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Da
die Mamer Kirche ursprünglich wohl als Eigenkirche von dem Geschlecht der
Ardennergrafen erbaut wurde, mußten diese nach den dafür geltenden Bestimmungen
für den Unterhalt des Pfarrers und somit auch für dessen Wohnung Sorge tragen.
Die Maximiner als Rechtsnachfolger der früheren Grundherren übernahmen mit dem
Besitz von Mamer auch diese Verpflichtung.
Aller
Wahrscheinlichkeit nach befand sich die Pfarrerswohnung seit jeher in dem Bering
des heutigen "Schlosses", wo vordem der Meierhof der
Maximiner stand, aus dem sich das spätere Burghaus der de Musiel entwickelte.
Die Gemeinde hatte im Laufe der Zeit Eigentumsrechte am Pfarrhaus erworben, denn
in der Deklaration von 1766 wird unter anderem das Pfarrhaus erwähnt, das zu
zwei Dritteln der Gemeinde gehörte. Dem Pfarrer stand auch die Benutzung des
sogenannten Patresgarten zu, der ebenfalls in diesem Bering lag.
1795
wohnte Pfarrer Jacoby in dem Hofhaus, das von den letzten Schloßherrschaften
Karl Christoph von Reiffenberg und dessen Gattin Odilia d'Huart als rückfälliges
Lehen an die Maximiner abgetreten wurde. Die republikanische Verwaltung erklärte
das Gebäude zum Eigentum der Nation und am 17. Frimaire An VII (7.
Dezember 1798)
verjagte der Kommissar Klein den Pfarrer Jacoby aus dem Hofhaus, das zum
öffentlichen Verkauf angeboten und von dem General Morand erworben wurde.

Mamer Schloss um
1900. Foto Michel HAMPER-PESCH (1869-1921).
Aus Stoffel 1988, Vol. I, Nr. 35, S. 12.
Nach
dem Abzug der Franzosen im Jahre 1814 verkaufte Morand sein Eigentum an die Dame
Metz von Eich, welche der Gemeinde dasselbe wieder als Pfarrerswohnung zur
Verfügung stellte. Die Familie Nocké bewohnte gleichzeitig das Gebäude, und es
kam zwischen dieser und dem Pfarrer Asselborn zu Mißhelligkeiten, welche das
Zusammenwohnen sehr beschwerlich machten. Nocké erklärte sich schließlich
bereit, auszuziehen, wenn die Gemeinde ihm eine andere Wohnung beschaffe. Der
Gemeinderat lehnte diesen Vorschlag jedoch ab und beschloß, das Harteschhaus
bei der Kirche (1960 Metzgerei Schaber, heute abgerissen) als Pfarrhaus zu erwerben.
Dieser Plan zerschlug sich, und nach mancherlei andern Versuchen, eine
Pfarrerswohnung zu beschaffen, kaufte die Gemeinde am 16. Oktober 1824 das von
Heinrich Deisch im Jahre 1810 erbaute Pfarrhaus.
Das
Wohnhaus war mit Schiefer, Stall und Scheune jedoch mit Stroh gedeckt. Die
Experten, Philipp Bley, Zimmermann, und Michel Schumacher, Maurer, schätzten das
Gebäude auf 3402 Florins. Da aber noch verschiedene bauliche Verbesserungen auszuführen waren, einigte man sich auf einen Kaufpreis von 2835 Florins.

Das alte Pfarrhaus.
Foto: Aschmann. Aus Stoffel 1988, Vol. I, Nr. 93, S. 32.
Das
Haus sollte ursprünglich als Pfarrerswohnung dienen, mit Ausnahme eines Raumes
zum Aufbewahren der Gemeindearchive und eines Zimmers zum Abhalten der
Gemeinderatssitzungen.
Napoléon hatte im Jahre 1813 zur Beschaffung von Kriegsgeldern die Gemeinde zu
Veräußerungen von Gemeindegütern genötigt. Gemäß Beschluß des
Wiener Kongresses
von 1815 mußte Frankreich den Gemeinden den Verkaufspreis dieser Güter
zurückerstatten. Mamer erhielt 799 Florins zurück, welche mit dem Ertrag zweier
außergewöhnlichen Holzschläge zur Abzahlung des Pfarrhauses verwendet wurden. Im
Jahre 1865 wurden Stall und Scheune ebenfalls mit Schiefer gedeckt, und im Jahre
1908 wurden diese Dependenzien zu dem jetzigen (1960) Pfarrsaal umgebaut, der
zur Abhaltung von Versammlungen aller Art benutzt wird. Gelegentlich des
Kirchenumbaues diente der Saal vom 14. Juni 1931 bis
zum 26. Juni 1932 als Notkirche.
1891, 20. April – Einbrüche ..Im Hause des Gastwirthes N. Pesch
und im Pfarrhause blieb es beim Versuche des Einbruchs. Im Pfarrhause wurde
der Dieb nämlich durch den Pfarrer selbst verscheucht. Gegen 11 Uhr wurde
dieser durch ein unheimliches Geräusch an einer seiner Hausthüren aus dem
Schlafe aufgeweckt. Er öffnete das Fenster und erkannte, daß Jemand damit
beschäftigt war, die verdeckte Kellerthüre zu erbrechen. Auf das Zurufen des
Herrn Pfarrers ergriff der Strolch (eine große Männergestalt) die Flucht...
(ganzen
Artikel lesen).

