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DIE PFARRER VON MAMER
 

 

1238 Sigfridus

Von den Pfarrern, die der Pfarrei Mamer vorstanden, gilt bis jetzt als ältester ein Sigfridus (Sigfrido pastore de Manbre), welcher in einer Urkunde des Jahres 1238 erwähnt ist.

 

1486 Johannes Knaust

Aus einer Urkunde der Reinach'schen Archive geht hervor, daß im Jahre 1486 Johannes Knaust, "Pfarrer und Notar zu Mamer", einen Vergleich zwischen Gotthard und Johann, Herren von Fels und Mersch schriftlich niederlegte.

 

1548 -1607 Johannes Falck

Johannes Falck stand der Pfarrei 59 Jahre lang vor.

Im Jahre 1570 erklärt Paul von der Fels, Herr zu Mersch, dem Pfarrer Falck von Mamer einen daselbst gelegenen Weiher, genannt "Neuer Weiher", verpachtet zu haben.

Im Weistum vom Jahre 1583 wird Falck ebenfalls als Pfarrer von Mamer erwähnt „… ihre ehrw, und gn. durch den wurdigen und andechtigen hern Johanssen Falck, ihren pastoren…“.

Er sagte bei der Gelegenheit in einer Streitsache zugunsten des Meiers Schiltz aus und berief sich dabei auf seine 35jährige Amtstätigkeit in Mamer  „ … undt obwohl der würdigh undt andechtig herr Johan Falcken, priester undt pastor daselbst zu M., ein solches wahr zu sein undt als derjenigh, so nunmehr die pfarkirch M. uber die xxxv jahr regirt, undt gesehen, dasz in hin­weghnehmung der zunechst ahngezogener zween häusten heuwes, weder dieszem noch seinem vorfahrenden meyeren, die zeit seiner residentz , einigen irrthumb geschehen zu sein affermirte …“.

Im Schöffenweistum aus dem Jahre 1612 heißt es: „… Ausgenommen f … haupricht, des hern Johannes hauβ… - nicht dem Herrn von Mersch unterworfen ist das Haus des Pfarrers Johann Falck.

Am 21.2.1607 erbot der hochbetagte Mann von dem Abt von St. Maximin, als dem Patronatsherrn der Pfarrei, die Zusage, daß er noch einige Zeit im Amt belassen werde. Falls man ihm einen Kaplan als Beihilfe gebe, sei er noch gut imstande, seinen Pflichten als Seelsorger nachzukommen. Dieser Bitte wurde anscheinend nicht stattgegeben, denn am 23. April 1607 wurde Theodor Brüll zu seinem Nachfolger ernannt.

Hatte Pfarrer Falck auch mit Wahrsagerei und Hexentum zu tun?

Noch 1628 bei der Visitation in dem Archidiakonat Longuyon findet man Spuren dieser fatalen Gesellen (Dorfwahrsager). In Mamer (Luxemburg) trieb ein gewisser Johannes Falck sein Unwesen, und er hatte einem Mann aus Angelsberg bei Mersch, dessen Kind entstellt (vitiatum) war, erklärt, das sei auf Hexen aus der Nachbarschaft zurückzuführen.“ (Anmerkung: Johann Baptist Kaiser, Das Archidiakonat Longuyon am Anfange d. 17. Jahrhunderts. Visitationsbericht von 1628-1629. Teil. 1: Die vier wallonischen Dekanate, Heidelberg, Winter, 1928. Teil. 2: Die drei dt. Dekanate, Heidelberg, Winter. 1929.).

Quelle: Gunther Franz, Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung, Trier 1998, S. 309: Die Trierer und Luxemburger Hexenprozesse in der dämonologischen Literatur.

"In einem Visitationsbericht von 1628-1629 erlebt man hautnah die Einstellung der Bevölkerung zur Magie und die Praktiken der dörflichen Seher und Magier, deren Einfluss auf die Hexenverfolgungen sehr oft übersehen wird. Ob es nun darum geht, dass der Experte Joannes Falck von Mamer einem gewissen Dominik aus Angelsberg erklärt, warum seine Kinder entstellt sind - er weist auf benachbarte Hexen hin! - oder ob derselbe Falck verspricht, die Pferde, die auf magische Weise ‚vergiftet' worden sind, zu heilen, immer wieder ist die divinatio im Spiel. Da hat jemand wegen einer verlorenen Geldsumme sich der Magie ergeben, ein verlassenes Mädchen hat dem ungetreuen Liebhaber einen Liebeskuchen verpasst und Ähnliches mehr.”

Quelle: Othon Scholer, Der versunkene Kontinent oder die magisch-dämonologischen Vorstellungen im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts, sowie: Othon Scholer, Les idées magiques et démonologiques, in: Rita Voltmer und Franz Irsigler, Incubi Succubi. Les sorcières et leurs bourreaux, hier et aujourd'hui, Publications scientifiques du Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg, 2000, S. 131

 

1607-1628?  Theodor Brüll

Brüll war von dem Patronatsherrn Reiner, Abt von St. Maximin vorgeschlagen worden und wurde von dem Erzpriester von Longuyon in sein Amt eingeführt. Brüll war noch 1628 im Amt.

 

1628?-1636 Michel Stroesser

Stroesser hatte nicht lange die Pfarrei inne hatte, denn am 5. Juli 1636 schlug Aegidius, Abt von St. Maximin, Mathias Bofferding, zum Nachfolger des verstorbenen Stroesser vor.

 

1636-? Mathias Bofferding

Bofferding erhielt das Placet des Provinzialrates am 12. August 1636. Während seiner Amtszeit erfolgte die zweite uns bekannte größere Reparatur der Mamer Pfarrkirche. Sein Nachfolger war wahrscheinlich Johannes Du Mont.

 

1662-1668 Johannes Du Mont

Johannes Du Mont wird allerdings erst im Jahre 1662 als Pfarrer von Mamer erwähnt. In einer Urkunde des Jahres 1665 betreffend den Verkauf der Friedrichsvogtei von Mamer figuriert Du Mont als Zeuge. Er wurde im Jahre 1668 ersetzt durch Johann Steil.

 

1668-1692 Johann Steil

 

1692-1719 Peter Steil

Am 13. April 1696 verpfändete Charles de Boudonville, Schloßherr zu Mamer und seine Gattin Adele d'Huart einen Pesch zu Mamer, längs des Baches, für 24 Gulden an den Pfarrer Steil.

 

1719-1728 Gérard Eischen

 

1728-1753 Alexius Ambrosy

Ambrosy machte der Kirchenfabrik eine Schenkung von 150 Reichstalern zum Unterhalt der ewigen Lampe in der Mamer Kirche.

Nach dem Abgang Ambrosys entstand aus nicht genau bekannter Ursache ein Prozeß wegen der Pfarreinkünfte zwischen einem Verwandten des früheren Zehntherren Hoecklin und dem Pfarrer André Lambert von Mersch. Lambert erhielt die Einkünfte zugesprochen und vom Beginn des Prozesses bis zum Tode Lamberts wurde die Pfarrei Mamer von Verwesern verwaltet.

In die Amtszeit von Pfarrer Ambrosy fällt auch die Errichtung des "Pastorskreuzes", das nach einer Legende von einem Pfarrer errichtet wurde als Dank für seine wunderbare Rettung vor einem Überfall von Hexen (mehr hierzu im Kapitel über die Kirchhofkreuze).

 

1753-1758 Peter Eischen

Es wohnte derzeit eine Familie Eischen in der Pellenvogtei, welcher der Pfarrverwalter möglicherweise angehörte. Er wurde am 24.6.1758 ersetzt.

 

1758-1759 Joh. Franz. Kerschen

In dem von Martin Blum in Ons Hémecht 1926 veröffentlichten Verzeichnis der Pfarrer von Mamer werden außer Kerschen noch als Verwalter aufgeführt:

1759-1761: Michel Lorent
1761-1763: Karl Schreiber
1763-1764: Claude.

Nach den in den Regierungsarchiven befindlichen Dokumenten (van Werveke, Localités) erhielt jedoch bereits am 20. April 1759 Joh. Franz Kerschen das Placet als regelrechter Pfarrer von Mamer, welche Stelle durch den Tod des Pfarrers Lambert von Mersch freigeworden war. Kollator war der Erzbischof von Trier.

