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Das FUNDMATERIAL (Inv. Nr. 1980-64)
Keramik
a - Die vorrömische Keramik
Bei der Grabung wurden etwa zehn Tonscherben gefunden,
die mit Sicherheit der vorrömischen Zeit angehören. Es handelt sich dabei vor
allem um Bruchstücke von groben, handgeformten Gefäßen. Erwähnung verdienen
folgende Stücke:
-
Randstück eines dickwandigen Gefäßes unbekannter Form,
grober schwarzer Ton, Aussenseite rotbraun, Rand mit Fingereindrücken
verziert.
-
Randstück einer scheibengedrehten Latene-Flasche,
feiner schwarzer Ton, Oberfläche poliert.
Es sei in diesem Zusammenhang auch noch auf zwei
Silex-Abschläge hingewiesen, die im Bereich der römischen Anlage zu Tage kamen.
Sie zeugen zusammen mit den Keramikfragmenten von der vorrömischen Besiedlung
des 'Gaschtbierg'.
b - Die frührömische Keramik
Im Fundmaterial ist die frührömische Keramik relativ gut
vertreten. An erster Stelle muß hier die südgallische Terra Sigillata
hervorgehoben werden:
-
Randstück eines Tellers mit schräggestellter, leicht
gerundeter Wand und halbrunder Lippe (Form Drag. 18), aus der Schuttschicht
hinter dem Gebäude.
-
-
Randstück eines Schälchens mit gerundeter Lippe und
umlaufender Leiste (Form Drag. 24) Wand oberhalb der Leiste geriefelt, aus
der Schuttschicht in Raum VI.
-
Randstück einer konischen Tasse mit profiliertem Rand
(Form Hofheim 5), aus dem Oberflächenschutt.
-
Randstück einer Tasse mit eingeschnürter Wand (Form
Drag. 27), aus der Auffüllung der Grube in Raum III.
-
mindestens sieben, z.T. aneinanderpassende Bruchstücke
eines Reliefbechers (Form Drag. 30), aus der Abfallgrube hinter dem Gebäude;
Arkaden und pflanzliche Ornamente, Eierstab mit in Sternrosetten endenden
Quasten (wie Hofheim TaL XXVI, 5).
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Wandbruchstück einer reliefverzierten Schüssel (Form
Drag. 37), aus der Schuttschicht hinter dem Gebäude; Metopenverzierung,
Begrenzung der Bildfelder durch Wellstäbe mit Rosetten, Peleus (?) nach
links (wie Oswald-Pryce XVI,2; ähnlich Oswald 883), tanzender Pan nach
rechts (wie Oswald 722), tanzender Satyr nach links (wie Oswald 646),
Blättchen und Grasbüschel als Füllsel, Abschlußfries aus V-förmigen
Blättchen (Abb. 7,1).
-
Große Zahl von Bruchstücken von Tassen und Tellern mit
ausladendem Rand und Barbotineverzierung (Drag. 35 + 36).
Neben der südgallischen TS ist auch die Belgische
Ware gut belegt:
-
Randstück eines glockenförmigen,
rotüberzogenen Bechers mit nach innen verdicktem Rand (Form Oberaden 94/95;
Gose 315/316), aus der Schuttschicht hinter dem Gebäude.
-
Wandbruchstück eines schlauchförmigen Topfes
mit Schrägrand, Wand mit eingeritzten Schrägstrichen verziert (Form Haltern
85), rotorangefarbener Ton, Außenseite braun geschmaucht, aus der
Schuttschicht hinter dem Gebäude.
-
Die große Zahl der übrigen Bruchstücke stammt
von grautonigen Gefäßen, u.a. von bauchigen Töpfen mit Schrägrand und z.T.
Rädchenverzierung (Form Hofheim 125/126), bauchigen Flaschen mit abgesetztem
Hals und umgelegtem Rand, Rädchenverzierung auf der Schulter (Form Hofheim
120), Tellern mit glatter, gewölbter Wand, teils mit, teils ohne Standring
(Form Gose 287-290). Ein Teller der Form Gose 286 ist ebenfalls vertreten.
Als letztes sind im Zusammenhang der
frührömischen Keramik noch das Fragment eines dünnwandigen Bechers (Form Hofheim
25 A), mattgelber Scherben, Oberfläche braun gefirnißt und mit Gries bedeckt,
sowie mehrere Bruchstücke von korkwandigen Kochtöpfen (Form Haltern 91),
schwarzbrauner Ton mit Muschelmagerung, Besenstrichmuster, zu erwähnen.
c - Die Keramik des 2. und 3. Jh.
Den Hauptteil der bei der Grabung gefundenen Keramik macht das Material des 2.
und 3. Jh. n. Chr. aus. Die Terra Sigillata ist durch mehrere Bruchstücke von
halbkugeligen Tassen mit glattem Rand (Form Drag. 40), durch verschiedene z.T.
aneinanderpassende Fragmente von Reibschüsseln mit Löwenkopfausguß (Form Drag.
45) sowie einzelnen Bruchstücken von reliefverzierten Schüsseln (Form Drag. 37)
vertreten, z.B.:
-
Bruchstück einer reliefverzierten Schüssel
mit Eierstab (Form Drag. 37; mittelgallisch ?), Darstellung bruchstückhaft,
aus der Schuttschicht im Keller (Abb. 7,2)
-
Wandbruchstück einer reliefverzierten
Schüssel mit Eierstab (Form Drag. 37; ostgallisch), Gladiatorenszene
(Gladiator nach rechts wie Oswald 1031 A), gefunden an der östlichen
Außenwand (Abb. 7,3)
-
Bruchstück einer reliefverzierten Schüssel
mit Eierstab (Form Drag. 37; ostgallisch), sichernder Hirsch, Rosetten als
Füllsel, aus der Abfallgrube hinter dem Gebäude (Abb. 7,4)

