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VEREINSCHRONIK DER CHORALE SAINTE-CECILE
Von Henri Wilmes
in: Chorale
Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983,
Ss. 17-67, (mit Ergänzungen).[=Wilmes
1983]
KAPITEL 3
ÖFFNUNG ZUM WELTLICHEN
3.1.
Wechsel werden vollzogen
In
einer von der Gemeindeverwaltung Ende März 1953 aufgestellten Liste, die für das
Erziehungsministerium bestimmt ist, stellen wir einen Wechsel an der
Vereinsspitze fest: nach langen Jahren hat Herr Jean-Pierre Knepper die
Präsidentschaft an Herrn Paul Schmitz übergeben; diese Ablösung ist in der
Generalversammlung von 1952 vonstatten gegangen, eine Versammlung, die ebenfalls
neue Statuten verabschiedet.
Am
15. Oktober 1979 gratuliert die Chorale ihrem Ehrenpräsidenten zu dessen 90.
Geburtstag. In dem erwähnten Dokument der Gemeindeverwaltung wird die
Mitgliederzahl mit 15 Aktiven angegeben, ein Stand, der zu Besorgnissen Anlaß
gibt.
Auch
der Dirigentenposten wird einen Wechsel erfahren: am 23. Januar 1956 reicht Herr
Ferd. Schwartz seine Demission ein. Trotz aller Beschwichtigungen wird er bei
seiner Entscheidung bleiben. Sein Nachfolger wird Lehrer Marcel Ewert, der somit
an die Tradition der Engels, Trauffler und Stoffel anknüpft und genau wie sie
Fachwissen und viel Freizeit für Kirche und Gesang opfert.


3.2. Ausflüge und Konzerte
Die
fünfziger Jahre sind aber auch die Zeit der Ausflüge, die jeweils zwischen 40
und 50 Teilnehmer ansprechen:
22.Mai 1955: Koblenz, St. Goar, Bingen, Bernkastel;
14. Juli 1957: Bonn, Königswinter;
3. August 1958: Orval, Dinant, Rochefort;
20. September 1959: Ettelbrück (Besichtigung der Laduno ), Dahl, Vianden,
Echternach. Greiveldingen (Weinfest).
Gesanglich sind einige weltliche Auftritte zu verzeichnen:
5.November 1958: Konzert gelegentlich der Generalversammlung des einheimischen
"Garten und Heim";
10. Juli 1960: Konzert im Rahmen der Festwoche zur Tausendjahrfeier der
Ortschaft Mamer; ein vorwiegend luxemburgisches Repertoire, unter Leitung von
Marcel Ewert;
17. Juli 1960: Aufführung einer eigens für dieses Jubiläum geschaffenen
Festkantate und Teilnahme an der Darbietung des Epos "Drai Zaitalter" von
H. Trauffler und N. Kirsch;
24. Juli 1960: Konzert in Burglinster (in Verbindung mit dem Vereinsausflug).
Die
Zahl der Aktiven ist leicht angestiegen und erreicht 25 Einheiten; im letzten
Jahrzehnt hat sie ständig zwischen 17 (1953) und 24 (1956) geschwankt.
Immer
noch im Juli gastiert die Chorale Sie-Cécile von Limpertsberg, unter der Leitung
von Prof. Joseph Meyers in Mamer, wo sie in der Pfarrkirche ein vielbeachtetes
"Concert spirituel" gibt (12. Juli).
3.3 Finanzielles
Obwohl der Cäcilienchor einen unbestreitbaren kirchlichen und weltlichen Beitrag
zum Leben in der Dorfgemeinschaft leistet, wird ein Subsidiengesuch vom 21.
November 1959 vom Gemeinderat in der Sitzung vom 8. Dezember negativ
verabschiedet: "Leider vermissen wir in Ihrem obigen Schreiben eine
stichhaltige Begründung zwecks Erlangen eines Gemeindesubsids." Und die
Gemeindeväter fügen hinzu: "Wir sehen uns vielmehr veranlaßt, darauf
hinzuweisen, daß Ihre Gesellschaft, als einzige des Dorfes, von der Gemeinde
einen Probesaal sowie Beleuchtung und Elektrizität unentgeltlich zur Verfü gung
gestellt bekommt, was ganz bestimmt ein sehr großer Vorteil ist."
Dem
Kirchenchor muß diese Belehrung so unter die Haut gegangen sein, daß er noch
Jahre hindurch auf das Vorlegen eines neuen Gesuchs verzichtet.
Auch
auf einen Antrag von Rat Federspiel wird der Schöffenrat zwei Jahre später mit
tauben Ohren reagieren. Erst 1966 wird eine Beihilfe von 1 500 Franken bewilligt
werden, als "Unkostenbeteiligung an einem öffentlichen Konzert".
Finanziell dürfte die Chorale sehr bescheiden da stehen, besonders da auch die
Kollekten zu Cäcilientag insgesamt wenig einbringen (so z. B. 700 Franken am 24.
November 1963).
Das
Jahr 1964 ist von besonderer Wichtigkeit: am ersten Weihnachtstag tritt die
Chorale zum ersten Male mit einem geistlichen Konzert vor die breite
Öffentlichkeit. Unter Leitung von Fernand Keiser wartet der Männerchor mit
Werken von Haendel, Pratorius, Schnabel, Haydn und Beethoven auf. Ein
Instrumentalensemble der "Fondation Biermans-Lapôtre" (Cité Universitaire de
Paris) wirkt ebenfalls mit; an der Orgel fungieren Marguy und Charles
Kerschenmeyer.


Neue
Akzente werden mithin gesetzt; im Bereich des Geistlichen werden höhere
Anforderungen angestrebt, zugleich aber auch eine Öffnung zum Weltlichen hin.
Man spürt, daß die Zeit reif ist, um neue Wege zu beschreiten, zumal die
"Chorale" als reiner Männerchor mit schier unüberwindlichen Nachwuchssorgen zu
kämpfen hat. So drängt sich, wenn auch nicht überall mit letzter Begeisterung,
die Öffnung zum gemischten Chor förmlich auf. Auch bei der "Chorale" zeitigt die
Emanzipation ihre (gesanglichen) Früchte ... Wirklich, die Zeiten haben sich
grundlegend geändert. Auf allen Ebenen muß ein Erneuerungsprozeß vollzogen
werden - wohl oder übel. Der gemischte Chor kennt seinen ersten gemeinsamen
Auftritt zu Weihnachten 1965.

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