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DIE PFARRKIRCHE VON MAMER
Von den Anfängen bis zum Neubau von 1541

 

Am 8. April 960 vermacht Liutgardis, Tochter des Ardennergrafen Wigerich und seiner Gemahlin Kunigunde, der Abtei Sankt Maximin in Trier ihr elterliches Erbgut Mamer (vgl.: Schenkungsurkunde), einschließlich der Kirche des Dorfes.

Mamer Pfarrkirche 2009
Die Pfarrkirche (Foto: Jos Thiel, 2009)

Die Kirche bestand also schon vor dem Datum der Schenkung und war wahrscheinlich eine Eigenkirche der Ardennergrafen (sie ebenfalls: Der Mamer Zehnt und die Einkünfte der Pfarrer).

Die reichen Einkünfte dieser Abgaben erweckten jedoch bald das Interesse der weltlichen Herren, die den Zehnten für eigene Zwecke beanspruchten. Mit dem Verfall der fränkischen Staatseinrichtungen erlangten die Grundherrschaften wieder größere Selbständigkeit und sie rissen einen Teil der Zehnteinkünfte an sich, indem sie zwar dem Pfarrer sein Drittel beließen, die übrigen zwei Drittel aber selbst bezogen mit der Begründung, ihnen obliege der Unterhalt der Kirchen und der Armen.

Mit dem Aufkommen des Lehnsystems im 11. Jahrhundert wurde auch der von den Grundherren beanspruchte Teil des Zehnten als Lehnsobjekt angesehen. Die Maximiner vergaben denn auch den Mamer Zehnten als Lehen.


Die Kirche mit dem Friedhof sowie das "Mamer Schloss" auf der Ferrariskarte von 1777

Kadasterplan um 1824 Kadasterplan um 1834
Commune de Mamer, Service Technique



Luftaufnahme von 1962. Editions CIM, Macon.


Die erste Kirche vor 960

Wie die erste Kirche ausgesehen hat kann nur vermutet werden. Auch ist nicht bekannt, wann  genau sie errichtet wurde. Gemessen an der damaligen geringen Einwohnerzahl kann es sich nur um einen schlichten Bau gehandelt haben, der wohl mit Stroh gedeckt gewesen war. Noch im Jahre 1620 besaß das Kirchenschiff auf jeder Seite nur ein Fenster. Auch ist nicht bekannt, ob die Kirche von Anfang an einen Turm besessen hat oder wann dieser errichtet wurde (der 2. Turm wurde erst beim Umbau von 1844/45 gebaut).

Da bei Um- oder Neubauten die noch brauchbaren Teile der alten Gebäude in die neuen Bauten integriert wurden, oder Neubauten meist auf den Fundamenten der alten Gebäude errichtet wurden, kann man annehmen, dass die erste Kirche an der Stelle erbaut wurde, an der auch die heutige Kirche steht. In direkter Nachbarschaft der Kirche befanden sich die Vogteien und das Hofhaus der Herren von Mamer, in dem auch der Pfarrer seine Wohnung hatte.

Wohl erhielten die Besitzer einer Eigenkirche deren Einnahmen ganz oder wenigstens teilweise, mussten dafür aber für den Unterhalt des Gebäudes aufkommen. Als diese Verpflichtung später auf die Zehntherren übertragen wurde, weigerten diese sich oft, ihren Verpflichtungen nachzukommen, so dass sie von den Pfarrangehörigen bei Gericht verklagt wurden.

 

Der Neubau von 1541

Erst im 16. Jh. erfahren wir Näheres über die Mamer Kirche: im Namen der Pfarrkinder von Mamer verklagten 1541 Stephan von Mamer und Peter Trippaert von Holzem den Zehntherrn Christoph Hoecklin, Herr zu Bartringen, "wegen der ganz baufälligen Pfarrkirche von Mamer".

Am 16. Mai 1541 wurde der Zehntherr Christoph Hoecklin vom Provinzialrat zum Neubau der Kirche verurteilt, wobei die Pfarrangehörigen Frondienste zu leisten hatten. Da in der Folgzeit nur noch Änderungen am Kirchenschiff vorgenommen wurden kann man davon ausgehen, dass bei diesem Neubau der heute noch bestehende Chor errichtet wurde, worauf auch sein spätgotisches Netzgewölbe hinweist.


Quellen:

Nic Flener-Delcourt, Aus der Geschichte der Ortschaft Mamer, 960-1960, Luxembourg, 1960, S. 101-114.

Alex Langini, Die Kirche in Mamer: seit mehr als tausend Jahren, in: Die Warte. - Luxembourg. - Année 55(2003), n° 16 = n° 2036 (8. Mai), p. [3], ill.

Joseph Salentiny, Die Pfarrkirche in Mamer, in: 100e anniversaire / Chorale Sainte-Cécile Mamer. - Luxembourg, 1983. - P. 91-104, ill.

Norbert Thill, Mamer Pfarrkirche, in: Heimat und Mission. – Clairefontaine, Jg. 77 (2003), Nr. 9/10, p. 1-24; Jg. 77 (2003), Nr. 11/12, p. 25-44; Jg. 78 (2004), Nr. 1/2, p. 45-68; Jg. 78 (2004), Nr. 3/4, p. 69-88, ill.

Roby Zenner, Die Pfarrkirche von Mamer, in: Letzeburger Sonndesblad. - Jg. 126(1993), Nr. 45, p. 24, ill.

Der Kanton Capellen: Festschrift zur Zentenarfeier der Unabhängigkeit Luxemburgs / Hrsg. vom Organisations-Comité der Kantonalfeier in Cap, am 11. Juni 1939.

Kierch Mamer
http://lb.wikipedia.org/wiki/Kierch_Mamer

Parverband Mamerdall - Kirche Mamer
http://www.pvmamerdall.cathol.lu/pages/kierchen/mamer/mamer.html

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