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VEREINSCHRONIK DER CHORALE SAINTE-CECILE
Von Henri Wilmes
in: Chorale
Sainte-Cécile Mamer 100e annversaire, Imprimerie Saint-Paul, Luxembourg 1983,
Ss. 17-67, (mit Ergänzungen).[=Wilmes
1983]
KAPITEL 5
DER
ZEITRAUM 1970 BIS 1982
5.1
Zu neuen Ufern ...
Der
(neue) Geist der neuen Zeit macht auch vor der Kirche nicht halt.
Mithin auch nicht vor der so traditionsgebundenen "Chorale Sainte-Cécile" von
Mamer. Die Gesamtlage mit all ihren großen und ihren kleinen Aufforderungen nach
Anpassung könnte nicht treffender wiedergegeben werden als durch die
Presseberichte von Ende Januar 1970 zu der ordentlichen Generalversammlung;
geben wir von den inhaltlich übereinstimmenden Artikeln einen im Gesamttext
wieder:
Mamer.
- Bedeutende Neuerungen beim Cäcilienchor. Anläßlich der alljährlichen
statutarischen Generalversammlung begrüßte Pfarrer Jos, Eicher die in recht
großer Zahl zu der Generalversammlung erschienenen Mitglieder. Hw. Eicher sprach
allen seinen verbindlichsten Dank aus und gab sich erfreut darüber, so viel
guten Willen zur Mitarbeit in der Sängerschar gefunden zu haben. Der Kirchenchor
muß sich, um seine Daseinsberechtigung im kirchlichen Leben nicht zu verlieren,
der Entwicklung der Liturgie anpassen. Präsident Paul Schmitz dankte in seiner
Ansprache dem scheidenden Dirigenten, Herrn Fernand Keiser für seinen
langjährigen Einsatz beim Mamer Cäcilienchor. Alsdann stellte er den neuen
Dirigenten, Herrn Jos. Ries aus Cap, vor. Herr Ries verfügt über umfangreiche
Musikkenntnisse und wird den Mamer Cäcilienchor sonder Zweifel neuen Glanzzeiten
entgegenführen. In seiner Ansprache skizzierte der antretende Dirigent, der den
Mamer Sängerinnen und Sänger längst kein Unbekannter mehr ist, sein Programm,
wobei er die Neuerungen, die den liturgischen Reformen entsprechen, unterstrich.
Der Chor wird in Zukunft nur mehr an besonderen Feiertagen auf der Empore
singen; an den gewöhnlichen Sonntagen sind Sängerinnen und Sänger unter den
Gläubigen verteilt, um auf diese Art den Volksgesang zu stützen. Für den 21.
März ist eine sogenannte "Messe rythmée" (Jazzmesse) geplant. In allen
Sonntagsmessen wird das Orgelspiel von jungen Organisten vorgenommen. Nach der
Erweiterung des Vorstandes setzt sich dieser folgendermaßen zusammen: Präsident:
Paul Schmitz; Vize-Präsident: Jos Bourkel; Kassierer: Emile Knepper; Mitglieder:
Madame Hoffmann-Pettinger, Mlle Triny Wagner, Mlle Marcelle Kerschenmeyer, Roger
Leytern, Jos. Ries und Pfarrer Jos. Eicher. Sekretär ist Herr Charles
Kerschenmeyer, ohne aber Vorstandsmitglied zu sein.
(Luxemburger Wort, 30. Januar 1970)
Nach
der Ära Keiser folgt nun die Ära Ries. In diese Zeit fällt auch das Bemühen um
Organistennachwuchs (Romy Differding, Josette Wagner und Marie-Ange Hommel) und der
Einsatz von Organist Josy Jacqué. Herr Jacqué übernimmt damit einen wichtigen
Part zur würdigen Gestaltung der Gottesdienste, genau wie dies Jahrzehnte vorher
von den Organisten François Freymann und Guillaume Stoffel der Fall gewesen ist.
Auch sie verdienen wegen ihrer langjährigen Tätigkeit eine belobigende
Erwähnung; ohne sie wäre jede kirchliche Feier ärmer.
