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Die
Konzile
machten es den Erbauern von Eigenkirchen zur Pflicht, dieselben mit genügendem
Grundbesitz auszustatten, um den Unterhalt zu gewährleisten. Dieser Besitz wurde
das Kirchenvermögen genannt. Die Zehntherren rissen einen großen Teil der
Kircheneinkünfte an sich, doch wandten fromme Stifter immer wieder der Kirche
mehr oder weniger bedeutende Schenkungen zu.
Vor
der französischen Revolution wurde das Vermögen der Kirche von der sogenannten
,,Johannes Baptista
Bruderschaft" verwaltet, die ihren Namen von dem Schutzpatron der Mamer
Pfarrkirche herleitete. An ihrer Spitze stand der
Brudermeister,
der alle finanziellen Operationen erledigte. Er lieh Geld an Private gegen
ängstlich gesicherte Schuldverschreibungen, verpachtete den Grundbesitz der
Kirche, sorgte für Aufrechterhaltung der geschuldeten Renten und kaufte
Kirchengeräte, Fahnen usw. Seine Kassenführung mußte er den Zehntherren zur
Kontrolle unterbreiten. Der Brudermeister wurde von allen Pfarrangehörigen
gewählt. Der Flurname „Bruderfeld" erinnert noch an diese Institution.
Am
13. November 1754 gab der Pfarreiadministrator Eischen den Grundbesitz der
Kirche an mit 11. Morgen Wiesen, 5 Morgen Land und 3 Weiher. Dabei ist jedoch
der Besitz der Holzemer Kapelle einbegriffen. Für die Mamer Kirche ist in den
Katastertabletten von 1766 der Besitz angegeben mit 5 1/2 Morgen Land, 3 Morgen
29 Ruten Wiesen und 1 ½ Morgen Weiher.
Vom
Jahre 1778 besitzen wir eine Spezifikation des Kirchenbesitzes. Danach erhält
die Mamer Pfarrkirche :
·
1/3
Zehnt auf Bartringer Bann "in den Rechen" (Rainen),
·
1/3
Zehnt vom Bourschhaus in Bartringen,
·
1/3
Heuzehnt in Graffeld auf Bartringer Bann,
·
1/3
Heuzehnt von "Rieles Wies" in "Attert", Inhaber Hansen und Plüger
von Mamer und Colles von Bartringen,
·
den
ganzen Zehnt von der Binsfeldwiese im Brüll oberhalb Bartringen,
·
den
St. Johanniszehnt auf "Pleitschenbierg", Strassener Bann. Es waren früher
28 Korden Holz, im Jahre 1725 wurde jedoch die Landstraße Luxemburg-Arlon
dadurch gelegt und es sind nunmehr noch 14 Korden. Dieser Zehnt wird alljährlich
am St. Johannistag versteigert. Der Erlös betrug in den letzten 10 Jahren
durchschnittlich 15 Reichstaler, 3 Schilling. Die Herkunft dieses Zehnten ist
unbekannt.
·
den
Bienenfund: von den entflohenen und auf Mamer Bann gefaßten Bienenschwärmen
kommt die Hälfte der Kirche zu, die andere Hälfte dem Finder. Dies bringt
jährlich 2 Gulden, 2 Schilling und 1 ½ Liards ein.
·
In
der Aufstellung ist die Herkunft dieses Rechtes als unbekannt angegeben. Aus dem
Weistum von 1612 ersehen wir jedoch, daß die Herren von Mersch, denen der
Bienenfund in ihrer Eigenschaft als Hochgerichtsherren von Mamer zukam, der St.
Johannisbruderschaft diese
Gerechtsame
abtraten.
·
Geldrenten: Auf einzelnen Vogteien lasteten Renten zu Gunsten der Pfarrkirche.
Auf Gledges 2 ½, Pellen 1 ½, Berens 1 ½ und Theisen 1 ½ Schilling. Der Ursprung
dieser Renten ist unbekannt.
