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DER
INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE
DIE BEICHTSTÜHLE
Die
1738 im Greeff-Ateller in Altwies geschaffenen Beichtstühle sind sowohl in Bezug
auf ihre Form, ihren Aufbau und ihre dekorative Ausstattung als auch in Hinsicht
auf ihre Restaurierung, Rekonstruierung und Polychromierung erwähnenswert; in
ihren Grundzügen erinnern sie an die Beichtstühle aus der Pfarrkirche von Manom
(bei Thionville), die ebenfalls aus dem Altwieser Greeff-Atelier stammen. Sie
stellen das wertvollste Mobiliar der Mamer Kirche dar.
In
der frontalen Aufsicht wirken die Beichtstühle wie dreiteilige Triumphbögen, die
mit Bildreliefs und Blumenvasen bekrönt sind. Aus seitlicher Sicht kommt die
Tiefenwirkung des Beichtstuhls zur Geltung, die noch verstärkt wird durch den
erkerartigen Vorbau der Tür. Kleine, unscheinbare Details wie z. B. die elegant
geschwungenen, doppelspiraligen Handläufe an den seitlichen Türgriffen weisen
auf einen besonders kunstfreudigen Bildschnitzer hin.

Die
seitliche Ansicht erlaubt einen Einblick in die "Intimsphäre" der Beichtstühle.
Hierbei kommt dann auch das „Flüstergitter" zum Vorschein, das den Sünder wohl
optisch vom Beichtvater trennt, akustisch aber eine verbale Kommunikation
ermöglicht. Bei der letzten Restaurierung erhielten die bei den Beichtstühle
neue „Flüstergittter", die, auf Wunsch von Pfarrer Molitor, denjenigen der
Greeff-Beichtstühle in der Pfarrkirche von Manom exakt nachgeschnitzt wurden.

Die
Bildreliefs an den Aufsätzen der beiden Beichtstühle gehören zu den besonders
wertvollen, aus Holz geschnitzten Kunstwerken der Pfarrkirche. Sie waren - was
heute unverständlich ist - bei der Restaurierung im Jahre 1956 mitsamt den
beiden flankierenden Blumenvasen entfernt und auf den Speicher der Sakristei
verbannt worden. 1981 waren sie vom ortsansässigen Schreinermeister Henri Letsch
restauriert und wieder an ihrem ursprünglichen Standort aufgestellt worden. Am
unteren Rand der Bildreliefs erinnert eine Inschrift: RESTAURE 1981 PAR
LETSCH MAMER. An den Sockeln der Blumenvasen ist ihr Geburtsjahr 1738
eingraviert.

An
den beiden Seiten der Bildreliefs befindet sich - gleichsam als Replik der
Seitenwangen des Hauptaltars - ein elegant aus schwingendes Rankenwerk aus
Akanthusblättern, das sich aus einer abgeplatteten Volute entwickelt. Die
Blumenvasen sind von einer fein geflochtenen Schutzhülle umgeben; aus den
farbenfrohen Blumensträußen leuchten voll erblühte Rosen und Sonnenblumen.
Beim
Betreten des Beichtstuhls wird der Beichtvater von zwei geflügelten,
pausbäckigen Putten begrüßt, die sich in den
Zwickeln
des Türbogens aufhalten. Es scheint, als wollten sie mit ihrem verständnisvollen
Schmunzeln dem Beichtvater viel Glück wünschen für all das, was nun im Innern
des Beichtstuhls auf ihn zukommen wird.

Bemerkenswert sind auch die vier kunstvoll geschnitzten Kompositkapitelle,
welche die Bedachung des Beichtstuhls tragen. Im Bogen über den beiden
seitlichen, für die reumütigen Sünder reservierten Zugängen fehlen die
lebensfrohen, Trost und Hoffnung spendenden Putten. Dafür verheißt der
Akanthusfries mit den vielen vergoldeten Doppelspiralen eine beglückende
Stimmung nach der Befreiung von der Sündenlast.
Die Motive der Bildreliefs erinnern an berühmte Büßer aus der Heiligen
Schrift, die als Vorbilder für reumütige Sünder angeführt werden; an dem an
der (rechten) Nordseite der Kirche aufgestellten Beichtstuhl wird in einer
schmerzlich-freudigen Begegnung zwischen Vater und Sohn an die Rückkehr des
verlorenen Sohnes
erinnert. Obschon die beiden Figuren die unverkennbaren, typischen
Stilmerkmale des Greeff-Ateliers tragen, sind sie doch stark individuell
geprägt, was bei näherer Betrachtung besonders gut zur Geltung kommt.

Foto: Marcel Schroeder, in
[Stoffel 1988]
Vol I., S. 47, Nr. 138.
In der konvexen Kartusche stand früher, gleichsam als „mea
culpa",
die Inschrift "PATER PECCAVI" ("Vater, ich habe gesündigt"),
Worte des
verlorenen Sohnes bei der Rückkehr ins Vaterhaus.
Die überdimensionale, blendend weiße
Muschel,
die auf einem Akanthusfries die Szene nach oben abschließt, deutet auf die
Vergebung und Verzeihung hin.

Am Beichtstuhl an der (linken) Südmauer wird
König David
mit seinen besonders plastisch gearbeiteten Attributen Harfe, Krone und
Zepter dargestellt. Die ehemalige Inschrift "MISERERE MEI DEUS"
("Erbarme dich meiner, 0 Herr") ist ebenfalls nicht mehr vorhanden.

Foto: Marcel Schroeder, in
[Stoffel 1988]
Vol I., S. 47, Nr.
137.
"Als unscheinbarer Jüngling tötete der spätere König David (etwa 1055-1014 v.
Chr.) den Riesen
Goliath
mittels seiner Steinschleuder, was zur Niederlage der
Philister
führte. Als Günstling und Schwiegersohn des
Königs Saul
besänftigte er vorerst dessen melancholische Anwandlungen mit den zarten
Klängen seiner Harfe, erweckte aber auch dessen Neid, so dass er in die
Wüste flüchten musste. Nach Sauls Tode wurde David dessen Nachfolger - und
somit zweiter König Israels
Er brachte die
Bundeslade
von KariathJarim zum
Berge Zion,
wo er die Stadt Jerusalem gründete. Aber den Bau des Tempels musste er
seinem Sohn
Salomon
überlassen. Zum Schluss seines Lebens ließ er den Gemahl
Bathsebas
töten und wurde zum Ehebrecher. Obschon er als Dichter etwa 75 Psalmen
(Lobgesänge) von hohem, literarischem Wert hinterlassen hat, hatte er
dennoch allen Grund, Gott reumütig, mit flehend gefalteten Händen um
Verzeihung zu bitten. Als Beweis seiner aufrichtigen Demut hat er Krone und
Zepter ostentativ abgelegt und die Harfe beiseite gestellt, aber unter dem
roten Königsmantel trägt er immer noch die soldatische Rüstung. Wie im
Bekrönungsbild des gegenüberliegenden Beichtstuhls schließt auch hier die
Szene nach oben mit einer großen, weißen Muschel ab."
Während der Amtszeit von Dominik Niedercorn (25. Oktober 1846 bis zum 8.
September 1858) wurde 1852 zwei klassizistische Beichtstühle
angeschafft, die heute nicht mehr vorhanden sind.
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