Zwei
musikalische Höhepunkte weist das Zäsurjahr 1970 auf: da stehen vorerst die
"rhythmischen Messen" vom 21. und vom 29. März, dann das geistliche Konzert vom
13. Dezember, das vierzehn Tage später in Mersch eine zweite Aufführung erfährt.
Die
"Jazzmessen" finden, obwohl völliges Neuland betreten wird, eine durchwegs
positive Aufnahme und sind zugleich für die etwa 60 Ausführenden ein Ansporn zu
weiterer Zusammenarbeit. Mit den Darbietungen von "Herr, wir rufen alle zu Dir",
angelehnt an Negro-Spirituals, und von "Joie de ma jeunesse", eher rezitativ und
psalmodierend, werden neue Ufer, neue Ziele angestrebt.
Die
Chöre von Mersch und Mamer, mit rund 100 Sängerinnen und Sängern, bieten unter
der Stabführung von Jos. Ries ein zwölf Stücke umfassendes Programm dar, wovon
nicht weniger als elf Partituren von Gönnern gespendet worden sind; der Erlös
der Veranstaltung ist für die Restaurierung des Hauptaltars der einheimischen
Pfarrkirche bestimmt.
Verstärkt bemüht man sich auch um die Gestaltung von Hochzeitsmessen.
Am
12. Juli weilt man zum Konzert in der "Fondation Emile Mayrisch" in Colpach.
5.2
Die Jahre 1971 und 1972
Der
Film der Jahre läuft weiter. Unverändert bleibt die Zahl der Proben, die jahraus
jahrein zwischen 60 und 70 pro Saison liegt.
1971:
das Büro der "Chorale" besteht nach wie vor aus dem Triumvirat Paul Schmitz
(Präsident), Charles Kerschenmeyer (Sekretär) und Emile Knepper (Kassierer).
Vokalkonzerte werden drei gegeben, zwei davon in der Ortschaft (Bazar der "Mamer
Fraenaktioun", 4. April; Fest der Amiperas, 27. Dezember), das dritte in
Kleinbettingen (11. Juli). Heben wir die Aufführung einer weiteren rhythmischen
Messe in Mamer hervor (10. Juli), die am 6. November ebenfalls in Schrassig
dargeboten wird. Weitere musikalische Höhepunkte sind die Gestaltung des
Gottesdienstes in enger Zusammenarbeit mit der Pompiers-Fanfare, die am 4. Juli
ihre neue Fahne einweiht sowie knapp vierzehn Tage später die Bruckner-Messe,
die in der Basilika von Echternach gesungen wird. Dieser Auftritt im
Abteistädtchen ist mit einer "Sortie" nach Dickweiler verbunden.
Der
Ausflug des darauffolgenden Jahres 1972 führt nach Weiswampach, das Hochamt wird
in Niederbeßlingen gesungen (14. Mai).
Knapp
einen Monat später findet das Sängertreffen des Dekanats Körich in Steinfort
statt, wo die Ries-Riege "Sanctus" und "Benedictus" der Bruckner Messe
vorträgt. Sonst bringt das Jahr vorwiegend Teilnahmen an lokalen
Veranstaltungen, die sich weltlich und kirchlich entweder im Kreis des Jahres
regelmäßig einstellen oder die in Verbindung mit einem außergewöhnlichen Anlaß
stehen (so z. B. das 40jährige Bestehen des FC Mamer 32).
Im
Verlaufe der Generalversammlung vom 26. September kommt es zu Neuwahlen für die
Zusammensetzung des Vorstandes; das leitende Gremium der "Chorale" umfaßt
nachstehende sieben Mitglieder: von weiblichen Vertretern Marcelle
Kerschenmeyer, Annie Pier und Marianne Wagner; von männlichen Jos. Bourkel,
Roger Leytem, Charles Loran und Norbert Mousel. Nicht mehr dabei sind mithin die
Herren Paul Schmitz, nach rund 20jähriger Präsidentschaft, Charles Kerschenmeyer
und Emile Knepper sowie Madame Hoffmann-Pettinger. Herr Josy Bourkel wird am 3.
Oktober das Präsidentenamt übertragen, ein gewiß nicht sorgenloser Posten; das
ist es noch nie gewesen - und wird es auch nicht sein. Das Anliegen auf zwei
Ebenen: erstens geht es darum, das anstehende 90jährige Bestehen des Vereins in
würdigem Rahmen zu begehen; zweitens lassen sich Nachwuchssorgen trotz des
vielversprechenden Elans von vor einigen Jahren nicht leugnen. |