An den Ecken
des früheren Kirchhofes standen Steinkreuze, von denen das "Bornongskreuz"
ehemals durch die in Mamer weit verzweigte Familie Bornong an der Stelle
errichtet wurde, wo später die Missionskapelle erstand. Beim Bau der Kapelle
wurde dasselbe an die Westseite des Friedhofes, neben die Sakristei
versetzt.
Nachdem der
Friedhof im Jahre 1932 verschwand, wurde das Kopfstück dieses Kreuzes in
die Nordwand des rechten Turmes eingebaut.

[Thill, 2003]
"Die leider arg verstümmelte Kreuzigungsszene wird von einem leicht
gewölbten Baldachin überdacht, der sich aus zwei kleinen Spiralen
entwickelt. In seiner Mitte befindet sich, gleichsam als Schlussstein, die
Tafel mit der Inschrift INRI. Die Kreuzigungsszene wird von einem Sockel
getragen, der von zwei geflügelten Puttenköpfen gebildet wird, die den
unheimlichen Eindruck des am Fuße des Kreuzes aus hohlen Augen grinsenden
Schädels wesentlich mildern".

An der Nordostecke des Friedhofes standen bis zu dessen Wegräumung 1932 zwei
mächtige Linden, die Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Privatförster
Pissinger gepflanzt wurden. Zwischen diesen Linden stand das sogenannte "Pastorskreuz",
das der Inschrift nach im Jahre 1734 errichtet wurde. Es wurde an die
Nordwestecke der Kirche versetzt. Als Schöpfer dieses Kreuzes gilt Nicolas
Greef (Sohn), der auch das barocke Mobiliar der Kirche geschaffen hat.

Fotos: Lucien Mayer, 1931.
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Das Pastorskreuz zwichen den zwei
Linden am alten Friedhof vor der Kirche. |
[Thill, 2003]
"Die Kreuzigungsszene erhebt sich über einem Sockel, der von zwei
abgeplatteten Spiralen gebildet wird. Zwischen denen sich die Kartusche mit
der Jahreszahl befindet.
Über der Kreuzigungsszene wölbt sich ein vollplastischer, markant und
elegant weit nach oben ausschwingender Baldachin, auf dessen beiden Seiten
sich geflügelte Puttenköpfe niedergelassen haben. Am Säulenschaft ist die
hl. Scholastika abgebildet, die in Norcia (Umbrien) als Schwester des hl.
Benedikt geboren wurde, und 543 in ihrem Kloster in Monte-Cassino verstarb".

Über seinen Erbauer und dessen Beweggründe weiß man nichts Bestimmtes.
Gemäß einer Legende wurde dieses Kreuz von einem Pfarrer errichtet als Dank
für seine wunderbare Rettung vor einem Überfall von Hexen. Als dieses Kreuz
im Jahre 1734 errichtet wurde, amtierte Alexius Ambrosy (1728-1753) als
Pfarrer in Mamer.
Laut [Flener,
1960, S, 111] ist diese Legende im Pfarrbuch verzeichnet und lautet:
"In jener finsteren Zeit als Aberglaube und Hexenwahn alle
Schichten der Bevölkerung in einem wüsten Taumel gefangen hielt, galt es zu
Mamer als feststehend, daß die Hexen der Gegend auf "Bierg" ihre verrufenen
Sabbate feierten.
Bei diesen Hexensabbaten sollte der Teufel den Vorsitz führen
und in Bocksgestalt und Krallenhänden die Huldigung seiner Anhänger
entgegennehmen.
Auf einem Throne sitzend musterte er die Schar und ließ sich
die Neuaufgenommenen vorstellen, denen er das Zeichen des Bundes an geheimer
Körperstelle aufdrückte. Er teilte Belohnungen und Strafen aus und
präsidierte nach der Audienz das Hexenmahl. Bei diesem waren Krötenfleisch,
Stücke von hingerichteten Mördern und Selbstmördern, sowie ungetauft
verstorbenen Kindern, die vorzüglichsten Leckerbissen. Unanständige Tänze
und Gesänge beschlossen das unflätige Gelage. Beim ersten Hahnenschrei löste
sich die Versammlung auf und die Hexen ritten auf Besenstielen,
Ziegenböcken, Eseln usw. zur Heimat.
Das Pfarrhaus von Mamer lag derzeit an der Stelle des
heutigen Schlosses. Eines Nachts hörte der Pfarrer in seinem Schlafzimmer
wüstes Gekreisch, das von "Bierg" herüberschallte und als er ans Fenster
trat, sah er die Hexen in rotem Feuerschein um den Teufel tanzen.
In der folgenden Nacht begann der Rummel aufs neue und der
Pfarrer beschloß in Gottes Namen hinzugehen, um über den Spuck ins Klare zu
kommen.
Er wurde aufs freundlichste von der Teufelsbande empfangen
und bestürmt, sich in den Bund aufnehmen zu lassen. Unter dem Vorwand,
seinen Namen einzeichnen zu wollen, ließ er sich das Mitgliederverzeichnis
vorlegen, in welches er dann den heiligen Namen Jesus schrieb.
Augenblicklich war der ganze Spuk verschwunden. Der Pfarrer
nahm das Register mit nach Haus und fand beim Durchblättern desselben auch
Namen von manchen seiner Pfarrkinder. Darüber tief betrübt, äußerte er am
Sonntag von der Kanzel herunter seinen Schmerz, daß Angehörige seiner
Pfarrei, ja sogar junge Mädchen sich dem Teufel ergeben hätten.
Die Hexen des Dorfes schworen ihm ob dieser Predigt Rache. In
der Woche wurde er nächtlicherweile zu einem Kranken nach Holzern gerufen,
wohin er sich wie gewöhnlich, wegen des schlechten Wetters, zu Pferd begab.
Auf dem Heimweg wurde er von einem schweren Unwetter überrascht, und in der
Nähe des Getgenbusch, da wo später das "Wohneschkreuz" errichtet wurde,
lauerten die Hexen ihm auf. Sie veranstalteten einen wüsten Spektakel, durch
welchen des Pfarrers Pferd scheu wurde und ihn abwarf. Er blieb aber mit
einem Fuße im Steigbügel hängen und das durchgehende Pferd schleifte ihn bis
ins Dorf. In dieser Not machte er das Gelübde, falls er mit dem Leben davon
käme, ein Kreuz an der Stelle zu errichten, wo das Pferd still stehe. Eben
an der Stelle, wo bis 1932 das Pastorskreuz stand, soll das Tier dann Halt
gemacht haben."
(vgl. auch
[Berens, 1939]
im Abschnitt "Sagen und Legenden").
Fotos (wenn nicht anders angegeben):
Jos Thiel, 2009-2010