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DER
INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE
EINLEITUNG
Anmerkung:
Die Beschreibung der Mamer Pfarrkirche basiert im wesentlichen auf dem Text
von Norbert Thill, Die Mamer Pfarrkirche, in: Heimat und Mission, Jg. 77
(2003), 9/10, SS: 1-24; Jg. 77 (2003), 11/12, SS: 25-44; Jg. 78 (2004), 1/2, SS:
45-68; Jg. 78 (2004), 3/4, SS: 69-88 [Thill
2003] und wurde an einigen Stellen ergänzt und verbessert. Falls
nicht anders angegeben, stammen die Fotos von Norbert Thill aus
[Thill 2003].
Quellen:
[Flener 1960]
Nik. Flener-Delcourt, Aus der Geschichte der Ortschaft Mamer.
Herausgegeben von der Gemeindeverwaltung bei Gelegenheit der 1000-Jahr-Feier von
Mamer im Jahre 1960, Ss. 104-110.
[Langini 2003]
Alex Langini, Die Kirche in Mamer: seit mehr als tausend Jahren, in: Die
Warte. - Luxembourg. - Année 55(2003), n° 16 = n° 2036 (8. Mai), p. [3], ill.
[Salentiny 1983]
Joseph Salentiny, Die Pfarrkirche in Mamer, in: Chorale Sainte-Cécile
Mamer 100e anniversaire, Luxembourg, 1983. – Ss. 90-104.
[Staud 1932]
Richard Maria Staud, Die Pfarrkirche von Mamer,
in:
Luxemburger Wort vom 21.09.1932,
S. 1.
[Thill 1983]
Norbert Thill, Organographische Spiegelbilder, in: Chorale Sainte-Cécile
Mamer, 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983, Ss. 109-123.
[Wilmes 1983]
Henri Wilmes, Aus der Vereinschronik der Chorale Sainte-Cécile Mamer, in:
Chorale Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg
1983, Ss. 17-67.
Kierch Mamer
http://lb.wikipedia.org/wiki/Kierch_Mamer
Parverband Mamerdall - Kirche Mamer
http://www.pvmamerdall.cathol.lu/pages/kierchen/mamer/mamer.html
Die
Umbau- und Vergrößerungsarbeiten von 1931/32 haben der Mamer Pfarrkirche ihr
heutiges imposantes Aussehen verliehen. Durch die Neugestaltung des Innenraumes
hatte auch dieser einen repräsentativen Charakter erhalten, der den durch das
äußere Architekturbild geweckten Erwartungen entsprach.
Die
beträchtlichen Gesamtkosten für die Innenausstattung der Kirche einschließlich
der künstlerischen Fenster, der Dekoration und der Elektrifizierung der
Glockenanlage beliefen sich auf 195.000 F. An Hand eines soliden Geldfonds, der
von früheren Seelsorgern angelegt, und unter Pfarrer Michel Urwald durch die
großzügigen Spenden der Pfarrangehörigen beträchtlich aufgestockt worden war,
standen die erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung.
Am
12. Juni 1931 waren die Vorarbeiten beendet, so dass mit dem Umbau der Kirche
begonnen werden konnte. Diese wurde geräumt, und die Gottesdienste wurden in den
Pfarrsaal verlegt. Die Arbeiten gingen derart schnell voran, dass der erste
Gottesdienst in der neuen Kirche bereits an Christi Himmelfahrt des Jahres 1932
stattfinden konnte - es war die Erstkommunionfeier! Seit dem 26. Juni 1932 -
Fest des Kirchenpatrons
St.
Johannes Baptista
- fanden sämtliche Gottesdienste wieder in der Kirche statt. Am Donnerstag, 22.
September 1932 wurde die Kirche von Bischof Pierre Nommesch (1864-1935)
eingeweiht; an der Feier nahmen 24 Geistliche, Gemeinde und Kirchenrat, die
Feuerwehrmusik und die Pfarrangehörigen teil.
