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KREUZE UND KAPELLEN
Die Kirchhofskreuze


 

Die Lage der Kreuze und Kapellen

Das Bornongskreuz

An den Ecken des früheren Kirchhofes standen Steinkreuze, von denen das "Bornongskreuz" ehemals durch die in Mamer weit verzweigte Familie Bornong an der Stelle errichtet wurde, wo später die Missionskapelle erstand. Beim Bau der Kapelle wurde dasselbe an die Westseite des Friedhofes, neben die Sakristei versetzt.

 

Nachdem der Friedhof im Jahre 1932 verschwand, wurde das Kopfstück dieses Kreuzes  in die Nordwand des rechten Turmes eingebaut.

 


 

[Thill, 2003] "Die leider arg verstümmelte Kreuzigungsszene wird von einem leicht gewölbten Baldachin überdacht, der sich aus zwei kleinen Spiralen entwickelt. In seiner Mitte befindet sich, gleichsam als Schlussstein, die Tafel mit der Inschrift INRI. Die Kreuzigungsszene wird von einem Sockel getragen, der von zwei geflügelten Puttenköpfen gebildet wird, die den unheimlichen Eindruck des am Fuße des Kreuzes aus hohlen Augen grinsenden Schädels wesentlich mildern".


Das Mellerjanskreuz

Das aus dem 17. Jh. stammende "Mellerjanskreuz" befand sich bis zur letzten Kirchenrenovierung von 1995-2003 an der Südwestseite der Sakristei beim Hause Knepper. Sein Name geht auf die Inhaber des Mellerjanshauses zurück, welche dieses Kreuz am Fronleichnamsfeste schmückten, da während der Prozession der Segen dort gegeben wurde. Das "Mellerjanskreuz". wurde bei der Restaurierung an der Frontseite direkt unter der Fensterrose der Missionskapelle angebracht.


Das Pastorskreuz

An der Nordostecke des Friedhofes standen bis zu dessen Wegräumung 1932 zwei mächtige Linden, die Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Privatförster Pissinger gepflanzt wurden. Zwischen diesen Linden stand das sogenannte "Pastorskreuz", das der Inschrift nach im Jahre 1734 errichtet wurde. Es wurde an die Nordwestecke der Kirche versetzt. Als Schöpfer dieses Kreuzes gilt Nicolas Greef (Sohn), der auch das barocke Mobiliar der Kirche geschaffen hat.

Fotos: Lucien Mayer, 1931.

Mamer Pastorskreuz

Das Pastorskreuz zwichen den zwei Linden am alten Friedhof vor der Kirche.


[Thill, 2003] "Die Kreuzigungsszene erhebt sich über einem Sockel, der von zwei abgeplatteten Spiralen gebildet wird. Zwischen denen sich die Kartusche mit der Jahreszahl befindet.

Über der Kreuzigungsszene wölbt sich ein vollplastischer, markant und elegant weit nach oben ausschwingender Baldachin, auf dessen beiden Seiten sich geflügelte Puttenköpfe niedergelassen haben. Am Säulenschaft ist die hl. Scholastika abgebildet, die in Norcia (Umbrien) als Schwester des hl. Benedikt geboren wurde, und 543 in ihrem Kloster in Monte-Cassino verstarb".


 

Über seinen Erbauer und dessen Beweggründe weiß man nichts Bestimmtes. Gemäß einer Legende wurde dieses Kreuz von einem Pfarrer errichtet als Dank für seine wunderbare Rettung vor einem Überfall von Hexen. Als dieses Kreuz im Jahre 1734 errichtet wurde, amtierte Alexius Ambrosy (1728-1753) als Pfarrer in Mamer.

Laut [Flener, 1960, S, 111] ist diese Legende im Pfarrbuch verzeichnet und lautet:

"In jener finsteren Zeit als Aberglaube und Hexenwahn alle Schichten der Bevölkerung in einem wüsten Taumel gefangen hielt, galt es zu Mamer als feststehend, daß die Hexen der Gegend auf "Bierg" ihre verrufenen Sabbate feierten.

Bei diesen Hexensabbaten sollte der Teufel den Vorsitz führen und in Bocksgestalt und Krallenhänden die Huldigung seiner Anhänger entgegennehmen.

Auf einem Throne sitzend musterte er die Schar und ließ sich die Neuaufgenommenen vorstellen, denen er das Zeichen des Bundes an geheimer Körperstelle aufdrückte. Er teilte Belohnungen und Strafen aus und präsidierte nach der Audienz das Hexenmahl. Bei diesem waren Krötenfleisch, Stücke von hingerichteten Mördern und Selbstmördern, sowie ungetauft verstorbenen Kindern, die vorzüglichsten Leckerbissen. Unanständige Tänze und Gesänge beschlossen das unflätige Gelage. Beim ersten Hahnenschrei löste sich die Versammlung auf und die Hexen ritten auf Besenstielen, Ziegenböcken, Eseln usw. zur Heimat.

Das Pfarrhaus von Mamer lag derzeit an der Stelle des heutigen Schlosses. Eines Nachts hörte der Pfarrer in seinem Schlafzimmer wüstes Gekreisch, das von "Bierg" herüberschallte und als er ans Fen­ster trat, sah er die Hexen in rotem Feuerschein um den Teufel tanzen.

In der folgenden Nacht begann der Rummel aufs neue und der Pfarrer beschloß in Gottes Namen hinzugehen, um über den Spuck ins Klare zu kommen.

Er wurde aufs freundlichste von der Teufelsbande empfangen und bestürmt, sich in den Bund aufnehmen zu lassen. Unter dem Vorwand, seinen Namen einzeichnen zu wollen, ließ er sich das Mit­gliederverzeichnis vorlegen, in welches er dann den heiligen Namen Jesus schrieb.

Augenblicklich war der ganze Spuk verschwunden. Der Pfarrer nahm das Register mit nach Haus und fand beim Durchblättern desselben auch Namen von manchen seiner Pfarrkinder. Darüber tief betrübt, äußerte er am Sonntag von der Kanzel herunter seinen Schmerz, daß Angehörige seiner Pfarrei, ja sogar junge Mädchen sich dem Teufel ergeben hätten.

Die Hexen des Dorfes schworen ihm ob dieser Predigt Rache. In der Woche wurde er nächtlicherweile zu einem Kranken nach Holzern gerufen, wohin er sich wie gewöhnlich, wegen des schlechten Wetters, zu Pferd begab. Auf dem Heimweg wurde er von einem schweren Unwetter überrascht, und in der Nähe des Getgenbusch, da wo später das "Wohneschkreuz" errichtet wurde, lauerten die Hexen ihm auf. Sie veranstalteten einen wüsten Spektakel, durch welchen des Pfarrers Pferd scheu wurde und ihn abwarf. Er blieb aber mit einem Fuße im Steigbügel hängen und das durchgehende Pferd schleifte ihn bis ins Dorf. In dieser Not machte er das Gelübde, falls er mit dem Leben davon käme, ein Kreuz an der Stelle zu errichten, wo das Pferd still stehe. Eben an der Stelle, wo bis 1932 das Pastorskreuz stand, soll das Tier dann Halt gemacht haben." (vgl. auch [Berens, 1939] im Abschnitt "Sagen und Legenden").


Fotos (wenn nicht anders angegeben): Jos Thiel, 2009-2010



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