Abb. 7
Reliefverzierte Terra Sigillata
Die übrige Keramik kann an dieser Stelle nur überblickartig vorgestellt werden:
-
Firnißware: zahlreiche
Bruchstücke von Bechern mit Karniesrand und Griesbewurf (Formen Gose
188-190); einzelne Scherben von Faltenbechern mit Rundstablippe (Form
Niederbieber 33), z.T. mit Kerbband
-
Goldglimmerware: halbkugelige
Schüssel mit Horizontalrand (Form Gose 240); fußloser Teller mit schräg
ansteigender Wand und Horizontalrand (Form Gose 242 bzw. 483).
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Glattwandig-tongrundiges Geschirr:
Ein- bzw. Doppelhenkelkrüge (u.a. Formen Gose 368-371,408/9); Honigtöpfe
(Form Niederbieber 79); Reibschüsseln mit Horizontalrand (Form Niederbieber
86).
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Rauhwandig-tongrundiges Geschirr:
zahlreiche Fragmente von Schüsseln mit Wulstrand (Form Niederbieber 104);
Schüsseln mit einwärts umgeknicktem Rand (Formen Gose 494-496 ).
-
Sehr gut vertreten ist im übrigen die leicht
gebrannte, schwarze bis rotbraune, mit Muschelmagerung durchsetzte Ware, die
im 3. Jh. u. a. auf dem Titelberg, aber auch in Mamer selbst hergestellt
wurde (Formen Trierer Zeitschr. 35, 1972,316 Abb. 12; Hémecht 27, 1975,461
Abb. 27).
Münze
Bei der Ausgrabung wurde nur eine einzige Münze gefunden, und zwar in Raum III
neben der Feuerstelle. Es handelt sich dabei um eine lokale Nachahmung eines
zwischen 268 und 270 n. Chr. in Rom geprägten Antoninians des Kaisers
Claudius II. Gothicus.: Typ RIC 54-55 (F?) — I—I—- (CML 412)
(14 Die Bestimmung der Münze
erfolgte durch Herrn R. Weiller).
[FMRL III, p. 250]
Fouilles du MNHA (mai 1980)
Imitation locale
Claudius II Gothicus
1 RIC 54-55 (F ?) (Antoninien, Rome, 268-270) CML 412

