image

image
image

DIE PFARRKIRCHE VON MAMER
Neu- und Umbauten bis 1931
 


 


Zeichnung von Mars Schmit
(aus der Festschrift zum 100. Bestehen des Mamer Kirchenchores 1983)

Die Ausbesserungsarbeiten von 1640

Hundert Jahre nach dem Umbau von 1541 war die Kirche wiederum in einem derart schlechten Zustand, dass die Pfarrgemeinde erneut beim Provinzialrat Klage erhob gegen die für diesen Zustand verantwortlichen Zehntherren Conrad von Zoetern, Herr zu Trier, Hartrad von Elter, und die Klosterfrau Magdalena von Schauwenburg.

Als zuständiger Pfarrer von Mamer amtierte Mathias Bofferding, der am 5. Juli 1636 von Aegidius, Abt von St. Maximin in Trier, zum Nachfolger des nach kurzer Amtszeit verstorbenen Michel Stroesser vorgeschlagen wurde. Am darauffolgenden 12. August erteilte der Provinzialrat die Genehmigung. Als nachfolgenden Pfarrer erwähnen die Annalen Johannes du Mont für das Jahr 1662, so dass man annehmen kann, dass Mathias Bofferding die Pfarrei Mamer während 26 Jahren leitete.

Der vom Provinzialrat beauftragte Experte bestätigte nach der Besichtigung der Kirche am 25. März 1640 die Beanstandungen der Pfarrgemeinde "Die Kirche ist sehr ausbesserungsbedürftig. Das Dach ist ganz defekt, und Schnee und Regen dringen ein. Von den Mauern ist der Verputz abgefallen, und der Wind pfeift durch den Raum".

Zwei Monate später, am 25, Mal 1640, wurden die verantwortlichen Zehntherren vom Provinzialrat verurteilt, sowohl die Kirche instand zu setzen, als auch die Prozesskosten zu begleichen. Folgende Arbeiten wurden vorgeschrieben: Ausbesserung des Daches, Beseitigung der Risse im Mauerwerk, dessen Innenwände neu verputzt und geweißt werden sollten. Gewünscht wurde in jeder Seitenmauer des Kirchenschiffs die Anlage eines zusätzlichen, zweiten Fensters, das dieselbe Größe wie das vorhandene Fenster haben sollte.

An der Finanzierung dieser Arbeiten musste jeder Zehntherr sich entsprechend seinem Anteil am Zehnten beteiligen, Die Arbeiten sollten "bis zum nächsten Johannistag", also in drei Monaten, beendet sein, andernfalls dieselben auf Kosten der Zehntherren ausgeführt würden. Schließlich wurden die Beklagten noch zu den Kosten des Prozesses verurteilt.

Diese Arbeiten scheinen nicht besonders sorgfältig durchgeführt worden zu sein, denn bereits 75 Jahre später wird die Kirche erneut als baufällig bezeichnet.


Zeichnung von Mars Schmit
(aus der Festschrift zum 100. Bestehen des Mamer Kirchenchores 1983)

 

Der Neubau von 1721/23

Bereits 1717 wurden die Zehntherren wiederum von den Einwohnern der Pfarrei, die damals aus Mamer, Holzem, Capellen und vier Mühlen bestand, "zu einer gründlichen Instandsetzung der verfallenen Kirche aufgefordert". Die für die Pfarrei Mamer verantwortlichen Zehntherren waren damals der Marquis de Raigmondt, Herr zu Everlingen, die Witwe de Schauwenburg, Herrin zu Bartringen, die Gräfinnen von Zoetern, sowie die Edelfrau Anne Marie de Bergerotte (für Holzem: das Kloster von Differdingen).

Wie bereits 1541 und 1640 weigerten sich auch diesmal die zuständigen Zehntherren, ihren Verpflichtungen nachzukommen, so dass der Provinzialrat wiederum mit einer Klage befasst wurde. Die drei vom Provinzialrat ernannten Experten, der aus Useldingen stammende Zimmermann Alexander Schupach, und die in Luxemburg wohnenden Alexander Henselt, Maurermeister, und Franz Cognart, Zimmermann, machten den Vorschlag, die Kirche abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.

Am 15. Januar 1720 wurden die Zehntherren zu einem Neubau der Kirche verurteilt. Das Lastenheft enthielt folgende Bedingungen "Die alte Kirche wird abgerissen: die Altmaterialien gehören dem Bauunternehmer. Das Schiff der neuen Kirche erhält eine Länge von 42 (ca. 12m) und eine Breite von 28 1/2 spanischen Fuß (ca. 8m). Auf beiden Seiten werden je drei Fenster erstellt von 3 1/2 Fuß (ca. 1m) Breite und sieben Fuß (ca. 2m) Höhe. Als Mörtel muss Kalk und Sand von Straßen verwendet werden. Die Zehntherren müssen die alle erforderlichen Materialen liefern, während die Pfarrangehörigen alle Frachten besorgen müssen. Der Neubau muss bis Ende Oktober 1721 fertiggesteilt sein"

