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Skandal am Tossenberg II

Chronologie einer versuchten Rettungsaktion

" Au Luxembourg, entre 1990 et 2000, il y a eu autant de surfaces aménagées qu´en 20 siècles et seul 1% de ces superficies ont pu faire l´objet d´un suivi archéologique. Sur le plan historique et architectural, la spéculation immobilière et les problèmes de logement entraînent également la destruction croissante de demeures à forte valeur culturelle. Si l'on effectue une prognose en chiffre constant, face aux importantes destructions constatées sans documentation, lors des cinquante prochaine années, plus d´un tiers du patrimoine archéologique, architectural et culturel luxembourgeois risque d´être détruit irrémédiablement en l´espace d'une à deux générations. "
(Statistiques Culturelles du Ministère de la Culture)

 

6. August 1996

Kaum haben sich die Gemüter über das «Vichtener Mosaïk» und den «Bauer von Vichten» beruhigt, als sich mitten in den Sommerferien schon ein neuer archäologischer Skandal ankündigt:

Staatssekretär Georges Wohlfart und der Mamer Bürgermeister Henri Hosch stellen das Projekt eines zukünftigen Lyzeums am Tossenberg in Mamer vor.

"Er habe keinen Bedenken", unterstrich Hosch, "da das Projekt keinen negativen Einfluss auf die Landschaft und die Umwelt habe."

Mit keinem Wort wird erwähnt, dass der geplante, von der Gemeinde vorgeschlagene Standort "Op Bierg" und "Woeltgebund" im Bereich der gallo-römischen Siedlung liegt.
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Soll es nun, 23 Jahre nach dem "Skandal am Tossenberg", zu einer Wiederholung dieses Massakers kommen?

Man kann sich die Frage stellen, ob die Mamer Gemeindverantwortlichen an Gedächtnisschwund leiden oder bewusst handeln? Handelt es sich einfach um Bequemlichkeit (Verhandlungen mit nur einem einzigen Baugrundeigentümer)? Wollten sie vielleicht dem Luxemburger Staat eins auswischen und ihm ein "Problemstandort" vorschlagen? Oder ging es um Begünstigungen oder persönlichen Nutzen?

Am wahrscheinlichsten ist die Hypothese, dass hier Lokalpolitiker mit allen Mittel versuchen, sich das Verdienst zu erwerben, das neue Lyzeum in ihre Gemeinde zu bringen und sich durch nichts, und schon gar nicht durch ein paar antike Überreste, davon abbringen lassen.

Die Gemeinde Mamer war noch nie zimperlich, was den Umgang mit ihrem historischen Erbe angeht:

• In den Jahren 1990/91 wurden beim Verlegen von Gasleitungen an der Einmündung der rue Dangé-Saint-Romain, archäologische Überreste zerstört. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich die Gemeindeverwaltung wenig kooperativ gegenüber dem Nationalmuseum.

• Einige Jahre später wurde für ein Haus, das sich noch im Vicusbereich befand, eine Baugenehmigung ausgestellt, ohne dass das Museum informiert wurde. In der Baugrube wurden römische Überreste gefunden.

• Auf einer anderen römischen Fundstelle am Ausgang von Mamer nach Kehlen, an der Römerstraße Reims-Trier, pflanzte die Gemeinde Bäume direkt ins Zentrum der Fundstelle.



7. August 1996

Einen Tag nach der Pressekonferenz schreibt Staatssekretär Georges Wohlfart an Frau Kulturminister Erna Hennicot-Schoepges: "Situé à l'entrée est de la commune de Mamer en contrebas du Tossenberg, ce terrain risque cependant de toucher le site archéologique découvert lors du redressement de la N6." und er bittet sie "pour éviter des surprises", dass sich die Dienste des Nationalmuseums mit denen der Öffentlichen Bauten in Verbindung setzen um gemeinsam eine Vorgehensweise zu bestimmen.

