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DER
INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE
DER HAUPTALTAR
Der mächtige, hoch
aufstrebende Hauptaltar weist sowohl in seinem Ausmaßen als auch in seiner
Ausstattung auf seine Bedeutung als Wohnsitz des Hausherrn hin, dies umso mehr,
als er direkt unter dem eleganten, weit gespannten gotischen Netzgewölbe
aufgestellt ist, das optisch die Wirkung eines versteinerten Baldachins
ausführt. Hier begegnen sich zwei Stile, die wohl zwei Jahrhunderte auseinander
liegen - das Netzgewölbe wurde 1541, der Hauptaltar 1732 geschaffen - aber
dennoch ein harmonisches Zusammenspiel zuwege bringen.
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Das gotische Kreuzgewölbe aus dem Jahr 1541 |


Der Hauptaltar im Jahr 1970 (Foto: Marcel Schroeder), in
[Stoffel 1988]
Vol I., S. 45, Nr. 131.
1972 entfernte der örtliche Schreinermeister
Jean-Pierre Godar auf Vorschlag der kirchlichen Kommission alle neobarocken
Zutaten, die seit 1960 angefügt worden waren wie das
Antependium, das
Tabernakel und das eigenartige
Ornament der Bekrönung. Erhalten blieben lediglich die originalen Barockelemente
wie die
korinthischen Säulen, die
Predella-Postamente,
die unteren und oberen Seitenornamente,
Kranzgesimsteile,
sowie zwei geschnitzte, mit Blumen gefüllte Vasen.

Foto aus [Salentiny
1983, S. 102]
Die beiden
Giebelsegmente, die nun ohne eigentliche Daseinsberechtigung in den leeren Raum
hinauf ragten, unterstützten den Eindruck einer sinnlosen Verstümmelung. Die
Hauptnische des Hochaltars wurde mitsamt der Statue entfernt und durch einen
dunkelbraunen, mit senkrechten Falten verzierten Vorhang ersetzt. Dieser diente
als Hintergrund für ein Email-Kreuz, das vom Kunstschmied Henri Wendel aus
Cessingen gefertigt wurde, der auch ein neues kubisches
Ziborientabernakel
lieferte, dessen Türen mit Traube und Ähre auf sattblauem Hintergrund als
Symbole für die Eucharistie geschmückt waren.
Diese Umänderung
war umso unbegreiflicher, als es sich bei der in der Altarnische ausgestellten
Statue um den Kirchenpatron
St. Johannes der
Täufer
handelte.
Von den beiden
Seitenornamenten gehörten die unteren, etwa ein Meter langen Teile zu dem
früheren Altaraufsatz, der während der 1956-1960 durchgeführten Renovierung
entfernt worden war. Diese beiden, unteren Seitenornamente waren kopfüber
angebracht. Die fehlenden Architekturteile wurden durch einfache, in Eichenholz
geschnitzte Motive ergänzt.
Antependium
und Tabernakel, die während der 1956-60 erfolgten Restaurierung am Hochaltar
eingefügt worden waren, wurden 2002 wieder entfernt und durch stilgerechte, nach
barocken Vorbildern angefertigte Neuschöpfungen ersetzt. An Stelle der am
früheren Tabernakel angebrachten, in Email ausgeführten Traube und Ähre als
Sinnbilder der Eucharistie erhielt das neue Tabernakel als Ornament eine
fächerartig sich entfaltende Blumenkrone.

An Stelle der
entfernten Altarnische - in der sich ehemals eine Statue des Kirchenpatrons
befand - wurde eine Kopie des Altarbildes aus der Kapelle des „Hospice civil"
aus Pfaffenthal eingesetzt.
Dieses
Altarbild, ein Werk des 1743 verstorbenen Lütticher Malers
Louis Counet,
schildert die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan. Auch in der Kopie
kommen die einzelnen Bildteile wie die individuelle Charakterisierung der bei
den Gestalten, der Taufakt, die Hand mit dem Taufwasser, die im Schein des
feurigen Sonnenlichtes heranschwebende Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes,
und nicht zuletzt die Jordanlandschaft, gut zur Geltung.
Siehe ebenfalls:
Sankt Paulin - Denkmal Louis Counet
Barockmalerei an Maas und Mosel - Louis Counet und die Lütticher Malerschule
Das Altarbild wird auf beiden Seiten von zwei
markanten Säulen flankiert; sie stehen auf einem Sockel, der von zwei
rechteckigen, hochgestellten Würfeln gebildet wird. Die Seiten der Würfel sind
mit vollplastischen, rot leuchtenden Rahmen verziert, deren dunkle Bildflächen
auf den hell marmorierten Würfelseiten sehr gut zur Geltung kommen. Um die
Eintönigkeit der dunklen Säulen etwas zu beleben, wurden goldene Streifen
aufgemalt, die wohl die Maserung des Materials darstellen sollen.
Die abschließenden seitlichen
Blumengehänge, wirken infolge ihrer reichen
Polychromierung wie Girlanden aus paradiesischen
Gefilden wirken. Bei genauer Analyse meint man den stilisierten Kopf eines
Fabeltieres zu erkennen, dessen Körper von einer
abgeplatteten
Volute mit
Akanthusblättern gebildet wird.
Die Säulen tragen
Kompositkapitelle - eine Mischung aus markanten
Spiralen aus
ionischen und Akanthusblättern
aus
korinthischen
Kapitellen - welche das ineinander verschachtelte Gebälk der Altarbekrönung
abstützen.
Nicht minder effektvoll ist der Aufbau der Altarbekrönung.
Der Bildschnitzer muss wohl eine besondere Freude am floralen Schmuck gehabt
haben, denn selbst für diesen entlegenen, zweitrangigen Altarbereich schuf
er ein Festival von barocken Formen und Farben.
Die
Bekrönungsnische ist von einem reichen Blumenschmuck umgeben; ihre beiden
Seitenleisten, die von gekuppelten Volutenbögen gestützt werden, sind mit
Blumengirlanden behangen. In der Nische steht eine Statue des
hl. Sebastianus,
die älteren Datums zu sein scheint und aus der Kirche von 1541 stammen
dürfte.

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