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DER INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE

DIE LITURGISCHEN GEWÄNDER


 

Gemessen an der jahrhundertelangen Geschichte der Pfarrei besitzt die Kirche keine antiken liturgischen Gewänder. Zwar wäre es durchaus möglich, dass früher kostbare Gewänder vorhanden waren, welche der kunstvollen Ausstattung des Kirchenraumes entsprachen, dann aber den Bilderstürmen zum Opfer fielen.

Die vorhandenen Gewänder doch bemerkenswert, auch dann, wenn es sich nicht ausschließlich um handgestickte, sondern um maschinell hergestellte Gewänder handelt.

Sehr anspruchsvoll ist das auf eine goldglänzende Kasel aufgesetzte Kreuz, das von einem Rankenwerk mit roten, voll entfalteten Blumen und Früchten umgeben ist. Interessant ist, dass die Füße nicht übereinander, sondern nebeneinander angenagelt sind, so dass hier vier Nägel gebraucht wurden, die mit silbern glänzenden Köpfen versehen sind. Unter der Lupe kommt die Feinheit der eingestickten Blutstropfen und der Zehennägel zum Vorschein.


Eine ähnliche Darstellung findet sich auf einem roten, mit Goldfaden gestickten Kreuz, das auf eine schwarze Totenkasel aufgesetzt ist. Sehr eindrucksvoll ist das Antlitz des Gekreuzigten, dessen Haupt mit der Dornenkrone gekrönt und von einem goldenen Heiligenschein mit eingeblendetem, rotem Nimbuskreuz umgeben ist.



Auf der Kapuze eines Chormantels blickt Christus aus dem Zentralmedaillon, das von vier Blumenmedaillons umgeben ist, welche auf die vier Evangelisten hinweisen. Auch hier ist das Haupt vom Kreuznimbus umgeben. Bemerkenswert sind die Augenpupillen, die das Tageslicht reflektieren.



Sehr eindrucksvoll ist auch eine gestickte Verkündigung. Unter der im goldenen Himmel schwebenden weißen Taube als Symbol des hl. Geistes bringt Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die Frohbotschaft. Maria, die in einem Erbauungsbuch gelesen hat, erweist sich mit demutsvoll gekreuzten Händen als "Dienstmagd des Herrn". Zu beachten ist das mit einem Schleier versehene blaue Gewand, dessen Farbenpalette von weiß über hellblau bis zum tiefen Dunkelblau reicht und so der Gestalt eine greifbare Plastizität verleiht. Erwähnenswert ist die feine Goldborte, die den Saum des Schleiers und des Gewandes bildet. Unter dem blauen Gewand trägt Maria ein rotes Kleid, das an den Ärmeln und am Hals sichtbar wird, wo es in einem geflochtenen, goldenen Kragenband abschließt.



Vor einer vergoldeten Wandfläche, die mit roten Fäden in kleine Vierecke aufgeteilt und von einem Kranz aus goldenen Sternblumen auf dunkelblauem Hintergrund umgeben ist, reicht Jesus seinem Lieblingsjünger Johannes das Brot des Lebens. Beachtlich ist hier die plastische Tiefenwirkung der Darstellung, denn die beiden Gestalten sowie die Heiligenscheine sind auf verschiedene, klar erkennbare Ebenen verteilt. Der Heiligenschein Christi besteht aus einem dreifachen, goldenen Strahlenkranz, der mit einem schmalen, goldenen Reifen umgeben ist. Aus diesem goldenen Strahlenkranz leuchtet die weiße Aureole mit rot eingesticktem Nimbuskreuz. Sehr eindrucksvoll ist auch die Detailarbeit des Kelches; auf der Hostie ist das Christusmonogramm IHS erkennbar.



Das
Christusmonogramm IHS finden wir in einer vollplastischen Stickerei auf der Kapuze eines schwarzen Chormantels, der bei Totenfeiern getragen wird. Das aus dem Kreuz hervorsprießende, reich mit Blättern und Blumen verzierte Rankenwerk weist auf die Bedeutung des Christusmonogramms hin: lesus Hominum Salvator  - Jesus Retter der Menschen.



Aus der Tatsache, dass der
Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert, indem er mit seinem Schnabel fest auf die Brust drückt um so die Fische bequemer auswürgen zu können, dabei aber sein weißes Federkleid mit Fischblut rötet, hat sich bereits in der Antike die Fabel entwickelt, dass er sich die Brust aufreißt, um mit seinem eigenen Blut seine Jungen zu füttern. Deshalb wurde er zum Symbol der sich selbst aufopfernden Vater- oder Mutterliebe. Während dieses Motiv in der frühchristlichen Kunst nur selten vorkommt, wird es im Mittelalter zum Symbol des Gekreuzigten. Wir finden dieses Motiv auf der Kapuze eines roten Chormantels, der bei Gedenkmessen für Märtyrer getragen wird. Unter der Lupe kommt die feine Stickerei in allen Einzelheiten zum Vorschein.



Ein "modernes" Messgewand zeigt die unverkennbaren Symbole der Eucharistie: ein schwimmender Fisch trägt einen Korb mit Broten über das Wasser, eine Darstellung, wie sie auch in einem Sakristeifenster zu finden ist.


 

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