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DER ABSCHNITTSWALL IM JUCKELSBOESCH
mit angrenzendem Tumulus


Carte régionale 1:20000
© Origine Administration du Cadastre et de la Topographie Luxembourg (ACT)
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Etwas abseits der Wanderwege, die nahe der "Thillsmillen" und dem Picknickplatz "Drëpps" vorbeiführen, liegt auf einem Felssporn, "Deckfiels" oder "Hondsfiels" genannt, ein kleiner Abschnittswall, der von [Schindler/Koch, 1977, S. 51-52 und Plan 5] folgendermassen beschrieben wird:

Mamer
Plan 5

Gem. Mamer
Juckelsbösch
Top Karte 21, Capellen

Abschnittswall
r. 70.840, h. 78.740
21,6 ar

STELLENBEZEICHNUNG
Teil des Juckelsbösch – (Kat. 1820: Juckels Büsch)

LITERATUR
(1) Schneider, Felskunde (1939) 6, Anm. 4 Nr. 13
(2) Heuertz (1971) Nr. 36 (als "Deck Fiels")

KARTE UND VERMESSUNGEN
(3) Vermessung Koch 1971

FORSCHUNG
Obwohl von Schneider (1) erwähnt, ist diese Anlage offenbar nicht durch Lemmer vermessen worden. Sie fehlt in der von Heuertz 1968 herausgegebenen Zusammenstellung der 27 Höhenburgen Luxemburgs. Für die Felskuppe, die den kleinen Abschnittswall trägt, ist nach Schneider die Bezeichnung "Deck Fiels" oder "Hondsfiels" gebräuchlich.


BESCHREIBUNG
Der Flurbezirk Juckelsbösch nördlich von Mamer bezeichnet einen großen, teilweise in neuer Zeit gerodeten Waldbezirk. Er wird im Osten von der Mamer, im Norden von der Riedelbaach, im Süden und teilweise auch im Westen von der Kielbaach begrenzt.

Am Südrand liegt über der Kielbaachschlucht etwa 500 m westlich der Thillsmillen auf einem Bergsporn die kleine Wallanlage.

Eine schroffe Felswand aus grauem Sandstein macht den Berg von Süden her unangreifbar.

Auf der leichter zugänglichen Nordseite liegt die aus zwei kleinen Gräben und einem niedrigen Wall bestehende Befestigung. Ihr defensiver Wert ist nicht hoch zu veranschlagen. Die Burgfläche, ein an den Kanten leicht abgeschrägtes Plateau von 40 x 35 m, bot allenfalls Platz für ein kleines Gebäude, das dem Anschein nach aus Holz und Fachwerk bestanden hat. Mauerspuren lassen sich jedenfalls auf dem Plateau nicht erkennen.

Die zwei geradlinig über den Rücken des Bergsporns gezogenen, ca. 4 m breiten Gräben folgen in dichtem Abstand ca. 6 m hintereinander. Die zwischen den beiden Gräben stehen gebliebene Erdrippe ist nicht als Wall ausgebildet.

Unmittelbar hinter dem zweiten Graben steigt der 8 m breite, von der Grabensohle her 2 m hoch ansteigende Wall empor. Vom Burginnern her beträgt seine Höhe nur 1 m. Die Tiefe der Gräben wird mit 0,90 m gemessen.

Nur an wenigen Stellen des mit Waldhumus bedeckten Walles stoßen Steine hervor. Ebenso erkennt man an der Wallaußenseite, dass ein aus Sandstein gebildeter Mauerkern vorhanden ist. An der Ostseite ist der Wall abgesenkt, noch bevor er an den Steilhang stößt. Die so gebildete, etwa 3 m breite Senke könnte der einzige Zugang gewesen sein. Wenn dem auch die Tatsache zu widersprechen scheint, dass die entsprechenden Erdbrücken über den beiden Gräben fehlen, so ist doch keine andere Möglichkeit für einen Einlass ins Burginnere gegeben.
 

[Flener, 1960, SS. 18-19] schreibt hierzu:

"Daß eine regelrechte Gemeinschaft bestand, beweisen die aus der Jungsteinzeit stammenden Fluchtburgen (Camps de refuge), die nur in Gemeinschaftsarbeit erstellt wurden. Eine solche Fluchtburg mit 2 Gräben und 2 Wällen befindet sich auf einem Ausläufer des Juckelsbusch, am linken Kehlbachufer im Bärental.

Der zu bei den Seiten durch Schluchten abgesonderte Vorsprung fällt steil zum Tal hinab, indes zur rückliegenden Ebene hin der eingefriedete Raum von etwa 17,50 Ar Größe durch die erwähnten Gräben und Wälle geschützt war. Diese, wie auch die beiden Flanken, waren ohne Zweifel durch einen starken Staketenzaun befestigt.
Bei drohenden Überfällen durch feindliche Horden wurden Frauen und Kinder hier in Sicherheit gebracht.

Dieses wohl älteste Denkmal menschlichen Schaffens auf Mamer Gebiet weist auf eine stärkere Bevölkerung der Gegend zu jener Zeit hin."

Als "vorgeschichtliche Fliehburg mit Abschnittswall (über der sogenannten "Drepslay")" wird die Anlage bei Metzler, 1973 bezeichnet.

Die Datierung dieses Abschnittswalles ist wegen fehlender Funde und mangels erkennbarer Strukturen sehr unsicher. Er könnte sowohl aus vorrömischer wie auch aus römischer Zeit stammen. Dass er noch im Mittelalter der Bevölkerung von Mamer als "Fluchtburg" gedient haben könnte, ist unwahrscheinlich wegen der Entfernung des Abschnittswalles zum Dorf.

