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DER INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE

DAS KIRCHENMOBILIAR


Dank der Arbeiten von Georges Schmitt, (1983) Ehrenkonservator am staatlichen Museum, gilt es als sicher, dass die Kanzel, die beiden Beichtstühle und die 3 Altäre aus der Bildhauerwerkstatt der beiden Kunstschnitzer Nicolas Greef (Vater), geboren um 1662, gestorben 1728, und Nicolas Greef (Sohn), geboren um 1695, gestorben 1761, stammen.

Dass Mobiliar fällt vorwiegend in die Schaffenszeit von Nicolas Greef (Sohn), der sich gegenüber seinem Vater durch einen eleganteren Stil auszeichnet.

Dieses wertvolle Kirchenmobiliar, das 1723-38 für die 1721/23 umgebaute Kirche geschaffen worden war, war im Laufe der Zeit - während immerhin zwei Jahrhunderten! - gelegentlich durch neue Farbanstriche "aufgefrischt" worden, wobei die Farbenpalette jeweils dem gerade geltenden Zeitgeschmack angepasst wurde. Zudem waren die verschiedenen Farbanstriche derart unsachgemäß durchgeführt worden, dass die feinen Schnitzarbeiten von verkrusteten Farbschichten zugedeckt wurden.


Das Kircheninnere 1931 (Foto: Lucien Mayer), in [Stoffel 1988] Vol I., S. 43, Nr. 124.

Die drei Altäre, die bei den Beichtstühle und die Kanzel präsentierten sich 1931 in einem derart schäbigen Farbkleid, dass Stimmen laut wurden, das "alte" Kirchenmobiliar einfach zu entfernen und kurzerhand durch ein neues zu ersetzen. Einzig und allein der Einsicht und der Initiative des damaligen Pfarrers Michel Urwald ist es zu verdanken, dass das künstlerisch und historisch wertvolle Kirchenmobiliar erhalten blieb.

Auf seinen Wunsch hin wurden an den drei Altären (die 1723), an der Kanzel (die 1733) und an den beiden Beichtstühlen (die 1738 im Atelier Greeff in Altwies geschaffen worden waren), mittels scharfer Chemikalien die vorhandenen Farbschichten entfernt und durch einen Ölanstrich mit Vergoldung ersetzt. [Staud 1932] bemerkt: "Meister Karl Wilhelmy hat das Holz in mühevoller Arbeit von der saekularen Ölkruste befreit, gebeizt, und die Konturen mit anerkennenswerter Zurückhaltung vergoldet, so dass man an diesem Mobiliar ungetrübte Freude haben muß. Die drei Altäre und die übrigen Kirchenmöbel, Prachtstücke spät barocker Landkirchenkunst, stellen in ihrer neuen Fassung eine eindrucksvolle Verbindung zwischen den neuen Bauteilen und der alten Kirche her".


Das Kircheninnere 1932 (Foto: Lucien Mayer), in [Stoffel 1988] Vol I., S. 45, Nr. 129.

Das Entfernen der Farbschichten war derart gründlich vom Kirchenmaler Karl Wilhelmy durchgeführt worden, dass auch die unterste, originale, barocke Polychromie verloren ging. Somit wäre die Radikalität dieses Eingriffs als unverständlich und als unverzeihlich zu bezeichnen, und dies nicht nur aus heutiger Sicht. Aber ohne eine genaue Kenntnis der damaligen Sachlage ist es heute nicht möglich, ein gerechtes und objektives Urteil über diesen Eingriff zu fällen.

Als Ausgleich für die verschwundene barocke Farbenpracht des Kirchenmobiliars wurden die Wandflächen der Chorapsis 1931 mit Malereien, und einzelne Teile des Kirchenschiffs wie der Triumphbogen und die Gewölbegurten mit Steinimitationen dekoriert, die allesamt bei der 1956-60 durchgeführten Restaurierung übertüncht wurden.

