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DIE PFARRKIRCHE VON MAMER
Die Glocken

 

Die beiden Kirchtürme sind in drei Stockwerke eingeteilt sind, von denen die beiden oberen mit hochgezogenen Öffnungen versehen sind, welche im oberen Stockwerk als Schalllöcher für die Glockenkammer genutzt werden.

An der Nordseite des rechten Kirchturms ist das Zifferblatt der Turmuhr angebracht, dessen schwarze Zeiger auf weißem Hintergrund aufgemalten Strichziffern weithin sichtbar die Zeit angeben.

Anscheinend besaß Mamer vor der französischen Revolution nur eine Glocke. Irgendetwas Bestimmtes war aber darüber nicht aufzufinden. Die Kirche war jedoch damals ziemlich klein, und es bestand nur ein Turm, wie aus den Katastertabletten des Jahre 1766 hervorgeht. In diesem Turm waren die Glocke und die Turmuhr untergebracht.

Die Zivilverfassung des Klerus (Constitution civile du clergé) von 1790 verbot auch das Läuten der Glocken. 1798 wurde der Munizipalagent Heinrich Styr von Mamer wegen Läutens der Glocken protokolliert.

Das Protokoll vom 25. Messidor An VI (13. Juli 1798) beweist, daß der agent municipal sich wenig um die republikanische Polizei scherte. An dem Tage machten die Gendarmen Thill und Simon eine Streife über die Landstraße Luxemburg-Calais. Sie wurden von einem im Tosenberg aufgestellten Wachtposten signalisiert, und da in Mamer eben ein geheimer Gottesdienst stattfand, ließ Styr zur Warnung die Glocken läuten. Daraufhin schwenkten die Gendarmen ins Dorf ein und erkundigten sich beim agent municipal, weshalb das verbotene Geläute ertöne. Styr entgegnete kurz, das sei auf seinen Befehl geschehen und er lasse die Glocken läuten so oft er Laune dazu habe. Die Gendarmen errichteten nun ein Protokoll, das Styr eine Verwarnung einbrachte.

Gleich darauf wurden die Glocken des Landes von den Republikanern beschlagnahmt und mußten in ein Depot nach Luxemburg abgeliefert werden.

Am 28. Frimaire VII (18.12.1798) richtete der Munizipalagent Nicolas Wahl von Mamer ein Gesuch an den Kommissar Vallée zu Luxemburg zwecks Rückerstattung einer Glocke, um den auf dem Felde arbeitenden Einwohnern die Zeit angeben zu können. Durch Vermittlung des in Mamer wohnenden Generals Morand wurde dieses Gesuch genehmigt und Vallée beauftragte Morand, den Mamern dies mitzuteilen. Mamer und Holzem durften sich eine Glocke im Depot aussuchen.

Die, welche nach Mamer kam, war jedoch nicht dieselbe wie vordem. Sie stammte aus dem Kloster von Andernach und war im Jahre 1517, also zu Luthers Zeit gegossen worden. Sie trug die Inschrift:

Maria heisten ich
in cent J ohanns und Theodulfs eren
luden ich
 

Dederic J ulf von proin gois mich
der her J ohan von Andernach
prior im jare 1517.

Sie soll einen Silberklang gehabt haben, der jedoch zu schwach war, um bis auf die entlegenen Stellen des Bannes zu dringen. Unter dieser Begründung wurde jedenfalls im Jahre 1808 die Anschaffung einer zweiten Glocke von einem Teil der Einwohner gefordert. Die im Dorfe herrschenden Parteizwistigkeiten machten auch aus dieser Neuanschaffung eine Angelegenheit, die viel Staub aufwirbelte und für manchen üble Folgen hatte. Schließlich wurde doch eine Glocke im Depot in Luxemburg für 1200 Franken gekauft.

Diese hatte mancherlei Schicksale, ehe sie nach Mamer kam.

Ihre ersten Klänge ertönten in Trier, von wo sie nach Bauschleiden kam. Als die Revolutionstruppen dort die Glocken rauben wollten, wurde von den Einwohnern Sturm geläutet. Die fremden Eindringlinge wurden angegriffen und zwei derselben erschlagen. Die übrigen flüchteten nach Bondorf.

