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DER
INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE
DIE GLASMALEREIEN AN DER NORD- UND SÜDSEITE
Diözesankonservator Dr. Richard Maria Staud
[Staud 1932] schreibt:
"In dem unaufdringlichen
Architekturrahmen des Querschiffes kommen die prächtigen Glasmalereien restlos
zur Geltung. Über dem neuen Eingangsportal ein dreiteiliges Hauptfenster mit
einem Weihnachtsbild und zwei Seitenfenstern, Mariä Verkündigung und Mariä
Heimsuchung, alle aus der Luxemburger Glasmalerwerkstatt der Brüder Linster
(Mondorf). Es sind köstliche Gestalten von Schiestl'scher Innigkeit und
Lieblichkeit, schimmernd und leuchtend in farbiger Glut. Gegenüber aus der
altbekannten Trierer Werkstätte Binsfeld (Dir. Dornoff) die Auferstehung
Christi, seitlich Christi und Mariä Himmelfahrt. Es ist dies eine andere Art der
Auffassung und Darstellung, weniger naturhaft und darum dem ungewohnten Blick
sich nicht sofort erschließend, aber raffiniert in der Technik, besonders der
Überfanggläser. In der dekorativen Wirkung ganz ausgezeichnet."
Trotz
ihrer farbgesättigten Motive sind die einzelnen Bildkompositionen der
monumentalen Glasmalereien derart raffiniert gegliedert, dass sie soviel
Tageslicht durchscheinen lassen, dass der weite Kirchenraum wie eine
lichtdurchflutete, künstlich beleuchtete Festhalle wirkt.
Das
über die beiden Stirnseiten des Querschiffs durchlaufende Bildprogramm, das in
zwei Zyklen zu je fünf Szenen eingeteilt ist, beginnt an der linken Nordseite
mit der Verkündigung und endet an der rechten Südseite mit der Himmelfahrt
Mariens.
Die
beiden Zyklen sind so gegliedert, dass jeweils die mittlere Szene durch ihre
Ausmaße und ihren Aufbau sofort als Höhepunkt der fünfteiligen Bildfolge erkannt
wird. Das ist auf der Nordseite die Geburt Christi und auf der
gegenüberliegenden Südseite die Auferstehung.
Der
fünfteilige Bildzyklus an der Nordseite
Bei
diesen Glasgemälden, die 1932 eingesetzt wurden, handelt es sich um Stiftungen,
deren Spender in den einzelnen Fenstern eingeblendet sind:
Familie Hoffmann-Knepper (Mariä Verkündigung);
Familie Hirsch-Marx (Geburt Jesu);
Marie Christophory / Familie Leythem (die heiligen drei Könige);
Familie Nic Knepper-Wilhelm (Heimsuchung Maria und Elisabeth).

Die
Ausmaße und der Aufbau der
Geburtsszene
weisen diese als Höhepunkt aus. Im Stall von Bethlehem fand wohl die wichtigste
Zäsur in der
Zeitbestimmung
statt, denn seither werden die Jahrhunderte in die beiden Abschnitte "vor und
nach Christi Geburt" eingeteilt.
Maria und Josef verneigen sich voller Ehrfurcht vor dem
neugeborenen Jesuskind. Maria faltet die Hände zum Gebet, Joseph kreuzt die Arme
über der Brust. Im Bewusstsein auf seine Bedeutung als Erlöser
breitet das Jesuskind seine Arme weit aus zum Empfang aller Menschen, sofern
diese guten Willens sind.

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Das weiß leuchtende Kreuz im roten Heiligenschein weist das
neugeborene Kind als Gottessohn aus.
Das unter dem Bettzeug aufleuchtende Stroh erinnert
daran, dass es in einer
Krippe
liegt, die in einem Stall aufgestellt wurde. |
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Am Himmel erscheint das
Auge Gottes
in Form des
Davidssterns
und sendet seine Gnadenstrahlen zur Erde. Die Bibel berichtet:
"Und plötzlich war da eine Menge
himmlischer Heerscharen, die Gott lobten und sprachen: Ehre sei Gott
in der Höhe ...
Gloria in excelsis Deo."
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In
den beiden Fenstern, welche die Geburt flankieren, kommen von links die Hirten
und von rechts die drei Könige mit ihren Geschenken.

