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DIE PFARRKIRCHE VON MAMER
Vom Umbau von 1931/32 bis heute
 

 

Anlässlich der Einweihung der restaurierten Pfarrkirche von Mamer am 22 September 1932 schreibt Abbé Dr. Richard Maria Staud (1892-1970) [=Staud 1932] in einem Artikel im Luxemburger Wort vom 21.09.1932:

“Es gibt erstaunlich viele Möglichkeiten, eine freiliegende Kirche zu vergrößern. Reizvolle Aufgabe des Baumeisters ist es, im gegebenen Einzelfall die zweckendsprechendste Lösung zu finden. In Mamer ist es dem mit dieser Aufgabe betrauten Architekten Josef Jentgen gelungen, nicht nur das Hauptproblem zu bewältigen, — Schaffung ausreichenden neuen Raumes — sondern darüber hinaus einen wesentlich wertvolleren Innenraum Zu formen, sowie den Baukörper und damit das ganze Ortsbild durch neue Formen zu bereichern.

Der alte, die Kirche umgebende Friedhof von Mamer war schon früher aufgelassen worden, und so ergab sich hier zunächst die Möglichkeit, Raum für den Neubau zu gewinnen. Weiter konnte aber auch das umliegende Erdreich gesenkt und ein freier Vorplatz geschaffen werden, auf dem das Ganze zur rechten Geltung kommt.

In den alten Kirchenbau hinein, der im ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts entstand und in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erweitert wurde, fügte der Architekt ein geräumiges Querhaus, das dreischiffig über die alten Schiffsmauern hinaustritt und heute nicht nur räumlich, sondern auch künstlerisch den Kernpunkt des Ganzen darstellt.

Der Treppengiebel des Neubaus, der eindrucksvoll über die Dächer des stattlichen Dorfes emporragt, findet seinen ernsten und überaus würdigen Abschluß durch ein sieben Meter hohes Steinkruzifix. Das kraftvoll modellierte Bild des gekreuzigten Heilands, nahezu fünf Meter hoch, wurde nach einem Modell von Professor Kratzenberg (Esch) durch die Bildhauer Grosber und Weins ausgeführt, ebenso die vortreffliche Plastik des Kirchenpatrons St. Johann des Täufers über dem vornehm schlichten neuen Portal.

Die eigenartigen Turmgiebel (19. Jahrhundert) wurden mit patiniertem Kupferblech umkleidet, dazwischen ein neuer Portalbau eingefügt, der gesamte Altbau durch helle Tönung dem neuen Bau angeglichen.”

 

Der Umbau von 1931/32

Während der Amtszeit des Pfarrers Michel Urwald (1878-1955), der von 1917-1938 als Seelsorger in Mamer tätig war, erfolgte der sechste Umbau der Pfarrkirche.

Am 17. Oktober 1930 hatte der Gemeinderat einen erneuten Umbau der Kirche beschlossen. Von den vorliegenden Projekten, von denen eines einen vollständigen Neubau vorsah, wurde der Plan des Architekten Jentgen aus Luxemburg angenommen. Zugleich sollte ein ein großer öffentlicher Platz vor der Kirche geschaffen werden.

"In seiner Sitzung vom letzten Mittwoch hat der Gemeinderat beschlossen, die seit Jahrzehnten schwebende Kirchenbaufrage von Mamer nach den Plänen des Herrn Architekten Jentgen von Luxemburg zu lösen. Zugleich wird ein großer öffentlicher Platz vor der Kirche geschaffen werden." (ganzen Artikel lesen ...)

"Die Gemeindeverwaltung von Mamer vergibt auf dem Submissionswege die Arbeiten und Lieferungen zur Vergrößerung der Kirche von Mamer, sowie zur Anlage eines öffentlichen Platzes daselbst. Der Kostenanschlag, im Betrage von 600 000 Fr., begreift 20 Lose."

