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DER INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE

DER KIRCHENSCHATZ


 

In den Tresoren hat sich im Laufe der Zeit eine beachtliche Zahl von liturgischen Gefäßen angesammelt, die nach barocken, neoromanischen, neogotischen und neuzeitlichen Stilformen geschaffen wurden.

Einige Gegenstände tragen den Stempel des Goldschmiedes, andere eine eingravierte Stiftungsinschrift mit Jahreszahl; aber auch die anonymen Gegenstände verdienen wegen ihrer meisterhaften Verarbeitung und ihren kunstvollen Verzierungen eine Erwähnung.

Zu den besonders wertvollen Objekten zählt die prunkvolle Barockmonstranz, die 1742 vom Goldschmied Johannes Michael KUTZER (±1700-1765) geschaffen wurde. Aus einem ovalen Fuß, dessen Felder mit herausgestanzten, üppigen Fruchtgehängen verziert sind, wächst ein mit einem griffigen Knauf verzierter Stiel als Tragsäule für das imposante Gehäuse. Die mit einem Strahlenkranz umgebene Lunulla wird von zwei geflügelten Engeln bewacht, die sich auf einer geschweiften Fruchtkonsole niedergelassen haben.

Bei eingehender Analyse wird in Bezug auf Haltung und Gewandung eine ungemein starke Individualisierung der beiden Engel festgestellt, aus nächster Nähe betrachtet werden die von der jeweiligen Persönlichkeit individuell geprägten Gesichtszüge erkennbar.


Über den beiden Engeln schweben zwei geflügelte Putten; sie tragen die Krone, unter welcher der hl. Geist in Form einer Taube, umgeben von einem strahlenden Feuerschein, schwebt.


Über der Krone befindet sich die Erdkugel, die von zwei weiteren Engeln getragen wird. Diese Erdkugel ist eine verkleinerte Nachbildung der Kugel aus den Reichsinsignien des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation". Die Erdkugel dient als Konsole für das Kreuz mit dem Gekreuzigten.

Vier Strahlenbündel zu je vier Strahlen bilden ein zweites Kreuz, das als Schrägkreuz (Andreaskreuz) in das Hauptkreuz integriert ist. Bei näherer Betrachtung werden faszinierende Feinheiten einer meisterhaft beherrschten Goldschmiedekunst erkennbar, die hier bis an die Grenzen des überhaupt Machbaren geführt wird. Über dem Gekreuzigten ist die entrollte Inschrift INRI befestigt, deren Buchstaben, trotz der winzigen Ausmaße, entziffert werden können. An den Enden der drei Kreuzesbalken haben sich geflügelte Putten niedergelassen, die erst durch konzentrierte Betrachtung als solche erkannt werden. Absoluter Höhepunkt des Kunstwerks ist die etwa 2 cm große, aus Silber gefertigte Gestalt des Gekreuzigten.


 

Unter den Kelchen befinden sich einige bemerkenswerte Exemplare, wie sie wohl kaum ein zweites Mal in unserm Lande vorhanden sind.

Ein Kelch mit opulenten, barocken Formen zeigt auf seinem Fuß auffallende Kontraste zwischen betont flachen Partien und gewölbten Ornamenten; die Fassung seiner Kuppa ist mit wellenförmig ausschwingenden Rillen verziert.


Zwei Kelche in neogotischen Stilformen zeigen in ihren Grundformen zwar denselben Aufbau, sind aber in ihren Verzierungen grundverschieden. Wohl zeigen die sechs Lappen ihrer Füße filigrane Gravuren, die bei einem der beiden Objekte biblische Szenen wie z. B. die Kreuzigung, bei dem anderen Kelch aber die vier Evangelisten mit ihren Attributen darstellen. Die vier Evangelisten erscheinen in jeweils individuellen, charakteristischen Haltungen und Gewandungen. Unter der Lupe kommt die faszinierende Feinheit der Gravuren zum Vorschein.