Altes Pfarrhaus 1960
(heute Monument aux Morts). Foto: Louis Tapella.

Altes Pfarrhaus 1961
(links die heute abgerissene Jean Marx Schule). Foto: Louis Tapella.
Im
Jahre 1890 wurde durch Erbauung einer Mauer die Anlage eines Ziergartens vor dem
Pfarrhaus ermöglicht.
1903, 17. Juli
...Die
Giebel unseres Pfarr- und Waschhauses werden jetzt zur Reparatur in Verding
gegeben werde... (ganzen
Artikel lesen).
In
der Deklaration von 1766 erklärt die Gemeinde, auch im Besitz eines
Kaplanshauses zu sein. Dieses Haus diente gleichzeitig als Schule. Nach Erbauung
der neuen Schule im Jahre 1837 erhielt der Kaplan seine Wohnung in diesem
Gebäude, bis die Vermehrung der Schulen die Gemeinde veranlaßte, von 1885 ab dem
Kaplan eine Wohnung bei Privaten zu verschaffen.
1938, 5. August – Gemeinderatssitzung -
6)
Verschiedenes.
Bürgermeister Wilhelm möchte das Pfarrhaus
von Mamer instandsetzen lassen. Die Frage wird vertagt. (ganzen
Artikel lesen)
1939, 10. März – Gemeinderatssitzung -
Art. 3.
Für die Instandsetzung des Pfarrhauses von Mamer wird ein Kostenanschlag von
20 000 Fr. genehmigt. Der
Hr. Pfarrer erklärt sich bereit 5000 Franken beizusteuern.
(ganzen
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1944, 30. September – Erste
Gemeinderatssitzung nach dem Krieg -
c)
D’Pasto’eschhaus get a Stand gesât.
(ganzen Artikel lesen)
1947, 15. Juni – Gemeinderatsverhandlungen
- Art.
2. Reparaturarbeiten am Pfarrhaus Mamer:
Auf die ausgeschriebenen Schlosserarbeiten, begreifend Lieferung und
Posieren von 3 Garagentüren und 1 Treppengeländer waren folgende
Submissionen eingegangen: P. Steffen, Luxemburg, 28 800 Fr.; Fa. Haagen u.
Cie, Luxemburg, 26 900 Fr.; Ad. Erpelding, Mamer, 18 420 Fr.; C. Meyers,
Mamer, 17285 Fr. Die Arbeiten wurden dem billigsten Submittenten Hrn. C.
Meyers übertragen.
Für die Neuerrichtung der
Treppe in Hausteinen auf gemauertem Fundament liegt eine Offerte der Fa.
„Carrières de Gilsdorf” vor auf Lieferung der Hausteine, ohne Posieren, zum
Preise von annähernd 35 000 Fr. Für Herstellung derselben Treppe in
Granitsteinplatten auf gemauertem oder betoniertem Untergrund offriert die
Fa. Henricy u. Sohn, Mamer, die erforderlichen Granitsteine, geliefert und
posiert, zu Fr. 20 683. Der Rat beschließt daher, die Treppe in dieser
Ausführung herzustellen und betraut die Firma Henricy u. Sohn mit der
Lieferung und Verlegung der Granitplatten.
Mit der Lieferung und Montage
von Rolladen wird die Fa. Breden frères betraut zum Preise ihrer Offerte von
5096.30 Fr.
Für die Ausführung kleinerer
Anstreicherarbeiten waren zwei Offerten eingegangen. Herr Hansen, Mamer,
wird mit der Ausführung der Arbeiten betraut.
(ganzen
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1947, 16. Mai – Gemeinderatsverhandlungen -
Art. 11. — Auf
die Lieferung von drei Remisentoren und einem Treppengitter für das
Pfarrhaus in Mamer werden Submissionen eingefordert.
(ganzen
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Luxemburger Wort 29.05.1947.
Link zum Artikel
1948, 2.
März – Gemeinderatssitzung -
4.
Erneut steht das Projekt eines Pfarrhausneubaues in Mamer zur Tagung. Da die
ausgeführten Reparaturarbeiten am jetzigen Pfarrhaus bisher bereits weit
über eine halbe Million Franken verschlafen, ein Neubau auf starke
Opposition seitens der Bevölkerung stoßen würde, wird das Thema nach kurzer
Aussprache auf spätere Zeit vertagt. Herr Bürgermeister will mit Frau
Schneider übereingekommen sein, eine Parzelle Terrain gegen eine Parzelle
Garten einzutauschen, zwecks Erlangung einer Zufahrt hinter das Pfarrhaus,
und der Schöffenrat wird zum Abschluß des Tauschaktes ermächtigt.
(ganzen
Artikel lesen)
1949, 12.
April – Gemeinderatssitzung -
Die
innere Restaurierung des Pfarrhauses in Mamer tut not und es wird
beschlossen ein Zimmer des Erdgeschosses und den Korridor instandzusetzen.
Da in anbetracht der in Kürze stattfindenden Firmung die Ausführung der
Arbeiten zu beschleunigen ist, werden selbige sofort Herrn Hansen in Mamer
übertragen. (ganzen
Artikel lesen)
1950, 24.
April – Bau eines neuen Pfarrhauses -
In den ersten Nachkriegsjahren war der Bau
eines neuen Pfarrhauses durch unseren rührigen Gemeinderat beschlossen
worden. Bauplan und alles, was dazu gehört, waren fertig. Sogar beim Bau der
Gartenmauer neben dem Postgebäude wurde eine Stelle offen gelassen für das
neue Pfarrhaus. Aber zum Leidwesen aller Beteiligten wurde der Bau bis jetzt
immer verschoben. Doch wie verlautet, hat unser Gemeinderat die
Angelegenheit wieder aufgegriffen und der Bau soll noch in diesem Jahre
ausgeführt werden. Hoffen wir das Beste, damit dieser Schandfleck in unserm
Dorfbild endlich verschwindet.
Luxemburger Wort 24.04.1950.
Link zum Artikel