Liste der Submitten und der eingereichten Angebote

Aber nicht jederman begrüsste die Renovierung der Kirche. Unter dem Titel "Mussolini in Mamer erschien am 26. Mai 1931 folgender Leserbrief im "Tageblatt":

"Seit Klerikal Trumpf ist, nicht zu verwechseln mit katholisch, sucht die schwarze Schar mit allen Mitteln alles an sich zu reißen, was ihr im Augenblicke nur möglich scheint und erreichbar.

In Mamer wollten gewisse Herren, Herr Bürgermeister Wilhelm, Herr Schöffe Flehner und ein Mitglied des Gemeinderates, Herr Knepper, sich den Luxus einer neuen Kirche leisten. Ein jeder hat heutzutage Bedürfnisse, aber nicht jeder hat hierzu die Mittel. Mamer hat auch eine Kanalisation nötig: zusammen würde die Ausgabe ungefähr so über das Milliönchen heranreichen.

Herr Wilhelm aber ist ein Mann der großen Ideen und anscheinend auch der starken Hand. Diktatorgelüste sind ihm mit Momenten eigen und so schlägt er dann drauf los. Geld hat die Mamer Gemeindekasse nur wenig, aber Größenwahnsinns-Ideen die drei Mann des Gemeinderates, mit Namen wie oben, desto mehr. Und so wollen denn diese drei Herkulessen entgegen der Mehrheit des Gemeinderates und auch entgegen der großen Mehrzahl der Steuerzahler ihre neue schöne Kirche. Wer selbstverständlich die Kosten davon zahlen wird, sind die Mamer Bürger und Bauern. Wer hat, der hat. Herr Wilhelm und Konsorten haben nichts, sie wollen trotzdem haben, sei es auch nur eine neue teuere Kirche.

Ihr Traum mag schön sein, aber der Wirklichkeitssinn der Mamer Steuerzahler wird ihnen einen kleinen Strich durch die große Rechnung machen. Wenn auch im Gemeinderate, durch ein Ueberraschungsvotum mit 5 gegen 4 Stimmen, der Bau beschlossen wurde, so hoffen die Steuerzahler, daß es für das Votum der nötigen Kredite sich keine 5 Dumme mehr finden werden.

Die Mamer Leute haben genug der Wilhelm’schen Diktaturgelüste. Sie werden ihm in Bälde die Wahrheit sagen. Schon mancher hat sein Bündel schnüren müssen, wenn es der Volkswille gewollt. Dasselbe Schicksal wird in Bälde auch die drei Matadoren der Mamer Gemeinde treffen, die da meinen, nicht nur der liebe Herrgott sei allmächtig, sondern auch ein paar seiner gottbegnadeten Geschöpfe.

Es wird nicht lange dauern, bis das Gegenteil bewiesen sein wird."

Dank der Pläne des Architekten Jentgen präsentiert sich die Mamer Pfarrkirche nun als einheitlicher, in sich geschlossener Bau. Auf einer leichten Anhöhe gelegen, wirkt die kompakte Anlage wie eine Burg; bei einer eingehenden Betrachtung jedoch werden verschiedene Baustufen erkennbar.

Nach diesem Plan blieb die alte Kirche in ihren Grundformen unverändert: die beiden Glockentürme blieben als Wahrzeichen der Ortschaft erhalten, und das kunstvolle Netzgewölbe des Chors aus dem Jahre 1541 wurde unverändert übernommen.

In das vorhandene Langschiff wurde ein Querschiff eingebaut, wodurch der Innenraum der Kirche verdoppelt wurde.

Um der neuen Kirche den ihr im Dorfbild zukommenden Stellenwert zu sichern, wurde der alte Friedhof - auf dem seit 25 Jahren niemand mehr begraben worden war - mitsamt seinen hohen Umfassungsmauern und der beiden mächtigen, uralten Linden entfernt, und durch einen freien Platz ersetzt.

