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DER
INNENRAUM DER MAMER PFARRKIRCHE
DIE TAUFKAPELLE
Im
Rahmen der Umbauarbeiten, die 1931/32 nach den Plänen des Architekten Joseph
Jentgen durchgeführt wurden, war die südliche
Apsis
des eingefügten
Querschiffs
als
Taufkapelle
unter Pfarrer Michel Urwald eingerichtet worden. Da die
Taufkapelle sich direkt gegenüber dem neuen Hauptportal befindet, das in die
Nordfassade des neuen Querschiffs integriert wurde, erlebt der Besucher - sofern
er die Kirche durch das neue Hauptportal betritt - ein beeindruckendes
Architekturschauspiel: die Taufkapelle wird zu einer Schaubühne, deren Kulisse
von der als Vorhang wirkenden, monumentalen Außenfassade des Hauptportals
freigegeben wurde.
Ein
dreifaches Gewölbe, bestehend aus einem ovalen, weit gespannten, wie ein
Triumphbogen wirkenden Zentralgewölbe und zwei schmalen, halbkreisförmigen
Seitengewölben, die von zwei eleganten Zwillingssäulen gestützt werden.

In
der Seitenansicht weisen diese Stützpfeiler mit ihren senkrecht geriffelten
Kapitellen den Architekten als ein Meister seines Fachs aus. Diese vier kleinen
Stützpfeiler waren - wie auch die Stützpfeiler des Triumphbogens im
Hauptchorraum - mit gehämmerten Kupferplatten umkleidet worden. Da diese
Umkleidung der bei den Stützpfeiler mit Kupferplatten bei der Restaurierung von
1969/70 als Fremdkörper empfunden wurde, wurde sie mit einem weißen Anstrich
überzogen, so dass die beiden Stützpfeiler der Taufkapelle sich harmonisch und
unauffällig in die Raumarchitektur einfügen.
Sehr
eindrucksvoll ist auch der "Rückblick" von der Apsiswand der Taufkapelle aus in
Richtung Kirchenschiff. Hier vereinigen sich dann die Gewölbe des Kirchenschiffs
und der fünfteilige Fensterfries
an der Nordseite zu einer großartigen Kulisse.

Da
die ursprüngliche Ausstattung der Taufkapelle bis heute erhalten blieb, hat die
Beschreibung, wie sie am
21.
September 1932 im Luxemburger Wort
von Dr. Richard Maria Staud veröffentlicht wurde, auch heute noch ihre
Gültigkeit: "Sehr gepflegt sind die Marmorarbeiten der Firma Jacquemart;
Taufstein (nach einem Entwurf des Architekten Jentgen) Kommunionbank,
Weihwasserbecken, Treppen und Fries. Der als Künstler mehrfach hervorgetretene
Kunstschmied Michel Haagen lieferte die Kupferarbeiten. Es sind die Umkleidungen
in gehämmertem Kupfer der bei den Stützpfeiler der Taufkapelle sowie das reiche
Kupferdach des Taufsteins mit der Taufe Christi als sehr gutem figürlichen
Abschluss."

Foto:
Gaston Roderes, Mamer - Ende Oktober 2002
Im
Rahmen der letzten Restaurierung 2002 wurde die Taufkapelle um eine Stufe tiefer
gelegt, so dass eine intimere Verbindung zwischen der eigentlichen Taufzeremonie
und den Teilnehmern erreicht wurde.
Das
schwarze
Taufbecken
wird von einer kräftigen, schwarzen Mittelsäule getragen, die von vier eleganten
Säulen aus rotem Marmor mit weißen Kapitellen flankiert ist, die aus einem
viereckigen, schwarzen Sockel herauswachsen. So ergeben sich interessante
Farbkontraste, die wohl symbolhaften Charakter haben. Diese Form des Taufbeckens
enthält manche Nachklänge an frühchristliche oder romanische Taufanlagen.
Sehr
eindrucksvoll sind auch die beiden Gestalten in Haltung und Gewandung;
demutsvoll neigt Jesus sein Haupt, während Johannes mit stolz erhobenem Haupt
und mit einer demonstrativ weit ausladenden Geste das mit einer Muschel
geschöpfte
Wasser des Jordans
über das Haupt seines Meisters ausgießt.
Die Fenster der Taufkapelle
Die
Taufkapelle liegt direkt dem Haupteingang gegenüber und somit zugleich unter den
fünf großflächigen Farbfenstern, die sich mit der Thematik der
Auferstehung
befassen. So wird der Besucher gleich beim Betreten der Kirche mit den
„Eckdaten" des christlichen Glaubens konfrontiert: von der Taufe über die
Auferstehung als Erlösung vom
Ewigen Tod
bis hin zum
Ewigen Leben!
Die
Taufkapelle erhält ihr Licht durch vier Fenster, deren Farbenpalette eine
stimmungsvolle, der Bedeutung des Taufaktes angepasste, geradezu geheimnisvolle
Atmosphäre schaffen. Die vier Farbfenster der Taufkapelle wurden, wie auch die
darüber liegenden, monumentalen Wandfenster, von der
Firma
Binsfeld
aus Trier geliefert.
Wenn
man diese Glasgemälde miteinander vergleicht, fällt es schwer, anzunehmen, dass
beide Zyklen infolge ihrer fundamentalen Verschiedenheit in Technik, Formen und
Farben zur gleichen Zeit von derselben Firma geschaffen wurden, denn anhand
ihrer aparten Formen und Farben erinnern die Glasmalereien der Taufkapelle an
Miniaturen aus mittelalterlichen
Stundenbüchern.
Erwähnt wird, dass die Taufe, als erste Station auf der irdischen Wegstrecke,
den Weg freigibt zum Paradies mit dem Lebensbaum, der keine "verbotenen"
Früchte, sondern voll erblühte, feuerrote Rosen trägt, als Sinnbilder für die
verheißenen, ewigen Freuden.
Als
Stifter dieser Fenster sind bekannt:
Familie J.B. Hellenbrandt;
Pfarrer Phil. Schmit;
Pfarrer Michel Urwald;
Familie Trauffler-Majerus. |