·
Ölrenten: An Öl für die ewige Ampel mußten jährlich liefern: Neumühle 3 Pinten,
Zwuelen, Krausen und Kremesch (bei Krausen, heute (1960) verschwunden) je 1
Schoppen. Diese Renten waren für die Gärten dieser beieinander liegenden Häuser
geschuldet. Ursprung unbekannt.
·
Stiftung Armbrosy: Der Pfarrer Ambrosy stiftete 1754 ein Kapital von 150
Reichstaler zum Unterhalt der ewigen Lampe.
Kirchenäcker und Rodland
1.
Brudermeisterfeld hinter Engelsratt, 4 Morgen 70 Ruten;
2.
Ackerfeld beim St. Katharinenhäuschen, am Wolfsbaum 38
Ruten, 4 Schuh (7,70 ar);
3.
Kirchenfeld beim Fellbach, unten Kirchenwiese 124 Ruten;
4.
Rodland zu Capellen auf dem "Spalz", stoßend auf den
Kermesmergenweiher, 120 Ruten;
5.
Kirchenland auf Millenpad, 40 Ruten.
Es
ist unbekannt, wie diese Ländereien an die Kirche kamen.
Kirchenwiesen
1.
Schlüsselwiese in "Beckelsbond", 120 Ruten (79,20 Ar). Diese Wiese
schenkte Schmitz Peter im Jahre 1637 der Kirche.
Von
den folgenden Wiesen weiß man keinen Ursprung.
2.
Wiese in "Beckelsbond", beim "schlammen Kues",
Handwechsel
mit Heyars, 57 ½ Ruten (18,40 Ar);
3.
die große Wiese in „Beckelsbond", 102 ½ Ruten;
4.
eine Wiese auf "Bierg", 58 ½ Ruten;
5.
eine Wiese in "Kineksbond", :15 ½ Ruten;
6.
eine Wiese "Gesselbond", 20 Ruten (5,70 Ar);
7.
eine Wiese auf „Fellbach", 100 Ruten (52,70 Ar);
8.
eine Wiese auf „Fellbach", 35 Ruten (8,60 Ar);
9.
eine Wiese „Bierg“, „in den Kaulen", 80 Ruten.
Das Heu dieser
Wiesen wird alljährlich versteigert und bringt im Durchschnitt 41 Gulden, 11
Stüber, 8 Liards.
Kirchenweiher
1.
Brudermeisterweiher, hinter „Dutschleid";
2.
Ein anderer Weiher längs Dippacherbusch.
Die
Fischereiverpachtung dieser Weiher ergibt jährlich 2 Gulden und 2 Schilling.
Stiftungskapitalien
Diese
Kapitalien belaufen sich auf 1054 Taler, 6 Schilling, 4 Liards.
Sonstige Einkünfte
Aus
der Landesmasse erhält die Bruderschaft jährlich 2 Schilling zum Ankauf von
Kerzen für die Hochämter, welche für die verstorbenen Pfarrer und Pfarrkinder
abgehalten werden.
An
Opfer gehen jährlich etwa 1 Gulden, 8 Stüber ein.
Zusammenstellung
|
|
Gulden |
Stüber |
Liards |
|
Bartringer und Strassener Zehnt |
21 |
14 |
6 |
|
Bienenfund |
2 |
2 |
1 ½ |
|
Immerwährende Geldrenten |
2 |
9 |
|
|
Von den Ländereien |
1 |
15 |
4 |
|
Kirchwiesen |
2 |
2 |
|
|
Interessen ausgeliehener Kapitalien |
78 |
4 |
10 ½ |
|
Opfer |
1 |
8 |
|
|
Vom Landkapitel |
|
14 |
|
|
Im Ganzen |
12 |
68 |
16 |
Die
Bruderschaft hat nach Maßgabe ihrer Mittel Kirche und Pfarrhaus zu unterhalten.
Darüber hinausgehende Ausgaben sind von den Zehntherren zu tragen.