Für den Bauauftrag hatten sich 15 Unternehmer beworben. Das teuerste Angebot, das von Nicolas Tours le Jeune vorgelegt worden war, betrug 1.000 Gulden; das billigste Angebot, das von Leonard Ronés aus Koerich in Zusammenarbeit mit dessen Geschäftspartner Nicolas Steinmetz aus Luxemburg ausgearbeitet worden war, belief sich lediglich auf 302 Gulden. In einer öffentlichen Versteigerung vom 20. Juli 1720 erhielt das billigste Angebot den Zuschlag, allerdings erst nachdem Jean Henri Freymann, Meier aus Mamer und Pierre Behm, Bürger aus Luxemburg, die Bürgschaft für die beiden Unternehmer übernommen hatten. Dadurch hafteten sowohl die Unternehmer als auch die Bürgen mit ihrer ganzen Habe für eine einwandfreie, solide Ausführung der Bauarbeiten.

Da im Lastenheft die den Maurern zustehenden Getränke nicht erwähnt worden waren, zeigte sich die Dame Anne-Marie de Bergerotte, Witwe d'Anly, als Haupzehntherrin bereit, das Versäumte nachzuholen und zehn Gulden aus ihrem Privatvermögen beizusteuern. Als Dank meißelten die Steinmetze Name und Wappen der Spenderin in den Schlussstein des Gewölbes. Dieser Wappenstein, sowie ein Gewölbeabschlussstein mit dem Christusmonogramm IHS und der Jahreszahl 1721 sind als einzige Überreste des damals errichteten Gewölbes erhalten geblieben; sie wurden 1932 bei der Vergrößerung der Kirche in die Außenmauer der Sakristei eingesetzt.

 
 
Gewölbeabschlussstein mit dem Christusmonogramm IHS und der Jahreszahl 1721 und dem Wappenstein der Anne-Marie de Bergerotte in der Aussenmauer der Kirche (Fotos: Jos Thiel, 2009).

Am 7. Mai 1723 wurde die neue Kirche eingeweiht; aus dem Jahre 1723 stammen auch die 3 Altäre. In den Hochaltar wurden Reliquien der Märtyrer Marcarius und Lucidale eingelegt. Die vom Suffraganbischof Johann Matthias von Eyss aus Trier ausgestellte Konsekrationsurkunde wurde während der Umbauarbeiten von 1931/32 aufgefunden. Allerdings war im Rahmen dieser Arbeiten nur das Kirchenschiff neu errichtet worden, denn der aus dem Jahre 1542 stammende Chor mit dem spätgotischen Netzgewölbe wurde in den Neubau übernommen. An seiner Nordseite wurde eine kleine Sakristei angebaut.

Von Pfarrer Alexius Ambrosy, der von 1728-1753 als Seelsorger in Mamer amtierte, wurden die Kanzel (1733) und die beiden Beichtstühle (1738) aufgestellt. Pfarrer Ambrosy machte der Kirchenfabrik eine Schenkung von 150 Reichstalern, die für den Unterhalt der ewigen Lampe bestimmt waren.

Die Sakristei, die 1721 an das Chor der Kirche angebaut worden war, erwies sich als derart feucht dass die Paramente vermoderten. Deshalb ließ der von 1760-1791 für Mamer verantwortliche Pfarrer Jakob Ransonnet 1772 an der Westseite eine neue, geräumigere Sakristei errichten; die alte Sakristei blieb bis zum Umbau der Kirche im Jahre 1844 bestehen und diente als Abstellraum.

Während der Zeit der östereichischen Herrschaft (1714-1795) war die Einwohnerzahl von Mamer derart angewachsen, dass die Pfarrkirche zu klein geworden war, so dass Pfarrer Ransonnet 1788 eine Vergrößerung plante. Die Ortschaft zählte damals 71, Holzem 32 und Capellen 5 Feuerstätten, was zusammen mit den 4 Mühlen, für die gesamte Pfarrei 112 Häuser mit 840 Seelen ausmachte. Doch dann brach die Französische Revolution aus und die von Kriegen und Hungersnöten geprägten Zeiten schufen keine günstigen Voraussetzungen für Kirchenbauten. Auch die im August 1830 in Brüssel ausgebrochene Belgische Revolution hatte für unser Land beträchtliche negative Auswirkungen.

30. September 1808: Zur Neuanschaffung einer Glocke wird der Erlös vom Verkauf der Gemeindelohe im Betrag von 459 Fr. verwandt.

 


Zeichnung von Mars Schmit
(aus der Festschrift zum 100. Bestehen des Mamer Kirchenchores 1983)

 

Der Umbau von 1844/45

Als Notstandsarbeiten während der Zeit der Hungerjahre genehmigte der Gemeinderat am 24. November 1842 den Plan des Architekten Jean François Eydt (1808-1884) aus Luxemburg, der eine Verlängerung der Kirche nach Osten hin vorsah. Der Kostenvoranschlag, der sich auf 11.585 Franken belief, wurde später im selben Jahr erhöht, um den Bau eines zweiten Glockenturmes zu ermöglichen. Zur Finanzierung der Arbeiten wurden Holzschläge in den Gemeindewäldern "Bergen", "Gemengenheck" und in "Katzenfels" vorgenommen.

