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FRANZISKA DÖVENER
Eine Zisterne aus dem römischen Vicus von Mamer

Vorbericht publiziert in: Den Ausgriewer 12, 2002, 14-15.
D' Georges Kayser Altertumsfuerscher a.s.b.l., Nospelt (Hrsg.),.

Im März 2001 wurde während des Strassenbaus (Verkehrskreisel Route d'Arlon) am „Tossenbierg" bei Mamer ein Schacht aus römischer Zeit angeschnitten. Es handelt sich dabei um eine Zisterne des römischen Vicus von Mamer. Sie liegt etwa 24 m südsüdöstlich von Zisterne Nr. 10 der Grabungen von 1973 (1. J. Metzler, Ein gallo-römischer Vicus beim Tossenberg (Mamer), Hémecht 25, 1973, 485-501). Die Zisternenverfüllung wurde angesichts der bereits fortgeschrittenen Zerstörung des Befundes in einer spontanen Notgrabung am Wochenende durch Mitglieder der "d'Georges Kayser Altertumsfuerscher" geborgen.


 

Carte topographique 1:20000 Série TC, Edition 2002
© Origine Administration du Cadastre et de la Topographie Luxembourg.
Droits réservés au Grand-Duché de Luxembourg (1998-2000) (ACT)

 

Das Fundmaterial (Inv. Nr. MNHA 2001-31) soll nachfolgend vorgestellt werden, wenngleich eine ausführliche Bearbeitung und Dokumentation der Fundobjekte noch aussteht.

Münze
In der Verfüllung der Zisterne befand sich eine einzelne, stark abgenutzte Münze, nämlich ein Sesterz des Kaisers Hadrian (117-138 n. Chr.).

Bronze
Das einzige Bronzeobjekt stellt eine Scheibenfibel mit schachbrettartigem hellgrün-weissen Emaildekor dar. Sie hat 2,5 cm Durchmesser, die Nadel fehlt. Diese Fibel entspricht Riha Typus 7.14 der Millefiorifibeln und datiert Ende 2. Jh./1. Hälfte 3. Jh. (2. E.Riha, Die römischen Fibeln aus Augst und Kaiseraugst (Forschungen in Augst 3) (August 1979), 189 ff. Taf. 62,1623; dies., Die römischen Fibeln aus Augst und Kaiseraugst - Die Neufunde seit 1975 (Forschungen in Augst 18) (Augst 1994) 161 f. Taf. 42,2832).

Bein
Gefunden wurden eine Haarnadel mit ballonförmigem Kugelkopf und ein schwach konischer Spielstein mit konzentrischen Rillen. Die Haarnadel ist 6,8 cm lang, ihre Spitze fehlt. Sie kann nur vage datiert werden(3./4. Jh.). (3. H. Mikler, Die römischen Funde aus Bein im Landesmuseum Mainz (Monographies Instrumentum 1) (Montagnac 1997) 37 ff., Taf. 28,5).

Der Spielstein hat 1,8 cm Durchmesser und ist 0,2 cm hoch. Konzentrische Rillen auf Spielsteinen waren anscheinend zwischen der Mitte des 2. Jhs. und der Mitte des 4. Jhs. in Gebrauch (4. ebd. 28 ff., Taf. 20, 5).

Eisen
Hierbei handelt es sich überwiegend um Nägel unterschiedlicher Grösse. Weiterhin wurden ein stilus (Schreibgriffel ) und eventuell der Rest eines Schabeisens gefunden. Die Eisenobjekte werden z. Zt. restauratorisch behandelt. Im Fundmaterial kommen auch geringe Mengen an Schlacke vor.

Glas
Zwei Glasfragmente kamen zutage: ein grünes, gewölbtes Fragment eines nicht näher bestimmbaren Glasgefässes sowie ein Randfragment eines farblosen, hohen Bechers mit weissem Schlangenfadendekor, ähnlich der Form Isings 86, welche ins 2./3. Jh. datiert (5. C. Isings, Roman glass from dated finds (Groningen/Djakarta 1957), 103).

Keramik
Unter der Terra sigillata sind u.a. zwei Fussfragmente zu finden, das kleinere ist mit einem Graffito „AR" auf der Unterseite versehen.