Ihrem Schicksal entging die Glocke jedoch nicht. Die Franzosen kehrten mit Übermacht zurück, und sie wurde aus ihrer luftigen Höhe gerissen, um ins Sammeldepot nach Luxemburg zu wandern, von wo sie dann nach Mamer kam. Sie trägt die Inschrift: St. Lamberte o. p. n. (ora pro nobis, bitte für uns) und die Jahreszahl 1661. Zu ihrer Abzahlung wurde ein außergewöhnlicher Holzschlag vorgenommen und die Gemeindelohe für 495 Franken verkauft. Die Glocke wiegt 400 kg und läutet in „la".

Am 30. September 1808 wurde der  Erlös vom Verkauf der Gemeindelohe im Betrag von 459 Fr. zur Neuanschaffung einer Glocke verwandt.

Im Jahre 1863 wurde das ganze Glockengeläute erneuert und verstärkt. Die bisherige große Glocke, die Lambertusglocke, wurde beibehalten und als kleine Glocke bestimmt. Eine mittlere Glocke im Gewicht von 550 kg wurde hinzugekauft. Dieselbe läutet in "sol". Diese Glocke wurde von der Kirchenfabrik und Heinrich Freymann (Schmatts Hary bei Pellen) bezahlt. Letzterer gab einen Beitrag von 1100 Franken zum Dank dafür, daß er bei einem nächtlichen Einbruch in seinem Hause Leben und Vermögen retten konnte.

"Freymann hat ferner durch Anlegung eines bedeutenden Kapitals für die Zukunft unserer Nothleidenden gesorgt. Weiter hat er durch seine Freigebigkeit den Impuls zu mancher guten Sache in- und außerhalb der Pfarrei gegeben. So z. B. verdankt Mamer vorzugsweise ihm fein neues prachtvolles Glockenwerk: er bot der Kirche 1000 Fr zur Anschaffung einer neuen Glocke an. Der Fabrikant seinerseits nahm dankbar das Anerbieten an. Nun wollte auch die Gemeinde das ihrige thun, und das Unternehmen wurde mit dem besten Erfolge gekrönt. Im Ganzen verausgabte Freymann während der 15 letzten Jahre nicht weniger als 10,000 Franken zu kirchlichen Stiftungen und zu andern frommen Zwecken." (Luxemburger Wort, 15.01.1867 - den ganzen Artikel lesen)

Die große Glocke im Gewicht von 800 kg wurde von der Gemeinde bezahlt. Zu ihrer Herstellung wurde die eingeschmolzene Andernacher Glocke mitverwendet. Sie kostete außerdem 2120 Fr. und wurde von dem Glockengießer Goussel in Metz gegossen. Sie läutet in "fa".

Die Glocken läuten also zusammen in la, sol, fa. Anfangs hingen die zwei kleinen im rechten, die große im linken Turm. Da dies jedoch Schwierigkeiten beim Läuten verursachte, wurden alle Glocken im rechten Turm untergebracht.

Die Glocken hatten in früheren Zeiten noch andere Dienste zu leisten als die Gläubigen zum Gottesdienste zu rufen. Sie dienten besonders dazu, den auf dem Felde arbeitenden Einwohnern die Zeit anzugeben und standen zu dem Zweck mit der Turmuhr in Verbindung. Die Wichtigkeit der Turmuhr geht daraus hervor, daß von der Gemeinde ein besonderer Aufseher für dieselbe bestellt wurde. Am 24. März 1807 wurde Etienne Mertens mit diesem Amt betraut und erhielt als Besoldung die Nutznießung einer Gemeindewiese "op Bredebach". Im Oktober 1834 fand die belgische Regierung, der Mamer damals unterstellt war, die Ausgaben für Wartung der Turmuhr zu hoch und forderte den Gemeinderat auf, dieselben herabzusetzen. Dieser wies jedoch auf den großen öffentlichen Nutzen dieser Einrichtung hin, wodurch die betreffenden Kosten voll und ganz gerechtfertigt seien. Im Gemeindebudget von 1851 befindet sich ein Posten von 30 Franken und im Jahre 1859 von 35 Franken für Unterhalt der Turmuhr.

Bei der Erneuerung des Glockengeläutes im Jahre 1863 wurde die Uhr nicht mehr in das Glockenspiel einbezogen. Seither verrostet dieselbe im linken Turm. Wann dieses Uhrwerk angeschafft und von wem es gebaut worden war, ist nicht bekannt. Leider ist es heute nicht mehr vorhanden, so dass ein markantes Beispiel ehemaliger Handwerkerkunst wohl für immer verloren sein dürfte.

 


Am 7. Januar 1819 erhält Vikar Stümper  die Summe von 12 Gulden von der Gemeindeverwaltung zurück,
welche er zum Unerhalt der Kirchturmuhr vorgestreckt hatte.