Hervorzuheben sind die ungemein stark differenzierten Gefühlsregungen, die sich
auf den Gesichtern der Hirten spiegeln. Der Engel hat ihnen versichert: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch
eine große Freude." Nun starren sie gebannt auf die Krippe.
Interessant sind die eingeblendeten
Unscheinbarkeiten wie die bauchige Feldflasche am Gürtel oder der kniende Hirte,
der ein Lamm in den Armen hält.

Das
rechte Fenster berichtet von den
drei
weisen Königen aus dem Morgenlande,
Balthasar,
Kaspar
und
Melchior.
Sie waren dem hellen, geschweiften Stern, der im Osten aufgegangen war, gefolgt;
nun stehen sie vor dem neugeborenen König der Juden und erweisen diesem ihre
Reverenz, obschon er nur in einem Stall zur Welt gekommen ist und in einer
Krippe liegt. Die Bibel berichtet: "Nachdem sie das Kind angebetet hatten,
öffneten sie ihre Schätze und brachten ihre Geschenke dar:
Gold,
Weihrauch
und
Myrrhe."
Anhand der differenzierten Haltungen - kniend und stehend - und infolge der
verschiedenen Gewandfarben - dunkelrot über blau bis hell - wird eine
beachtliche, perspektivische Bildtiefe erreicht.
Ihre
ungemein starke Charakterisierung lässt sofort erkennen, dass sie nicht nur drei
verschiedenen Rassen, sondern auch drei verschiedenen Adelsstufen angehören.
Die
differenzierten Haartrachten - bartlos, dunkler Backenbart, schneeweißer
Vollbart und Kahlkopf - weisen auf unterschiedliche Altersstufen hin. Obschon
die drei Weisen "eine große Freude empfanden", bleiben sie sich ihrer
königlichen Würde voll bewusst; in ihren Gesichtszügen sind keine
überschwänglichen Gefühlsausbrüche erkennbar.
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Balthasar kniet am linken, unteren Bildrand, wobei der Faltenwurf
seines weiten, feuerroten Gewandes besonders detailliert
wiedergegeben ist; zu beachten sind vor allem die vielen, feinen
Abstufungen der roten Farbe, die eine plastische Wiedergabe der
einzelnen Falten ermöglicht.
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Melchior trägt ein blaugrünes Mantelkleid mit goldenem Saum, grüne
Lederstiefel und eine goldene Zackenkrone; an seinem Gürtel baumelt
ein Schwert. |
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Kaspar trägt zu einem einfachen, hellen Gewand eine turbanartige
Kopfbedeckung. Sein bartloses Gesicht ist von dunkler Hautfarbe, so
dass man annehmen kann, dass er aus
Äthiopien
stammt, denn der griechische Geschichtsschreiber
Herodot
bezeichnete im 5. Jh. v. Chr. die Äthiopier als "Menschen mit
verbrannter Haut". Von besonderem Interesse ist auch die feine
Wiedergabe der drei Schatzkästlein. |

Das
linke Fenster an der Nordseite schildert die Verkündigung als erste Szene der
Bildfolge und als grundlegende Episode der Heilsgeschichte. In demutsvoller
Haltung nimmt Maria, kniend, die Frohbotschaft des
Engels Gabriel an: "Mir
geschehe nach seinem Wort." In der Art, wie sie ihre rechte Hand schützend
über den Blumenstrauß hält, kommt ihre Mutterliebe bereits jetzt zum Ausdruck,
denn der Blumenstrauß weist auf die Geburt des Kindes hin. Das Ereignis steht
unter einem guten Stern, denn aus seinem Strahlenglanz sendet der Heilige Geist
in Gestalt einer weißen Taube seine Gnaden, deren Strahlen sich verheißungsvoll
über die zukünftige Mutter bis hinunter zum Blumenstrauß ergießen.

