|
ÖFFENTLICHE BÄDERANLAGE UND SPÄTANTIKE BAURESTE IM
GALLO-RÖMISCHEN VICUS VON MAMER
von Jeannot METZLER und Johny ZIMMER
in Hémecht 1975/27, pp. 429-475.
Die römische Badeanlage
Im Laufe der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus ebnete man das
leichte Prallufer nördlich der Mamer ein, indem man eine künstliche Terrasse
schuf. Auf dieser, dicht am Bach gelegenen Plattform, wurde das erste
öffentliche Thermengebäude des römischen Vicus von Mamer errichtet.
A.2. Periode II A
(Abb. 6)
 
Dieser kleine Kernbau blieb ausschließlich auf die
drei Hauptkomponenten von römischen Thermen beschränkt. Vereinfacht hatte das
Gebäude einen langrechteckigen Grundriß von 13,80 x 5,90m mit drei Apsiden im
Warmraum und einer im Kaltraum.
Die Bauweise aller Perioden des Bades bestand aus Schalenmauerwerk mit
Handquadern aus Sandstein.
Der Eingang lag in der Ostwand des Frigidariums (Raum 4), zwischen zwei äußeren
Mauervorsprüngen, die einen 1,80m breiten Türrahmen trugen. Die unübliche
asymetrische Lage der sicherlich zweiflügeligen Tür ist durch die geringe Fläche
des Kaltraumes von nur 4,30 x 4,50m Innenmaßen zu
erklären. Ein axial gelegener Eingang hätte hier den Zugang zu der nach Süden
vorspringenden Apsis von 2,50 x 2,70 m Seitenlänge gestört (Raum 5).
Die Wände dieser Apsis trugen eine Verblendung aus flachgelegten Ziegeln und
einem guten Kalkverputz mit Viertelrundstab in den Kanten. Der Boden des so
abgedichteten Beckens lag 0,60m tiefer als der Estrich des Kaltraumes. Man darf
annehmen, daß die Ziegelverkleidung dieses Beckens auf einer gewissen Höhe
zurücksprang und eine schmale Sitzbank bildete. Die späteren Überbauungen hatten
jegliche Spur sowohl des Wassereinlaufes als auch des Ablaufes zerstört.
Ausschließlich eine mit Steinen ausgelegte Rinne wurde südöstlich vom
Frigidarium angeschnitten.
Der mittlere Raum oder Tepidarium (Raum 3) hatte auf seiner Fläche von 3,30 x
4,50m eine Fußbodenheizung, welche vom Hauptpraefurnium indirekt über den
Warmraum beheizt wurde. Spuren einer Badewanne wurden in diesem Raum keine
gefunden. Daß man sich hier jedoch mit warmem Wasser übergießen konnte, davon
zeugt eine mit Steinen gesetzte äußere Abflußrinne.
Ein 3,40 x 4,50m großer rechteckiger Raum mit drei Apsiden bildete das Caldarium
(Raum 2). Während die halbrunde Nische in der Südwand wahrscheinlich nur zur
Aufnahme einer Statue oder einer Sitzbank diente, waren sowohl die West- als
auch die Nordapsis mit Becken versehen. In der 1,10 x 1,80m großen Westnische
wurden Bruchstücke einer ovalen Wanne gefunden.
Das am stärksten
aufwärmbare Becken lag in der Nordapsis direkt über dem Feuergang des
Praefurniums. Wie im Kaltbad bestand auch hier eine Verblendung aus
flachgelegten Ziegeln. Während in dieser 2,70 x 1,80m großen Wanne mehrere
Badende gleichzeitig Platz finden konnten, war das nicht ganz so heiße Becken an
der Westwand nur gerade groß genug für eine Person.

Abb. 32 – Das Caldarium des Bades bei der Ausgrabung

... und auf einem Modell des MNHA.
Die Abflußrinne dieser beiden Becken ist westlich des Caldariums
angeschnitten worden. Der Einlauf des heißen Wassers aus den Vasaria lag höher
als die uns erhaltenen Baureste.
Der Heizraum (Raum I) schloß nördlich an das Caldarium an. Bemerkenswert ist die
Tatsache, daß das Caldarium hier einen einheitlichen Mauerblock bildete, d. h.
daß die Mauern des Heizraumes mit Baufugen an jene des Caldariums anstießen. Ob
in früher Zeit hier ein Holzschuppen bestand, ist nicht zu entscheiden. Als
Boden des Praefurniums diente der anstehende Fels.
Westlich vom Heizraum war eine Grube in den Sandstein geschlagen und mit einer
Seitenverkleidung aus Eichenbohlen ausgestattet (Abb. 33-34).