Die auf dem alten Friedhof ausgegrabenen Gebeine wurden in einer Gruft der 1852 unter Pfarrer Dominik Niedercorn neben der Kirche erbauten Missionskapelle beigesetzt, der Boden hingegen beim Hause Scherer am Tossenberg (heute verschwunden) zwischen der Straße und dem Mamerbach abgelagert.



Die Kirche mit dem alten Friedhof.
Fotos: Lucien Mayer, 23.02.1932.

 

Jetzt konnte endlich der Wunsch erfüllt werden, der bereits bei den 1844/45 erfolgten Umbauten geäußert worden war, aber wegen Platzmangels durch den vorhandenen Friedhof unrealisierbar war: der Haupteingang zur Kirche wurde an deren Nordseite verlegt.

 


Die Linden am Friedhof vor der Kirche werden gefällt.
(Foto: Lucien Mayer, 24.02.1931).

 

Am 12. Juni 1931 waren die Vorarbeiten soweit gediehen, dass die Kirche geräumt und der Gottesdienst in den damaligen Pfarrsaal verlegt werden musste. Der Pfarrsaal diente vom 14. Juni 1931 bis zum 26. Juni 1932 als Notkirche.

 


Dorfzentrum und Pfarrkirche 1980 (Foto: Jos Thiel)

 

Die Ostfassade


Die von den beiden Glockentürmen flankierte Ostfassade erhielt die wesentlichen Grundzüge ihres heutigen Aussehens infolge der 1844/45 erfolgten Verlängerung des Kirchenschiffs nach Osten hin. Aber auch während der 1931/32 durchgeführten, fundamentalen Umbauarbeiten wurden an der Ostfassade verschiedene Veränderungen vorgenommen.

Das vorhandene Doppelportal an der Ostseite wurde vereinfacht und durch einen eintorigen Zugang ersetzt. Die Nische mit der wertvollen Nepomuk-Statue, die sich  gemäß einer Aufnahme aus dem Jahre 1900 über dem Portal befand, wurde entfernt; die Statue fand nach ihrer Restaurierung einen Ehrenplatz im Innern der Kirche.

 


Die Nepomuk Statue über dem Ostportal
Foto: Hamper-Pesch, um 1900

 

Neo-archaistische Stilelemente, welche in die Ostfassade integriert wurden, sollen auf die jahrhundertealte Geschichte des Gotteshauses hinweisen.

Die in den spitzen Dreiecksgiebel der Ostfassade - die zugleich Rückwand des Kirchenschiffs ist - eingesetzte neo-romanische Fensterrose zeigt als Maßwerk das Nimbuskreuz. Der Spitzgiebel der - ebenfalls nach romanischem Muster - vorgebauten Torhalle schließt mit einem Steinkreuz. Das in die Torhalle integrierte Portal behielt, trotz seiner erfolgten Reduzierung von einem ursprünglichen Doppelportal zu einem einfachen Portal, seinen herben, romanischen Charakter. Die gestaffelten Seitenwände des Portalrahmens setzen sich in den fünffachen Bogengängen der Portalwölbung fort, wo sie teils spitzkantig, teils wulstig, eine plastische Tiefenwirkung erzeugen, die auch ohne weitere Bildwerke eine feierliche Stimmung hervorruft. Sehr geschmackvoll ist auch die mittelalterlich anmutende Aufteilung der beiden Türflügel in hochstellende, kräftig gerahmte Rechtecke.

Links vom Ostportal befindet sich das Grab von Pfarrer Johann Asselborn (1816-1846). Er starb im Jahre 1849.

Im Oberlicht des Portalbogens befindet sich seit 1965 eine farbenfrohe Glasmalerei, die von Mars Schmit (1932-1990) geschaffen wurde (siehe Glasmalerien).