 

1760-1791 Jakob Ransonnet

Jakob Ransonnet aus Luxemburg, der an Stelle des verstorbenen Kerschen 1760 von Willibrord, Abt von St. Maximin, vorgeschlagen wurde erhielt am 12. April 1760 das Placet der Landesregierung  (nach Martin Blum (M. BLUM et J. ZIESER, Series pastorum, O.H. 1926, p. 164.) hätte Ransonnet erst am 24. Juni 1764 die Pfarrei übernommen).

Anscheinend fand der neue Pfarrer die Pfarrei in desolatem Zustand vor, denn aus den von ihm angelegten Aufstellungen läßt sich ersehen, daß er bestrebt war, in seinem Amtsbereich überall Ordnung zu schaffen. Die Zehntherren erinnerte er an ihre Pflichten, die Kirche in ordentlichem baulichen Zustand zu halten und trat deren Übergriffen beim Einziehen des Zehnten entgegen.

Wie sehr ihm das Wohl seiner Pfarrkinder am Herzen lag, beweist die Stiftung, die er zur Unterstützung von 24 dürftigen Schülern machte. Im Schuletat vom Jahre 1829 sind die Zinsen dieser Stiftung mit 22 Florins 68 Cents aufgeführt. Dieselben wurden bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bei der Besoldung des Lehrers in Rechnung gestellt.

Am 24. Januar 1791 wurde Ransonnet nach Grevenmacher versetzt. Er starb am 13. Juli 1818 in Luxemburg.

Auszug aus Jules Mersch, La famille Ransonnet, in: Biographie nationale du pays de Luxembourg depuis ses origines jusqu'à nos jours (collection présentée par Jules Mersch), fasc. XV, p. 5ff. Luxembourg, 1967 [=Mersch 1967]:

JEAN-JACQUES RANSONNET.

Fils cadet des époux Ransonnet-Scheffer, il naquit à Luxembourg le 12. 4. 1734 et se voua au sacerdoce.

Collationné par l'abbé de St-Maximin, Jean-Jacques Ransonnet reçut le 12. 4. 1760 le placet pour la cure de Mamer, vacante depuis le décès de Fr. Kerschen (1759). Mais Ransonnet ayant vu surgir un concurrent en la personne de l'abbé N. Probst, nommé par Louvain, il en résulta un procès qui fut porté devant le Grand Conseil de Malines (13. 7. 1763). L'arrêt du 14. 4. 1764 ayant confirmé une sentence rendue le 27. 6. 1758 par le Conseil provincial de Luxembourg dans la cause remontant déjà au prédécesseur de feu l'abbé Kerschen, André Lambert, et concernant la possession de la cure de Marner, le Conseil provincial autorisa le 22. 5. 1764 respectivement les trois gagnants (A. Lambert, F. Kerschen, J.-J Ransonnet) et leurs héritiers à lever pro rate temporis les revenus de la dite cure consignés au: greffe du Conseil. (A. SCHON, Zeittafel, pp. 468, 488, 494.)

Ce n'est donc qu'à la date du 24. 6. 1764 que Ransonnet se trouve inscrit sur la liste des curés de Mamer. (M. BLUM et J. ZIESER, Series pastorum, O.H. 1926, p. 164.)

Des relevés dressés par le nouveau curé attestent des efforts qu'il fit pour remettre de l'ordre dans les affaires de sa paroisse. C'est ainsi qu’il rappela aux décimateurs leur devoir de subvenir à l'entretien de l’église et qu'il combattit les abus entachant le prélèvement des dîmes. (N. FLENER-DELCOURT, Aus der Gesch. d. Ortschaft Mamer, 1960, p. 120.)
Par acte du magistrat de la ville de Luxembourg en date du 26. 7. 1681, il fut nommé régisseur de la bourse que Marie Marein, fille des époux Marein-Scheffer fonda le 10. 1. 1764. (J. P. KOLTZ, Manuel des fond. de bourses, p. 390.)

Le 22. 8. 1769 il fonda, moyennant une somme de 102 R 6 escalins, une rente de 5 R 8 sols pour que, pendant les mois de novembre à février, 24 enfants pauvres pussent être instruits gratuitement. Ransonnet fixa ce nombre à 24, parce qu'il était d'usage à Mamer de payer pour chaque enfant, pendant ces quatre mois, 2 pièces à 6 sols. (J. GOERENS, Inv, des Arch. de l'Hospice St. Jean, p. 602.)

En 1723 lors de la reconstruction de la nef de l'église qui datait de 1542, on avait adjoint au côté Nord de l’ancien chœur resté intact, une sacristie qui était si humide que les parements s'y gâtaient. C'est la raison pour laquelle l'abbé Ransonnet fit construire en 1772 une nouvelle sacristie située à l'Ouest du chœur.

D'un rapport du curé Ransonnet de 1778 il résulte que la paroisse comptait en cette année 840 habitants répartis sur 71 maisons à Mamer, 32 à Holzem, 5 à Cap et sur les 4 moulins du « Gaschtgrund.» (N. FLENER-DELCOURT, op. cit., pp. 106, 103.)

Le 11. 2. 1779, Ransonnet fit don à la fabrique d'église de Mamer de deux bois sis au ban de Holzem, le revenu des coupes annuelles étant à attribuer « zu den bischen der hausarmen des pfahren Mamer». (A. SCHON, op. cit., t. V, p. 55.)

Aux archives générales du Royaume à Bruxelles (Ch. des cptes No 46801) on conserve - dressée de la main de J.-J. Ransonnet et écrite en langue allemande - une déclaration datée du 10. 3. 1788, concernant les revenus et charges de la chapelle de Holzem, paroisse de Mamer. (N. MAJERUS, Die Luxemburger Gemeinden, t. V, 1958, p. 412.)

Ransonnet desservit cette cure jusqu'au 24. 1. 1791, date à laquelle il fut nommé curé à Grevenmacher.

D'après Spedener (« Die im Luxemburger Lande lebten und webten ») Ransonnet serait décédé le 14. 7. 1818 à Grevenmacher. Effectivement il mourut le 13 juillet à Luxembourg, au No 310 du Marché-aux­ Poissons. (Etat civil, Luxbg, Reg. des décès No 180.)


 

1791-1807 Thomas Jacoby

 Thomas Jacoby aus Grevenmacher, geboren am 24. Februar 1747.

In der Serie der Pfarrer war es Jacoby Thomas aus Grevenmacher, der als Pfarrer zu Mamer den Einzug der Franzosen erlebte. Einige Jahre nach seinem Amtsantritt in Mamer rückten die Truppen der französischen Revolutionsarmee in unser Land ein, und die Gesetze der Republik traten auch bei uns in Kraft. Gleich der Mehrzahl der katholischen Geistlichen weigerte Jacoby sich, den Eid auf die Konstitution zu leisten um nicht deportiert zu werden, ebenso sein Kaplan Christophe Brücher und der im Ruhestand im Wieshaus lebende Trinitarierpater Andreas Meyers (der Wiespater).

Daraufhin wurde diesen drei Geistlichen jede Amtshandlung untersagt und das Kirchenvermögen beschlagnahmt.

Pfarrer Jacoby hielt sich einige Zeit auf der Wilzermühle verborgen und zelebrierte dort die Messe. Auch in "Stemes” in der Gretengasse wurde der Gottesdienst heimlich gefeiert.

Am 7. Primaire VI (27. November 1797) traf der republikanische Kommissar Klein in Mamer ein und begab sich in Begleitung des Munizipalagenten Henri Styr (Schmiddenschmett) und des Adjoint Mathias Hansen in das Haus des ehemaligen (ci-devant) Pfarrers Jacoby, Von diesem ließ er sich die Pfarregister, Pachtverträge und sonstige Besitztitel vorlegen, worauf er das gesamte Kirchenvermögen als unter Sequester stehend erklärte. Dann befahl er dem Pfarrer, binnen drei Tagen das Pfarrhaus zu räumen.