Es erstaunt, dass die Verantwortlichen des Ministeriums für öffentliche Bauten es hinnehmen und die Zerstörung größerer archäologischer Befunde in Mamer akzeptieren obwohl dieses Ministerium seit Jahren eine präventive Politik,  gekoppelt mit eventuell notwendigen Rettungsmaßnahmen, auf ihren Baustellen betreibt.
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24. August 1996

Offener Brief an den Mamer Bürgermeister: angeprangert wird die Art und Weise, wie der Mamer Gemeinderat vorgeht.
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Soll der Vicus von Mamer auf dem Altar von "Haebicht" geopfert werden? - Der Vorstand der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" bezieht Stellung.
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Um schnell und unbürokratisch auf die mit dem Bau des geplanten Lyzeums auftretenden Probleme reagieren zu können, ruft die Vereinigung "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" die Arbeitsgruppe "Vicus Mamer" ins Leben. Ihr gehören an: Ellen Heinemann, Jacques Bonifas, Armand Lehnert und Jos Thiel. Die Arbeitsgruppe ist vom Vorstand befugt, alle notwendigen Schritte zu unternehmen sowie alle Maßnahmen zu ergreifen, um einer Zerstörung der antiken Überreste entgegenzuwirken.

 

27.08.2008

Der Mamer Bürgermeister zeigt sich gut informiert; er weiß bereits im Vorfeld eventueller Grabungen, was hier zu erwarten wäre: "Lors du creusement des fondations, on risque tout au plus de tomber sur quelques tombes gallo-romaines" und er zeigt sich erstaunt darüber, dass in den letzten 23 Jahren keinerlei Ausgrabungen im Vicusbereich stattgefunden haben.
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Das Bautenministerium teilt offiziell mit, dass zur Untersuchung archäologischer Überreste auch das Ministerium für kulturelle Angelegenheiten eingeschaltet worden.
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28.08.2008


Die Bartringer Gemeinde reagiert mit Zufriedenheit darauf, dass ein Lyzeum an ihrer Gemeindegrenze mit Mamer entstehen soll. Nur das größere Verkehrsaufkommen und die Lebensqualität der Anrainer bereit ihr etwas Sorgen. Leider haben auch hier die Verantwortlichen dieser geschichtsträchtigen Gemeinde es verpasst darauf hinzuweisen, welche kulturhistorischen Verluste eventuell entstehen könnten.
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31.08.2008

Offizielle Stellungnahme von Prof. Charles Marie Ternes, Präsident der "Société des Antiquités Nationales", die in einem Leserbrief veröffentlicht wurde.
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Sichtlich empört über diesen Leserbrief zeigte sich der Mamer Bürgermeister heißt es  in einem Bericht des Luxemburger Wort vom 3. Oktober 1996 über die Gemeinderatssitzung vom 2. Oktober:

Er (Henri Hosch) wolle klarstellen, dass es der Luxemburger Staat sei, der den Bau eines Gymnasiums an diesem Ort in Erwägung gezogen hat; die Gemeindeverwaltung stelle lediglich ein Grundstück zur Verfügung, so Henri Hosch. Der Inhalt des Leserbriefes sei der Beweis dafür, dass der Autor nichts begriffen habe; man sei keineswegs darauf aus, archäologische Funde nicht zu beachten oder gar absichtlich zu zerstören.

Es sei nämlich ein Sachverständiger des Luxemburger Museums vom Kulturministerium beauftragt worden, das Grundstück auf eventuelle wertvolle archäologische Funde hin zu untersuchen. Der Sachverständige habe letztlich erklärt, dass es im Großherzogtum rund 1 000 solcher Standorte gebe, wo zwar Überreste aus der Römerzeit vorkämen, die jedoch nicht von histo­rischem Wert seien.“

Und wiederum zeigt es sich, dass Henri Hosch nichts verstanden hat und nicht den Unterschieid machen kann zwischen bekannten römischen Fundstellen jeglicher Art und der Bedeutung eines vicus. Einem „Sachverständigen des Museums“ werden hier Worte in den Mund gelegt, die er so nicht gesagt haben kann.

 

5. September 1996

Der „Sachverständige des Museums“ meldet sich überraschenderweise selbst zu Wort. In einem Brief erklärt er:

"D'après mes informations, le Ministère des Travaux Publics (MTP) n'a jamais eu l'intention de rééditer le scandale de 1973. Après avoir été informé du choix du terrain par le maire de Mamer le 6 août 1996, les responsables du Ministère des Travaux Publics, conscients des risques que court le patrimoine archéologique SUT ce site, en ont immédiatement informé (7 août 1996) le Ministère de la Culture (cf. communiqué de presse du MTP paru dans la presse luxembourgeoise le 28-08-1996).