Foto: Commune de Mamer, Service Technique

 

Die Kirchtürme


Die Torhalle wird von zwei aufstrebenden Türmen flankiert (der zweite Glockenturmes wurde erst 1845 errichtet), die von zwei umlaufenden, stark profilierten Mauerbändern in drei Stockwerke eingeteilt sind, von denen die beiden oberen mit hochgezogenen Öffnungen versehen sind, welche im oberen Stockwerk als Schalllöcher für die Glockenkammer genutzt werden.

Wegen einer schadhaften Leiter in einem der Kirchtürme wäre es 1889 fast zu einem tödlichen Unfall gekommen, wie das "Luxemburger Wort" vom 28.11.1889 berichtet:

Ein theures Menschenleben hätte am heutigen Tage (27. November 1889) "einer Nachlässigkeit zum Opfer fallen können. Die Leiter nämlich, welche im Innern des Kirchturmes zum Thurme emporführt, war längst schadhaft und dienstunfähig geworden, und dem Einen und Andern konnte es nicht einleuchtend werden, dass dieselbe durch eine neue ersetzt werben müsse, bis heute, um die Mittagsstunde, der Schieferdecker Wilhelm Flener, vom Thurme herniedersteigend, dieselbe gebrauchen wollte und, ehe er sich’s versah, herabfiel.

Außer verschiedenen Kopfwunden scheint Flener noch Arm- und Seitenverletzungen davongetragen zu haben, denn er klagt sehr über Schmerzen am Arme und in der Seite. „Wenn das Kalb im Brunnen liegt, macht an einen Deckel darauf”; jetzt nun sieht man ein, dass die alte Leiter unbrauchbar geworden, und eine neue, ihre Stelle einzunehmen, berufen ist."

Das Mauerwerk der beiden Türme schließt mit einem umlaufenden Kranzgesims aus leicht abgerundeten Kragsteinen. Die vier breiten und die vier schmalen Dreiecke des achtseitigen Pyramidendaches erheben sich jeweils aus einem, mit der Spitze nach oben gerichteten, lukenartigen Dreieck. Diese umlaufenden Dreiecke wirken wie die spitzen Zacken einer viereckigen Krone, die auf das Mauerwerk aufgesetzt ist. Das Pyramidendach gipfelt in einer Kugel, aus der sich das Turmkreuz mit dem Wetterhahn erhebt. Das Mamer Turmkreuz verdient eine besondere Erwähnung: In das einfache, normale Kreuz ist zusätzlich ein Andreaskreuz integriert, so dass sechs freie Strahlen vorhanden sind, welche mit Königslilien enden.

An den unteren Turmkanten sind die wuchtigen Eckquadern sichtbar geblieben, die in "springender" Bauweise recht dekorativ angelegt wurden. An den Außenwänden des alten Kirchenschiffs blieb ebenfalls das feine Mauerwerk der mit schrägen Abdeckplatten versehenen Strebepfeiler sichtbar.

 

Die Nordseite


Von der Nordseite her zeigt sich die Kirche in ihrer ganzen "monumentalen Pracht". Hier wurde ein monumentales Hauptportal  in Form eines tempelartigen Vorbaus angelegt, der auf jeder Seite von zwei wuchtigen Säulen mit dorischen Kapitellen mit darüberliegenden Viereckplatten gestützt wird. Eine dreiseitige Freitreppe führt zu diesem Vorbau, der antiken Vorbildern nachempfunden ist.


(Foto: Commune de Mamer, Service Technique)

Im Architrav erscheint der Kirchenpatron Johannes der Täufer mit Fell und Lamm und erhebt die rechte Hand mit mahnend erhobenem Zeigefinger. Der Blick folgt diesem unmissverständlichen Hinweis und gleitet über die drei mitteleren Fenster der fünfteiligen Glasmalerei bis hinauf zum eindrucksvollen, sieben Meter hohen Steinkruzifix mit einer fünf Meter hohen Steinskulptur des Gekreuzigten. Die beiden hervorragend gearbeiteten Bildwerke kommen auf den flachen Wandflächen der Fassade besonders plastisch zur Geltung; sie wurden nach einem Modell von Prof. Kratzenberg aus Esch/Alzette von den beiden Bildhauern Grosber und Weins ausgeführt.