Von da begab sich Klein mit den beiden Agenten in die Kirche, um die Kirchengeräte zu beschlagnahmen. Er kam jedoch ein wenig zu spät. Wahrscheinlich waren die Mamer von Luxemburg aus gewarnt worden, denn der Kommissar fand die Kirche vollständig ausgeräumt. Ärgerlich schreibt Klein in seinem Bericht, daß keine Spur von Gold- und Silbergeräten vorhanden sei. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, sei gestohlen worden. In der Kirche seien nur mehr drei leere Altäre, sonst nicht die geringsten Möbel, nicht einmal ein Stuhl.

Was Klein in seinem Bericht als Diebstahl bezeichnet, war eine Vorsichtsmaßnahme der Mamer, die ihre Kirchenschätze rechtzeitig vor den Raubgelüsten der Sansculottes in Sicherheit gebracht hatten. Der gesamte öffentliche Gottesdienst war unterbunden und die Glocken durften nicht mehr geläutet werden. Der Kommissar legte Siegel an Sakristei und Kirche und versperrte deren Zugänge. Die Schlüssel übergab er dem Agenten Styr mit dem Befehl, dieselben zur Verfügung der republikanischen Behörde zu halten.

Styr scheint jedoch keinen allzugroßen Respekt vor den Befehlen dieser Behörde gehabt zu haben. Ein Bericht vom 25 Messidore VI (13. Juli 1798) besagt:

"Heute begaben wir, die Gendarmen Simon und Thill, uns von Luxemburg nach Capellen, über die Landstraße Luxemburg-Calais. Als wir dabei gegen neun Uhr morgens das Dorf Mamer passierten, vernahmen wir Glockengeläute. Bei unserer Rückkehr von Capellen suchten wir zu Mamer den Munizipalagenten Styr Henri auf und forderten Rechenschaft über das verbotene Glockengeläute. Styr erklärte zunächst, er sei während der Zeit abwesend gewesen und wisse nichts von der Sache. Bei näherem Verhör zog er jedoch diese Ableugnung zurück und sagte, das Läuten sei erfolgt, um die Einwohner zusammen zu rufen. Er lasse überhaupt die Glocken läuten, wann und so oft es ihm beliebe. - Wir errichteten daraufhin Protokoll gegen ihn."

Es ist möglich, daß die Glocken eben wegen der Gendarmen ertönten und das Geläute ein Warnungssignal war, denn der Gottesdienst fand heimlich in Privathäusern statt. Der Pfarrer Jacoby soll sich einige Zeit auf der Wilzermühle verborgen gehalten und dort die Messe zelebriert haben. Auch in "Stemes" in der Gretengasse wurde heimlicher Gottesdienst abgehalten. Vielleicht auch in anderen Häusern.

Bereits am 26. Pluviose VI (14. Februar 1798) waren die zu Mamer liegenden Güter der Abtei St. Maximin als Nationalgüter versteigert worden. Zu diesen gehörte auch das sogenannte „Schloß“, in welchem der Pfarrer wohnte. Dieses wurde mit dem dazu gehörenden Garten für 91000 Frk von dem französischen General Morand angesteigert.

An demselben Tage wurde auch der bis dahin vom Pfarrer benutzte Patresgarten beim Schlosse von Pierre Reuter, Schankwirt zu Luxemburg, für 42000 Frk. angesteigert.

Auch alle Kirchengüter, selbst die Möbel wurden versteigert. Die Glocken wurden nach Luxemburg in ein Depot abgeliefert. Am 25 Frimaire VI (15. Dezember 1797) kehrte der Kommissar Klein nach Mamer zurück und forschte bei den Verwaltern der St. Johannis-Bruderschaft, welche die heutige Kirchenfabrik darstellte, nach etwaigem noch vorhandenem Kirchenvermögen. Diese, nämlich Henri Styr, Mathias Hansen, Jean­ Baptiste Groff und Nicolas Hasel, erklärten, der Präsident der Bruderschaft sei gestorben, ohne jemand Kenntnis über das Kirchen­ vermögen zu geben. Ihnen sei nur bekannt, daß die Kirchenfabrik noch eine Schuld von 28 Gulden an den Kerzenfabrikanten Hentsch von Luxemburg zu zahlen hätte. Klein scheint dennoch die Kirchengüter aufgespürt zu haben, denn aus späteren Aufzeichnungen geht hervor, daß dieselben beschlagnahmt wurden.

Der neue Eigentümer des Schlosses, oder Pfarrhauses, scheint seinen neuen Mitbürgern wohlwollend gesinnt gewesen zu sein und seinen Einfluß zu deren Gunsten gebraucht zu haben.

Am 26. Frimaire VII (16. Dezember 1798) erstattete der republikanische Kommissar Vallée auf General Morands Verwenden dem Dorf eine Glocke zurück, um damit den auf dem Felde beschäftigten Einwohnern die Zeit angeben zu können.

Wohl auf Morands Einfluß ist auch zurückzuführen, daß die drei Geistlichen des Ortes, Jacoby, Brücher und Meyers sich schließlich wieder frei im Dorfe bewegen durften. Da dieselben sich standhaft weigerten, den verbotenen Eid auf die Konstitution zu leisten, begnügte man sich, dieselben am 10. Frimaire IX (1. Dezember 1800) einen Revers unterschreiben zu lassen, in welchem sie versprechen, als friedliche Bürger zu leben und den Gesetzen der Republik Gehorsam zu leisten, soweit ihr Glaube es gestatte.

Auch Holzem erhielt eine Glocke zurück, um damit die Zeit angeben zu können.

Während dieser traurigen Zeit waren die Geistlichen des Dorfes auf die Freigebigkeit ihrer Pfarrkinder angewiesen. Immerhin war ihr Los minder hart als das vieler ihrer Amtsbrüder, die ihre Treue gegen die Kirche mit Deportation und Tod büßen mußten.

Der Abschluß des Konkordates zwischen Bonaparte und Papst Pius VII. am 15. Juli 1801 machte den Religionsverfolgungen ein Ende und bahnte eine Neuregelung der kirchlichen Verhältnisse an.

Am 19. Messidor X (8. Juli 1802) gab Jacoby vor dem Maire Knepper die Erklärung ab, daß er das Konkordat annehme und mit dem vom Papst ihm vorgesetzten Bischof in Frieden leben wolle. Auf einer sämtliche Geistliche des Wälderdepartements umfassenden Liste vom 3. Ventôse XI (22. Februar 1803) ist Jacoby mit dem Vermerk eingetragen: "Adhère au Concordart. Tranquille."

Am 22. Pluviôse desselben Jahres (11. Februar 1802) ernannte Bischof Bienaymé von Metz ihn zum Pfarrer von Mamer und Christophe Brücher zu seinem Vikar. Brücher wird in verschiedenen Akten als Pfarrer von Holzem bezeichnet. Durch ein von Saint Cloud datiertes Dekret vom 11. Prairial XII (31. Mai 1804) ordnete Bonaparte an, daß die Präfekten und Bischöfe in gegenseitigem Einvernehmen eine neue Einteilung der Pfarreien vornehmen sollten.

Infolge dieser Neuverteilung wurde die Filiale Holzem 1804 von Mamer abgetrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben.

An Stelle seines früheren Titels "Curé" behielt Jacoby nur noch den Titel eines "Curé desservant", da nur mehr die Dechanten "Curés" hießen. Am 25.1.1806 erhielt er von der Regierung seine neue Ernennung als "Desservant" zu Mamer.

Durch das schon angesprochene Dekret vom 11. Prairial XII wurde den Desservants vom 1. Messidor des Jahres ab ein jährliches Gehalt von 500 Franken zuerkannt, wozu eine freie Wohnung kam. Das Dekret besagte unter anderm: "au moyen de ce traitement les desservants ne pourront rien demander aux communes, sauf le logement. Ils peuvent néanmoins accepter des dons volontaires."

Über den Sinn des letzten Satzes entbrannte in Mamer eine heftige Kontroverse, welche 10 Jahre lang das Dorf in zwei sich erbittert bekämpfende Lager teilte. Ein Teil der Einwohner wurzelte noch in den alten Anschauungen und hielt dafür, die früheren Gebräuche wie den Zehnten usw. beizubehalten, während die anderen den neuzeitlichen Ideen huldigten und nichts von dem "ancien régime" wissen wollten.

