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VEREINSCHRONIK DER CHORALE SAINTE-CECILE
Von Henri Wilmes
in: Chorale
Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983,
Ss. 17-67, (mit Ergänzungen).[=Wilmes
1983]
2.2. Die Auflösung des Gesangvereins "Cäcilia", Mamer
Vom
großen Sturm der Nazibesatzung wird auch der Mamer Cäcilienchor hinweggefegt
werden. Am 12. September 1940 fordert Sekretär Emile Knepper bei
Oberbereichsleiter Schmidt, dem Stillhaltekommissar für das Organisationswesen
in Luxemburg, das "weiße Formblatt" an, damit man der am 8. September
dekretierten Anmeldepflicht nachkommen könne. Der eingereichte Fragebogen weist
u. a. einen Mitgliederbestand von 34 aktiven Sängern nach; das Kassenprotokoll
erklärt zum 31. 8. 1940 einen Barbestand von "Fr. lux. 361,65 = RM. 36,16",
wovon nach Abzug verschiedener Portogebühren noch RM. 35,50 am 24.Mai 1941
überwiesen werden. Der Gesangverein "Cäcilia", Mamer wird alsdann am 1. April
1941 "im Zuge der Neuordnung des Organisationswesens in Luxemburg ( ... ) mit
sofortiger Wirkung gelöscht." Der Kirchengesang "kann auch weiterhin in
Form von Kirchenchören ohne vereinsmäßige Bindung auf freiwilliger Grundlage von
Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft gepflegt werden. Die Tätigkeit darf jedoch
nur im Kirchenraum selbst ausgeübt werden" (Artikel 2 der Verfügung).
Am
18. April 1942 ersteht der Chor die Partitur einer Messe von Franz Gruber.
Aus
dieser dunklen Periode sei das letzte im Vereinsarchiv verbliebene Schriftstück
erwähnt - bis 1948 wird es auf weitere Korrespondenznachfolge warten müssen! Der
"Kirchenchor Mamer" - die Angabe "Cäcilia" ist mithin weggefallen - schreibt
folgendes in die "Haydnstraße 12", den Sitz des Stillhaltekommissariats:
Wir bekennen uns zu Ihrem Rundschreiben, gemäß welchem sämtliche Organisationen
die Fahnen, Embleme, Vereinssymbole, Abzeichen, Stempel usw. an Sie abzuliefern
haben.
Wir beehren uns Ihnen zur Kenntnis zu bringen, daß wir, wie Ihnen das bereits
bei der Meldung unserer Organisation mitgeteilt wurde, eigentlich nur noch als
Kirchenchor ohne Statuten bestanden haben (?). Wir verfügen weder über eine
Fahne noch Abzeichen, usw., so daß dieses Rundschreiben uns nicht betrifft.
Hochachtungsvoll
KIRCHENCHOR MAMER
Auch
einem katholischen Gesangverein unterläuft zuweilen bewußtes Verschweigen der
Wahrheit: wir erinnern uns noch an das Zeugnis von Herrn Auguste Schmit
betreffend die Fahne von 1885. Nur dank der kecken Behauptung: "Wir verfügen
weder über eine Fahne noch ... " kann die Jubilargesellschaft das erste -
und vielleicht einzige - Beweisstück mit ins zweite Jahrhundert ihres Bestehens
hinübernehmen.
2.3.
Die Nachkriegsperiode
Pfarrer Nic. Koster, der Anfang September 1938 feierlich installiert worden
ist und der so sehr unter dem Naziregime hat leiden müssen, wird am 1.
Dezember 1944 unter Beteiligung der ganzen Pfarrei wieder in sein Amt
eingeführt.
Für
den Kirchenchor, wie für das gesellschaftliche Leben im Dorf heißt es, einen
beschwerlichen Neubeginn wagen. Der Krieg hat tiefe Wunden aller Art
hinterlassen, und das Hauptaugenmerk gilt gewiß nicht dem Musischen. Der
Cäcilienchor faßt aber recht schnell wieder Fuß; sein Hauptaufgabenbereich liegt
nach wie vor im Kirchenmusikalischen. Außerdem sind die führenden Kräfte ihrem
Verein erhalten geblieben. Die deutsche Besatzung hat allen Schikanen zum Trotz
den Cäcilienchor nicht wesentlich in seiner Substanz zu schwächen vermocht.
Eine
erste größere Veranstaltung nach den Kriegswirrnissen führt am 13. Juni 1948
vierzig Teilnehmer in einer angenehmen Bustagesfahrt an die Mosel.
Am
26. Januar 1950 wendet Sekretär Emile Knepper sich "an den hochlöblichen
Gemeinderat" - diese damals übliche Anredeformel erscheint uns heute wie ein
Relikt aus undenklicher Zeit, und doch sind es nur drei Jahrzehnte - mit der
Bitte, daß der Verein das sich über dem Korridor der Knabenschule (heute: Ecole
Henri Trauffler) befindliche Zimmer zum Abhalten der Proben benutzen darf. Diese
Erlaubnis wird erteilt, auch darf ein Harmonium in diesem Raum untergebracht
werden.
Noch
immer stellen wir fest, daß die Chorale ihren Weg ohne viel Aufhebens - und ohne
eigentliches Archiv - geht.
Während erneut 15 Jahren fließen die Quellen ganz spärlich und erlauben so einen
großen Schritt in die Mitte der sechziger Jahre. Die wenigen Mosaiksteinehen
wollen wir dennoch ins Gesamtbild einfügen, vielleicht erlauben sie es, später
das Bild zu vervollständigen. |