
Die
von Arlon herkommende römische Fernstraße Reims-Trier weicht nördlich der
Ortschaft Mamer nach Süden aus, um das bis zu 40 m tief eingeschnittene Tal des
in nördlicher Richtung fließenden Baches Mamer zu umgehen. Die Überquerung des
besagten Baches erfolgte in der Antike in fast flachem Gelände mittels einer
Furt oder einer Brücke (Taf. 2, etwas nördlich von D),
Höhe 288 m ü. NN). Südlich des Mamerübergangs ersteigt die Römerstraße den
Osthang des Hügelrückens "Bierg" und weicht dem Sammelbecken eines
kleinen Zulaufs der Mamer aus, ehe sie parallel zur heutigen E 9 ihre Ost-West
Richtung via Strassen (!), Luxemburg und Trier wiederaufnimmt.
Wie
die Grabungen von 1971 und 1973 gezeigt haben, erstreckte sich der römische
Vicus von Mamer vorwiegend auf dem nördlichen Abhang der Flur "Bierg"
(Taf. 2, A-D) und wurde durch zwei größere Gräberfelder begrenzt (Taf. 2,
G und I).
Die
erste Erwähnung von Mamer datiert ins frühe Mittelalter. Am 8. April 960
vermachte Luitgard, Tochter Wigerichs und Kunigundens und Schwester Sigfrids,
des ersten Grafen von Luxemburg, ihr elterliches Erbgut Mambra der Abtei Sankt
Maximin von Trier. Inwieweit der Name Mambra mit der antiken Bezeichnung unseres
Vicus übereinstimmt, ist schwer bestimmbar, da Mamer weder im Itinerarium
Antonini, noch auf der Peutinger-Karte erwähnt wird
[1 Camille Wampach; Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte
der altluxemburgischen Territorien bis zur burgundischen Zeit. Bd. 1. Luxemburg
1935, S. 216, N. 168.].
Der bekannte
Luxemburger Historiker Alexander Wiltheim schreibt als erster in der zweiten
Hälfte des 17. Jahrhunderts von römischen Funden bei Mamer und vermutet in der 3
km östlich gelegenen Ortschaft Strassen einen Vicus Strata
[2
Alexander Wiltheim; Luxemburgensia sive Luxemburgum Romanum, Ed. Neyen,
Luxemburg 1852, S.94],
1844 erreichte den archäologisch interessierten Gouverneur de la Fontaine die
Nachricht, daß man auf der Flur Tossenberg bei Mamer auf römische
Ueberreste gestoßen war (Taf. 2,
G). Noch im gleichen Jahr veranlaßte de la Fonraine Nachgrabungen und
entdeckte eine Anzahl römischer Brandgräber, von deren Beigaben er 60 Gefäße an
die damalige "Société pour la Recherche et la Conservation des Monuments
Historiques" abtrat. Die publizierten Stücke scheinen, mit Ausnahme von
einigen fränkischen Töpfen, vom zweiten bis ins vierte Jahrhundert zu datieren
[3 Publications de la Section
Historique I, 1845-1846, Rapport du Conservateur, S. 25; V, 1850, S. 140, Taf.
III, IV].
1844 veröffentlichte der Chevalier
l'Evêque de la Basse-Moutûrie sein "Itinéraire du Luxembourg Germanique“
[4
Chevalier I'Evêque de la Basse-Moutûrie ; Itineraire du Luxembourg Germanique,
Luxemburg 1844. S. 44-50].
Auch hier findet die mehrschichtige Gräberanlage auf dem
Bartringer Bann Erwähnung in Zusammenhang mit einer in nächster Nähe vermuteten
Mutatio oder "relais" an der Römerstraße. In seinem Aufsatz "Die
Römerstation auf dem Tossenberg“ aus dem
Jahre 1849, erwähnt Joh. Engling über 1000 entdeckte Grabgefäße, sowie
verschiedene Mauerreste und Brunnen
[5 Joh. Engling; Die Römerstation auf dem Tossenberg, in:
Publ. Sect. Hist. V 1849, S. 132 ff. Taf. IV]. Mit
Hilfe des Urkatasters kann man die auf Englings Lageplan zu ungenau und zum Teil
falsch eingezeichneten Siedlungsspuren genauer lokalisieren [6
Die genauere Lokalisierung dieser Punkte ist Ingenieur N. Folmer vom Katasteramt
Luxemburg zu verdanken].
Interessant ist die Bemerkung Englings,
daß der Bauer Johann Marx aus Mamer im Jahre 1832 bei Steinbrucharbeiten auf dem
Schloßberg ("Bierg") "mehrere behauene Steine, eine Menge antiker
Köpfe mit jugendlichen Gesichtern und von verschiedener Größe, mancherlei Töpfe
und Urnen, sowie auch, seinem Ausdrucke gemäß, "alte Dubblen" fand
[7 Engling S. 137].
Zwei dieser Köpfe sind noch heute zu beiden Seiten des Scheunentors des "Dickenhauses"
in Mamer eingemauert. Man geht sicherlich nicht fehl, wenn man in diesem Fund
die Reste eines monumentalen Grabdenkmals, ähnlich denen von Lellig, Remerschen
oder Grevenmacherberg sieht [8 Gerard Thill; Neue
Ausgrabungsergebnisse in «Weiler» zwischen WasserbilIig und Lellig, in: Hemecht
4, 1971, S. 489 ff. - Das Grabdenkmal-eines gallo-rörnischen Großwinzers und
Weinhändlers bei Remerschen, in: Hemecht 2, 1972, S. 209 ff. - Das 1972 und 1973
ausgegrabene Grabmonument von Grevenmacherberg ist noch in Bearbeitung.],
besonders da der Fundort (Taf. 2, N) in der Gabelung der römischen
Fernstraße und einer nach SW abgehenden Nebenstraße liegt (vgl. Aufsatz Folmer).
Im Jahre 1850 dann wurde auf dem
Tossenberg (Taf. 2, G) ein Skelettgrab mit 12 Münzen aus der zweiten
Hälfte des IV. Jahrhunderts gefunden [9 Raymond
Weiller; Die Fundmünzen der römischen Zeit im Großherzogtum Luxemburg, Berlin
1972, S. 65, N. 31. - Eine Zusammenstellung aller Quellen gibt N.
Flener-Delcourt in seiner Broschüre: Aus der Geschichte der Ortschaft Mamer,
Luxemburg 1960.].
Ein Jahrhundert lang war es verhältnismäßig ruhig um die römischen Überreste am
Tossenberg. Im Jahre 1968 unternahm eine Amateurgruppe aus Bartringen - mit
ministerieller Erlaubnis - eine Probegrabung am Fuße des Tossenberges (Taf 2,
F). Man deckte verschiedene kleine Räume auf, wovon einer mit einer
Hypokaustanlage versehen war. Das Interesse hielt allerdings nicht allzu lange
an, so daß die Zusammenhänge jener Bauspuren heute nicht erkannt werden können,
besonders da weder Grabungsbericht, noch Grabungsunterlagen vor liegen
[10 Weiller, op. cit. S. 65, N. 32.].
Erst die Notgrabungen der Jahre
1972-1973, die zum Teil unter den schwierigsten Bedingungen durchgeführt werden
mußten, brachten dann etwas mehr Licht, wenn auch ein sehr trübes, in den Vicus
von Mamer. Parallel dazu wurden durch Felderbegehungen eine Reihe neuer
Siedlungsspuren in nächster Nähe des Vicus entdeckt
[11 Das Verdienst dieser Entdeckungen gebührt vor allem
Herrn G. Hess vom Staatsmuseum.]. Die keineswegs
vollständige archäologische Siedlungskarte der Umgebung von Mamer sieht im
Moment wie folgt aus: (Vgl. Taf. 2):


