Katalog: Römer am Rhein, Köln 1967, S.
257). Es stammt von einer römischen Fundstelle in Thiaumont unweit Arlon.
Seine Farben: gelb mit weinrot-brauner "Maserung"; seine Maße: H. 5,5 cm ; Dm.
10 cm ; 19 Rippen, wovon eine doppelte. Dieses Stück gleicht so sehr in
Farbenskala und Maßen dem von Nahbollenbach - das im Trierer Landesmuseum
aufbewahrt wird - dass es aus derselben Werkstatt (nicht aber Pressform, denn
letzteres hat 24 Rippen!) zu stammen scheint
(9 W. Reusch, Aus der
Schatzkammer des antiken Trier, S. 27 ff. - T.Z. 1956/58, S. 103 ff.;
Katalog: Römer am Rhein S. 257, D 7 (alle mit Farbtafel)).
Größere Fragmente
von geripptem Buntglas, deren Form gesichert ist, bargen die Gräber von
Hellingen, aus welchen ja auch die prachtvolle Mosaikschale vom flachen,
ungerippten Typus herrührt
(10
Vgl. PSH 9 (1854); Eugenie Wilhelm, La Verrerie de l'époque romaine au Musée
d'Histoire et d' Art, Luxembourg, 1969 Nr. 4 u. 1; G. Thill,
Frühkaiserzeitliche Grabbeigaben von Hellingen (G.-H. Luxemburg), in
Archäologisches Korrespondenzblatt 5/1975, S. 69 ff.).
Datierung
Nördlich der
Alpen gehören die rippenverzierten Mosaikgläser ganz allgemein in die erste
Hälfte des 1. nachchristlichen Jahrhunderts, wie das ja z.B. auch der Fall ist
beim bestdatierten Stück unserer Gegenden, der Nahbollenbacher Rippenschale
(11
Vgl. o.c. T.Z. 1956/58, S. 113).


Gesamtplan der Grabung 1972-1976
(Quelle: Den Ausgriewer
2008, S. 18, Zeitung vun den "D'Georges
Kayser Altertumsfuerscher")
[Wilhelm,
1979]
150 BOL COTELÉ
D'une petite
zone lisse sous la lèvre partent sur la paroi plutôt épaisse dix-huit
côtes verticales qui se rajeunissent vers la base, laquelle est
légèrement concave. Intact.
Pâte de verre polychrome: brun violacé à spirales blanches imitant
l'agate rubanée (l'améthyste prend des teintes brunes au cours de la
fusion.)
Isings, forme 3b.
Dimensions: H. 5,2 cm, Ø 9,5 cm.
Date: 2e moitié du Ier siècle.
Musée: sept. 1976. - No d'inventaire 1976-128/1.
Provenance: «Juckelsboesch», commune de Marner. Nécropole romaine.
Emplacement no 18. Découverte isolée à faible profondeur (n'a sans doute
pas fait partie d'un mobilier funéraire.) 1972.
Réf. Thill, Römerzeitlicher Friedhof bei Mamer-«Juckelsboesch» (1. Jh.
n. Chr.), pl. 8-10, pl. III-VI (Hémecht 1977,1). - PSH 92, 1979 p. 202 &
207 (RC).

Zum Vergleich:
Rippenschale. Glas. Braun-weiss marmoriert. Römisch. Winterthur
(ZH), Oberwinterthur, Unteres Bühl. (A-86191)
© Copyright 2009 by Swiss National Museum / Disclaimer
3.
Schlussfolgerung
Ob die kleine gallo-römische
Gräberstätte des 1. nachchristlichen Jahrhunderts auf "Juckelsboesch" in
ihrer Gesamtheit und erschöpfend untersucht wurde, scheint nicht sicher. Die 38
entdeckten Fundkomplexe, von denen die meisten aus der ersten Jahrhunderthälfte
datieren, waren kisten- oder nestartig angelegt. Ihre Zusammensetzung und
Stellung zueinander ging nicht klar aus dem Befund hervor. Eine Einfriedung, wie
sie sich des öfteren in den treverischen "Grabgärten" dieser Zeit vorfindet,
konnte nicht beobachtet werden. Auch keine Scheiterhaufenstelle kam zutage.
Etwas rätselhaft mutet die Gegenwart der - im Vergleich zu den übrigen, eher
ärmlichen Grabmobiliaren - kostbaren Mosaikglasschale an.

Tafel III
Mosaikglasschale bei ihrer Bergung (Foto: G. Kayser); daneben, der glückliche
Finder.

Ausschnitt aus dem Grabungsjournal von Pfarrer Kayser
(Quelle: Den Ausgriewer
2008, S. 18, Zeitung vun den "D'Georges
Kayser Altertumsfuerscher")
Wie gewöhnlich stellt sich die Frage
der Zugehörigkeit dieses Gräberbezirks zu seinem benachbarten Gutshof. Ob es
sich um einen in der Frühzeit noch üblichen Holz- und Lehmbau handelte? Auf der
ausgedehnten Hochfläche selbst zeugen jedenfalls außer vereinzelten
Ziegelfragmenten keine Trümmer von einer der landläufigen Römervillen.
In der
umliegenden Ebene gibt es hingegen mehrere Trümmerstätten aus römischer Zeit:
auf "Rouer" (etwa 800 m); "Ielboesch", "Neimillen", "Millebierg"
(etwa 1 400 m); "Gaschtbierg", "Hireboesch", "Aedemer"
(etwa 2000 m)
(12
Vgl. "Hémecht" 1973/4. Tal. 2).
Von ihnen käme doch wohl wegen der Entfernung am ehesten die erste Fundstelle in
Frage.

Römische Siedlungsspuren um das Gräberfeld vom
"Juckelsbësch"
Karte: Carte régionale 1:20000
© Origine Administration du Cadastre et de la Topographie Luxembourg
(ACT)
Interaktive Kartenwerke Luxemburg 3D

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