Weiterhin finden sich: fünf Rand- bzw. Wandungsfragmente von Reibschüsseln der Form Gose 147 (Mitte 2. Jh.) und Gose 152 (2. Hälfte 3. Jh.), ein Randfragment der Form Gose 130/131 (Mitte 2. Drittel 2. Jh.) und zwei Randfragmente von Schüsseln der Form Dragendorff 37.

Eine dieser Schüsseln stammt aus der Werkstatt des Reginus 1 aus Rheinzabern (pfeilartiges Spitzblattornament bzw. kesselförmiges Ornament) (ca. 140-160 n.Chr.) (6. F. Oswald/T. Davies Price, An introduction to the study of Terra Sigillata treated from a chronological standpoint (London 1920) 105 ff. Taf. 12,6; H.Ricken/C. Fischer, Die Bilderschüsseln der römischen Töpfer von Rheinzabern (Materialien zur römisch-germanischen Keramik 7) (Bonn 1963) 191 , P32 und 242, O 166; J. Garbsch, Terra Sigillata - Ein Weltreich im Spiegel seines Luxusgeschirrs (München 1982), 60).



Scheibenfibel, Spielstein, Haarnadel, T.-S. Scherbe

Das Wandungsfragment einer weiteren Dragendorff 37-Schüssel mit unterschiedlich grossen, konzentrischen Kreisornamenten konnte noch nicht bestimmt werden.


Bei der Feinkeramik überwiegen die schwarzgefirnisten Becher. Es handelt sich um eine noch nicht näher bestimmte Anzahl von steilwandigen bzw. bauchigen Bechern (Formen Gose 194 und 200) und sogenannten Faltenbechern (Formen Gose 199, 205 und 206), die z.T. mit feinen Kerbbanddekoren geschmückt sind. Auf einigen Fragmenten befinden sich ein metallisch glänzender schwarzer Überzug. Ein Randfragment der Form Gose 206 (ohne Kerbblätter) trägt auf dem Hals ein Graffito in Form eines „X" ; damit ist vermutlich jedoch kein Buchstabe gemeint.

Die erwähnten Schwarzfirnisbecher datieren Ende 2. Jh. bis 1. Hälfte 3. Jh. (Niederbieber-Horizont). Ein schwarzgefirnisstes Wandungsfragment zeigt einen länglich-ovalen Tonwulst, der mit einer Kerbe versehen ist. Es handelt dabei sich um die Darstellung eines Auges oder eines Mundes; das zu der Scherbe gehörige Gefäss war also eine sogenannte "Gesichtsurne" (vgl. Form Gose 524 und 527 ). Diese Gefässform kommt in Schwarzfirnisware relativ selten vor. Zur Feinkeramik kann weiterhin ein Randfragment eines grossen rot-gestrichenen Tellers (sogenannte "pompejanisch-rote Platte" der Form Gose 247) gerechnet werden. Er hatte einst ca. 35 cm Durchmesser und datiert ins letzte Drittel des 2. Jhs.

Zu den Sonderformen gehört das Randfragment eines helltonigen, rötlich-braun überzogenen offenen Gefässes mit ca.15 cm Randdurchmesser. Unter der Lippe verläuft ein fingergeformtes gewelltes Band aus Ton. Wahrscheinlich stammt das Fragment von einem sogenannten "Räucherkelch" (Form Gose 447, Ende 2. Jh./Anfang 3. Jh.).

Ebenfalls als Sonderform ist ein aussergewöhnlich grosser Deckel zu betrachten, von dem so viele Fragmente gefunden wurden, dass er zusammengesetzt und ergänzt werden konnte. Lediglich der Knauf fehlt. Der schildförmige Deckel aus blassrotem Ton hat fast 35 cm Durchmesser. Auf der Oberseite wurden zwei umlaufende Reihen von Kreisornamenten eingestempelt. Zwischen diesen befindet sich eine Reihe unregelmässig eingeritzter Doppelstriche. Zu diesem Fundstück lassen sich bislang keine Parallelen finden.