Actuellement, le MTP est en train de vérifier si le terrain se prête à la construction d'un lycée. Si jamais le site est retenu, le lycée avec ses aires de parking et de sports sera construit en dehors du vicus gallo-romain dont l'étendue exacte sera déterminée prochainement grâce à des procédés de détection sophistiqués et des sondages.

Seuls le chemin d'accès et la pose de la canalisation, des conduites de gaz, d'eau et d'électricité vers le complexe scolaire risquent de détruire une petite partie des vestiges antiques. Une fouille archéologique préventive précéderait alors les travaux d'aménagement dans ce secteur. Même si, avant leur destruction, les vestiges peuvent être étudiés et documentés en bonne et due forme par les archéologues, je reste néanmoins d'avis que le choix du site par les édiles communaux de Mamer est un acte d'irresponsabilité et de stupidité ... "
---> BRIEF LESEN

Auch im „Journal des 3 Frontières“ sowie im „Télécran“ erscheinen jeweils kurze Artikel:


Journal des 3 Frontières
Va-t-on construire une école sur un site gallo-romain à Mamer?
C'est en mars 73 que l'affaire avait débuté. A cette époque, on ouvrait le chantier de l'autoroute Arlon-Luxembourg et des bulldozers entrèrent en action pour réaliser les travaux de terrassement. A hauteur de Mamer, un site fut dégagé, à la grande colère des historiens et des archéologues. On fit l'impossible pour empêcher le massacre d'un site gallo-romain reconnu. Aujourd'hui, un projet existe de construire une nouvelle école sur le site. Des réactions négatives sont enregistrées. Aucune fouille n'a été réalisée depuis plus de 20 ans sur le vicus de Marner. Les thermes romains sont toujours enfouis. Mais une association de sauvegarde a étudié les plans du projet et, dans ses conclusions. Elle estime que la construction de l'école risque d'abîmer à tout jamais les ruines romaines. On rediscute donc de l'ensemble du projet, entre responsables des services ministériels de l'Education nationale, des Bâtiments publics et de la Culture. Il faudra attendre.
Le Sudiste.

Télécran Nr. 37/1996
Standort-Untersuchung
Der geplante Bau eines Lyzeums am Tossenberg in Mamer stößt bei Archäologen und Geschichtsfreunden auf wenig Gegenliebe. Sie weisen darauf hin, dass sich unter der Erdoberflä¬che vermutlich die Überreste einer römischen Siedlung befinden, die durch den Bau des Lyzeums gefährdet würden. Reagiert hat bereits das Bauministerium: Staatssekretär Georges Wohlfart machte Kulturminister in Erna Hennicot-Schoepges den Vorschlag, den Standort am Tossenberg von Archäologen untersuchen zu lassen.

 

20. September 1996

Im „Feierkrop“ ist zu lesen, dass es „Proteste hagelt gegen das geplante Lyzeum von seitens der Lobby jener gut organisierten Luxemburger Hobby-Archäologen“. Auch wird hier zum ersten Mal Fernand Pesch erwähnt: "Pesch, der rein zufällig in Mamer wohnhaft ist, soll den Standort Tossenberg für das Lyzeum "durchgedrückt haben", ohne dass es im Regierungsrat darüber zu einer reellen Diskussion gekommen wäre".
---> ARTIKEL LESEN

In einem Brief der „Arbeitsgruppe Vicus Mamer“ an die Luxemburger Lyzeen wird  die Forderung nach einem Standortwechsel noch einmal klar gemacht.
---> BRIEF LESEN

Auch die Luxemburger Geschichtsvereine werden angeschrieben. Die Arbeitsgruppe erhofft sich, dass einige Vereine sich der Aktion anschliessen werden.
---> BRIEF LESEN

Da es bei den Vereinen Unklarheiten über die Finanzierung der Aktion gibt, klärte die Arbeitsgruppe „Vicus Mamer“ dieses Problem im folgenden Brief an die Geschichtsvereine:
---> BRIEF LESEN

Auf unseren Aufruf reagierten positiv:

  • die „Association Luxembourgeoise des Enseignants d’Histoire (ALEH)