Claudius II Gothicus auf einem Antoninian aus Mediolanum
(Mailand)
Fibeln
Insgesamt wurden vier Fibeln bzw. Fibelfragmente entdeckt, alle in der
Abfallgrube hinter dem Gebäude (Abb. 8):
-
Einfache Drahtfibel mit unterer Sehne,
vierfacher Windung und geschlossenem Fuß (,Soldatenfibel' ; Ettlinger Typ 4;
flavisch).
-
Gestreckte Scharnierfibel mit profiliertem
Bügel, verzinnt (Ettlinger Typ 31; 1. Jh. n. Chr.).

Abb. 8 Die Fibeln
Kleinfunde
Eisen
-
Unter den Kleinfunden aus Eisen überwiegen
verständlicherweise bei weitem die Nägel unterschiedlicher Form und Größe.
Schon erwähnt wurden die elf massiven Eisenstifte aus der Brandschicht in
der NO-Ecke des Raumes IV (Abb. 6).
-
Eine Auswahl weiterer Eisenteile zeigt Abb.
10 (6-10). Zu erwähnen sind auch noch ein Schreibgriffel (L. 14 cm), ein
Beschlagteil, ein Eisenring und ein Kettenglied.
-
Zwiebelförmige Bleikugel aus dem
Oberflächenschutt, 0 3,5 cm.
-
Beinerne Näh- bzw. Haarnadelfragmente, aus
der Abfallgrube hinter dem Gebäude (Abb. 10, 12).
-
Scharnierfibel mit kreisförmigem,
emailverziertem Bügel und Tierkopffuß (Ettlinger Typ 37; L Hälfte 2. Jh. n.
Chr.).
-
Nadel einer Scharnierfibel (Typ nicht mehr zu
bestimmen).


Abb.10: Auswahl der Kleinfunde aus Bronze (1-5), Eisen
(6-10) und Bein (11-12), M. 1:2
Glas
In der Abfallgrube hinter dem Gebäude wurden
mehrere Glasfragmente gefunden, z.T. von dickwandigen Flaschen aus
grünlichem bzw. bläulichem Glas, z. T. von dünnwandigen Gefäßen aus
hellolivfarbenem Glas, ohne daß sich aber Formen genau bestimmen ließen.
Fensterg!as wurde keines entdeckt.
Kleinfunde aus Ton, Bronze, Eisen, Blei und Bein
-
Fünf Fragmente einer Terrakotte
(Muttergottheit), weißer Ton, H. etwa 18 cm, aus der Abfallgrube hinter dem
Gebäude (Abb. 9).

Abb. 9
Terrakotte einer Muttergottheit
-
Bruchstück eines Lichthäuschens,
rotorangefarbener Ton, aus dem Oberflächenschutt.
-
Bronzenadel, 24 cm lang,
Ø 0,4 cm, aus der Abfallgrube hinter
dem Gebäude (Abb. 10,1).
-
Beschlag aus dünnem Bronzeblech, aus der
Abfallgrube hinter dem Gebäude (Abb. 10,2).
-
Bronzelöffelchen, Griff abgebrochen, aus der
Trümmerschicht in Raum VI (Abb. 10,3).
-
Bronzebeschlag (?) mit Kerbverzierung, an der
Rückseite beschädigte Eisenöse, aus der
Abfallgrube hinter dem Gebäude (Abb. 10,4).
-
Platter, ovaler Bronzering, aus der
Abfallgrube hinter dem Gebäude (Abb. 10,5).
-
Bruchstück eines Bronzearmrings mit glatter
Oberfläche und rundem Querschnitt (Ø 5,7
mm), aus der Schuttschicht in Raum IV.
Sonstiges
Abschließend sei noch angeführt, daß in der ganzen Anlage, besonders aber in der
Abfallgrube hinter dem Gebäude eine relativ große Anzahl von Austernschalen
gefunden wurde. Erwähnung verdienen auch eine große Menge von außergewöhnlichen
Verputzresten aus einem feinen, weißen Kalkmörtel (Abb. 11), die hauptsächlich
im Oberflächenschutt lagen. Sie dürften von einem eindrucksvollen Deckenputz
herrühren. In der Kellerauffüllung lagen noch sechs Mühlsteinfragmente, teils
aus Basaltlava, teils aus einem Konglomerat aus grobem Quarzsand.