Auch die sehr kleine Burgfläche erlaubt es nicht, einer größeren Anzahl von Leuten als Zufluchts- oder Aufenthaltsort gedient zu haben.

Am ehesten passt diese Anlage in die vorrömische Zeit, auch wegen des sich in unmittelbarer Nachbarschaft (140m Luftlinie) befindlichen Tumulus. Es ist anzunehmen, dass es sich bei den Erbauern der Wallanlage um dieselben Leute handelt, die auch den Tumulus errichtet haben. Der Abschnittswall wird kaum als permanente Wohnung gedient hat, sondern wurde eher von den Bewohnern einer nahegelegenen Siedlung im Bedarfsfall aufgesucht.

[Flener, 1960, SS. 18-19]
"Auf dem benachbarten Vorsprung befindet sich ein Hügelgrab, das wohl irgendwie mit der Fluchtburg in Verbindung steht. Diese Hügelgräber (Tumuli), die aus der Vollbronzezeit (circa 1200 v. Chr.) stammen, waren eine Nachahmung der früheren Höhlengräber und bestanden aus hochkant gestellten Steinplatten, die von einer oder mehreren Platten bedeckt wurden. In diese so geschaffene künstliche Höhle wurde die Leiche bestattet und die Steinkammer mit Erde zugeschüttet."

 

Der Bergsporn von Westen. Südliche Ansicht.

Östliche Ansicht

Abschnittswall Mamer Abschnittswall Mamer Abschnittswall Mamer
Zugang an der Ostseite. Die 2 Gräben vor dem eigentlichen Wall im Hintergrund. Östlicher Teil des Walls.
Abschnittswall Mamer Abschnittswall Mamer Abschnittswall Mamer
Der Wall (links) von Westen mit dem vorgelagerten Graben. Nur an wenigen Stellen des mit Waldhumus bedeckten Walles stoßen Steine hervor.

Ostseite.

Tumulus Mamer Juckelsboesch   Tumulus Mamer Juckelsboesch
Die Überreste des Tumulus.   Ein Trichter an der Oberseite zeugt von Raubgrabungen.

Über diese "Fluchtburg erschien auch im Jahre 1943 folgender Artikel im Tageblatt:

[TB, 1943_05_21]
Fluchtburgen im Luxemburger Raum
Die besterhaltene befindet sich im Juckelsbusch bei Mamer

Fluchtburgen sind' befestigte Stellungen aus vorrömischer Zeit, die sich auf Anhöhen befinden. Schon in ältester Zeit legten die Dorfgemeinschaften einer Gegend auf einer günstig gelegenen Höhe solche Fluchtburgen an. Bevorzugt wurden Hügelvorsprünge mit steilen Böschungen, besonders solche, wo der nackte Felsen hervortritt. Die Fluchtburgen sollten in gefährlichen Zeitläuften den Dorfbewohnern Zuflucht und Schutz bieten.

In unserer Heimat lassen sich drei Arten von Fluchtburgen feststellen. Zunächst solche mit einem Schutzwall wie man sie auf dem Helpeknapp bei Buschdorf, "op Burg" bei Holtz, auf dem "Kasselberg" gegenüber Dasburg und "auf den Raschpetzen" bei Walferdingen finden kann.

Mit zwei Wällen versehen ist die Fluchtburg bei Angelsberg und diejenige im Juckelsbusch bei Mamer.

Drei Wälle sind noch heute deutlich sichtbar bei Kontern und auf der landbekannten "Aalburg" bei Nommern.

Außerdem findet man im Eischtal bei, Mariental, und im Müllertal noch Fluchtburgen.

Um die Wasserversorgung sicherzustellen, wurden nach Möglichkeit auch Brunnen angelegt. Hierzulande konnten in den Fluchtburgen bei Walferdingen, Angelsberg und gegenüber Dasburg Brunnen festgestellt werden.

Aus der Reihe dieser Fluchtburgen wollen wir uns näher mit derjenigen, im Juckelsbusch bei Mamer befassen.

Sie wurde entdeckt von dem Heimatforscher Nikolaus F l e n e r aus Mamer, der Prof. Medinger darauf aufmerksam machte. Nach dessem maßgebliche Urteil handelt es sich "op der decken Fiels" tatsächlich um eine der besterhaltenen Fluchtburgen des Luxemburger Raumes.

Zur Südseite hin fällt eine Felswand jäh zu Tal, an deren Fuß wahrscheinlich vor einigen tausend Jahren der Kehlbach spülte. Zur West- und Ostseite sind schwierige Abhänge zu überwinden, die in Talschluchten abfallen. Zur Nordseite hin, dort, wo die Fluchtstätte sich mit dem Plateau vereinigt, heben sich zwei Wälle aus davorliegenden Gräben.

In früheren Zeiten mögen diese Wälle mit spitzen Pfählen oder Reisig bewehrt gewesen sein, um den Angreifer abzuwehren. Die Juckelsbuscher Fluchtburg lag äußerst günstig, nahe am Zusammenfluß von Kehlbach und Mamer und konnte schon einer ansehnlichen Gemeinschaft Raum bieten, mißt sie doch immerhin eine Fläche von 20 Ar. Ein Brunnen ist bis jetzt nicht darauf vorgefunden worden.

Jedenfalls haben wir hier im Juckelsbusch ein Dokument aus Menschenhand, das mindestens drei Jahrtausende alt ist.

w. f.


 
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