Auf Initiative des Pfarrers Joseph Eicher, der die Pfarrei von 1966-1987 leitete, wurden mehrere wertvolle Objekte, die während der Ära des Bildersturms aus dem Kirchenraum entfernt und in den Abstellraum verbannt worden waren, wieder in die Kirche zurückgeholt.

Im Vordergrund der Planungen der letzten Restaurierung von 1996/2002 stand die Wiederherstellung der ursprünglichen, farbenfrohen Polychromie des Kirchenmobiliars, welche während der 1931/32 unter Pfarrer Michel Urwald durchgeführten Restaurierung entfernt worden war.

Die barocken Zierelemente, die während der 1956-1960 vorgenommenen Restaurierung von verschiedenen Kirchenmöbeln entfernt wurden, aus dem Kirchenraum verbannt und auf die Speicher der Kirche und der Sakristei ins Exil geschickt worden waren, (wie u. a. wichtige Bestandteile des Hochaltars und die Aufsätze der Beichtstühle) konnten infolge einer gezielten, erfolgreichen Fahndung aufgefunden werden. So konnte der Hochaltar, von dem nur noch wenige authentische Fragmente übrig geblieben waren, wieder rekonstruiert werden.

 Um das wertvolle Kirchenmobiliar, das im Laufe seiner 200-jährigen Geschichte mehrere unheilvolle Restaurierungen erdulden musste, wieder in seinen Originalzustand zu versetzen, waren langwierige, intensive Vorarbeiten erfordert.  

Obschon während der 1931/32 durchgeführten Restaurierungsarbeiten eine mit Hilfe von scharfen, chemischen Mitteln gründliche Entfernung der verkrusteten Farbschichten vorgenommen worden war, konnten dennoch, nach intensiven Untersuchungen, an verschiedenen Stellen der beiden Seitenaltäre, vornehmlich in den schwer zugänglichen, tiefen Rillen der geschnitzten Ornamente, genügend - wenn auch spärliche - Reste von Kreidegrund mit kleinsten Farbpartikeln der originalen Polychromie aufgespürt und nachgewiesen werden, so dass der untrügliche Beweis erbracht war, dass die Kirchenmöbel zu Beginn polychromiert waren. Diese Erkenntnis erleichterte den Entschluss, die ehemalige Polychromie möglichst originalgetreu wieder herzustellen, dies umso mehr, als die vorhandenen Farbspuren genügten, um ein Restaurierungskonzept auszuarbeiten.

Vom 18. bis zum 22. September 1995 hatte die Firma DenkmalConsulting Ochsenfarth aus Paderborn restauratorische Befunduntersuchungen am barocken Kirchenmobiliar, zusammen mit einer Sichtung der Archivalien, durchgeführt, und eine Musterachse am rechten Seitenaltar angelegt.

An diesem Seitenaltar waren Probefelder angelegt worden, um die Wirkung der Polychromie zu Farben im Kirchenraum zu studieren. Auch hier fallen die Vergleiche zwischen dem früheren, materialsichtigen, und dem heutigen, farbenfrohen Zustand unbedingt zugunsten der durchgeführten Polychromie aus.

Auf der Grundlage der vorgefundenen Farbreste wurde ein Aquarell des Josephsaltars als Wiederherstellungsversuches der originalen Polychromie mit Angaben der Farben hergestellt, das dem Kirchenrat Anfang 1996 zur Begutachtung vorgelegt wurde.


Das in Anlehnung an den Josefsaltar angefertigte Aquarell.

Mit diesem Aquarell als Vorlage unternahm der Kirchenrat, zusammen mit Pfarrdechant Alfons Lichter, im späten Frühjahr 1996 eine Studienfahrt zu den Kirchen unseres Landes, in denen Mobiliar aus dem Greeff-Atelier vorhanden ist. Als Wegweiser diente der von Abbé Theophile Walin 1992 veröffentlichte Bildband über das Schaffen der Greeff-Famille. (Théophile Walin, Lily Thill-Beckius, Norbert Thill-Beckius, Greef : Un atelier luxembourgeois de sculpture au 18e siècle. Luxembourg, Ministère des Affaires Culturelles, 1992.)