Man einigte sich nach einigem Streiten dahin, statt der zehnten, die dreißigste Garbe zu liefern, doch hielt diese Einigung nicht lange an. Der Streit entbrannte aufs neue und Jacoby starb inmitten der Wirren am 24. September 1807.

 

1807-1808 Johann Heinrich Reding

Der aus Esch-Sauer gebürtige Johann Heinrich Reding war vorher Desservant in Bauschleiden und übernahm mit der Nachfolge Jacobys auch dessen strittige Angelegenheit in Sachen des Zehnten. Die Dorfpolitik hatte sich inzwischen der Sache bemächtigt und Reding hatte einen schweren Stand. Daß er nicht aus Habgier für die von ihm als gerecht angesehene Sache eintrat, geht daraus hervor, daß er eine Stiftung von 460 Fr., also fast eines Jahresgehaltes, machte, um den vier ersten Kommunikanten Preise zu verschaffen. Seine Gegner behielten jedoch die Oberhand. Ein Teil des Gemeinderates hatte zwecks Anschaffung einer neuen Glocke einen Holzschlag vorgenommen, zu dem die Genehmigung der Oberbehörde nicht eingeholt worden war. Bei dem Präfekten wurde Reding als Anstifter dieses illegalen Holzschlags hingestellt, worauf der Präfekt seine Versetzung beim Bischof von Metz beantragte. Dieser versetzte Reding nach Alleux/Ardennes und ernannte an seine Stelle nach Mamer am 1. Oktober 1808 Thilges Gilles

 

1808-1808 Gilles Thilges

Gilles Thilges, geboren in Rollingergrund am 19.3.1762.

Mittlerweile war es Reding jedoch gelungen, Gehör beim Bischof zu finden, und seine Versetzung nach Alleux wurde rückgängig gemacht. Thilges amtierte nur einen Sonntag zu Mamer.

 

1808-1809 Johann Heinrich Reding

Da Reding jedoch selbst einsah, daß seine Stellung in Mamer unter den obwaltenden Umständen täglich schwerer wurde, so verzichtete er.

 

1809-1816 Johann Baptiste Schu

Johann Baptiste Schu, geboren am 13. Februar 1765, war vorher Desservant zu Ehnen.

Auch Schu hatte die nämlichen Feinde wie die vorhergehenden Pfarrer, und noch am 10. Oktober 1814 richtete er eine 4 Seiten lange Klageschrift an den Generalkommissar des Wälderdepartementes, Franz Edmund Joseph Ignatius

Freiherr von Schmitz-Grollenburg (1776-1844), gegen seine Widersacher. Dieser sandte den Oberbürgermeister Dutreux-Boch nach Mamer zur Untersuchung der Angelegenheit. Dutreux übergab seinen Auftrag dem Bürgermeister Suttor von Bartringen, und es scheint, als ob daraufhin der Hader in Mamer aufhörte. Schu wurde am 1. Mai 1816 nach Zolver versetzt.

 

1816-1846 Johann Asselborn

Johann Asselborn, vorher Pfarrer in Merl, beteiligte sich, im Verein mit den Pfarrern von Bartringen und Straßen, an Ausgrabungen am Tossenberg. Asselborn amtierte 30 Jahre lang, bis 1846 als Pfarrer in Mamer. Dann legte er das Pfarramt nieder, um noch drei Jahre als Vikar in Mamer tätig zu sein. Er starb im Jahre 1849 und wurde links vom Ostportal, dem damaligen Hauptportal begraben.

In seiner Amtszeit (1843-44) wurde die Verlängerung der 1721 erbauten Kirche und der Bau der zwei Türme durchgeführt.


Luxemburger Wort, 22.04.1849. Link zum Artikel

 

1846-1858 Dominik Niedercorn

Der aus Cessingen gebürtige Dominik Niedercorn veranlaßte die Erbauung der Missionskapelle bei der Kirche und wanderte 1858 nach Nordamerika aus, wo er an der Kirche zum hl. Herzen Jesu in Chicago noch eine Reihe von Jahren als Seelsorger tätig war.

1862, 6. November – Nachricht von Pfarrer Niederkorn. Es wird manche unserer Leser interessieren, Nachricht zu erhalten von dem Jesuitenpater Niederkorn, früherer Pfarrer zu Mamer. Wir lesen im „Daily Missouri Republican", daß er am 6. November zu Waterloo, Monroe County im Illinois, beim Hochw. Bischof Junker von Arlon bei einer Kirchenweihe assistierte, und bei der Gelegenheit eine deutsche Predigt zur Segnung von Stationsbildern hielt. (Luxemburger Wort 08.01.1863. Link zum Artikel)

1866, 11. April – Brief des Jesuitenpaters Niederkorn ...Ich war gewiß oft erbaut, wenn ich zur Zeit meiner Wirksamkeit in Mamer Gläubige von allen Seiten zur Mission herbeiströmen sah. Ich erinnere mich mit freudiger Rührung an jene Zeit, wo meine ehemaligen Pfarrkinder unter Abbetung des Rosenkranzes aus der Mission der Nachbardörfer Bartringen, Strassen und Holzem prozessionsweise heimkehrten. Jene Zeiten bleiben mir unvergeßlich... (ganzen Artikel lesen).

 

1858-1877 Joseph Metz

Der aus Wiltz gebürtige Joseph Metz war vordem Pfarrer in Roodt. Während seiner Amtszeit wurde Mamer in den Jahren 1865-66 von einer Cholera-Epidemie heimgesucht, die ihm Gelegenheit gab, sich als guter Hirt seiner Pfarrkinder zu bewähren. Seine aufopfernde Tätigkeit in diesen Schreckenstagen wurde vom König-Großherzog durch eine Dekoration anerkannt.

Im Jahre 1877 trat er von seinem Amt in Mamer zurück und nahm die Vikarstelle von Ansemburg an, wo er 1880 starb. Seinem letzten Wunsche gemäß, wurde er in der Missionskapelle zu Mamer bestattet.

1860, 15. März – Wurden Kinder gröblich geschlagen? ...Wir unterzeichnete Mitglieder des Gemeinde- und Kirchenraths von Mamer haben zu unserm größten Leidwesen vernommen, daß ein Correspondent des „Courrier”, angeblich aus Mamer, in Nr. 58 dieses Blattes sich erfrecht zu sagen, es seien Kinder aus Mamer “gröblich geschlagen worden"... (ganzen Artikel lesen).

1860, 30. Oktober – Pfarrer predigt gegen Karusselspiel ...Der Hr. Pastor von Mamer hatte, wie es scheint, seine Pfarrangehörigen vor einem Spiel gewarnt, wahrscheinlich wegen dabei vorgekommener sittlicher Gefahren... (ganzen Artikel lesen).

1866, 28. Februar – Choleraepidemie ...Vergessen wir nicht den würdigen Herrn Pastor Metz, der ebenfalls mit der christlichen Aufopferung eines Priesters tiefe verhängnißvolle Zeit durchgemacht hat, und mit Rath und That überall vorging, wo es Noth that.... (ganzen Artikel lesen).

1880, 11. Juni – Zum Tod von Pfarrer Jos Metz ...„Ja, Herr Richter, schauen Sie nach in der Schublade dieses Tisches, da liegt das Testament in einer Bonbonsschachtel.”... (ganzen Artikel lesen).

 

1877-1886 Peter Nicolas Wittenauer

Peter Nicolas Wittenauer  aus Luxemburg war vorher Pfarrer in Tüntingen. Am 30. März 1886 wurde er zum Dechanten von Remich ernannt.

1899, 27. März – Pfarrer Wittenauer gestorben ...Gestern Abend, den 27. März, verschied allhier, gegen 10 Uhr, der hochw. Herr Dechant Wittenauer, wohl versehen mit den hhl. Sterbesakramenten, nach kurzer Krankheit im Alter von 68 Jahren... (ganzen Artikel lesen).

