image

image
image


DER INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE

DER CHORRAUM


1932 schuf der Kirchenmaler Karl Wilhelmy Malereien auf den Wandflächen der Chorapsis. Diese wurden jedoch 1965 übertüncht und konnten nicht mehr erhalten werden konnten. Zwar waren einige Bildfragmente freigelegt worden, die sich jedoch von den Wandflächen ablösten, so dass sie nicht gerettet werden konnten.


Während der Oktave 1950 (Fotos: J. Hippert),
in
[Stoffel 1988] Vol I., S. 47, Nr. 136.

 

Erhalten geblieben sind die Malereien lediglich auf alten Fotos, wie z.B. auf einer während der Oktave 1950 gemachten Aufnahme. Hier kann man erkennen, dass Ausmalung der Chorwände vor allem aus zwei großen Medaillons mit anbetenden Engeln bestand.

Soweit aus dem vorliegenden Bildmaterial ersichtlich, sind in diesen Malereien formale Nachklänge an die Fresken erkennbar, die einige Jahre vorher, von 1924-27, von dem aus der Benediktinerabtei Maria Laach stammenden Bruder Notker Becker in der Düdelinger Pfarrkirche geschaffen worden waren.

Aus dem Innenraum verschwunden sind ebenfalls die beiden, im Atelier Haagen hergestellten, Metalltafeln mit den Wappen des zur Zeit dieser Restaurierung (1931/32) in Rom regierenden Papstes und des in Luxemburg amtierenden Bischofs. Diese Wappentafeln waren an den Fußenden des Triumphbogens, gleichsam als verbindende Brücke zwischen den Stützpfeilern und dem Mauerwerk, angebracht.


Das Innere der Pfarrkirche während der Oktave 1950 (Foto: Jean Hippert),
in [Stoffel 1988] Vol I., S. 45, Nr. 130.

Die eine der beiden Metalltafeln zeigt das präzise heraus gestanzte Wappen des Papstes Pius XI. mit den gekreuzten Himmelsschlüsseln und dem Wahlspruch RAPTIM TRANSIT ("schnell hinüber"). Die filigrane Verarbeitung der Tiara im päpstlichen Wappen wird hier bis an die Grenzen des Machbaren geführt.

 

Die andere Metalltafel zeigt das Wappen von Bischofs Petrus Nommesch mit den bischöflichen Insignien Mitra und Bischofsstab und der Devise TUUS SUM EGO ("Dein bin ich"), wodurch er seine tiefe Verehrung für die Consolatrix ausdrückte.

Bei näherer Betrachtung sind die feinen Stickereien im Muttergotteskleid klar erkennbar; die Consolatrix schwebt über dem plastischen Reliefbild der Muttergotteskapelle, mit deren Bau der 1588 in Diedenhofen geborene und als Professor am Jesuitenkolleg in Luxemburg tätige Jakob Brocquart 1625 begonnen hatte.

 

Das Chorfenster und die Fenster im alten Teil des Langhauses wurden 1960 von der Werkstatt Linster aus Mondorf erneuert.

Der 1970 erneuerte, bemerkenswerte Fliesenbelag, der während der 1931/32 erfolgten Restaurierung angelegt worden war, ist erhalten geblieben.

Im Jahre 1970 wurde der Boden des Chores um zwei Stufen gesenkt wurde, um dadurch den Chorraum besser auf die Neugestaltung der Liturgiefeier abzustimmen. Bei der Aushebung von neuen Heizungsschächten wurden, 50 cm unter dem vorhandenen Chorboden, 3 Reihen mit je 4-5 Skeletten freigelegt, die mit dem Kopf zum Hochaltar hin begraben worden waren. Es könnte sich hierbei um die Gebeine ehemaliger Pfarrer, die im Chor der Kirche bestattet worden waren, handeln.

Im Jahre 2002 wurden bei Arbeiten im Mittelgang der Kirche zwecks Verlegung einer Bodenheizung weitere Skelette entdeckt von Erwachsenen sowie von Kindern (Mitteilung von Gast Roderes, Präsident des Mamer Kirchenrates im Jahre 2011). Leider wurden die Überreste nie untersucht, obwohl der damalige Kirchenrat eine diesbezügliche Anfrage an das Nationalmuseum richtete, welches aber kein Interesse an der Bergung und Untersuchung der Skelette zeigte. Die Skelette wurden an Ort und Stelle belassen und wieder von einem neuen Plattenbelag überdeckt. Dies erklärt, warum im Mittelgang sich die Bodenplatten von denen des übrigen Fussbodens der Kirche unterscheiden.

Fotos: Gaston Roderes, Mamer - Ende Oktober 2002


Der Innenraum mit den 3 Altären und dem Predigstuhl im Jahre 1985.
Foto:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/lb/c/c4/MAMER_K_02.jpg

Die Holztäfelung im Chorraum stammt aus dem ehemaligen, kunstvoll im Rokokostil geschaffenen Chorgestühl, das 1932 auseinander genommen wurde, und dessen Stallungen wegen der Heizungsanlage entfernt werden mussten. Die Paneele wurden als Wandverkleidung des Chores umfunktioniert. Dr. Staud berichtet: "Das teilweise beschädigte, im Rokokostil geschaffene Chorgestühl wurde recht gut als Wandvertäfelung des Chores rekonstruiert".

1971 wurde die Holztäfelung im Chorraum - die 1932 aus dem Chorgestühl geschaffen worden war - ausgebaut, im Atelier Nicolas Schiffmann in Cessingen gereinigt, anschließend gebleicht, und dann im Oktober 1971 wieder im Chorraum angebracht.

Die fingerbreiten Risse, die in verschiedenen Paneelen durch das Austrocknen des Holzes entstanden waren, wurden beseitigt. Um die feinen Schnitzarbeiten besser sichtbar zu machen, wurden deren Konturen mit einem Goldfaden hervorgehoben. So gibt die Holztäfelung eine zwar diskrete, aber harmonisch-feierliche Kulisse zu einem Bühnenbild, in dem der Hochaltar eine kunstvolle Apotheose abgibt. Vergleiche mit dem früheren Zustand der Täfelung lassen ohne weiteres den Erfolg der letzten Restaurierung erkennen.

   
Das ehemalige Chorgestühl vor und nach der Restauration von 1971

Die Statuen des hl. Johannes des Täufers und der hl. Luzia, die seit der Restaurierung von 1972 an den Apsiswänden des Chores über der Wandtäfelung aufgestellt waren, fielen im September 1998 einem Diebstahl zum Opfer. Die Johannesstatue wurde später in der Gegend von Redingen wiedergefunden; die Luziastatue ist bis heute verschollen. Als Schöpfer der Luziastatue, die bis 1972 in einer Fensternische der Sakristei stand, gilt Nicolas Greef (Sohn). Reliquien dieser Heiligen wurden im früheren Hauptaltar aufbewahrt.

Foto links: Marcel Schroeder,
in
[Stoffel 1988] Vol I., S. 46, Nr. 133.

back next

Zurück zum Hauptmenü MAMER PFARRKIRCHE


image
 
image
image
image