 Das Hauptportal an der Nordseite (Fotos: Jos Thiel, 2009).

Der weite Vorplatz, ist auf seiner gesamten Fläche von hellen und dunklen Pflastersteinen in eine Vielzahl von Quadraten eingeteilt, welche wie ein geometrisch gemusterter, versteinerter Ehrenteppich wirken.


Der Vorplatz während der Renovierung. (Foto: Louis Tapella)

 

Die Südseite



Das 1931/32 eingebaute Querschiff wurde, bis auf die kleine, vorgelagerte, halbrunde Taufkapelle nicht als absidioler Rundbau, sondern, in Wiederholung des Hauptportals, als senkrecht-flache Fassade mit stufenartiger Wandgliederung gebaut und vermittelt so einen eher bastionsartigen Eindruck.



Die Westseite


Über der großzügig angelegten Sakristei erhebt sich majestätisch die Chorapsis, die als ältester Bauteil der Kirche 1541 errichtet wurde. Wie an den unteren Kirchturmkanten, so kommen auch hier an den beiden Kanten der dreiseitigen Apsis die in "springender Bauweise" eingelegten Quadern zur Geltung. Auf dem Dachfirst erhebt sich ein weiteres, kunstvoll geschmiedetes Kreuz mit Wetterhahn, das sich aus diesem Blickwinkel mit den beiden Turmkreuzen zu einem harmonischen Zusammenspiel vereinigt.


Die Kosten des Umbaus von 1931/32 einschließlich der Platzgestaltung beliefen sich auf 600 000 Franken, die von der Gemeinde aufgebracht wurden. Zur Finanzierung wurde bei der Grundkreditanstalt eine Anleihe aufgenommen, die in jährlichen Abzahlungen von 4 000 Franken in 25 Jahren abzuzahlen war.

Am 26. Juni 1932 war der Umbau in der Hauptsache fertiggestellt, und von nun an fand der Gottesdienst wieder regelmäßig in der Kirche statt. Am 22. September 1932 nahm Bischof Nommesch die Einsegnung des neuen Gotteshauses vor. An der Feier beteiligten sich 24 Geistliche, Gemeinde- und Kirchenrat, die Feuerwehrmusik und die gesamte Einwohnerschaft.

Die Inneneinrichtung wurde aus einem Fonds bestritten, der bereits unter früheren Pfarrern angelegt worden war, dann aber durch die Bemühungen des damaligen Pfarrers Urwald bedeutende Geldmittel von hochherzigen Gönnern zugewiesen erhielt.

Am Vorabend der Einweihung, am Mittwoch, 21. September 1932, berichtet Diözesankonservator Abbé Staud [Staud 1932], "dass die Kirchenbaufrage von Mamer, die seit vierzig Jahren Gegenstand ernsten Planens und Suchens war, nun endlich auf höchst zufriedenstellende Weise gelöst ist; und dass sämtliche Bedingungen und Erwartungen restlos erfüllt wurden, nämlich das vorhandene, altehrwürdige so weit wie möglich zu erhalten, daneben aber ein der Ortschaft Mamer würdiges und ihren Bedürfnissen entsprechendes Gotteshaus zu errichten, was dem Gemeinderat dank seiner großzügigen Einsicht, dank den herrlich gelungenen Plänen des Architekten Joseph Jentgen und dank der begeisterten Hilfe der Einwohnerschaft von Mamer aufs Prächtigste gelungen ist".