 

1886-1900 Jakob Hengesch

Jakob Hengesch, gebürtig aus Düdelingen, war vorher Pfarrer in Arsdorf. Hengesch machte eine ebenso mühevolle wie interessante Arbeit zu Mamer durch die Anlegung eines Familienbuches der Pfarrei, das es ermöglichte, die Abstammungen der Dorffamilien bis 1717 zurück zu verfolgen. Am 3. September 1900 wurde er als Dechant nach Vianden versetzt.

* Mamer, 31. März. (Installation.) Heute fand unter zahlreicher Beteiligung der Nachbarsgeistlichen und dem großen Andrange aller Einwohner der Pfarrei die feierliche Einführung des neuen Seelenhirten Hrn. Jak. Hengesch in die hiesige Pfarrkirche statt.

Die Straßen der Ortschaft und die Kirche waren sehr sinnvoll geschmückt. Der Gesangverein brachte dem neuen Pfarrer ein herrliches Willkominen dar, die Jugend und die Schulkinder begrüßten denselben als ihren innigst geliebten Hirten, der sie auf die rechte Seelenweide führe, als den Schiffsmann, der ihr Lebensschiff  durch die Stürme des Lebens hindurch lenke, als den Vater, dessen treue und gehorsame Kinder zu sein sie sich bestreben würden.

Ehre die wackern Bewohner der Pfarrei Mamer, die so recht den Diener und Stellvertreter Gottes in ihren geistlichen Vorgesetzten achten und hochschätzen. Luxemburger Wort, 02.04.1886. Link zum Artikel

1921, 5. November – Dechant Jakob Hengesch gestorben - Am Samstag starb im hohen Alter von 81 Jahren, der frühere Dechant von Vianden, Hochw. Hr. Jakob Hengesch. In den letzten Jahren schon war er für die Außenwelt so gut wie tot; denn eine schwere Krankheit fesselte ihn seit langem an’s Zimmer und an’s Krankenbett. Gott der Herr hat seinem treuen Diener und besten Verwandten die Gelegenheit gegeben, in bewundernswerter Geduld viele Verdienste für den Himmel zu sammeln.

Der Verewigte war im Jahre 1840 in Düdelingen aus einer echt katholischen Familie geboren, die der Kirche mehrere hervorragende Priester und Ordenspersonen schenkte. Nach erfolgreichen Studien in Luxemburg wurde er am 26. August 1866 zum Priester geweiht. Dann erhielt er folgende Anstellungen: als Vikar in Remich im Jahre 1866, als Pfarrer in Arsdorf im Jahre 1874, als Pfarrer in Mamer im Jahre 1889 und als Dechant in Vianden im Jahre 1899.

Nach 12jähriger Tätigkeit mußte er 1911 aus Gesundheitsrücksichten seine Entlassung nehmen. Er zog sich zu seinen Verwandten nach Luxemburg-Bahnhof zurück, wo er noch 4 Jahre lang in der Kapelle U. L. Fr. vom Berge Carmel als Hilfsseelsorger bei den Karmeliterinnen sowie den regulierten Tertiar-Schwestern tätig war.

Physisch ganz gebrochen gab er im Jahre 1915 auch diesen Posten auf, um dann ein langes leidenvolles Martyrium zu beginnen, aus dem ihn jetzt der Tod erlöste. Dechant Hengesch war ein Priester nach dem Herzen Gottes. Ein heiliger Ernst ließ ihn die Aufgaben seines Standes in ihrer schärfsten Gestaltung schauen und begeisterte ihn stets zu möglichst vollkommener Erfüllung derselben. Bei ihm gab es keine Halbheit und kein Feilschen: er lebte ganz Gott und den ihm anvertrauten Seelen. Er war unermüdlich und solange er arbeiten konnte, tat er es mit seltenem Fleiß. Ihn zeichnete vor alten, eine tiefe Frömmigkeit aus, die ihm immer neue Kraft und Begeisterung verlieh, an der eigenen und der anderen Vervollkommnung zu arbeiten. Was er von seinen Pfarrkindern forderte, hatte er vorher durch sein persönliches Tugendbeispiel gezeigt. Die Selbstheiligung, die ihm stets als Priesterideal während seiner pastoralen Tätigkeit vorschwebte, hat er in der langen Krankheitsperiode durch Leidenskraft und Leidenstugend geläutert und gestählt, so daß Gebet, Betrachtung und häufiger Empfang der hl. Kommunion, heldenhafte Geduld und Ergebung in seiner Krankheit ihn zum echten „Ewigkeits”-Menschen machten.

Besonders in den letzten Wirkungskreisen, in Mamer und Vianden, ist und bleibt Hr. Hengesch unvergessen und es war fein besonderes Verdienst, daß er es verstand, die bewährten Methoden der früheren Seelsorger mit den Forderungen, welche die moderne Zeit an den Pfarrer stellt, aufs glücklichste zu vereinen. Gott der Herr, dem der nunmehr Verewigte ein langes Leben lang mit Treue und Eifer gedient hat, „wird sein übergroßer Lohn sein.“
Luxemburger Wort 07.11.1921. Link zum Artikel

 

1900-1905 Theodor Meyers

Der aus Berdorf gebürtige Theodor Meyers, der vorher Pfarrer in Kaundorf war, wurde bereits am 9. März 1905 zum Dechanten von Koerich ernannt.

1922, 7. Oktober – Ehrendomherr Meyers † "Der Tod holt sich weitere Opfer aus den Reihen des lux. Klerus: nach dem jungen Priester des Herrn, der in Wiltz eben seine Augen zum ewigen Schlafe geschlossen, stirbt in den Sielen ein Veteran der Seelsorgsgeistlichkeit, der hochwürdige Herr Theodor Meyers, Pfarrdechant von Körich. Schon lange halte ihn eine schwere Krankheit gepackt: in den letzten Lagen trat sie heftiger als sonst auf und meisterte den starken, hünenhaft gebauten Mann, der noch am letzten Sonntag seinen Amtspflichten nachgekommen war.
 
 Der Verewigte war geboren zu Berdorf am 24. November 1853. Nachdem er am 24. August 1878 zum Priester geweiht worden war, erhielt er folgende Anstellungen: am 1. Oktober 1378 als Vikar in Siebenbrunnen (Lux.); am 25. Juni 1890 als Pfarrer in Kaundorf; am 3. September 1900 als Pfarrer in Mamer und am 9. März 1905 als Dechant in Körich.
 
 Die großen Verdienste des Herrn Meyers anerkannten die kirchlichen Vorgesetzten durch die Ernennung zum Ehrendomherrn der Kathedrale von Luxembg. am 8. April 1920 und die weltliche Autorität durch Verleihung des Ritterkreuzes im Orden der Eichenlaubkrone.
 
 In dem Andenken des Klerus und seiner Pfarrkinder wird Dechant Meyers fortleben als der in Ehren ergraute Priester, der von seinem Amte die allerhöchste Auffassung hatte und ihr entsprechend allezeit und überall lebte. Seine reiche Arbeit war geadelt durch den Geist des Opfers und der Treue im Kleinen wie im Großen. Er war gewissenhaft bis zum Aeußersten. Sein weiser, erfahrener Rat, sein ausgeprägtes kirchliches Empfinden und seine charaktervolle Grundsatzfestigkeit sicherten ihm allgemeine Hochachtung.
 
 Dechant Meyers konnte mit besonderem Rechte das Wort des Psalmisten auf sich anwenden: „Ich liebte die Zierde deines Hauses, o Herr!” An seinen verschiedenen Wirkungsorten ging er darauf aus, dem Herrn eine würdige Wohnstätte zu bereiten. In Körich darf die von ihm besorgte Kirchenverschönerung als Meisterwerk angesprochen werden. Er führte sie durch mit Hülfe von Staatsubsidien, allerdings; aber Gott allein weiß, wieviel persönliches Vermögen er zugelegt hat. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß der Verewigte überhaupt eine sehr freigebige Hand für gute Werke hatte. Von Haus aus verfügte er über ein gewisses Vermögen. Es ist gut angewandt worden: manche kirchliche Werke erhielten regelmäßige Förderung durch die diskrete Unterstützung des nunmehr verewigten Seelsorgers von Körich.
 