Als Abschluss der Renovierunsarbeiten 1931/32 erhielt das Glockengeläute eine elektrische Anlage, deren technische Einrichtung die verschiedenen Geläute auf bequeme Art ermöglichte.

Auf Betreiben des Pfarrers Balthasar Bourggraff (1950-57) wurde im Jahre 1953 eine elektrisch betriebene Turmuhr angeschafft, deren Zifferblatt an der Außenmauer des zur Nordseite stehenden Turmes angebracht ist. Die Uhr wurde von der Gemeindeverwaltung, das Zifferblatt von der Kirchenfabrik gestellt. Die Uhr ist eine sogenannte "horloge mère" Brillié Type 1570 und kostete 20600 Franken. Das Zifferblatt kostete 8684 Franken. Der Gang der Uhr ist automatisch geregelt. Die ebenfalls neu erstellte automatische Regelung des Glockengeläutes kostete 7880 Franken.

Bis gegen 1885 zeigte die "Lompeklak" an Sonn- und Feiertagen die Schließungsstunde für die Schenken an. Dieselbe ertönte um 10 Uhr abends, und wer als solider Mann gelten wollte, trachtete einige Minuten vorher am heimatlichen Herd zu sein.

Bis um dieselbe Zeit erhielt sich auch das Läuten der Wetterglocke. Dieselbe wurde beim Heraufziehen eines Gewitters geläutet, um durch den Schall der geweihten Glocke die drohende Gefahr von Dorf und Bann fernzuhalten.

Obwohl viele es nicht gewagt hätten, im Toben der entfesselten Naturkräfte nächtlicherweise in den Turm zu gehen, erhielt der Wetterläuter doch eine karge Besoldung. Einmal im Jahre durfte er von Haus zu Haus seinen Lohn einziehen, hier einige Bund Stroh, dort ein paar Sous, oder sonstige Naturalien. Charles Frisch, Hentes Charel vom Knepgen, der nahezu 100 Jahre alt wurde, läutete als letzter die Wetterglocke.

Am unheimlichsten aber ertönte der Klang der Feuerglocke in den Ohren der Einwohner. Als noch die Mehrzahl der Häuser mit Stroh gedeckt waren und das Versicherungswesen fast unbekannt war, konnte ein Brand leicht zur schlimmsten Katastrophe werden, wie es der Brand von 1808 bewies. Sobald daher das Wimmern der Feuerglocke den Ausbruch eines Brandes anzeigte, eilte alles vom Felde und aus dem Walde dem Dorfe zu, um dem verheerenden Elemente zu wehren.

1935, 6. September – Gemeinderatssitzung - Verschiedenes. Gen. Trausch protestiert gegen die Anwendung von zweierlei Behandlung bei Begräbnissen. Es war bis jetzt Gebrauch, dass die Glocken während dem Begräbnisse läuteten. Vor kurzem wurde eine arme Frau zu Grabe getragen, wo dies jedoch nicht der Fall war, obschon das elektrische Glockenspiel funktionierte. Die Reklamation wird weitergeleitet.  (ganzen Artikel lesen).

1973 wurde eine neue Glocke eingeweiht, die der Gottesmutter Maria geweiht war, und die alte Lambertus-Glocke ersetzte, die im August 1972 einen 20 cm langen Riss im unteren Glockenmantel erhalten hatte und unbrauchbar geworden war. Die Finanzierung dieser Arbeiten in Höhe von 1,1 Mio. F wurde von der Pfarrgemeinde übernommen, dank einer alljährlich wachsenden Beteiligung von 70.000 F im Jahre 1968 bis auf 260.000 F im Jahre 1973.


Quellen: Nik. Flener-Delcourt, Aus der Geschichte der Ortschaft Mamer. Herausgegeben von der Gemeindeverwaltung bei Gelegenheit der 1000-Jahr-Feier von Mamer im Jahre 1960,  Ss. 129-132. Mit Verbesserungen und Ergänzungen. Von Flener angegebene Quellen: Regierungsarchive: Régime français, Pfarrbuch, Gemeindearchive.

Norbert Thill, Mamer Pfarrkirche, in: Heimat und Mission. – Clairefontaine, Jg. 77 (2003), Nr. 9/10, p. 1-24; Jg. 77 (2003), Nr. 11/12, p. 25-44; Jg. 78 (2004), Nr. 1/2, p. 45-68; Jg. 78 (2004), Nr. 3/4, p. 69-88, ill.

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