Anlässlich der
Einweihung der restaurierten Pfarrkirche von Mamer am 22 September 1932 schreibt
Diözesankonservator
Abbé
Dr.
Richard Maria Staud (1892-1970) [Staud 1932]
in einem Artikel im
Luxemburger Wort vom 21.09.1932:
„Wer die
alte Kirche von Mamer vor dem Umbau gekannt hat, wird sich des lastenden
Eindrucks der niedrig hängenden Gewölbe erinnern. Es war so ziemlich der einzige
Eindruck, den man aus dieser Kirche mitnahm. Durch die Senkung des Kirchenbodens
um einen vollen Meter wurde zunächst ein besseres Raumverhältnis erzielt; dann
aber kommt durch die Tieferlegung des Schiffes das Chor zu einer beherrschenden
Wirkung, die zu den erfreulichsten Ergebnissen des Umbaus gehört.
Gewonnen
wurden an Bodenfläche über zweihundert Quadratmeter, sodaß die Kirche nach dem
Umbau mehr als das Doppelte der früheren Bodenfläche umfaßt. Während in der
alten Kirche über vierhundert Plätze vorhanden waren, sind es nun siebenhundert.
Die
befreiende Weiträumigkeit des neuen Querhauses wird erhöht durch die Behandlung
der inneren Wandflächen mit Silin-Edelputz. Besonders die Gewölbe mit ihren
steingelben Rippen wirken wegen ihrer schlichten sachlichen Klarheit überaus
wohltuend.
In
diesem unaufdringlichen Architekturrahmen des Querschiffs kommen die prächtigen
Glasmalereien restlos zur Geltung: Ueber dem neuen Eingangsportal ein
dreiteiliges Hauptfenster mit einem Weihnachtsbild und zwei Seitenfenster, Maria
Verkündigung und Maria Heimsuchung, alle aus der Luxemburger Glasmalerwerkstatt
der Brüder Linster (Mondorf).
Es sind
köstliche Gestalten von Schiestl’scher Innigkeit und Lieblichkeit, schimmernd
und leuchtend in farbiger Glut. Gegenüber aus der altbekannten Trierer
Werkstätte Binsfeld (Dir. Dornoff) die Auferstehung Christi, seitlich Christi
Himmelfahrt und Maria Himmelfahrt. Es ist eine andere Art der Auffassung und
Darstellung, weniger naturhaft und darum dem ungewohnten Blick sich nicht sofort
erschließend, aber raffiniert in der Technik, besonders der Ueberfanggläser. In
der dekorativen Wirkung ganz ausgezeichnet.
Die
wirkungsvoll gestaltete Taufkapelle erhält ihr Licht durch vier kleinere Fenster
(aus der gleichen Werkstatt), im Gegensatz zu den anderen in kühleren Tönen
gehalten, in der künstlerischen Qualität gleichwertig.
Sehr
gepflegt sind die Marmorarbeiten der Firma Jacquemart: Taufstein (nach Entwurf
des Architekten), Kommunionbank, Weihwasserbecken, Treppen und Fries.
Der als
Künstler mehrfach hervorgetretene Kunstschmied M. Haagen lieferte die
Kupferarbeiten. Es sind die Umkleidungen in gehämmertem Kupfer der beiden
Stützpfeiler des Triumphbogens, vier kleinere Pfeiler der Taufkapelle in
gleicher Technik, ferner die getriebenen Wappen Papst Pius XI. und des
hochwürdigsten Herrn Bischofs, sowie das reiche Kupferdach des Taufsteins mit
der Taufe Christi als sehr gutem figürlichem Abschluß.
Eindrucksvoll stellen die Verbindung zur alten Kirche her die drei Altäre und
die Kirchenmöbel in ihrer neuen Fassung, richtige Prachtstücke spätbarocker
Landkirchenkunst.
Meister
K. Wilhelmy, der auch die Ausmalung des Chores besorgte, hat das Holz in
mühevoller Arbeit von der saekularen Oelkruste befreit, gebeizt und die Konturen
mit anerkennenswerter Zurückhaltung vergoldet, sodaß man an diesem Mobiliar
ungetrübte Freude haben muß.