Während der Französischen Revolution wurde auch die St. Johannnisbruderschaft
aufgehoben und, infolge der Eidweigerung des Pfarrers Jacoby, wurden die
Kirchengüter beschlagnahmt und unter Sequester gestellt wurden. Durch Dekret des
Direktoriums vom Jahre XI (1802) wurden jedoch die von frommen Stiftungen
herrührenden Güter wieder freigegeben. Der Maire Nicolas Knepper verlangte in
Ausführung dieses Dekretes im Jahre XIII (1804) die Rückgabe zweier
Kirchenwiesen in "Beckelsbond", woraufhin der Präfekt das Kirchenvermögen
wieder freigab.
Der
Grundbesitz der Kirchenfabrik ist mit geringen Änderungen noch heute (1960)
derselbe wie im Jahre 1778. Einer der Weiher, "der Bockweiher", wurde im
Jahre 1934 an die Gemeinde verkauft.
Am 7. Frimaire An VI (27. November 1797) begab sich der
republikanische Commissaire Klein nach Mamer, um dort die Kirchengüter unter
Sequester zu stellen. Der ernannt "agent municipal" Styr war einige Tage vorher
aufgefordert worden, diesem Beamten an Hand zu gehen. Er benutzte aber die
Kenntnis dieses Besuches, um mit Hilfe einiger Personen, alles einigermaßen
Wertvolle aus der Pfarrkirche in Sicherheit zu bringen. In dem Bericht des
Kommissärs über die Ausführung seines Auftrages heißt es: „Dann begab ich
mich mit dem Munizipalagenten Styr zur Kirche, um dort die Gold- und
Silbersachen zu beschlagnahmen. Es fand sich aber nichts dergleichen vor. In der
Kirche waren drei nackte Altäre, sonst nichts, nicht die geringsten Möbel, nicht
einmal ein Stuhl.”
Klein berief dann die Verwalter der St. Johannis-Bruderschaft zusammen, die das
Kirchenvermögen verwalteten, nämlich Styr, Hansen, J. B. Groff u. Nicolas
Hansel. In deren Namen erklärte Styr, der Präsident der Bruderschaft sei
gestorben, ohne jemand Kenntnis über das Kirchenvermögen zu geben. Ihnen sei nur
bekannt, daß die Bruderschaft noch eine Rechnung von 28 Gulden bei dem
Kerzenfabrikant Hentsch zu Luxemburg zu bezahlen habe. Die der Bruderschaft
gehörenden Immobilien, Aecker und Wiesen konnte Styr jedoch nicht retten und
dieselben wurden unter Sequester gestellt. Am 7. Thermidor An XI (26. Juli 1803)
wurden auf Antrag des Maire Knepper diese Güter der Kirchenfabrik
zurückerstattet.
Nach
Abschluß des Konkordates im Jahre 1801 wurde auch die Verwaltung der
Kirchengüter neu geregelt. An Stelle der ehemaligen St. Johannisbruderschaft
traten die Kirchenräte. Diesen gehören von Gesetzesweges der Bürgermeister und
Pfarrer an, sowie eine Anzahl Räte. Die Ersetzung ausscheidender Räte erfolgt
durch Wahl des Kirchenrates.
Der
erste Kirchenrat von Mamer konstituierte sich am 12. Fructidor An XII (30.
August 1804). Ihm gehörten außer dem Bürgermeister Knepper und Pfarrer Jacoby
an: Etienne Mertens, Nicolas Plüger und Jean Baptiste Groff.
In
dieser ersten Sitzung wurde beschlossen, die in der Woche zu haltenden
Jahrgedächtnisse am Sonntag vorher von der Kanzel zu verkünden.
Es
bestand der Brauch, mit dem Schmücken der Muttergottesstatue für Sonn- und
Festtage zwei Mädchen mit unbescholtenem Wandel zu betrauen, die alljährlich vom
Kirchenrat bezeichnet wurden. Für 1803 wählte der Rat zu diesem Ehrenamt
Margaretha Schroeder aus Kempen und Maria Kurth aus Mellerjans.