---> BRIEF LESEN

  • die „Société des Antiquités Nationales“

---> BRIEF LESEN

  • die „Frënn vun der Festungsgeschicht Lëtzebuerg“

---> BRIEF LESEN

  • die „Amis de l’Histoire de Differdange“

---> BRIEF LESEN

  • Die „Käercher Schlassfrënn“

---> BRIEF LESEN

Verhaltener reagierten andere Vereine, wie:

die „Société Préhistorique Luxembourgeoise“: "Eu égard aux différents avis exprimés par ses membres, le comité de la Société Préhistorique Luxembourgeoise a décidé lors de sa réunion du 9 octobre 1996 de faire entière confiance aux  responsables des istitutions officielles de l'État."
Fernand SPIER, Président
Carel KREMER, secrétaire

oder die „Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper“: "Als Präsident der „Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper“ verfolge ich mit Interesse die Diskussionen über den Standort des neuen Gymnasiums (Tossebierg / Mamer) in den Medien (auch die rezenten Untersuchungen) und ich habe mich auch sehr über die Dokumentation gefreut, die Sie unserer Vereinigung haben zukommen lassen.

Ich habe nun von einem unserer Vorstandsmitglieder gehört, dass bei den verschiedenen historischen Vereinen, die Ihr Anliegen unterstützen, in den Medien auch die „Geschichtsfrënn vun der Gemeng Hesper“ erwähnt werden. Da ich jedoch anlässlich unseres Telefonats lediglich in meinem eigenen Namen gesprochen habe und zudem besagtes Vorstandsmitglied nicht unbedingt meine Meinung teilte, möchte ich Sie bitten, in Zukunft von einer Erwähnung der .Geschichtsfrenn vun der Gemeng Hesper" im Zusammenhang mit Ihren Anliegen (vor allem in den Medien) abzusehen.

Eine Mitgliederversammlung hat bisher noch nicht stattgefunden, aber im November dieses Jahres werden unsere Vorstandsmitglieder zusammentreffen und auch über die Unterstützung der „Georges Kayser Altertumsfuerscher“ im Fall „Tossebierg“ beratschlagen. Ich werde erst dann in der Lage sein, Sie im Namen unserer Vereinigung über unseren Entscheid zu informieren. Bis dahin jedenfalls möchte ich Sie bitten, unseren Verein nicht mehr als unterstützende Vereinigung zu erwähnen, bis unsere Position allgemein geklärt ist."
Roland Schumacher

oder gar die „Amis du Château de Vianden“, deren Präsidentin Gaby Frantzen mitteilt, dass sich dieser Verein „als para-staatliche Gesellschaft“ nicht öffentlich in dieser Angelegenheit äußern kann.

Auch im Internet wurde auf die Bedrohung des gallo-römischen vicus hingewiesen und um Unterstützung für die Aktion gebeten.
---> FORUMSBEITRAG LESEN

Die Reaktionen auf diesen Aufruf auf Unterstützung waren vielfältig, sowohl was den Inhalt der Mitteilungen als auch die Herkunft der Autoren angeht. Am originellsten war wohl die email der LEGIO X GEMINA aus Holland, die bedauerte, nichts Militärisches in der Angelegenheit unternehmen zu können.
---> REAKTIONEN LESEN

 

21. September 1996

Auch die Museen im benachbarten Ausland wurden angeschrieben, um um Unterstützung zu bitten.
---> BRIEF LESEN

Alle grossen Museen der Umgegend reagierten überaus positif auf unseren Brief.
--> REAKTIONEN LESEN

Natürlich wurde an erster Stelle das Luxemburger Nationalmuseum angeschrieben.
---> BRIEF LESEN

Am 25. Oktober antwortet Paul Reiles auf diesen Brief und versichert im Namen aller Archäologen des Museums, dass sie unsere Sorgen um den gallo-römischen vicus von Mamer mittragen und alle Maßnahmen zum Schutz dieses wichtigen archäologischen Standortes ergreifen werden.
---> BRIEF LESEN

 

22. September 1996

Brief an den Bürgermeister der Gemeinde Mamer Henri Hosch sowie an den Schöffen- und Gemeinderat, an Bautenminister Robert Goebbels und an die Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges.
---> BRIEF LESEN

Die „D'Georges Kayser Altertumsfuerscher“ machen nochmals klar, dass es nicht darum geht den Bau des Lyzeums in Mamer zu verhindern, sondern darum, ihn nicht am Tossenberg zu bauen und bieten an, mit dem Gemeinderat hierüber zu diskutieren. Leider kommt seitens der Mamer Gemeinde nie eine Antwort auf dieses Schreiben.

