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VEREINSCHRONIK DER CHORALE SAINTE-CECILE

Von Henri Wilmes
in: Chorale Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983, Ss. 17-67, (mit Ergänzungen).
[=Wilmes 1983]


Jede Jubilargesellschaft, deren Gründung auf das vorige Jahrhundert zurückgeht, macht es dem Chronisten nicht leicht; und mit zunehmendem Alter wachsen die Schwierigkeiten, wenn es gilt, Kindheit und Jugend aufzuzeichnen.

Mit der "Chorale Sainte-Cécile" von Mamer hat es aber seine ganz eigene Bewandtnis, wohl aus einem Vereinsverständnis heraus, das ausschließlich auf ihre kirchliche Rolle ausgerichtet gewesen sein muß. Der Cäcilienverein muß sich jahrzehntelang als ein Verein angesehen haben, der über allen irdischen Sorgen, Anliegen und Strukturen schwebte; ein Verein, der einfach da war und der seinem Auftrag - der Gestaltung des Gottesdienstes und aller kirchlichen Zeremonien und Veranstaltungen - gerecht wurde. Nur so ist eine bitterböse Tatsache zumindest teilweise zu erklären und zu verstehen: das Vereinsarchiv deckt von der hundertjährigen Geschichte des Chors wenigstens die Hälfte überhaupt nicht oder nur sehr spärlich ab! Wer sich unter solchen Voraussetzungen dennoch an eine Chronik heranwagt, der ist einem Archäologen vergleichbar, der Fragmente eines Mosaikbodens freigelegt hat, anhand derer er sich ein gutes Bild über Ausmaß und Schönheit des Fundes machen kann; zu viele Elemente aber fehlen, um eine lückenlose Gesamtschau zu ermöglichen. Die Zeit hat zu viele Spuren verwischt, und manche Möglichkeit, dies zu verhindern, blieb ungenutzt. So hat der Cäcilienchor erst sein hundertjähriges Bestehen abgewartet, um sein Werden und Wachsen schriftlich nachzuzeichnen, ein weiterer Umstand, der die Aufgabe der heutigen Verfasser keineswegs erleichtert.

Ein Zurückgreifen auf Pfarr- und Gemeindearchiv läßt manche Hoffnung unerfüllt: auch die Tagespresse der für die Entstehung der Chorale in Frage kommenden Jahre schweigt sich beharrlich aus. Gewiß, das Mörike-Wort, das behauptet "Doch immer behalten die Quellen das Wort", hat nichts von seiner Aussagekraft eingebüßt, aber was tun, wenn diese Quellen nur Rinnsalen gleich dahinschlängeln oder gar vollends versiegt sind?

Das Vereinsbild der Chorale muß demnach verzerrt und unausgewogen ausfallen, da kleinere und größere Flächen - zuweilen Jahrzehnte! - nicht abgedeckt sind. Da liegt für zukünftige Vereinschronisten ein weites Arbeitsfeld, um vielleicht - gezielt oder zufällig - Steinchen zum großen Mosaik hinzuzufügen, damit ein vollwertiger und möglichst vollständiger überblick ermöglicht werde, der Zusammenhänge aufweist, die beim heutigen Stand der Erkenntnisse noch nicht - oder nicht mehr - sichtbar sind.



Titelblatt der Festschrift zum 100. Bestehen des Mamer Kirchenchores,
gestaltet von Mars Schmit.

Wagen wir uns dennoch an dieses schwierige Unterfangen heran und halten wir eine Reihe von Ereignissen, Tatsachen fest, die abgesichert sind. Und das ist bei der Entstehungsgeschichte des Cäcilienvereins ein vorsichtiges Vorantasten über eine sehr dünne Eisschicht, die bei der geringsten falschen Bewegung nachgibt.

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