In
derselben Sitzung wurde bestimmt, die finanziellen Geschäfte der Kirchenfabrik
durch einen Einnehmer verwalten zu lassen. Als erster Einnehmer wurde Etienne
Mertens gewählt, der das Amt bis zum Jahre 1812 versah. Ihm folgten:
Kremer Nicolas aus
Engel bis 1825
Meyers J. P. aus
Wies am Eck bis 1830
Schmit Jean aus
Nilles bis 1837
Ewert
Jean aus Dittches bis 1841
Sauber Theodore aus
Krausen am Eck bis 1847
Kremer Jean aus
Engel bis 1868
Redlinger Pierre aus
Kefesch bis 1888
Redlinger Jean aus
Kefesch bis 1908
Redlinger J.-P. aus
Kefesch 1908-1947
Knepper Jean-Pierre?
Mamer, 16. Aug.
Hier starb still und gottergeben Hr. Johann Peter Knepper, Eigentümer und
Präsident des Kirchenrates, im Alter von 78 Jahren. Mit ihm schwindet eine
der ältesten und markantesten Persönlichkeiten unserer Ortschaft: ein Mann,
der durch sein aufrichtiges, tief religiöses und herzensgutes Wesen sich nur
Freunde zu gewinnen wußte.
Es war
rührend und erhebend zu sehen, wie er seiner vor 4 Jahren verstorbenen
Gattin nachtrauerte, nach 71 Pilgerfahrten Abschied von der Trösterin der
Betrübten genommen und aus dem Totenbette gestand: Wenn ich nochmals zu
beginnen hätte, würde ich wieder leben wie ich gelebt habe? Wir werden uns
seiner in Ehren erinnern.
Luxemburger Wort 16.08.1921.
Link zum Artikel
Flener Nicolas 1947-1952
Flener wurde am 6.4.1952 zum Präsidenten des Kirchenrates gewählt, an seine
Stelle als Einnehmer Schmit August aus Lanken.
Im
Jahre 1859 führte der Kirchenrat das Amt eines
Kirchenschweizers
(Bedeau) ein. Erster Schweizer war der Buchbinder Jacques Schonkert, der
eine jährliche Entschädigung von 50 Franken erhielt. Nach der Demission
Schonkerts wurde die Stelle nicht mehr besetzt, bis unter Pfarrer Hengesch
(1886-1900). Dieser führte das Schweizeramt wieder ein, und Jean-Pierre Stoffel
aus Christen wurde damit betraut. Nach dessen Abgang wurde kein neuer
Schweitzer mehr eingestellt.
1935, 16. Februar – Ackerland- u.
Wiesenversteigerung ... Anschließend ließ
die Kirchenfabrik von Holzem auf dem Bann Mamer verpachten:
ein Ackerfeld „Passelek“, 15.20 Ar, Herrn F. Marx für 100 Franken;
ein Ackerfeld, selb. Ort, 3.50 Ar, Herrn J. P. Hansel, für 10 Franken:
ein Ackerfeld, selb. Ort, 3.20 Ar, der Witwe Olinger für 10 Franken.
(ganzen
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1938, 25. März –
Gemeinderatsverhandlungen
.. Art.2. Einstimmig wird der
Ankauf einer Parzelle Ackerlandes der Kirchenfabrik Mamer beschlossen. Als
Kaufpreis wird die Summe von 100 Fr. pro Ar festgelegt. Auch der Ankauf
andern Geländes wird besprochen und es sollen Verhandlungen angebahnt
werden. (ganzen
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Quelle: Nik. Flener-Delcourt, Aus der
Geschichte der Ortschaft Mamer.
Herausgegeben von der Gemeindeverwaltung bei Gelegenheit der 1000-Jahr-Feier von
Mamer im Jahre 1960, Ss. 132-135 [= Flener 1960]. Mit Verbesserungen und
Ergänzungen.
Von Flener angegebene
Quellen: Pfarrarchive, Regierungsarchive.
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