Das
rechte Fenster in dem fünfteiligen Bildzyklus an der Nordwand berichtet über die
Heimsuchung:
„Maria reiste in das Gebirge nach einer Stadt in Juda in das Haus des
Zacharias, zu ihrer Base Elisabeth, die ebenfalls guter Hoffnung war und die
Mutter des Johannes werden sollte ... ". Elisabeth gab sich hoch erfreut:
"Woher kommt mir diese Ehre, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" Als
Antwort stimmte Maria das Loblied an: „Magnificat
anima mea Dominum - meine Seele lobpreist den Herrn!" Elisabeth bringt
ihre Hochachtung kniend dar und umklammert - schutzsuchend - mit bei den Händen
den rechten Unterarm Mariens. Beide Frauen haben einen Heiligenschein, doch
derjenige Mariens - als zukünftige Gottesmutter - zeigt unverkennbar das
eingeblendete rote Kreuz, das eigentlich nur im
Nimbus
Gottes erscheinen dürfte.
Der
fünfteilige Bildzyklus an der Südseite
Die
Fenster an der Südseite stifteten:
Hochw. H. Dondelinger (Christi Himmelfahrt);
Hochw. Jean-Pierre Kremer /1875-1941 (die Frauen am Grabe);
Familie Wolff-Bintener (Auferstehung);
Hochw. Michel Urwald und Hochw. Ph. Schmit/ 1864-1935 (die Soldaten);
Valentin Speller (Mariä Himmelfahrt).

Im
Mittelpunkt des Bildprogramms auf der Südseite des Querschiffs, über der
Taufkapelle, steht die
Auferstehung,
als Höhepunkt im logischen Ablauf der Heilsgeschichte ist sie direkt gegenüber
der auf der Nordseite des Querschiffs abgebildeten Geburt dargestellt.
Auffallend ist, dass im Rahmen des Bildprogramms jeder Hinweis auf die
Leidensgeschichte,
die
Kreuzigung
und den
Kreuzestod,
die
Kreuzabnahme
und die
Grablegung
als unabdingbare Zwischenstationen zwischen Geburt und Auferstehung fehlt.
Die
Bibel berichtet: "Beim Anbruch des dritten Tages stand Jesus von den Toten
auf und ging glorreich aus dem Grabe hervor ...”
Im
Schein eines geradezu übernatürlichen Lichtes erhebt sich der Auferstandene im
vollen Glanz seiner göttlichen Macht aus dem Grabe. Als Beweis seiner
königlichen Würde trägt er den kaiserlichen Purpurmantel. Während er in seiner
linken Hand die Fahne als Siegeszeichen über den Tod hält, hebt er die Rechte
ostentativ zum mahnenden Gruß.

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Der als Nimbus (Wolke) bezeichnete, leuchtende Heiligenschein, der
sein Haupt umgibt, ist heidnischen Ursprungs, als Sinnbild für den
Glanz der Sonne oder die Macht der Königskrone wurde er in der
hellenistischen Kunst als Attribut für die Götter des Olymp
gebraucht, auf Abbildungen vorderasiatischer Großkönige und auf
Münzen römischer Kaiser ist der Nimbus Symbol für das
Weltenherrschertum. Im 2. Jh. erscheint er zum ersten Mal um das
Haupt Christi, wo er dann zum ständigen Attribut wird. Als im 5. Jh.
auch andere Gestalten mit dem Nimbus versehen wurden, erhielt der
Nimbus Christi zusätzlich ein eingeblendetes Kreuz, das sich durch
seine betonte, meist rote Farbgebung vom hellen Glorienschein
abhebt. Um den Heiligenschein besonders hervorzuheben, wird er durch
einen feinen, schwarzen Kreis deutlich vom Hintergrund abgegrenzt.
Wenn man das Antlitz des Auferstandenen aufmerksam betrachtet, wird
man unwillkürlich an die Bilder erinnert, welche in den dreißiger
Jahren - zur Zeit der Herstellung dieses Farbfensters -
veröffentlicht wurden und die durch besondere chemische Verfahren
gewonnene Abbildung des Antlitzes auf dem berühmten
Turiner Leichentuch
sichtbar machten. |
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Geblendet vom Licht, oder auch gelähmt vor Schreck, liegt ein
Wachsoldat am Boden. Gegen die göttliche Allmacht hatten selbst die
eisernen Rüstungen und Helme keinen Schutz geboten. |