Das "neue" Pfarrhaus von Mamer, 18, rue des Maximins.
Zeichnung Pe'l Schlechter
nach den Plänen von Pierre Reuter, Architekt, Luxemburg, aus
[Flener, 1960].

2010, 8. November - Pfarrhaus wird zum
regionalen Sozialamt umgebaut
- Das regionale Sozialamt der Gemeinden Bartringen, Dippach, Kehlen,
Kopstal, Leudelingen, Mamer und Reckingen/Mess wird seinen Sitz im
ehemaligen Pfarrhaus in der „Rue des Maximins“ haben. Die wurde im Rat der
Gemeinde Mamer am 8. November entschieden.
Die Immobilie wird für rund 76000 Euro umgebaut, damit die Strukturen den
Ansprüchen eines modernen Sozialamtes gerecht werden. Im Erdgeschoss werden
die Bürger empfangen und können in einem diskret abgeschirmten Raum dem
zuständigen Beamten ihre Probleme erläutern.
In der ersten Etage werden fünf Büros eingerichtet, wo die Beamten der
Dienststelle die einzelnen Anträge bearbeiten. Der Kostenpunkt der
Umbauarbeiten wurde einstimmig gutgeheißen. Das regionale Sozialamt wird, so
hieß es in der Sitzung am Montag, seine Arbeit am 2. Januar 2011 aufnehmen.
(afm) Luxemburger Wort / 10.11.2010

Das mittlerweile wieder "alte" neue Pfarrhaus. (Foto:
André Feireisen, 2010)
Gemeinderatssitzung vom
28. Februar 2011 - Les bureaux du nouvel Office
Social Commun seront installés dans l’ancien presbytère à Mamer. D’ici là,
certains travaux de rénovation doivent être exécutés. Le devis des travaux
de réfection se chiffre à 76.000 Euros. Les travaux prévoient la création de
bureaux au 1er étage, des locaux d’accueil et un parloir au rez-de-chaussée.
On ne demande pas de participation financière aux autres Communes, mais
l’investissement sera amorti par le loyer.
Gemeinderatssitzung vom
28. Februar 2011 - In einem dritten Punkt wird die
Miete der vom „Office Social Commun à Mamer” benutzten Büroräume festgelegt.
Die dem Solzialamt im alten Pfarrhaus in Mamer zur Verfügung gestellten
Bürofläche beträgt 160m2, welche à 10 €/m2 vergütet werden. Die monatlich an
die Gemeinde Mamer zu entrichtende Miete beläuft sich demnach auf 1.600 €.
Das Familienministerium beteiligt sich zu 50 % an den Mietkosten. Sämtliche
Punkte werden einstimmig vom Gemeinderat angenommen (Gemengebuet Nr.
3/2011).
Quelle: Nik. Flener-Delcourt, Aus der
Geschichte der Ortschaft Mamer.
Herausgegeben von der Gemeindeverwaltung bei Gelegenheit der 1000-Jahr-Feier von
Mamer im Jahre 1960, Ss. 136-137 [= Flener 1960]. Mit Verbesserungen und
Ergänzungen.
Von Flener angegebene
Quellen: Pfarrbuch, Gemeindearchive, Regierungsarchive: Régime français.
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