Die Reise führte vorerst nach Oberkorn, wo allerdings an den beiden Seitenaltären der Pfarrkirche, die 1727 im Greeff-Atelier geschaffen wurden, keine originalen Farben mehr vorhanden waren. Einstimmig wurde der Entschluss gefasst, dass eine ähnliche Polychromierung für Mamer nicht in Frage kommen würde. Auch der Besuch der Greeff-Altäre in den Pfarrkirchen von Ellingen, Frisingen und Remerschen brachte keine Entscheidung. Beim Besuch der Pfarrkirche von Altwies wurde festgestellt, dass am linken Seitenaltar noch originale Greeff-Farben vorhanden waren, die zum ausgearbeiteten Aquarell passten. Hier fiel dann auch die Entscheidung, die Farbenpalette für die neue Polychromierung der Altäre von Mamer auf diejenige des Seitenaltars von Altwies abzustimmen.

Die Altäre von Oberkorn, Ellingen, Remerschen und Altwies, der als Vorlage für Mamer gewählt wurde.

 

Mit der Restaurierung des Mobiliars waren die Arbeiten aber keineswegs abgeschlossen, denn es fehlte noch die Renovierung der Wandflächen, die umso unumgänglicher wurde, als die Gemeindeverwaltung bereits im Jahre 2000 eine aufwendige Erneuerung der Außenwände hatte vornehmen lassen, die seither in einem blendenden Weiß leuchten. Deshalb beauftragte die Kirchenfabrik den Architekten Edmond Decker vom Büro a+u ("architecture et urbanisme") mit der Renovierung der Wandflächen und der Gewölbe des Innenraumes. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde der Chorraum neu gestaltet, die Taufkapelle eine Stufe tiefer gelegt, und die technischen Anlagen wie Heizung, Beleuchtung und Lautsprecher erneuert. Diese Arbeiten wurden im September 2002 begonnen und im Frühjahr 2003 abgeschlossen.

Unbedingt hervorzuheben ist, dass all diese Arbeiten mit großer Sachkenntnis durchgeführt wurden, und dass - im Gegensatz zu früheren Restaurierungen - keine historisch wichtigen Elemente dem aktuellen Zeitgeschmack oder gar persönlichen Auffassungen geopfert wurden; lediglich artfremde Zutaten, die im Laufe der Zeit installiert worden waren, wurden entfernt, und der Originalzustand verschiedener Gegenstände, die durch unerklärliche und unentschuldbare Eingriffe verstümmelt worden waren, wurde wieder hergestellt.

Die Kosten für die Restaurierung des Innenraumes beliefen sich auf 664 457 Euro. Da die Gemeindeverwaltung sich an der Finanzierung dieser Arbeiten nach einem in der Sitzung vom 18. November 2002 einstimmig gefassten Beschluss mit 458 603 Euro beteiligte, blieb für die Kirchenfabrik eine Restschuld von 205 854 Euro, (8.304.130 F). In diesem Betrag sind allerdings die Kosten für die Instandsetzung des Greeff-Mobiliars in Höhe von 7 059 081 F (174990 Euro) nicht enthalten, die ausschließlich von der Kirchenfabrik übernommen und durch ein staatliches Subsid und freiwillige Spenden gedeckt wurden.

Da es sich bei dieser umfangreichen, grundlegenden Gesamtrestaurierung um langwierige und kostspielige Arbeiten handelte, war deren Ausführung in mehrere Etappen aufgeteilt und auf mehrere Jahre verteilt worden. Die abschließenden Arbeiten im Innenraum der Kirche, die im September 2002 begonnen hatten, waren nach einigen Monaten, im April 2003, beende!. Mit der Altarkonsekration am 27. April 2003 fanden die umfangreichen Restaurierungsarbeiten an und in der dem hl Johannes dem Täufer geweihten Pfarrkirche ihren offiziellen und feierlichen Abschluss.

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