Das
teilweise beschädigte Chorgestühl, Rokoko, wurde recht gut als Wandvertäfelung
des Chores konstituiert.
Zu
diesem Mobiliar stimmt nun auch der schon früher restaurierte alte Kreuzweg mit
seinem guten barocken Holzrahmen von Bildhauer M. Jungblut (Remich).
Die
Arbeiten begannen im Mai 1931. Der erste Gottesdienst — es war die
Erstkommunionfeier — konnte an Christi Himmelfahrt dieses Jahres gehalten
werden. Seit dem Fest des Kirchenpatrons St. Johannes Baptista, wurde nach
vorläufiger Einsegnung wieder der gesamte Gottesdienst in der Kirche gehalten.
Die Kosten des Umbaues belaufen sich einschließlich Platzgestaltung auf
sechshunderttausend Franken, die von der Gemeinde aufgebracht werden. Dazu
kommen noch die freiwilligen Gaben für die innere Ausstattung der Kirche.
Das
Unternehmen war nicht leicht, und wenn die Pfarrangehörigen von Mamer sich ihrer
Opfer nun freuen dürfen, so dürfen es vor allem die, welche durch unsagbare
Schwierigkeiten unbeirrt, den einmal als richtig erkannten Plan mit ruhiger
Festigkeit zu Ende führten.“
Um
den Kirchenraum den Richtlinien der neuen Liturgiebestimmungen anzupassen,
wurden nach dem zweiten Weltkrieg während den Amtszeiten der beiden Pfarrer
Balthasar Bourggraff (1950-1957) und Jean Legros (1957-1966) im Laufe der Jahre
1956-60 verschiedene, tief greifenden Umänderungen an der Raumausstattung
vorgenommen, die ganz sicher gut gemeint waren. Unbegreiflich war allerdings,
dass einzelne Stücke des wertvollen Kirchenmobiliars teilweise umgeändert und
dadurch so entstellt wurden, dass ihre Authentizität verloren ging.
Als
im Jahre 1988 der 1941 in Ettelbrück geborene und 1968 zum Priester geweihte
Abbé Alphonse Lichter zum Dechanten in Körich und zum Pfarrer in Mamer ernannt
wurde, erfolgten ab 1995 die Vorbereitungen und anschließend die Ausführung
einer durchgreifenden, mit großer Sachkenntnis geplanten, und mit einer
beispielhaften Gewissenhaftigkeit ausgeführten, Restaurierung der Pfarrkirche
von Mamer, die unter der Leitung des 1998 nach Mamer ernannten, 1948 in
Ettelbrück geborenen und 1974 zum Priester geweihten Abbé Martin Molitor mit
einem überzeugenden Resultat zu Ende geführt wurde.
Das
Hauptziel dieser umfangreichen Arbeiten bestand in der Wiederherstellung des
originalen Zustandes des Kirchenraumes, und vor allem in der Renovierung des
verstümmelten resp. veränderten historischen Mobiliars, und in der Beseitigung
der meist unverständlichen Umänderungen und unnützen, stilwidrigen Zutaten, die
im Laufe der letzten Jahrzehnte an der Inneneinrichtung vorgenommen worden
waren.
Es
ist deshalb allen für die letzte Restaurierung der Mamer Pfarrkirche
Verantwortlichen hoch anzurechnen, dass sie sich - konzessionslos und
kompromisslos - um eine stilgerechte Restaurierung bemühten, deren Erfolg
allgemeine Zustimmung, Anerkennung und Bewunderung findet.
Es
gibt nicht viele Kirchen, die eine derart bewegte Geschichte aufweisen und aus
derart vielen, verschiedenen Elementen bestehen, die aber durch eine glückliche
Restaurierung zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen, obschon die Einzelteile
dennoch erkennbar bleiben. So bildet die Mamer Pfarrkirche eine Kulturbrücke,
die mehrere Jahrhunderte Kunstgeschichte miteinander verbindet.
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