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VEREINSCHRONIK DER CHORALE SAINTE-CECILE
Von Henri Wilmes
in: Chorale
Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983,
Ss. 17-67, (mit Ergänzungen).[=Wilmes
1983]
1.2
Die erste Fahne der Chorale
Einen
ersten Höhepunkt erlebt die Chorale im April 1885. In der Ausgabe
vom
25./26. April des "Luxemburger Wort"
stoßen wir auf nachstehenden
Artikel:

Mamer, 20. April. Wie
aus dem Annoncen-Theil dieses Blattes zu ersehen war, erhielt der hiesige
Cäcilien-Verein vor Kurzem eine prächtige, neue Vereinsfahne und zwar rührt
dieselbe aus der rühmlichst bekannten „Bonner Fahnen-Fabrik” her. In reichem
Goldglanze trägt die neue, doppelfarbige Flatterfahne auf rothem und blauem
Felde das Bild der hl. Cäcilia, prächtig in Oelfarbe gemalt, in edler
Darstellung, das Haupt mit einem goldenen Sonnenringe umgeben, das Antlitz
in Verklärung zum Himmel gerichtet; auf weißem Felde erblickt man auf der
andern Seite eine schrägliegende Goldlyra auf offen liegendem Gesanghefte.
Das ganze der beiden Seiten ist mit einem schönen, grünen Lorbeertranze,
resp. Eichenkranze umgeben, und trägt in sinniger Zusammmstellung die
Vereinsaufschrift mit Jahreszahl. Am Abende des Festtages, an welchem sich
unsere wackeren Cäcilianer zu einem Glase Wein zusammengefunden hatten,
hielt ein Vereinsmitglied eine kleine Ansprache, welche Idee und Zweck des
Cäcilienvereines klar barlegte. „Ehren wir, so schloß der Redner, unsere
Fahne! Lob Gottes und eigene Veredelung sei das Ziel unseres, Vereines, dem
ich heute Abend ein herzliches „er lebe er wachse, er gedeihe” entgegenrufe.
D.
Es
handelt sich hier um eines der ersten Dokumente, das das Bestehen des Vereins
belegt. Schade, daß das Ereignis in keinem Präsentationsartikel angekündigt
wurde; schade auch, daß der einleitende Hinweis auf den Anzeigenteil der Zeitung
nicht den Tatsachen entspricht: die Annonce hätte nämlich weitere Angaben über
Programm und Verlauf des Festes gebracht. Aber trotz mehrmaliger Durchsicht der
Zeitungen bis zum 20. April ist die angesprochene Anzeige nicht aufgefunden
worden. Vielleicht wollte D. damit eine Veröffentlichung seines Artikels positiv
beeinflussen...

Bonner
Fahnen-Fabrik
Der
Mamer Cäcilienverein erhielt von gen. Fabrik eine Vereinsfahne, welche in
prachtvoller Darstellung u. Ausarbeitung alle Erwartungen übertraf. Den
Kirchenvorständen u. Vereinen sei, diese Fabrik bei Anschaffung einer neuen
Fahne, bestens empfohlen.
Die
erste Vereinsfahne, deren beide Seiten ja in Farbe in dieser Festschrift
abgebildet sind, hat die Vereinsmitglieder während langen Jahrzehnten begleitet;
denn erst 1978 sollte sie eine Nachfolgerin finden.
Herr
August Schmit war so freundlich, uns eine oder die andere Episode aus der
bewegten Geschichte des Vereinsemblems in Erinnerung zu rufen.
Hören
wir kurz in "Lanken Augusts" unversiegbaren Erinnerungsschatz hinein.
-
"Zweimal mußte das Emblem des Gesangvereines meines Wissens nach ‚untertauchen',
wobei ich vor allem das Geschehen zu Beginn der dreißiger Jahre noch klar vor
Augen habe. Um 1926, - wann genau, bleibt ungewiß wurde die Fahne,
höchstwahrscheinlich der gespannten Dorfumstände wegen, versteckt. In diese Zeit
fällt auch die Gründung des Mamer ,Garten und Heim', wobei der Hauptinitiator M.
François Angel versuchte, die stark auseinandertreibenden Strömungen in der
lokalen Vereinsbewegung in etwa zu vereinigen.
1931,
1932, die Zeit der Renovierung der Kirche; eines Tages räumte ich mit Herrn
Henri Knepper die Kreuze und Prozessionsfahnen auf der Ablegefläche auf dem
Hauptaltar auf. Dabei fiel unser Augenmerk auf ein größeres, stark verstaubtes
Bündel, das in Zeitungspapier eingehüllt war. Nach dem hastigen Loslösen der
vergilbten Tageszeitungen stießen wir auf eine Lage Pergamentpapier. Es stellte
sich zu unserer Überraschung heraus, daß es sich bei dem Fund um die Fahne des
Cäcilienchores handelte. Leider hatten wir in unserer Ungeduld und Freude
zugleich nicht die Klarsicht. einen Blick auf die Zeitungen zu werfen: so wäre
eine Datierung, wann die Fahne abgelegt worden war, relativ leicht und
zuverlässig gewesen. Dieses Unterlassen bedaure ich noch heute. Die Fahne war
noch sehr gut erhalten. Wir setzten Pfarrer Urwald sofort ins Bild; Herr Knepper
nahm die Fahne mit nach Hause.
Am
selben Ort auf dem Hauptaltar und im Hause Knepper hat das Vereinszeichen
übrigens auch die schwere Zeit des Zweiten Weltkrieges überlebt, in einem
sicheren Versteck. Darüber könnten die Bewohner dieses alteingesessenen Hauses
wohl Genaueres berichten."
Mamer
wäre es seiner Vergangenheit eigentlich schuldig, solche Zeugen der Ereignisse
dieses Jahrhunderts abzuhören, um Unwiederbringliches festzuhalten.
Die
Einsegnung der neuen Fahne wird von seiten der Regierung anerkannt: im Beschluß
vom 31. Dezember 1885, betreffend die "Vertheilung der Subsidien zu Gunsten
der Schulen und Vereine für Gesang und Musik fürs Jahr 1885" figuriert in
Artikel 2, Punkt 29 Mamer unter den 50 Gesangvereinen, die 25 Franken als Subsid
zugesprochen bekommen. Zwar steht hinter der Ortsbezeichnung weder die Angabe
"Cäcilia" noch die Bezeichnung "Union"; jedoch aus den Gepflogenheiten der
vorhergehenden Jahre ist ersichtlich, daß mit der einfachen Nennung der
Ortschaft stets der kirchliche Gesangverein gemeint ist. Ist dies nicht der
Fall, so befindet sich der Name des unterstützten Vereins in Klammern.

In den beiden oberen Ecken der Rückseite sind
Instrumentengruppen abgebildet; auf der linken Seite befinden sich
unverkennbar, mächtig wirkende Pauken und Trompeten auf einem
aufgeschlagenen Notenbuch und einer entrollten Notenschrift mit
kalligraphisch gemalten Noten; auf der rechten Seite sind eine kleine
Trommel, Triangel, Trompete und Flöte erkennbar.
[Thill 2003 S.75]



Auf der Vorderseite hält St. Cäcilia ein Orgelportativ mit viereckigen
Holzpfeifen. Ob die Schutzpatronin der Sänger und Musiker "ihr Antlitz in
Verklärung zum Himmel richtet", wie das "Luxemburger Wort" zu erkennen
vorgibt, scheint jedoch fraglich.
[Thill 2003 S.75]

Fotos: Norbert
Thill, in:
[Thill 2003 S.75] |