 Dechant Meyers war durch eine harte Schule gegangen. Schon bei seiner Geburt starb seine Mutter. Waren es diese Umstände, oder waren es seine Charakteranlagen, die ihn nach außen hin äußerst zurückhaftend, wenig entgegenkommend, ja ab und zu hart machten? In seinem Innern schlug jedenfalls ein gutes, für alles Edle und Schöne begeisterte Herz und seinen Pfarrlindern war der autoritätsvolle Seelsorger ein sicherer Führer und ein lauteres Vorbild.
 
 In Dankbarkeit werden sie des Verewigten im Gebete gedenken und trauernd an der Bahre desjenigen knien, der ihnen so viele Jahre ein aufrechter und treuer Hirte gewesen."
Luxemburger Wort 07.10.1922. Link zum Artikel

 

1905-1917 Philippe Schmit

Der aus Hemstal gebürtige Philippe Schmit war vorher ebenfalls Pfarrer in Kaundorf. Am 2. Januar 1917 wurde er als Pfarrer nach Remerschen versetzt.

"Montag, 17. April fand die feierliche Installierung unsers neuen Herrn Pastors, des hochwürdigen Herrn Philipp Schmit, statt.

Wenn schon ein solches Ereignis ein Jubelfest für eine Pfarrei ist, so steigert die Begeisterung der Leute zu einem wahren Enthousiasmus, weil gerade die Ceremonien der Installierung durch den hochw. Herrn Meyers, Dechant von Körich, vorgenommen wurden. Es war dies die erste feierliche Funktion, welche unser geliebter unvergeßlicher Herr Pastor, jetziger Dechant, in seinem neuen Amte vornahm, und zwar in der Pfarrei selbst, die er am letzten 29. März verließ, nachdem er hier 4 1/2 Jahrgewirkt hatte. Der hochw. Herr Meyers hatte sich in dieser kurzen Zeit die Sympathie aller Leute erworben, und allen blutete das Herz bei seinem Abschied. Die gedrückte Stimmung wurde einigermaßen gehoben, als am 3. April, der hochwürdige Herr Schmit zum Pfarrer von Mamer ernannt wurde. Derselbe ist dem hochwürdiget Herrn Meyers zum dritten Male gefolgt, zuerst nach Rollingergrund, dann nach, Kaundorf und jetzt nach Mamer, und überall ist er in die Fußstapfen seines Vorgängers getreten.

Die Mamer Jugend konnte deswegen mit vollem Recht in der Begrüßungsrede sagen, daß bloß der Name des Hrn. Pastors geändert, die Person aber dieselbe geblieben fei. Die Installierung gestaltete sich auch darum zu einem wahren Triumphe.

Die ganze Einwohnerschaft trug mit einer nie gesehenen Begeisterung zur Feier dieses schönen Festes bei. Das Pfarrhaus und der Weg zur Kirche waren aufs herrlichste geschmückt und Ehrenpforten mit tiefsinnigen Sprüchen, Guirlanden, Tannen, Fahnen und Fähnchen waren von der Jugend mit viel Geschmack, angebracht worden. Das Gotteshaus war aber unvergleichlich schön.

Ungeachtet der frühen Jahreszeit prangten die Altäre in einer wahren Blumenpracht. Im Schiffe der Kirche erblickte man die kunstvollen, reichlich gestickten Fahnen, welche alle unter dem hochw. Herrn Meyers angeschafft würben. Erhebender aber als aller Schmuck, war die großartige Beteiligung der Einwohner am Gottesdienst. Die Kirche war viel zu klein, um alle aufzunehmen. Nachmittags 3 Uhr riefen Böllerschüsse sämtliche Einwohner zum zweiten Male zusammen, um den beiden hochverehrten Herren Geschenke anzubieten.

Ein Gesangstück eigens komponiert für diese Gelegenheit, wurde von den verschiedenen Gesellschaften von Mamer mit viel Gefühl vorgetragen; darauf Anbietung der Geschenke, zuerst an den hochwürdigen Herrn Pastor, dann an den hochwürdigen Herrn Dechanten. Der neue Herr Pfarrer wurde mit begeisterten Vivatrufen empfangen, beim Erscheinen des Herrn Dechanten flogen alle Hüte und Mützen von den Köpfen, und ein frohes und zugleich wehmütiges „Oh das ist er” ging durch die Menge. Eine Weile tiefe Stille, die aber bald unterbrochen wurde, durch herzliche Vivatrufe. Nur ein Wunsch beseelte alle Herzen, nämlich der, die neuen Pfarrkinder des hochwürdigen Herrn Dechanten möchten ihm dieselbe Liebe und dasselbe Vertrauen schenken, wie seine Pfarrkinder von Mamer, und dem hochwürdigen Herrn Pastor möge es gegönnt sein mit demselben Erfolg am Heile der Seelen hier zu arbeiten, wie sein hochverehrter Vorgänger."
Luxemburger Wort 19.04.1905. Link zum Artikel

 

1917-1938 Michel Urwald

Michel Urwald, geboren 1878 in Grevenmacher, vorher Pfarrer in Michelau. Während seiner Amtszeit erfolgte der Umbau der Pfarrkirche (1931-32). Pfarrer Urwald förderte den Umbau unter persönlichen Opfern nach Kräften und dank seiner Initiative wurden die erheblichen Kosten der Innenausschmückung durch freiwillige Beiträge gedeckt. Er dankte am 1. September 1938 ab und lebte dann in Luxemburg-Belair im Ruhestand.

1938, 28. August – Abschiedsfeier für Pfarrer Urwald - "Die Abschiedsfeier für unseren, in den Ruhestand tretenden Pfarrer, Hochw. Hrn. Urwald, gestaltete sich am vergangenen Sonntag zu einer eindrucksvollen Kundgebung der Verehrung und der Dankbarkeit.

Im feierlichen Hochamt für bie Lebenden und Verstorbenen ber Pfarrei, wo unsere prächtige Kirche, das Werk und Denkmal unsers scheidenden Hrn. Pfarrers, bis auf den letzten Platz besetzt war, ward es allen bewußt, wie tief die Wurzeln in den 22 Jahren fruchtbringender priesterlicher Tätigkeit hier gedrungen waren und wie schwer die Trennung ist, wenn man sich losreißen muß aus einem reichen Arbeitsfeld, wo man die besten Kräfte seines Lebens verschenkte.

Nachmittags, vor der Vesper, sagten Schulkinder und Lehrpersonal, in einer intimen aber herzlichen Feier, in einem Schulsaal ihrem geschätzten Lehrer und Freund Lebewohl. Nach der Vesper versammelte sich die ganze Ortschaft, alle Vereine ohne Ausnahme, mit Gemeinde- und Kirchenrat an der Spitze und huldigten Herrn Urwald in aufrichtiger Zuneigung.

Herr Bürgermeister Wilhelm fand die rechten Worte, um dem scheidenden Seelenhirten, der alles für die Pfarrei und nichts für sich hatte, der niemanden wehe tat, jedem aber Wohltaten spendete wo er nur konnte, der immer und überall still doch stetig seine ganze Pflicht erfüllte und sich so die Hochachtung aller erzwang, den Dank der ganzen Gemeinde auszudrücken und ihn eines unvergeßlichen Andenkens zu versichern.

Ein prächtiger Kelch sollte der Ausdruck dieser Gefühle sein. Herr J. P. Knepper würdigte ln treffender und humorvoller Weise die großen Verdienste des Herrn Pfarrers um Kirchengesang und Musik und hatte damit allen aus der Seele gesprochen. Ein treffendes Lied des Kirchenchores, schöne Weisen der beiden Musikgesellschaften rahmten das Ganze würdig und wohltuend ein.

Herr Urwald, sichtlich gerührt und gewiß erfreut diesen Dank für lange, schwere und gute Arbeit, diese edle Gesinnung bei seinen Pfarrkindern zu finden, fand im schönsten Frieden dieser großen Ortschaft seinen besten Lohn und wünschte unserer Heimat ein stetiges und glänzendes Gedeihen.