Links von der Auferstehung kommen die frommen Frauen zum Grabe. „Maria
Magdalena, Maria, des Jakobus Mutter, und
Maria Salome hatten
Spezereien
gekauft, um Jesus zu salben. Doch sie fanden das Grab leer ... " Die
Gefühlsregungen der drei Frauen werden vor allem durch das "Spiel der Hände"
wiedergegeben; sie sind zur Anbetung gefaltet, vor Überraschung gekreuzt und
als erklärender Hinweis gestikulierend als ob die Überraschung ihnen die
Sprache verschlagen hätte.


Auf
der rechten Seite der Auferstehung stehen die römischen Soldaten. Im Gegensatz
zu den frommen Frauen, die ergriffen das Ereignis zu begreifen versuchen,
herrscht bei den Soldaten sichtliche Verwirrung. Longinus hält die
überdimensionale Lanze, die sich über die ganze Bildhöhe erstreckt. Auf seinem
Gesicht spiegelt sich unbegreifliches Erstaunen, denn mit seiner
Lanze
hatte er doch die Seite des Gekreuzigten geöffnet! Interessant sind auch die
Uniformen, die bis hin zu den aus Lederriemen gebildeten Sandalen beschrieben
werden.


Das
linke Fenster im fünfteiligen Zyklus auf der Südseite schildert die
Himmelfahrt
Jesu. Die Bibel berichtet: "Am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung ging
Jesus mit seinen Jüngern zum Ölberg; während er sie segnete, wurde er vor ihren
Augen emporgehoben und fuhr in den Himmel auf. Die Apostel schauten ihm nach,
bis eine Wolke ihn ihren Blicken entzog." Im Leuchtfeuer eines gegen den
Himmel richtungweisenden Gnadenstrahls schwebt Jesus schwerelos empor, getragen
von einer Wolke aus spitzen Feuerstrahlen. Während er die Arme bereits zum
Himmelstor erhebt, neigt er sein Haupt - das mit dem göttlichen Kreuznimbus
umgeben ist - zu einem letzten Abschiedsgruß.

Eigentlich müsste die Himmelfahrt Jesu - als letzter Akt der Heilsgeschichte -
den Abschluss des Bildprogramms bilden. Doch in Mamer ist diese Apotheose der
Gottesmutter vorbehalten, denn ihre Himmelfahrt bringt das Finale des
Mysterienspiels. Zeitlich gesehen ist dieser Abschluss absolut logisch. Aber
soll hier nicht auch auf die Bedeutung der Gottesmutter hingewiesen werden, die
ja einzig und allein durch ihr Jawort die Heilsgeschichte überhaupt ermöglichte,
so dass die Stellung der Himmelfahrt Mariens als Abschluss einer Bildfolge auch
als besondere Reverenz an die Gottesmutter zu deuten ist? Dieses Schlussbild
zeigt einen ähnlichen Aufbau wie die Himmelfahrt Jesu.
Im Oberlicht des Portalbogens befindet sich seit 1965 eine farbenfrohe
Glasmalerei, die von Mars Schmit (1932-1990)
aus Mamer geschaffen und von
Daisy und
Guy Schmit, seinen Kindern, gestiftet wurde. Trotz seiner abstrakten
Grundhaltung ist die Botschaft dieses Farbfensters sofort erkennbar:
"Und Gott
sprach, es werde Licht, und es ward Licht!"

Fotos: Jos Thiel, 2011
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