Am 3. Oktober antwortet Robert Goebbels, dass er den Brief an Georges Wohlfart weitergeleitet hat und dieser uns sicherlich empfangen wird. Zu einer Unterredung mit dem Staatssekretär kommt es jedoch nie …
---> BRIEF LESEN

 

3. Oktober 1996

Einladung  an die Luxemburger Presse zu einer Pressekonferenz am 3. Oktober.
---> EINLADUNG LESEN

Im Anschluss an diese Pressekonferenz erscheinen dann mehrere Artikel in der Luxemburger Presse. Die Hauptforderung der D’Georges Kayser Altertumsfuerscher «  Lyzeum ? Ja ! Am Tossenberg ? Nein ! » wird irgendwie zum Slogan der ganzen Aktion.

A Henri Hosch de trouver un site sans courir le risque de mettre au jour des ruines gallo-romaines
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Der Ball liegt jetzt beim Bautenminister und bei den Mamer Gemeindebehörden, die ihr Projekt hoffentlich überdenken werden
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Protest gegen Lyzeumsbau am Tossenberg.
Warum kein "Campus Haebicht"?
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Das "Anknabbern" eines archäologischen Standortes sei ein Schritt in Richtung Zerstörung des historischen Erbgutes
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Zankapfel Tossenberg. Scherben oder Schule
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Pour le site gallo-romain du Tossenberg
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Bereits bei der Besichtigung hatte der Verwalter des Bautenministeriums, Regierungsrat Fernand Pesch, selbst ein Bewohner der Mamer Gemeinde, auf mögliche archäologische Überreste hingewiesen
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10. Oktober 1996

Mit Standortfragen beschäftigt sich Henri Werner in einem Artikel vom 10. Oktober: "Das neueste Beispiel (eines Projektes, das in die Öffentlichkeit gelangt, ohne richtig durchdacht zu sein) liefert das Lyzeum in Mamer. Zunächst möge man dem Bürger erklären, warum dieses Lyzeum im Westteil des Landes errichtet werden soll. nur wenige Kilometer vorn bestehenden Campus .. Geessekneppchen". Dann möchte man wissen, warum gerade auf eine gallorömische Siedlung? Ist damit vielleicht ein pädagogisches Ziel verbunden?"
---> ARTIKEL LESEN

 

10. Oktober 1996


In einem Brief versucht die Frau Kulturminister zu beschwichtigen indem sie sagt, dass noch keine Entscheidung über den Bau des Lyzeums am Tossenberg gefallen sei.

---> BRIEF LESEN

 

 

11. Oktober 1996

Brief an den Bürgermeister der Gemeinde Mamer Henri Hosch, in Zusammenhang mit seinen Aussagen in der Gemeinderatssitzung vom 2. Oktober.

Par un courrier en date du 22/09/1996, nous vous avons informé que notre association a mis sur pied un groupe de travail dont le but est d'éviter qu'un site archéologique majeur de notre pays ne soit entièrement détruit.

Suite aux différents articles parus après la conférence de presse que nous avons tenue le 3 octobre, nous avons pu sensibiliser une partie du grand public. A ce jour, nous sommes soutenus dans nos efforts par 5 autres organisations qui se sont ralliées à notre cause. Des contacts avec des personnes du milieu archéologique professionnel au niveau national aussi bien qu'au niveau international ne font que confirmer que notre revendication de trouver un autre site pour la construction du lycée est justifiée. Nous ne manquerons pas à nous faire épauler par ces personnes en temps voulu.

A notre plus grand étonnement, nous venons d'apprendre, par le biais des comptes-rendus de la dernière séance du conseil communal publiés dans la presse, qu'un soi-disant "expert" du Musée National d'Histoire et d'Art aurait déclaré que notre pays comptait des sites analogues à celui de Mamer par centaines.