Die „Hemecht” gab dazu den passenden Schlußakkord. Wer so seine besten Diener zu ehren weiß, ehrt sich selber. Luxemburger Wort, 30.08.1938. Link zum Artikel


Abschiedsfeier für Pfarrer Urwald am Nordportal der Kirche am 28. August 1938.
Foto: Lucien Mayer. Aus Stoffel 1988, Vol. I, Nr. 144, S. 49.

 

1938-1950 Nikolaus Koster

Nikolaus Koster, geboren in Rümelingen, war vorher Pfarrer in Merscheid.  Er wurde am 6. September 1938 feierlich installiert.

Nach dem Einmarsch der Armeen Hitlers am 10. Mai 1940 bestand die erste Amtshandlung des Ortskommandanten von Mamer darin, daß am Pfingstfest das Abhalten des Hochamtes verboten wurde.

Viel schlimmer wurde jedoch die Bedrückung, als gleich nach Einführung der Zivilverwaltung im August die Annexion Luxemburgs mit aller Perfidie angestrebt wurde. Durch seine aufrechte, kompromißlose Haltung wurde Pfarrer Koster den Nazibonzen bald ein Dorn im Auge, da sie in ihm die Seele der Resistenz gegen ihre Heiminsreich­ Propaganda sahen. Dieses Hindernis aus dem Wege zu räumen überfielen am 5. Mai 1941 Gestapoleute Pfarrer Koster in seinem Haus und rissen ihn jäh von Mutter und Schwester aus seiner Pfarrei, um ihn mit einer Anzahl namhafter Geistlichen nach Frankreich zu deportieren. Die Seelsorge in Mamer wurde nun zuerst von dem emeritierten Pfarrer Urwald, dann von Herrn Kayser, Pfarrer in Capellen, übernommen.

Am 8. Juni wurde das Dekret der Machthaber betreffend Trennung von Kirche und Staat von der Kanzel verlesen, welche Maßnahme die Einführung einer Kirchensteuer im Gefolge hatte. Ab 31. September wurde dann der Neupriester Robert Olinger vom Bistum als Seelsorger nach Mamer entsandt, der als Pfarrverweser amtierte bis zum 31. Oktober 1944. An dem Tage kehrte Herr Koster, unter dem Jubel der ganzen Pfarrei aus seinem Exil zurück.

Herr Koster wurde am 5. August 1950 in die Pfarrei Rollingergrund versetzt und seine öffentliche Abschiedsfeier in Mamer fand am 10. September statt. Da die Pfarrwohnung in Rollingergrund jedoch erst in Stand gesetzt werden mußte, blieb Koster zu Mamer bis zum 5. November, an welchem Tage er noch das Hochamt hier feierte, um am selben Tage nachmittags in Rollingergrund installiert zu werden.

1938, 6. September – Installationsfeierlichkeiten zu Ehren des Pfarrers Koster "Die Installationsfeierlichkeiten zu Ehren des Pfarrers Hochw. Hrn. Koster verliefen hier wie üblich und dennoch war Manches außergewöhnlich dran. Wenn ein großes Dorf mit Liebe und Energie an die Organisation eines solchen Festes herangeht, wo in schönster Einigkeit und Harmonie jeder fein Bestes hergibt und ein gewisser Sinn für Geschmack und Pracht vorhanden sind, dann kann was Herrliches zustande kommen. Und so war es auch.

Die Begeisterung zu Ehren des neuen Hrn. Pfarrers galt der Person, die bestens empfohlen, sich in kürzester Zeit ganz angenehm vorgestellt hatte; aber auch der Sache, der der Priester dient, denn trotz allem ist das religiöse Gefühl in unserer Ortschaft tief verankert, das beweisen schon der stolze Bau und der Ausschmuck der Kirche. Es ging aber auch um die Ehre des Dorfes. Und dieser wurde großartig gedient. Der Schmuck auf dem weiten Kirchenplatz und um das Pfarrhaus herum war wirklich originell und tableauartig prächtig. Hunderte schönster Zierstöcke aus dem Dorfe zusammengeführt und bestens geordnet, gaben eine Blumenanlage, die jedem Kunstgärtner und jeder Stadt Ehre gemacht hätte. Schöner noch war die Beteiligung der Bevölkerung und aller Vereine am Gottesdienst u. an der Ovation: es lag eine Stimmung auf der weiten Versammlung, die für die Zukunft in der Zusammenarbeitung von Pfarrer und Pfarrei in den Reden der Jugend, des Herrn Pfarrers und des Herrn Bürgermeisters das Beste hoffen lassen.

Sang und Klang am Morgen durch die Musikgesellschaft „Union” und den Kirchengesang und am Abend durch das recht passende Konzert der „Pompiers Fanfare” rahmten die Feier glücklich ein, die wirklich nicht nur ohne den geringsten Mißton, sondern in recht aufbauender Zuversicht verlief. Der Segen wird nicht ausbleiben." Luxemburger Wort, 10.09.1938. Link zum Artikel

Installationsfeier für Pfarrer Koster am 6. September 1938

 Fotos: Lucien Mayer
Aus Stoffel 1988, Vol. I, Nr. 145-150, Ss. 50-51.

1939, 15. März – Begräbnis des Vaters von Pfarrer Koster - "Das Begräbnis des geschätzten Vaters unseres Herrn Pfarrers Koster zeigte so recht, wie schön es ist, wenn Eltern in ihren Kindern geehrt werden. Nur einige Monate erst kennt man sich und schon sind gegenseitig die Bande so fest geknüpft, daß man einerseits das Liebste, was man hat, der Erde dieses Wirkungsortes als seiner Heimat anvertraut, anderseits sehr wohl diese spontane Zuneigung versteht und offen mitfühlt. Darum gab es wohl kaum ein Haus, das nicht seinem Beileid Ausdruck verlieh.

Kirchenrat und Schulen hatten schöne Kränze gestiftet. „Cäcilia” sang einen ergreifenden Trauerchoral. Aus Düdelingen, Merscheid und besonders Hellingen hielten sehr starke Deputationen darauf, ihrem früheren Herrn Vikar und Pfarrer und der ganzen Familie ihre unverbrüchliche Treue und Hochachtung zu zollen.

Nahezu 40 geistliche Amtsbrüder und Freunde, an ihrer Spitze die Herren Dechanten von Wiltz und Körich gaben den Leichenfeierlichkeiten ein besonderes Gepräge. Es möge denn dieser gute und getreue Knecht, der 80 Jahre lang im Weinberg des Herrn die Last und Hitze des Tages getragen hat, friedlich und getrost bei uns seinen Ostern entgegenschlummern!
Luxemburger Wort, 15.03.1939. Link zum Artikel

1944, 1. November – Pfarrer Koster aus dem Exil zurück - Am 5. Mai 1941 drang die Gestapo in das Pfarrhaus von Mamer ein und riß unsern beliebten Pfarrer, Herrn Koster, aus seinem segensreichen Wirken, fort von seiner betagten Mutter und seiner Schwester, um ihn mit andern Geistlichen in die Verbannung nach Frankreich schleppen. Über 3 ½ Jahre mußte Herr Koster die Bitterkeit des Exils tragen und nur auf Umwegen gelangten spärliche Nachrichten von ihm an seine Angehörigen und seine Pfarrkinder. Aber frisch und lebendig blieb in den Herzen aller Mamer das Gedenken an ihren Seelsorger, und als vor Wochen die erste Nachricht über dessen Heimkehr sich im Dorf verbreitete, wurde gleich alles zum herzlichen Empfang vorbereitet.


Ovation für Pfarrer Koster am 31.10.1944 anlässlich seiner Rückkehr aus dem Exil.
Sammlung René Federspiel. Aus Stoffel 1988, Vol. II, Nr. 228, S. 83.

Pfarrer Koster wurde am Abend des 4. Mai 1941 verhaftet, nach einer Denunziation bei der Gestapo wegen Französischfreundlichkeit und Tragens eines französischen Ordens.

Am Allerheiligentag fand die Bewillkommnung des Heimgekehrten statt, die sich zu einem Fest gestaltete, wie es Mamer in solcher Einigkeit und Größe nicht oft gesehen.