Die elegant nach oben auswachsenden und sich verjüngend ausschwingenden Lappen vereinigen sich in einer Konsole, die entweder mit gotischem Maßwerk und durchbrochener Bogenornamentik verziert ist, oder aus einem umlaufenden Fries aus vollplastisch geformten, betenden Engeln bestellt.

Der Knauf und die Fassung der Kuppa werden bei bei den Kelchen von einem geflochtenen, durchbrochenen Rankenwerk gebildet, das auf den ersten Blick hin als identisch bezeichnet wird, nach einer vergleichenden Analyse aber als völlig verschieden erkannt wird.


Auf der Unterseite eines Kelchfußes ist auf dem äußeren umlaufenden Band die Inschrift eingraviert: CALIX ECCLESIAE PAROCHIALIS IN MAMER 1905.


 

In der Vielfältigkeit der Kelchformen haben die Goldschmiede den Beweis erbracht, dass der menschlichen Erfindungsgabe keine Grenzen gesetzt sind. So sind drei Kompartimente des Kelchfußes mit Gravuren verziert, die gerade wegen ihrer geringen Ausmaße auf den großen, spiegelnden Flächen einen besonders großen Stellenwert erhalten, während auf den anderen drei Kompartimenten vierlappige Silbermedaillons aufgesetzt sind, welche wichtige Episoden aus der Heilsgeschichte beschreiben wie z.B. die Geburt des Jesuskindes, die Taufe Jesu im Jordan und die Kreuzigung auf Golgatha.

Bei eingehender Analyse wird in Bezug auf Haltung und Gewandung eine ungemein starke Individualisierung der beiden Engel festgestellt, aus nächster Nähe betrachtet werden die von der jeweiligen Persönlichkeit individuell geprägten Gesichtszüge erkennbar.

Bemerkenswert ist auch der Knauf mit den hervorstehenden Knospen, die mit floralen Motiven verziert sind.

Auf der Unterseite des Fußes berichtet eine umlaufende Inschrift, dessen Chronogramm die Jahreszahl 1938 (MCMXXXVIII) ergibt:

MAMER 1917-1938
PAROCHIA MICHAELI VRVVALD
SVO IN VIGINTI VNO ANNIS PAROCHIO

Bei diesem Kelch handelt es sich um ein Geschenk, das die Pfarrei Mamer ihrem Seelsorger Michel URWALD bei dessen Abschied 1938 als Dank und Anerkennung für seine erfolgreiche, 21 Jahre lange Tätigkeit überreichte, Nach dessen Tode im Jahre 1955 kam der Kelch nach Mamer zurück und gehört seither zum Kirchenschatz.


Zu den besonderen Kostbarkeiten gehört eine goldene Patene, Sie zeigt im Spiegel auf der Unterseite in feinster Gravierung das aus geschlossenen Blumenkelchen gebildete Christusmonogramm IHS sowie, als Passionssymbole, ein Herz mit drei Nägeln, Diese Motive sind mit einem umlaufenden, geflochtenen Wolkenband umgeben.

Bei eingehender Analyse wird in Bezug auf Haltung und Gewandung eine ungemein starke Individualisierung der beiden Engel festgestellt, aus nächster Nähe betrachtet werden die von der jeweiligen Persönlichkeit individuell geprägten Gesichtszüge erkennbar.

Die Stempel auf der Fahne des Tellers auf der Unterseite der Patene weisen diese als eine ältere Arbeit eines Pariser Goldschmiedes aus, Als Stempel des Steuerpächters Antoine Lechaudel zeigt die Patene ein gekröntes "A" für Paris, wo dieses Zeichen von 1744-1750 gebraucht wurde. Der Stempel der Gilde der Goldschmiede zeigt eingekröntes "D", das auf das Jahr 1744/45 hinweist, so dass Alter und Herkunft der Patene ziemlich sicher bestimmt werden können.


 

Aber auch in unserer Zeit ist es möglich, zeitlose Kunstwerke zu schaffen, wie z. B. die beiden Becher, die an Stelle der kunstvoll gearbeiteten Kelche benutzt werden, und gerade wegen ihren einfachen Formen an den Kelch erinnern, der beim Letzten Abendmahl benutzt wurde.

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