Etant donné que nous sommes incapables de trouver une explication à ce phénomène et que nous ne pouvons nous imaginer que de tels propos furent avancés par un fonctionnaire du MNHA, nous aimerions demander par la présente une entrevue avec vous afin que nous puissions discuter ensemble de la problématique du "Tossenberg"; ceci avant de n'entamer quelconque autre action et afin de nous permettre de vous expliquer en personne notre point de vue.

Auch auf diesen Brief erhielten wir nie eine Antwort und schon gar nicht die Gelegenheit zu einer Unterredung mit dem Mamer Bürgermeister.

 

11. Oktober 1996

Brief an die Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges.

Anfrage zu einer Unterredung.

Par un courrier en date du 22/09/1996, nous vous avons informé que notre association a mis sur pied un groupe de travail dont le but est d'éviter qu'un site archéologique majeur de notre pays ne soit entièrement détruit.

Suite aux différents articles parus après la conférence de presse que nous avons tenue le 3 octobre, nous avons pu sensibiliser une partie du grand public. A ce jour, nous sommes soutenus dans nos efforts par 5 autres organisations qui se sont ralliées à notre cause. Des contacts avec des personnes du milieu archéologique professionnel au niveau national aussi bien qu'au niveau international ne font que confirmer que notre revendication de trouver un autre site pour la construction du lycée est justifiée. Nous ne manquerons pas à nous faire épauler par ces personnes en temps voulu.

Avant de n'entamer quelconque autre action et afin de nous permettre de vous expliquer en personne notre point de vue, nous vous permettons par la présente de vous demander de nous accorder une entrevue.

Am 17.10. erfolgt die Einladung von Frau Hennicot-Schoepges, Kulturminister, zu einer Aussprache.

 

---> BRIEF LESEN

 

Die Unterredung findet am 15. November um Kulturministerium statt. Außer der Arbeitsgruppe « Vicus Tossenberg » nehmen daran teil André Schoellen, Archäologe von « Ponts et Chaussées », Jean Krier, Konservator der gallo-römischen Sektion im Nationalmuseum sowie Fernand Pesch, administrateur général im Bautenministerium.

 


Mme Erna Hennicot-Schoepges, ministre des Travaux publics, ensemble avec M. Fernand Pesch, lors de la
présentation du rapport d'activité du Fonds de Rénovation de la Vieille Ville (01.08.2001) © Copyright SIP

 

Anlässlich dieser Unteredung bedauert die Frau Minister die voreilige und nicht mit ihr abgesprochene Pressekonferenz von Wohlfart und Hosch vom 6. August und wünscht sich einen Standort « ohne Probleme ». Sollte es sich erweisen, dass hier archäologischen Zeugen zerstört werden, so will sie einen anderen Standort für das Lyzeum.

 

Auch soll das Ministerium für Landesplanung Vorschläge für alternative Standorte machen (z. B. Capellen oder Steinfort).

 

André Schoellen kommentiert die vorgenommenen Messungen, die in der Tat teilweise römische Strukturen am geplanten Standort des Lyzeums erbracht haben (ohne uns jedoch die Messergebnisse zukommen zu lassen).

 

Fernand Pesch betont, dass er nicht will, dass archäologische Substanz hier zerstört wird.

 

Jean Krier ist der Meinung, der vicus sollte unangetastet bleiben und das Umfeld des vicus sollte erhalten bleiben.

 

Anscheinend ist man sich einig: der vicus soll unter allen Umständen erhalten bleiben … Jedenfalls danken wir der Frau Kulturminister, dass sie sich Zeit für unsere Belange genommen hat:

"Mir vum Arbechtsgrupp “Vicus Tossebierg” vun den “D’Georges Kayser Altertumsfuerscher” hun eis besonnesch gefreet, dass Dir, Madame Minister, Iech Zeit geholl hut, fir mat eis iwer de Problem vum Bau vun engen Lycée am Tossebierg ze diskutéieren.

Mir waren frou vun Iech ze héieren, dass Dir eis Suergen verstitt an Iech asetzt fir d’Erhaalen vun eisem Patrimoine. Mir wëllen Iech nach eng Kéier versecheren, dass mir e Lycée am Westen begréissen, aweer nët wëllen, dass dësen jorelaang durch néideg Ausgruewungen verschleeft gët.

