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VEREINSCHRONIK DER CHORALE SAINTE-CECILE

Von Henri Wilmes
in: Chorale Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983, Ss. 17-67, (mit Ergänzungen).
[=Wilmes 1983]


 

1.4 Die erste Orgel

Für den Verein, der zu dieser Zeit von Vikar Michel Mirgain geleitet wird, bedeutet das Jahr 1890 eine weitere wichtige Etappe. Wir dürfen übrigens davon ausgehen, daß der aus Differdingen stammende Geistliche, der bis 1893 in unserer Ortschaft tätig war, der erste offizielle Dirigent des Chores war und so die lange Reihe der Chorleiter eröffnete.

Am 17. Februar 1890 behandelt eine Zeitungsnotiz in bescheidenen sechs Reihen folgende drei Themen: 1. Die Wintersaaten stehen sehr gut. 2. Die neue Orgel für die Kirche wird für Ostern aufgestellt sein und etwas über 4000 Franken kosten. 3. Eine landwirtschaftliche Konferenz hat nur mäßigen Anklang gefunden. Die neue Orgel, ein kirchenmusikalisches Ereignis von Bedeutung, wird von den Meldungen aus dem ackerbaulichen Bereich umrahmt und liegt klar an zweiter Stelle in der Anliegenskala des Nachrichtenvermittlers.

Herr Professor Norbert Thill geht an anderer Stelle dieser Festschrift auf die Geschichte der Orgel ein; im Rahmen der Vereinschronik können wir uns auf zwei Feststellungen beschränken: Mitte Mai wird die neue Orgel in einem längeren Artikel ausführlich beschrieben. Dabei werden zwei Gesichtspunkte herausgestrichen: die finanziellen Schwierigkeiten (Gesamtkostenpunkt: 4200 Franken) und die engen Verhältnisse auf der Empore, die dem Bau einer größeren Orgel hinderlich gewesen sind. Eine zweite - erneut negative - Feststellung: nirgendwo ist ein Hinweis auf eine feierliche Einweihungszeremonie des neuen Instruments zu finden.

 

1.5 Die Quellen versiegen

Mit dem Jahr 1890 versiegen für lange Zeit die Quellen in der Vereinsgeschichte; dies wird bis Ende der dreißiger Jahre gültig sein. Hier erstreckt sich noch ein weites Brachland für spätere Vereinschronisten. Die Geschicke des Cäcilienchores lagen durchwegs in den Händen der jeweiligen Pfarrer, den Herren Jacob Hengesch (1886-1900), Theodor Meyers (1900-1905), Philippe Schmit (1905-1917) sowie Michel Urwald (1917-1938); sie wurden tatkräftig unterstützt von Mitgliedern des Lehrpersonals, die als Dirigenten oder/und Organisten einen entscheidenden Anteil am kirchenmusikalischen Leben nahmen. In dieser Rolle haben sich große Verdienste erworben: Oberprimärlehrer Nicolas Engels (ab 1910), Lehrer Nicolas Stoffel (ab 1924), beide als Dirigenten, Lehrer Henri Trauffler (ebenfalls ab 1924), der als Organist jahrzehntelang der Dorfgemeinschaft diente - ein etwas verkannter Aspekt dieser außergewöhnlichen und vielseitigen Pädagogen.

Aus dem Ausrufungsbuch von Pfarrer Schmit lassen sich einige Eintragungen für den Zeitraum seiner Amtsperiode zusammenstellen. Aufgrund dieser Angaben kann man in etwa erahnen, wie in Mamer der Gesangbetrieb kurz vor dem Ersten Weltkrieg ausgesehen haben mag,

Die Gesangproben finden entweder sonntags nach der Vesper oder am Mittwochabend statt, wohlweislich "aber nur gelegentlich." Im Dezember 1910 wird eine Änderung vorgenommen: den Winter hindurch ist nun Dienstag abends Gesangprobe. In der Kirchenratssitzung vom 9. Februar 1908, die Pfarrer Schmit neun Tage später schriftlich niederlegt, wird festgehalten, daß "in Zukunft keine Ämter ohne Orgel mehr angenommen (werden). Es ist für die Orgel besser, sie wird oft gespielt. Reparatur kostet 300 Mark. Orgelspielen soll auch besser remuneriert werden. Stiftungen a 200 frs zahlen dafür 7 frs. Wenn aber jemand durchaus die Orgel nicht mag, so gut! Er zahlt aber doch 5 frs."

Am 2. Februar 1913 stellt der Dorfpfarrer mit Genugtuung fest: "Es haben sich schon manche für den Gesangverein gemeldet; wenn noch jemand Lust hat, soll er am Donnerstag sich einfinden, am Donnerstag ist wieder Versammlung für den Gesangverein." Aber mit dem Zuspruch wird es einige Schwierigkeiten gegeben haben; am 23. März heißt es nämlich:

"Auf der Empore habe ich eine neue Liste der Mitglieder des Gesangchores anbringen lassen; nur diejenigen, welche den Gesangübungen beiwohnen, haben Recht auf einen Platz im Chor; die, welche den Übungen fern bleiben, scheinen ja auch kein Interesse dafür zu haben. Es haben also nur Recht auf einen Platz auf der Empore, welche auf einer der bei den Listen verzeichnet sind." Ganz klar scheint die Lage mit den verschiedenen Listen auch nicht gewesen zu sein.

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