Unter Führung der zwei Musikgesellschaften zogen der Kirchenrat, der Gemeinderat, die Miliz, die Feuerwehr, eine Abordnung Amerikaner sowie die übrige Einwohnerschaft zum Pfarrhaus, wo der Kirchenratälteste, Herr Redlinger, die Begrüßungsansprache hielt und dem Heimgekehrten einen Blumenstrauß anbot.

Im Namen der Gemeinde sprach Herr Schöffe Erpelding und Herr Knepper, Präsident des Kirchenchores, im Namen der Vereine.

In seiner Antwort dankte Herr Pfarrer Koster tiefgerührt für den herzlichen Empfang, für die Betreuung seiner Angehörigen während seiner Abwesenheit und die Liebe seiner Pfarrkinder. Er sprach allen aus dem Herzen, als er aufrief zur unerschütterlichen Treue zu Thron, Altar und Heimat.

Daraufhin begab sich die ganze Festgemeinde ins Hochamt, das mit einem feierlichen Te Deum schloß. Luxemburger Wort  14.11.1944. Link zum Artikel


Ovation für Pfarrer Koster am 31.10.1944 anlässlich seiner Rückkehr aus dem Exil.
Sammlung René Federspiel. Aus Stoffel 1988, Vol. II, Nr. 229, S. 83.

 

1950 – 1957 Balthasar Bourggraff

Balthasar Bourggraff, geboren in Oberbeßlingen, Kaplan in Bonneweg, dann Kaplan in Goetzingen, dann Pfarrer in Eschdorf, war am 5. August 1950 an die Pfarrei Mamer versetzt worden. Wegen der erwähnten Ursache fand seine Installation jedoch erst am Sonntag, den 12. November, nachmittags statt. Bourggraf schied 1957 aus.

1950, 12. November – Installationsfeiern für Pfarrer Bourggraff "Am Sonntag, den 12. November, um 14.30 Uhr, findet in unserer Ortschaft die feierliche Installation unsers neuen Herrn Pfarrers, des Hw. Herrn Bourggraff, statt. Unter der Teilnahme der Vereine und der Schulkinder wird der neue Herr Pfarrer in feierlicher Prozession vom Pfarrhause zur Kirche geleitet. Nach der kirchlichen Feier versammelt sich die ganze Pfarrei beim Pfarrhause, um dem neuen Seelsorger in einer herzlichen Ovation den ersten Willkommgrüß zu entbieten. Das Organisationskomitee lädt hiermit alle Einwohner aus Mamer ein, regen Anteil an der Feier zu nehmen und bittet zugleich, bei dieser Gelegenheit die Häuser zu beflaggen." Luxemburger Wort 10.11.1950. Link zum Artikel

Trotz feuchtkaltem Herbstwetter hatte sich die Einwohnerschaft von Mamer am letzten Sonntag recht zahlreich eingefunden um der Installation ihres neuen Herrn Pfarrers, des Hochw. Hrn. Balthasar Bourggraff beizuwohnen.

Fleißige Hände hatten das Innere der Pfarrkirche, sowie die beiden Portale und das Pfarrhaus kunstvoll geschmückt. Ab 2 Uhr versammelten sich die Schulkinder, die Ortsvereine, der Gemeinderat und der Kirchenrat auf dem freien Platz vor der Kirche. Punkt 2.30 Uhr setzte sich die Prozession unter Beteiligung des Feuerwehrkorps, der beiden Musikgesellschaften u. des Gesangvereins Cäcilia in Bewegung zum Pfarrhause. Bald darauf erschien der neue Herr Pfarrer auf der Haustüre, umgeben von den Hw. Herren Dechanten Faltz und Colling. Ein Schulknabe brachte den ersten Willkommengruß entgegen und ein Schulmädchen überreichte ein herrliches Blumengebinde. Der Gesangverein Cäcilia trug ein zur Tagesfeier passendes Lied vor. Alsdann wurde der neue Pfarrer zur Kirche geleitet.

Nach einer kurzen Ansprache des Präsidenten des Kirchenrates, Nikolaus Flener, und nach Ueberreichen des Kirchenschlüssels durch Herrn Dechanten Faltz, öffnete Herr Pfarrer Bourggraff sein neues Gotteshaus und die eigentliche Installationsfeier konnte beginnen.

In der darauffolgenden Festpredigt gab Herr Dechant Faltz seiner Freude darüber Ausdruck, daß er sich in Vertretung des Herrn Dechanten Kirch aus Körich, der in Oberkerschen einer Denkmaleinweihung beiwohne, diese Installation seines früheren Mitarbeiters vornehmen dürfe. Er gedachte der früheren Seelsorger von Mamer und hob deren Verdienste während ihrer Wirkungszeit hervor. Dann sprach er uns über unsern neuen Herrn Pfarrer den er uns als einen liebevollen, geistlichen Vater schilderte.

Nach der kirchlichen Feier versammelten sich alle Anwesenden vor dem Seitenportale der Kirche, um dem neuen Pfarrer eine herzliche Ovation darzubringen. Als Sprecher der Pfarrei wandte sich ein Jungmann an den neuen Seelsorger und hieß ihn herzlich willkommen. Zugleich wurde ihm ein passendes Geschenk überreicht. Herr Bürgermeister Wilhelm fügte auch einige Worte bei und begrüßte den neuen Seelsorger im Namen der ganzen Gemeinde. Herr Dechant Kirch aus Körich, der inzwischen eingetroffen war, schloß sich den Worten aller Vorredner an und forderte die Anwesenden auf zusammenzuarbeiten mit ihrem neuen Herrn Pfarrer für das Wohl aller und ließ ein Hoch erklingen auf den neuen Herrn Pfarrer und auf das so schöne Dorf Mamer.

Herr Bourggraff dankte daraufhin allen die zum Gelingen dieses so schönen Festes beigetragen hatten, dem Organisationskomitee, dem Gemeinderat, dem Kirchenrat und allen Dorfvereinen, sowie der ganzen Einwohnerschaft für ihre innige Teilnahme. Er stellte uns Herrn Dechanten Colling vor, der, was viele nicht wußten, ein gebürtiger Mamer ist, der dann auch so schöne Worte an alle Anwesenden richtete. Mit dem Abspielen der Hémecht fand diese prächtige Feier ihren Abschluß.
Luxemburger Wort 18.11.1950. Link zum Artikel

 

1957-1966 Jean Legros

An seine Stelle trat am 16. Juni 1957 Jean Legros, geboren am 25.5.1914 in Luxemburg-Neudorf, vorher Vikar auf Limpertsberg, dann Pfarrer zu Burglinster.

Im Laufe der Jahre 1956-60 ließ er verschiedene, tiefgreifenden Umänderungen an der Raumausstattung der Pfarrkirche vornehmen.

 

1966-1987 Jos Eicher

Auf Initiative des Pfarrers Joseph Eicher wurden mehrere wertvolle Objekte, die während der Ära des Bildersturms aus dem Kirchenraum entfernt und in den Abstellraum verbannt worden waren, wieder in die Kirche zurückgeholt. Während seiner Amtszeit wurden ebenfalls verschiedene wichtige Veränderungen in der Pfarrkirche vorgenommen.

Er starb am 13. Februar 1987 auf dem Heimweg von der Kirche zum Pfarrhaus unerwartet eines plötzlichen Todes.

Nach seinem Tode wurde die Pfarrei Mamer von den beiden Geistlichen Pfarrer François Zewen und Pater Aloyse Reiles sowie von Diakon Alfred Mousset verwaltet.

 


Quelle: Nik. Flener-Delcourt, Aus der Geschichte der Ortschaft Mamer. Herausgegeben von der Gemeindeverwaltung bei Gelegenheit der 1000-Jahr-Feier von Mamer im Jahre 1960,  Ss. 118-126 [= Flener 1960]. Mit Verbesserungen und Ergänzungen.

Von Flener angegebene Quellen: Pfarrbuch, Regierungsarchiv: Regime Français, Ons Hémecht, Séries Pastorum, van Werwecke: Localités, J. P. Kirsch, Ons Hémecht 1922, Martin Blum, in Ons Hémecht 1926 veröffentlichtes Verzeichnis der Pfarrer von Mamer.


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