Mir hoffen, dass mir och an Zoukonft weider am Interessi vun eiser geschichtlecher Vergaangenheet zesumme kënne schaffen..."

 

14. Oktober 1996

Brief an das Personal und Georges Calteux, Direktor von "Sites et Monuments".
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19. Oktober 1996

Weitere Leserbriefe erscheinen im "Luxemburger Wort".
---> LESERBRIEFE LESEN
 

 

21. Oktober 1996

In Form einer Pressemitteilung übermittelt die Arbeitsgruppe "Vicus Mamer" zusätzliche Informationen an die Presse, welche anlässlich der Pressekonferenz vom 3. Oktober noch nicht bekannt waren.
---> PRESSEMITTEILUNG LESEN

 

24. Oktober 1996

Die geophysikalischene Messungen am Tossenberg haben begonnen. Durchgeführt werden sie vom geophysischen Institut der Universität in Kiel.
---> ARTIKEL LESEN

 

28. Oktober 1996

"Es gibt es eine Art Altertumsforscher, die offenbar dem Scherben-Fundamentalismus verfallen sind" hiess es auf SR2 Kultur ...
---> BERICHT LESEN

 

11. November 1996


Ein Armutszeugnis für den Mamer Schöffenrat“ – so überschrieb der frühere Bürgermeister von Mamer, René Federspiel, seinen Leserbrief. Es ging hierin um das angekündigte Fernbleiben des Schöffenrates an der Ausstellung „Mamer localité millénaire“, organisiert vom „Cercle philatélique“ von Mamer.

Der Grund zum Boykott der Ausstellung durch des Schöffenrat war, dass die „D’Georges Altertumsfuerscher“ ebenfalls an dieser Ausstellung teilnahmen und dass der Sprecher dieser Vereinigung den Vorschlag der Gemeindeverantwortlichen, das Lyzeum am Tossenberg zu bauen, als „acte de stupidité“ bezeichnet hätte.

---> BRIEF LESEN

Nur stimmte das wiederum so nicht: es war nicht der besagte Sprecher der GKA der dies gesagt hat, sondern der vielzitierte „Sachverständige des Museums“:

"Même si, avant leur destruction, les vestiges peuvent être étudiés et documentés en bonne et due forme par les archéologues, je reste néanmoins d'avis que le choix du site par les édiles communaux de Marner est un acte d'irresponsabilité et de stupidité ... "

Es wurden demnach auch nicht die Gemeindeväter als "stupide" bezeichnet, sondern ihre Handlungsweise.

Weil auch in diesem Zusammenhang der Mamer Bürgermeister Hosch wieder einmal nichts verstanden hat, wird ein aktiver Verein der Gemeinde für nichts und wieder nichts bestraft …
---> ARTIKEL LESEN

 

30. April 1997

In der Rubrik „Aus dem Parlament“ berichtet das Luxemburger Wort: „Was das geplante Lyzeum in Mamer anbelangt, so betonte Georges Wohlfart, daß die archäologischen Ausgrabungen auf dem vorgesehenen Standort das Projekt an sich nicht gefährdeten. Vielmehr werde versucht, die geschichtlichen Funde in die Schulinfrastuktur zu integrieren.

 

21. Mai 1999

Unter der Leitung des britischen Archäologen Alan Stead beginnen die Ausgrabungen am Standort des Lyzeums. Leider wurden bis jetzt die Resultate der Grabung noch immer nicht veröffentlicht. Auch wurde die „Arbeitsgruppe Vicus Tossenberg“ in keinerlei Weise über den Stand der bei der Grabung erworbenen neuen Erkenntnisse informiert so wie man das eigentlich hätte annehmen können. Die Zeit wo die „Kohlen aus dem Feuer“ genommen werden mussten war 1999 schon vergessen.

Die einzigen spärlichen und dilettantischen Informationen stammen aus einem „Wort“-Artikel, in dem kurioserweise der Tossenberg mit dem Titelberg verwechselt wird.
---> ARTIKEL LESEN


 

9. Juni 1999

Heute wurde der erste Spatenstich zum Bau des Lyzeums vorgenommen.


