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VEREINSCHRONIK DER CHORALE SAINTE-CECILE
Von Henri Wilmes
in: Chorale
Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983,
Ss. 17-67, (mit Ergänzungen).[=Wilmes
1983]
KAPITEL 2
DER ZWEITE WELTKRIEG
2.1 Erstes weltliches Konzert
Mit
Pfarrer Michel Urwald, der am 1. September 1938 in den Ruhestand tritt, endet
für den Gesangverein eigentlich eine Epoche: er ist nämlich der letzte
Geistliche, der den Dirigentenposten bekleidet hat.
Sein
Nachfolger Herr Ferdinand Schwartz wird ein weiteres langes Kapitel der
Vereinsgeschichte bestimmen: Bis Januar 1956 wird er sich unermüdlich um die
gesangliche Leitung der Sängerschar kümmern, eine Aufgabe, der er sich
aufopferungsvoll widmet. Im administrativen Bereich, aber auch im Chor immer auf
der Bresche, tut sich die Familie Knepper hervor. Herr Jean-Pierre Knepper steht
der Chorale während Jahren als Präsident vor, Herr Emile Knepper hat den Posten
eines Sekretärs inne. Beide verkörpern eigentlich den Cäcilienchor, sind
Vorbilder einer beispiellosen Vereinstreue. Sie werden einen bleibenden
Ehrenplatz im Vereinswesen behalten.
Blenden wir aber kurz zurück auf die Ereignisse der Vorkriegsjahre 1938 und
1939, aus der Pespektive der ,Chorale Sainte-Cécile', die noch immer ein reiner
Männerchor ist.



Die
erste noch heute erhaltene Rechnung des Vereins geht auf den 9.November 1938
zurück; der neue Dirigent Herr Schwartz hat Partituren erstanden.
Am
12. Februar 1939 - weltpolitisch ziehen dunkle Wolken auf - wartet der
Kirchengesang mit seinem ersten weltlichen Konzert auf. Man stellt sich der
Öffentlichkeit als "neugeborener Verein" (!) vor; das ist wohl in dem Sinne zu
verstehen, daß man in Zukunft sich nicht nur auf das rein Kirchliche beschränken
will und einen neuen Anlauf in der Vereinstätigkeit genommen hat.
Als
Schüler von Herrn Trauffler schreibt Nic. Stoffel-Hansen in seinem
Pflichttagebuch: "Am Sonntagabend fand im Pfarrsaale ein Gratiskonzert statt.
Dasselbe war von dem Gesangverein ,Cäcilia' organisiert worden. Herr Knepper,
Präsident des Vereins, hielt eine humorvolle Rede an die Anwesenden. Der
Gesangverein sang schöne patriotische Lieder. Großer Beifall folgte den
Liedern." Wir möchten Herrn Stoffel dafür danken, daß er uns Einblick in
dieses Tagebuch gewährte, das wirklich authentische Aufschlüsse über das
Dorfleben gibt. So wird aus Schüleralltag und Schülersorgen (u. a. für die
regelmäßige Niederschrift) ein wertvolles Dokument zur Zeitgeschichte. Andere
Hinweise auf das gesangliche Leben lassen sich dem Schülerheft entnehmen. Zu
Allerseelen 1938 ist der Sängerchor in der Mitte des Friedhofs versammelt,
"die Sänger sangen das .Miserere' für die Abgestorbenen der Pfarrei"; am
Nationalfest, das am 29. Januar 1939 offiziell begangen wird, wird das ,Te Deum'
"durch die trefflichen Einlagen des Kinderchors noch verschönert". Hier fällt
der Hinweis auf einen Kinderchor auf, vor allem aber auch - wenn man die
Eintragung weiter verfolgt - die Sorge der Bevölkerung "in den sturmbewegten
Zeiten" um Unabhängigkeit und Freiheit der Heimat.
Bei
den
Unabhängigkeitsfeiern am 11. Juni 1939
in Capellen und am darauffolgenden Sonntag in Holzem kann der Cäcilienchor als
solcher nur ganz beschränkt mitwirken, da mehr als die Hälfte der Mitglieder in
den Reihen der bei den Musikgesellschaften stehen. Trotzdem spricht der
Gemeinderat ihm in der Sitzung vom 1. Dezember mit vier weiteren Gesellschaften
ein Subsid von 400 Franken zu. Am 23. Juli 1939 gelegentlich der Feiern in
Mamer, tritt die ,Chorale' mit einem prachtvollen Festwagen auf.
Im
Januar 1940 lädt, diesmal in luxemburgischer Sprache, der "Gesangverein Cäcilia,
Mamer" erneut ein: Am 21. Januar
steigt die ,Gemittlech Soirée', sie umfaßt zwei gesangliche Teile von je fünf
Liedern, zwischen die sich zwei Theaterszenen einschieben: "Dem Präsident vum
Gesangverein ‚Caruso' sei 50jährigen Gebuertsdag. Eng leschteg Sitzong fir e
Gesangveräin" sowie "Eng Kritik ??????" (mit sechs Fragezeichen!) In
der Presse ergeht die Einladung am Vortage an eine "Dorfgemeinschaft, die von
Sorgen weiß und von Arbeit lebt.”

Mamer, 20.
Jan.
Unter bem Motto „Hemechtsle’ft
an Enegket” veranstaltet unser rühriger Cäcilienverein am kommenden Sonntag
im Pfarrsaal einen volkstümlich bunten Liederabend. Mehrstimmige Gesänge
ernsten Inhalts und humoristische Einlagen werden der Dorfgemeinschaft, die
von Sorgen weiß und von Arbeit lebt, einige Stunden gemütlicher Erholung
verschaffen.
Am
18. März 1940 beantwortet man eine Anzeige, in der ein "guterhaltenes Harmonium
zum Preise von 700 Fr." angeboten wird, mit der netten Begründung "da wir
Liebhaber eines Harmoniums sind." |