Die Einweihung selbst wurde zu einem regelrechten Dorffest wie das Luxemburger Wort vom 24.09.1932 schreibt:

“Die feierliche Einweihung der neurestaurierten Kirche von Mamer wuchs sich vorgestern (22. September 1932) zu einem wahren Dorffeste aus. Einwohner und Freunde waren sich der seltenen Eigenart der Feier bewußt, und mit sichtlichem Interesse folgte die Menge, das Gotteshaus bis zum letzten Platz füllend, den sinnigen liturgischen Zeremonien, die auf alle großen Eindruck machten.

Freude war überall; die Sonne lachte, Schmuck grüßte, Musik erschallte, Böller krachten, warme Worte wurden ausgetauscht. Die Eintracht der Vereine bei der die ganze Ortschaft interessierenden Feier gab eine ungemein wohltuende Note, die in der allgemeinen Freude um das Geleistete und Wohlgelungene gesteigert wurde. Es ist für alle Schauende eine besonders reizvolle Genugtuung, vor dem Fertigen zu stehen und sich zu ergötzen „am wohlgelungenen Bild” — je mehr, desto größer die Schwierigkeiten waren. Und Ende gut, alles gut! Das war so bei dieser Kirchweihe die allgemeine festesfrohe Stimmung.

Der Hochwürdigste Herr Bischof gab diesem Gedanken spontan, nach der herzlichen Begrüßung des Herrn Bürgermeisters Wilhelm an der Kirchentür, Ausdruck. Freude jubelte auch aus dem mehrstimmigen Gesang des Kirchenchores in der feierlichen Messe, die von Herrn Professor Kremer, einem Mamer Geistlichen, zelebriert wurde.

Wahre Bewunderung für das hier Geleistete und warmer Dank an alle an der glücklichen Lösung beteiligten Faktoren:

Pfarrer, Gemeinderat, Kirchenrat, Architekt, und nicht zuletzt die Unternehmerfirma Thill und Schlimm aus Eischen, deren ruhiges, verständnisvolles, bautechnisch hervorragendes Schaffen anerkannt wurde — klang aus den Toasten und Ansprachen der Herren Pfarrer Urwald, Bürgermeister Wilhelm, Schöffe Flener, Professor Kremer und des Hochwürdigsten Herrn Bischofs so aufrichtig ungezwungen heraus. Besonders angenehm berührte die Anwesenheit und das rege Interesse so vieler geistlicher und weltlicher Freunde u. a. des Hrn. Generalvikars Mgr. Peiffer, des Hrn. Domkapitulars Mgr. Origer, der Herren Ehrendomherren Mack, Hartmann und Bormann, der hochw. Herren Dechanten Colling, Reinert und Ries, der Herren Nachbarpfarrer, des Hrn. Architekten (Joseph) Jentgen, der Herren Mitglieder des Gemeinde- und Kirchenrates und nicht zuletzt des Generaldirektors Dupong, eines geborenen Nachbars von Mamer, der an unseren Freuden und Leiden immer warmen Anteil nahm. Das Hoch auf Regierung und Großherzogin war in dieser Stimmung sicher mehr als leere Formalität. Denn es ist wahr: jeder Luxemburger hängt mit allen Fasern seiner Seele an seiner Dorf- und Landheimat und eben dieser Heimatgedanke, war mit dem religiösen der beste Sporn in ein schönes Dorf ein würdiges Haus des Herrn zu setzen, das, nach allgemeinem Urteil man seinesgleichen auf dem Lande sucht.”


Die Kirche mit dem Schloss im Jahre 1970.
Foto: Marcel Schroeder.


1934, 20. Mai – Opferkasten mit Inhalt gestohlen Am Pfingstsonntag machte sich ein Dieb in der Pfarrkirche an einem Opferkasten zu schaffen. Der Opferkasten wurde von der Mauer losgerissen und mit dem Inhalt fortgeschafft. Vom Dieb fehlt jede Spur. Luxemburger Wort 23.05.1934. Link zum Artikel

 

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