Abb. 33 – Im Westprofil von Grabungsschnitt I ist die Grube des
Wasserreservoirs zu erkennen.

Abb. 34 – Der hölzerne Wasserbehälter der Thermenperiode II A – II C
während der Ausgrabung (die Bretter auf dem Grund des Bassins sind modern).
Die 0,40cm breiten, 6cm dicken Bretter, welche durch eine
Schwalbenschwanzverzahnung gehalten waren, grenzten einen quadratischen Behälter
von 1,80 m Seitenlänge ab. Der schmale Raum zwischen dem ausgehauenen Felsen und
den 8 erhaltenen Holzbohlen war mit sehr feinem festen Ton abgedichtet. Der
Boden dieses Behälters bestand aus Sandstein, in den eine zusätzlich, kleinere
Grube eingearbeitet war. Die Sohle der Anlage lag 2m unter dem Estrichniveau der
Thermen. Die Auffüllung bestand aus blauem Lehm und Holzresten sowie mehreren
Wandscherben von Terra-Belgica-Gefäßen.
Die Anlage scheint ein kombiniertes Wasserbassin und
Schlammfänger gewesen zu sein, aus dem das Wasser mit Hilfe von Pumpen in die
über dem Praefurnium stehenden Bronzekessel geleitet wurde. Die oberen Schichten
der Grube waren jedoch später gestört worden, so daß keine Spur von einem
Einlauf gesichert werden konnte, Die dendrochronologische Untersuchung des
Eichenholzes ergab ein Fällungsjahr um oder kurz nach 70 n. Chr.
(2 Weitere Angaben in: E.
Hollstein, Westdeutsche Eichenchronologie, Mainz 1976 (in Vorbereitung).
Herrn E. Hollstein vom Landesmuseum Trier sei für seine dendrochronologischen
Untersuchungen herzlichst gedankt.). Die Scherben der
Füllung deuten auf eine schnelle Aufgabe dieses Reservoirs hin.
Das erste Badegebäude des römischcn Vicus von Mamer war also ein
ziemlich bescheidener Bau, welcher für eine kleine Gemeinschaft bestimmt war.
Der Grundriß läßt als Deckenlösung für das Caldarium ein Kreuzgewölbe vermuten
(vgl. Abb. 15).
 
Die Statik könnte somit erklären, daß der Heizraum mit einer Fuge
gegen das Caldarium angebaut war. Das Tepidarium sowie das Frigidarium scheinen
ein Ost-West-gerichtetes Tonnengewölbe getragen zu haben. In unserem feuchten
Klima muß jedoch ein zusätzliches Satteldach nötig gewesen sein, wie die vielen,
in der Grabung gefundenen Dachziegel bezeugen.
Die Frage, ob beim Kernbau der römischen Thermen von Mamer das Frigidarium als
Auskleideraum diente, oder ob, wie neuerdings verschiedentlich festgestellt
wurde, man mit einem hölzernen Apodyterium rechnen muß, ist durch die
tiefgreifenden späteren Umbauten nicht zu lösen
(3 D. Baatz, Römische
Bäder mit hölzernen Apodyterien, in: Archäologisches Korrespondenzblatt, 3,
1973. 345 ff.).
Wie anderorts bewiesen, waren die Außenfassaden von Thermen meistens weiß
getüncht. Reste eines dunkelroten Kalkbewurfes zeigen jedoch, daß die ersten
Gebäude von Mamer einen roten äußeren Sockel besaßen.
Da die markantesten frühen Kleinfunde in der Schmutzschicht über dem Boden von
Raum 6 der Perioden II B und II C gefunden wurden, können diese die erste
Bauphase nur relativ datieren (vgl. Periode II C und Abb. 26).
Einen wertvollen Hinweis auf die Zeitstellung gibt uns die
dendrochronologische Untersuchung des Holzbehälters, welcher sicherlich
gleichzeitig mit dem Kernbau angelegt wurde. Als frühesten Zeitansatz des ersten
Thermenbaues dürfte somit die frühflavische Zeit in Frage kommen.
|