Abb. 11 Verputzreste aus Kalkmörtel
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die römische Villa auf dem Mamer ,Gaschtbierg' liegt auf einer landschaftlich
reizvollen Anhöhe über dem Mamertal, in rund 900 m Entfernung vom Zentrum des
Vicus am Tossenberg, einer Straßenstation an der wichtigen römischen Fernstraße
Reims - Arlon - Trier.
Etwa 200 m unterhalb der im Frühsommer 1980 ausgegrabenen Anlage befindet sich
links des Feldweges zum ,Gaschtbierg' eine weitere ausgedehnte römische
Trümmerstätte (15
Hémecht 25, 1973, 494,
Tafel 2 ,O'),
bei der es sich wegen der Größe kaum um eine Dependenz des freigelegten Gebäudes
handeln kann. Die Vermutung liegt deshalb nahe, daß es in der unmittelbaren
Umgebung des Mamer Vicus eine Reihe von Vorstadtvillen gab
(16 Vgl. auch ebd. die
Trümmerstätten ,F', ,H', ,L'.),
die von etwas wohlhabenderen Vicusbürgern bewohnt wurden. Auf ein relativ reich
ausgestattetes Bauwerk weist im Falle der Villa auf dem ,Gaschtbierg' allein
schon der schöne Keller hin. Verwunderlich ist eigentlich nur das Fehlen einer
Heizungsanlage in einem der Räume.

Nach Auskunft des Fundmaterials entstand der Bau um die Mitte des 1. Jh. n.
Chr., spätestens jedoch in vespasianischer Zeit (17
Siehe auch J. Metzler, Hémecht 25, 1973, 500 f.),
und wurde bis in die 2. Hälfte des 3. Jh., wahrscheinlich bis zu den
Germaneneinfällen von 275/276 (18 Bei diesen
Germaneneinfällen wurden auch der Vicus und die Thermenanlage zerstört; J.
Metzler/J. Zimmer, Hémecht 27, 1975, 464 f.),
weiterbenutzt. Seine Blütezeit liegt eindeutig in der Frühzeit, d.h. in der 2.
Hälfte des 1. und im 2. Jh.
Besonders die südgallische Terra Sigillata läßt auf den
hohen Lebensstandard der ersten Bewohner schließen. Wann die bei der
Beschreibung des Baubestandes erwähnten Umbaumaßnahmen erfolgten, läßt sich
nicht mehr ermitteln. Zumindest der Einbau der seltsamen Anlage in Raum III
gehört in die Endphase der Bewohnung, als vielleicht schon ein Teil des
ursprünglichen Gebäudes aufgegeben war. Es sieht so aus, als wäre hier in der
zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts eine kleine Schmiede eingerichtet
worden, die das auf dem "Gaschtbierg" reichlich vorhandene Rasenerz
verarbeitete. Der prachtvolle Keller der Vorstadtvilla wurde in dieser Zeit als
Schlackendepot benutzt, bevor die Anlage im späten 3. Jh. dann endgültig
aufgegeben wur
de.
KORREKTURNACHTRAG (10.12.1980): Bei den inzwischen bis auf den
"Gaschtbierg" vorgedrungenen Autobahnbauarbeiten konnten rechts des Feldwegs
zwei kleinere Nebengebäude der beiden großen Villen festgestellt werden.

Aus [Smith, 1997, S. 27.]

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