[Thill, 2003]
Im Jahre 1854 wurde auf Initiative des damaligen Pfarrers Dominik Niedercorn
, der von 1846 bis 1858 für die Seelsorge in der Pfarrei Mamer
verantwortlich war, links vom Eingang der damaligen Kirche - dem heutigen
Ostportal - eine Kapelle errichtet, um das Missionskreuz aufzunehmen, das
als Erinnerung an die erste, 1852 in Mamer erfolgreich abgehaltene "Mission"
errichtet worden war Infolgedessen wird diese Kapelle bis heute als
Missionskapelle oder Heilig-Kreuz-Kapelle bezeichnet (siehe ebenfalls:
Ueber die Missionen zu Mamer
und zu Holtzem).

Die 1854 erbaute Missionskapelle.
Die Baukosten wurden durch freiwillige Beiträge der Pfarrangehörigen
bestritten. Im Jahre 1856 stiftete Heinrich Freyman (Schmatts Hary bei
Pellen) ein Segensamt für die Wohltäter der Kapelle. Eine spätere
Stiftung Mamer Einwohner sicherte das Vorhandensein von zwei Wachskerzen,
die während dieser Messe, die alljährlich am 26. Mai gefeiert wurde, brennen
sollten.
Die monumentale Kreuzigungsgruppe, die in der Missionskapelle untergebracht
war, wurde während der letzten, 1995-2003 erfolgten Restaurierung renoviert
und aus Sicherheitsgründen in das Innere der Kirche versetzt wo sie an der
Rückwand des nördlichen Seitenschiffes unter dem wie ein versteinerter
Baldachin wirkenden Netzgewölbe vorteilhaft zur Geltung kommt.
Der Spitzgiebel der Hinterfront mit dem kreuzförmigen Maßwerk der
Fensterrose und der bekrönend eingesetzten Giebelnische vereinigt sich mit
der älteren Bausubstanz dieses Kirchenteils zu einer vollkommenen Harmonie.
Von besonders guter Wirkung ist die Frontseite der Kapelle. Elegante Säulen
mit fein gearbeiteten Sockeln und Kapitellen flankieren den mehrfach
gerillten Türrahmen und stützen den wirkungsvoll profilierten Giebel mit der
eingesetzten, vierblättrigen Blendrose. Drei feine Fialen mit Kreuzblumen
verleihen der Kapelle eine geradezu ätherische Leichtigkeit.

Seit der letzten Restaurierung 1995-2003 steht im Innern der Kapelle, an der
Frontseite direkt unter der Fensterrose mit dem farbig leuchtenden Kreuz,
ein altehrwürdiges, restauriertes Wegkreuz aus dem 17. Jh. Dieses Kreuz ist,
genannt
"Mellerjanskreuz"
eines der alten Kirchhofkreuze und
befand sich bis zur Retaurierung
an der Südwestseite der Sakristei beim Hause
Knepper. Sein Name geht auf die Inhaber des Mellerjanshauses zurück,
welche dieses Kreuz am Fronleichnamsfeste schmückten, da während der
Prozession der Segen dort gegeben wurde.

Zwei weitere, neogotische Grabkreuze erinnern an den 1794 in Mamer geborenen
Geistlichen Johann Christophory und an den in Mamer 1866 als Krankenpfleger während der
1865/66 wütenden Cholera verstorbenen Bruder Christophe Paelzer.
Am Steinkreuz des Priestergrabes befindet sich eine anspruchsvolle, leider
stark verwitterte Darstellung des Guten Hirten, sowie zwei gekreuzte Kelche
als Hinweis auf das Priesteramt des Verstorbenen.
Die Inschrift erklärt:
Hier ruhet
der Hochw. Herr J. CHRISTOPHORY geboren zu Mamer
am 18ten April 1794. gest. in Reckingen als emeritierter Priester
am 10ten 9ten 1873, im 46. Jahre seines Priestertums, wovon
Er 11 Jahre in Steinheim,
und 22 in Bous bei Remich segensreich als
Pfarrer verlebt hat.
Ich habe nicht verborgen deine Barmherzigkeit und deine Wahrheit vor
der großen Versammlung.
Du aber Herr! laß deine Erbarmungen nicht fern sein von mir.
Ps. 40, 11-12
Am Grabkreuz für Bruder Paelzer befindet sich die leider stark verstümmelte
Statuette des hl. Johannes von Gott mit dem Untertitel "Bitte für ihn".
"Der hl. Johannes von Gott (1495-1550) ist der Gründer des Ordens der
Krankenbrüder. Nach einer Tätigkeit als Missionar in Afrika gründet er 1537
sein erstes Hospiz in Granada. 1630 heiliggesprochen, wird er 1886 von Papst
Leo XIII zum "Schutzheiligen der Kranken und Kliniken" bestimmt. 1930
erweitert Papst Pius XI diese Schutzherrschaft auf alle Krankenpfleger und
-pflegerinnen. Sein Fest wird am 8. März gefeiert. Auf dem Grabstein wird er
in der Amtstracht dargestellt, die vom Bischof von Tuy festgelegt worden
war."
Die
Inschrift lautet:
Hier ruht
der barmherzige Bruder
Christophe PAELZER
geb. zu Gemünde bei Koblenz
seit 1864 Mitglied des
Luxemburger Filial-Convents
Er starb zu Mamer
den 9. Januar 1866 als Märtyrer
heiliger Nächstenliebe
zur Zeit der Cholera
im Alter von 32 Jahren
Auf der unteren Inschrifttafel steht ein Zitat aus der Bergpredigt:
"Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen" mit
dem Zusatz "Aus Dankbarkeit errichtet von den Jünglingen von Mamer 1886".
1866, 28. Februar – Choleraepidemie
...Erlauben Sie,
Herr Rédacteur, daß ich einen kleinen Platz in Ihrer Zeitung beanspruche, um
das schöne und großmüthige Benehmen der barmherzigen Brüder und Schwestern
in der Mamer Epidemie anzuerkennen... (ganzen
Artikel lesen).
1916, 10. Januar –
Andenken an die Opfer der Choleraepidemie von 1866. Auf dem hiesigen
alten Friedhof, dem Portal der Kirche gegenüber, befindet sich ein
Grabdenkmal, errichtet wie die Inschrift besagt, von der dankbaren Jugend,
dem hier als Opfer der Nächstenliebe verstorbenen Krankenbruder Christoph
Pälzer. Nur 8 Tage hatte der Bruder seines Amtes gewaltet, als er, im Alter
von 32 Jahren, am 9. Januar 1866 von der Cholera dahingerafft wurde...
(ganzen
Artikel lesen).
Siehe ebenfalls:
75jährige Tätigkeit der
Barmherzigen Brüder
(ganzen
Artikel lesen).