Tafel 2

A-D -
Grabungsflächen von 1971 und 1973.
Wohnviertel des Vicus. (Faltplan und Luftaufnahme auf Tafel 3).
E -
Im Spätherbst 1973 entdeckte
Bäderanlage. Die Notgrabung war bei der Drucklegung dieses Aufsatzes noch nicht
abgeschlossen. (Faltplan und Luftaufnahme auf Tafel 3).
F -
Grabungsfläche von 1968. Bauspuren von
mehreren Räumen.
G -
Grabungsfläche von 1844. Großes Gräberfeld. (lI-IV Jh.) (Engling
Taf. IV, 9).
H - 1973 entdeckte Siedlungsspuren in einer Baugrube.
I
- Im Jahre 1973 zerstörtes
Gräberfeld. (I-lI Jh.).
K -
Im 19. Jahrhundert entdeckte römische
Zisterne. (Engling
Taf. IV, 4).
L -
Im 19. Jahrhundert entdeckte Siedlungsspuren. (Engling
Taf. IV, 3).
M -
Im 19. Jahrhundert entdeckter römischer Brunnen. (Engling
Taf. IV, 5).
N -
Im Jahre 1832 gefundenes römisches Grabmonument.
O-Q -
Siedlungsspuren von Einzelbauten.
R-Z -
Römische Bauspuren im tief eingeschnittenen Tal der Mamer. (Engling
Taf. IV, 7).
S -
Vorgeschichtliche Fliehburg mit Abschnittswall. (über der sogenannten "Drepslay").
T -
Im Jahre 1972 ausgegrabenes Gräberfeld aus der zweiten Hälfte des 1.
Jahrhunderts.
U -
Bauspuren nahe der Römerstraße.
V -
Im Jahre 1970 gelegtes Profil durch die Römerstraße (vgl.
Taf. 6, B).
X-Y - Ausgedehnte römische
Trümmerstätten.


Tafel3
Luftaufnahme der verschiedenen Grabungsabschnitte 1971-73
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