Luxemburger Wort vom 10.06.1999

 

4.November 2000

Die Bauarbeiten am Mamer Lyzeum laufen auf Hochtouren. Das Gebäude soll für Juni 2001 fertiggestellt sein, der Betrieb soll dann zur „Rentrée 2003“ aufgenommen werden.


Photo: Teddy Jaans

 

Archäologische Funde sorgten für Aufregung

NSch - Archäologische Funde sorgten vor Beginn der Bauarbeiten für Aufregung am "Tossebierg" in Mamer. Vor der ersten Studie wurde das Gelände ausgemessen und analysiert. Das naturhistorische Museum sowie Verantwortliche des Ministeriums für Öffentliche Arbeiten meldeten Bedenken an, da sie archäologische Überreste im Boden vermuteten.

 

Daraufhin wurden vom 21. bis zum 28. Oktober 1996 auf ausgewählten Flächen geophysikalische Messungen von Mitarbeitern der Christian-Albrechts- Universität Kiel, Institut für Geophysik, durchgeführt. Dabei kamen folgende Verfahren zum Einsatz:

Geomagnetik, Geoelektrik und Georadar. Die Zielsetzung war eine Erfassung möglicher archäologischer Strukturen im Gelände.

 

Die magnetischen Untersuchungen erfolgten auf vier Flächen. Insgesamt wurden 3,8 Hektar vermessen. Die gemessenen markanten Anomalien sind auf eine noch existierende, mit Eisenpfählen vermarkte Weidegrenze bzw. auf die sich im Untergrund befindlichen, oberirdisch nicht mehr sichtbaren Überreste einer ehemaligen Flur- oder Weidegrenze zurückzuführen. Grundsätzlich können Fragmente mittelalterlicher bzw. neolithischer Siedlungen nicht ausgeschlossen werden, da beispielsweise Holz als Baumaterial keinen magnetischen Gegenpol bildet. Pfostenlöcher und Einzelfunde wie z.B. Münzen, sind außerdem aufgrund der zu geringen Kontraste schwer zu kartieren.

 

Zum Schluss wurde das gesamte Gelände in Zonen eingeteilt, die nur teilweise bebaut werden durften. Dies ist ein Grund, warum das Lyzeum nicht nahe an der Hauptstraße errichtet wird. Hier könnten sich nämlich Überreste befinden, die nicht zerstört resp. überbaut werden sollten.

 

Fazit

So wurde das Lyzeum dennoch am Tossenberg gebaut, wenn auch nicht am ursprünglich vorgesehenen Standort direkt neben der Hauptstraße.

 

Die Arbeitsgruppe "Vicus Mamer" besteht nicht mehr. Das heisst aber nicht, dass das Vicusgelände jetzt nicht mehr im Auge behalten wird.

 

Henri Hoch ist nicht mehr Bürgermeister. Haebicht wurde nicht gebaut.

 

Erna Hennicot-Schoepges ist nicht mehr Kulturminister, Fernand Pesch ist in Pension.

 

Es ist bedauernswert, dass die Uneinsichtigkeit des Mamer Gemeinderates es verhindert hat, das Lyzeum an anderer Stelle zu bauen.

 

Es ist schade, dass von Anfang an Bürgermeister Hosch die Diskussion um den Standort zu einer persönlichen Angelegenheit um seine Person und um "sein" Projekt machte und sich für alle Argumente taub stellte.

 

Es ist schade, dass so wenig Leute Zivilcourage zeigten und  sich nicht trauten, sich öffentlich für eine neuen Standort einsetzten und sich mit dem Mamer Bürgermeister anzulegen. Wie oft haben wir "Ich würde ja, aber ..."  oder ".. macht ihr das, in meiner Position kann/will/darf ich das nicht ..." gehört.

 

Wenn auch die verschiedenen Aktionen den Bau nicht verhindert haben, so hoffen wir doch, einigen Leuten die Augen geöffnet zu haben so dass sie sich bewusst sind, was ihr archäologisches Erbe ist und wie schnell es für immer zerstört werden kann.

 

Hat man wirklich hinzugelernt? Es ist zu bezweifeln, denn schon ziehen wiederum dunkle Wolken über Mamer auf. „Jamais deux sans trois“ – es bleibt zu hoffen, dass sich dieses Sprichwort nicht bewahrheitet und es nicht zu einem "Skandal am Tossenberg III" kommen wird.

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