Eine einfache, schwarze Tafel mit eingravierten Goldbuchstaben erinnert an
den Pfarrer Joseph Metz, der die Pfarrei Mamer von 1858-1877 leitete, und
auf seinen besonderen Wunsch hin in der Missionskapelle begraben wurde.
Während der Amtszeit des aus Wiltz stammenden - und bis zu seiner Ernennung
als Seelsorger von Mamer in Rodt als Vikar tätigen - wurde Mamer 1865/66 von
einer Choleraepidemie heimgesucht. Als Anerkennung für seine
aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste seiner Pfarrkinder wurde ihm vom
König-Großherzog eine Auszeichnung verliehen. 1877 trat Pfarrer Metz von
seinem Amt als Pfarrer von Mamer zurück, um die Stelle als Vikar von
Ansemburg zu übernehmen, die er bis zu seinem Tode im Jahre 1881 ausübte
(mehr zu Pfarrer Metz im Abschnitt über die Pfarrer
von Mamer).

Bei der Wegräumung des alten Friedhofs im Jahre 1931 wurden die dort
ausgegrabenen Gebeine eingesammelt und in einer besonders zu diesem Zweck
geschaffenen Gruft in der Missionskapelle beigesetzt. Durch diese
pietätvolle Geste wurde die Missionskapelle automatisch zum Karner. Eine
Gedenktafel erinnert daran".
Mittlerweile befinden sich die Gebeine
nicht mehr in der Gruft unter der Missionskapelle; sie wurden
(wahrscheinlich während der Renovierungsarbeiten von 2004) auf dem Mamer
Friedhof beigesetzt.
Der Eingang zur Gruft, der während Jahren
nur mit einem Bretterverschlag verschlossen war, wurde 2004 durch eine
eiserne Pforte ersetzt, die von einem Kaminsims aus dem Innern des Mamer
"Schlosses" eingerahmt ist!

Foto: Service Technique de la Commune de
Mamer, 2004.

Foto: Service Technique de la Commune de
Mamer, 2004.

In dem
kleinen, verwölbten Raum befinden sich nun (2011) die Überreste des Grabes
von Frédéric François und von seiner Frau Virginie Metz, das vormals auf dem
heute verschwunden Friedhof vor der Kirche gestanden hat.
Virginie Metz war die Tochter von Jean Metz, welcher das Mamer Schloss im
Jahre 1814 kaufte. Bei ihrer Heirat mit Frédéric François erhielt das Paar
den ganzen Besitz als Hochzeitsgeschenk.
Unter
Virginie Metz und Frédéric François erlebte der Besitz eine wahre Blütezeit;
1830 liess Frédéric François den hinteren Teil des alten Herrenhauses
abreissen und an seiner Stelle das "Mamer Schloss" errichten wie es heute
noch da steht.
Grabinschriften:
Frédéric François
Receveur Général
Officier de la Couronne de Chêne
décédé à Mamer le 28
août 1866
à l'âge de 63 ans.
Marie Wirginie Metz
épouse de Frédéric
François
décédée à Mamer le 11
novembre 1859
à l'âge de 56 ans.

Fotos (wenn nicht anders angegeben): Jos Thiel,2011.