Anscheinend ließ die behördliche Genehmigung des Projektes lange auf sich warten, denn erst ein Jahr später, am 3. Oktober 1843, konnten die Unternehmer Pierre Brouch und Jean Baptiste Jones aus Luxemburg mit dem Bau beauftragt werden. Der Plan, den Haupteingang an die Nordseite der Kirche zu verlegen, ließ sich aus Platzmangel wegen des vorhandenen Friedhofs nicht verwirklichen (obschon bereits 1839 anlässlich der Wahlen im Luxemburger Wort zu lesen war: "Mamer wird ein Platz außer dem Dorf unentgeltlich gegeben zu einem neuen Kirchhof; der alte wird vom Neubau der Kirche eingenommen".

Am 31 Juli 1845 war der Bau fertiggesteilt die dem Gemeinderat vorgelegte Gesamtabrechnung der Baukosten war um 5.545 F höher als der Kostenanschlag, so dass dieser etwa um die Hälfte überschritten wurde. Hinzu kam dann noch das Honorar für den Architekten In Höhe vor 860 Franken, was etwa 5% des Gesamtbetrags ausmachte.

Diese Arbeiten wurden während der Amtszeit des Pfarrers Johann Asselborn ausgeführt, der die Pfarrei Mamer während 30 Jahren, von 1816 bis 1846 leitete. 1846 legte er sein Amt als Pfarrer nieder, wirkte aber noch während drei Jahren als Vikar in Mamer.

Als Nachfolger von Pfarrer Asselborn war aus Cessingen gebürtige Dominik Niedercorn während zwölf Jahren, vom 25. Oktober 1846 bis zum 8. September 1858, für die Seelsorge in der Pfarrei Mamer verantwortlich. Während seiner Amtszeit wurde 1852 eine Empore aus Holz mit hölzerner Brüstung eingebaut; er hatte auch 1854 die Erbauung der Missionskapelle neben der Kirche veranlasst. 1858 wanderte er nach Nordamerika aus, wo er in Chicago an der Kirche zum hl. Herzen Jesu noch während mehrerer Jahre als Seelsorger tätig war.

Nachfolger von Pfarrer Niedercorn wurde von 1858 bis 1877 der aus Wiltz stammende, und bis dahin als Pfarrer in Rodt amtierende Joseph Metz. Während seiner Amtszeit erhielt die Pfarrkirche zwei neue Glocken, die 1863 in der Glockengießerei der Gebrüder Goussel in Metz gegossen wurden.

Mamer wurde 1865/66 von einer Cholera-Epidemie heimgesucht. Als Anerkennung für seine aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste seiner Pfarrkinder wurde Pfarrer Metz vom König­Großherzog eine Auszeichnung verliehen.

1877 trat Pfarrer Metz von seinem Amt als Pfarrer von Mamer zurück, um die Stelle als Vikar von Ansemburg zu übernehmen, die er bis zu seinem Tode Im Jahre 1881 ausübte. Seinem letzten Wunsch entsprechend wurde er in der Missionskapelle beigesetzt.

1887 wurde die Kirchhofmauer umgebaut, wie wir aus einer Zeitungsnotiz von 15.10.1887 entnehmen:

"Gestern Abend kam Herr Ferrant, Mühlenbesitzer von hier, mit dem Neunuhrzuge von einer Geschäftsreise zurück. Auf seinem char-à-banc fuhr er in Begleitung seines Knechtes seiner Wohnung zu, als er in der Nähe der Kirche auf einem Steinhaufen umwarf und ein Bein brach.

Zu tadeln ist die Gemeindeverwaltung, daß inmitten eines so verkehrsreichen Dorfes in diesen finstern Nächten Steinhaufen von solcher Höhe liegen, ohne daß selbe mittels Laterne beleuchtet sind. Die Steinhaufen rühren von dem Umbau der Kirchhofsmauer her, welche jedoch schon seit einigen Tagen fertig ist."

Mit der zweiten Hälfte des 19. Jh. setzte eine Entwicklung ein, die aus dem kleinen Dorf Mamer eine Ortschaft machte; die Zahl von  71 Häusern, die 1788 gezählt wurden, hatte sich hundert Jahre später, 1887, auf 240 erweitert und überstieg im Jahre 1930 die Zahl von 300.

Diese rasante Entwicklung übertraf bei weitem die Erwartungen derjenigen, die 1844 die Vergrößerung der Kirche geplant hatten, denn diese erwies sich nun als viel zu klein. Hinzu kam, dass die altehrwürdige, scheunenartige Kirche nicht mehr in das neue Dorfbild passte.

back

Zurück zum Hauptmenü
MAMER PFARRKIRCHE

next

image
 
image
image
image