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ÖFFENTLICHE BÄDERANLAGE UND SPÄTANTIKE BAURESTE IM
GALLO-RÖMISCHEN VICUS VON MAMER
von Jeannot METZLER und Johny ZIMMER
in Hémecht 1975/27, pp. 429-475.
A.3. Periode II B
(Abb. 7)
 
Schon bald nach der Fertigstellung des Kernbaus
des Bades, wurde ein neuer Raum von 4,50 x 3 m im Osten angebaut. Der Fußboden
bestand aus gestampftem, mit Ziegelkleinschlag vermengtem Lehm. Als
Zweckbestimmung dieser Vergrößerung kann nur an ein Apodyterium gedacht werden.
Da der Boden dieses Raumes auch in der nächsten Periode lIebenutzt wurde, kann
man die in der Schmutzschicht über diesem Estrich gefundenen Kleinfunde nur den
zwei Perioden gemeinsam zuweisen (vgl. Abb. 26).
A.4. Periode II C
(Abb. 8)
 
Als dritte Erweiterung wurde an die Räume 3, 4 und 6 im Norden ein 3,20m breiter
korridorähnlicher Raum (7) angebaut und zum Teil mit einem Lehm-Ziegelestrich
ausgelegt. Wie Profil A- B (Abb. 20) zeigt, fehlte dieser Belag im westlichen
Teil dieses Raumes, so daß man mit einer Unterteilung durch Holzverschläge
rechnen muß.
Zur gleichen Zeit wurde der bis in die letzte
Thermenperiode bestehende Oberbau des Praefurniums errichtet. Über eine Tür in
der Ostwand war der Heizraum zugänglich. Direkt neben dieser Tür lag auch der
Zugang zu dem neuen Anbau 7. Diese Beobachtung setzt die Zweckbestimmung dieses
Raumes am ehesten in den Arbeitsbereich des Bades.
Als Datierungsgrundlage der Perioden II B und II C kommen hauptsächlich Funde in
Frage, welche in der 5cm dicken Schmutzschicht über dem Boden von Raum 6
verloren gegangen waren. Da der Boden dieses Raumes nicht in Periode II C
erneuert wurde, geben die Funde die Benutzungszeitspanne vom Beginn der Periode
II B bis zur Oberbauung durch Phase II D an.
Die 13 Fundmünzen dieser Schicht stammen
ausschließlich aus der 2. Hälfte des 1. und aus dem Beginn des 2. Jahrhunderts.
Die späteste Prägung ist eine Münze Trajans aus dem Jahre 111 n. Chr. (vgl.
Beitrag Weiller).
Die hier gefundenen Fibeln unterstreichen diese
Zeitsetzung (vgl. Abb. 21, Nr. 7, 8, 9, 10, 11, 12).
Die Keramik besteht aus Terra-Belgica-Gefäßen und
aus südgallischer Sigillata (vgl. Abb. 26, Nr. 2-8).
 
Diese chronologisch gut zusammenhängenden Kleinfunde geben das zweite Jahrzehnt
des zweiten Jahrhunderts als terminus post quem für den Bau der nächsten
Thermenperiode II D an. Somit darf man annehmen, daß die Umbauten II B - II C in
einer Zeitspanne von 50 Jahren zwischen 70 und etwa 120 n. Chr. angelegt wurden.
A.5. Periode II D
(Abb. 9)
 
In der vierten Thermenperiode wurde der
korridorähnliche Raum im Norden verkürzt, indem man eine Querhalle von 11,60 x
5,90m an die ursprüngliche Ostfassade anbaute. Hierfür wurden die alten Mauern
des Anbaues der Periode II B bis zur Fundamenthöhe abgerissen und mit einem
guten Kalkestrich überbaut. Ein Kalksteinquader von 0,60 x 0,78 x 0,50 m diente
als Fundament für eine Säule, wie der Abdruck an der Oberseite des Blockes
zeigt. Leider war keine Spur mehr von der zweiten Säule vorhanden, welche
unweigerlich bestanden haben muß.
Aus dem archäologischen Befund geht also hervor, daß der Anbau von Periode II D
aus einer zweischiffigen Querhalle bestand, die ohne Zweifel als Auskleideraum
gedient haben muß. Als Zeitansatz darf das zweite Jahrzehnt des zweiten
Jahrhunderts n. Chr. gelten (vgl. II C).
A.6. Periode II E
(Abb. 10)
 
Leider erlauben die Funde nicht, eine genaue Datierung des bedeutendsten Umbaus
der Thermen zu geben. Etwa in der zweiten Hälfte des II. Jahrhunderts n. Chr.
gab man den Anbau der Periode II D auf, hielt jedoch am Prinzip einer
Nord-Süd-Querhalle, nur in großzügigerem Maßstab fest.
Man baute die alte Ostfassade von Periode II D bis auf mindestens 30m Front aus
und zog eine gleichlange Mauer quer durch das Frigidarium, das alte Kaltbecken,
sowie den korridorähnlichen Raum im Norden.
Die durch diesen Umbau entstandene 9m breite und
mindestens 30m lange Querhalle teilte man in verschiedene Räume auf. Das
Frigidarium (4) hatte jetzt einen fast quadratischen Grundriß, welcher durch die
alten Säulen von Periode II D sowie durch zwei Mauervorsprünge in drei Schiffe
geteilt wurde.
Südlich an das Frigidarium schlossen zwei neue Becken (5 u. 6) von 4,50 x 2,20m
an, welche durch einen mittleren Gang zugänglich waren. Leider wurde von dem
östlichen Becken nur der vollkommen zerstörte Estrich sowie der Abwasserkanal
gefunden. (Auf dem Periodenplan wurde diese Wanne symmetrisch zur westlichen
ergänzt.)
Für den Bau des Nordraumes wurde der Sandsteinfelsen ausgeschlagen. Der
Kalkestrich dieses Raumes lag 0,40m höher als jener des Frigidariums.
Die Zweckbestimmung der Räume 7 - 11 ist unklar. Man darf annehmen, daß es sich
hier um Aufenthalts- und Massageräume handelte. Raum 9, der fast ganz vom Bach
zerstört war, könnte eventuell als Latrine gedeutet werden. Jedenfalls läuft der
Abwasserkanal des Kaltbeckens im Bogen auf diesen Raum zu, und dürfte somit
zugleich als Spülung einer Latrine gedient haben.
A.7. Periode II
F
(Abb. 11)
 
Bis zum Anfang des dritten Jahrhunderts waren die Auskleideräume der Thermen
mehr oder weniger kleinräumig und unbeheizt, oder durch Kohlebecken erwärmt.
Dieser Mangel wurde durch den letzten Ausbau aufgehoben.
Zwei mit Bodenheizung versehene Räume (Nr. 13 und
15), welche durch einen schmalen Gang voneinander getrennt waren, wurden im
Osten an die Querhalle angesetzt. Der untere Boden der Hypokaustheizung des
nördlichen Raumes lag 0,35 m höher als jener des südlichen Anbaues, Das kleine
Praefurnium von Raum 13 lag an der Ostfassade, jenes von Raum 15 an der
Südfassade. Weiter wurden in dieser Periode die Becken des Kaltbades in
halbrunde Wannen umgebaut.
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