Schildförmiger Deckel
Durchm. 35cm
Mamer-“Bierg” 2001-31/06


Foto: Tom Lucas, MNHA


Foto: Tom Lucas, MNHA


Foto: GKA


Deckelunterseite
Foto: GKA




Zeichnung: GKA


Auf der Unterseite des Deckels wurden vor dem Brand zwei Graffiti eingetragen: Die Namensinschrift "ARTI" sowie - im Zentrum der Unterseite - ein Quadrat, welches diagonal von zwei langen Ritzungen durchkreuzt wird.

Bei dem Namen handelt es sich wohl um die Besitzerinschrift. Die einzige weitere Nennung eines Artus befindet sich anscheinend auf einer bei A. Wiltheim abgebildeten Inschrift aus der Collection Mansfeldt: D(is) M(anibus) ARTO DEFV (cnto) LVCCEIVS PATER F(aciendum) C(uravit) (7. Freundlicher Hinweis von J.Krier. - Zu dieser Inschrift u.a. C.M. Ternes, Les inscriptions antiques du Luxembourg, Hémecht 17, 1965, 100 f., Nr. 85, Abb. 73; M. Dondin-Payre/M.T. Raepsaet-Charlier, Noms, identités culturelles et romanisation sous le Haut-Empire (Brüssel 2001) 389).



Foto: GKA

Unter der rauhwandigen Gebrauchskeramik ist eine grosse Anzahl von Fragmenten der späten muschelgemagerten Ware zu finden. Diese grau-schwarze, mit kleinen Muschelsplittern durchsetzte Keramik wurde in der 2. Hälfte des 3. Jhs. u.a. auf dem Titelberg und in Mamer hergestellt ; über ihr vielfältiges Formenrepertoire liegt noch keine typologische Untersuchung vor (8. Zur späten Muschelware u.a. R.Weiler/J.Krier, Der Schatzfund von Goeblingen-„Miecher" (1983). Antoniniane und Nachahmungen des späten 3.Jhs. (Studien zu Fundmünzen der Antike 6 ) (Frankfurt a.M. 1988) 2 f., Anm. 8; M. Polfer, Une production céramique particulière de la cité de Trévires : la céramique à aspect de liège dégraissée à l'aide de coquille. S.F.E.C.A.G., Actes du congrès de Dijon, 1996, 376, Anm. 15).

Bei den in unserer Zisterne gefundenen Randfragmenten handelt es sich u.a. um folgende Gefässformen:
1. Konische Schüssel mit Schulterknick und herzförmigem Randprofil,
2. Sogenannte „Honigtöpfe" (vgl. Form Gose 426/427),
3. Töpfe mit hohem, abgesetztem Hals und Wulstrand sowie z.T. mit Schulterknick,
4. Schüsseln mit gerilltem Schrägrand,
5. Teller mit abgesetztem Rand.

Die übrige Gebrauchskeramik wurde noch nicht genauer bestimmt, sie besteht weitgehend aus gelblichen bzw. rötlich-braunen Krugwaren.

Im Fundmaterial sind ausserdem mehrere Wandungsfragmente von Schwerkeramik auszumachen, d.h. von Amphoren oder von grossen Dolien.

Knochen
Aus der Zisterne wurden auch große Mengen von Tierknochen geborgen, die allerdings noch auf ihre exakte zoologische Bestimmung warten. Vermutlich handelt es sich dabei um Küchenabfälle.

Anmerkung: Die Tierknochen wurden mittlerweile von Carola Oelschlägel untersucht. Hier ist ihr Bericht:
Die Tierknochen aus einer Zisterne des römischen Vicus von Mamer

Sonstiges
Das verbleibende Fundmaterial besteht grösstenteils aus Ziegelbruchstücken (tegulae, imbrices sowie ein tubulus-Fragment), weiterhin Holzkohleresten, Steinen und Sinterbrocken.

Die vorläufige Untersuchung des Materials aus der römischen Zisterne bei Mamer ergibt, dass diese in einem Zeitraum zwischen dem fortgeschrittenen 2. Jh. und der 2. Hälfte des 3. Jhs. verfüllt worden ist.

Bei dem ältesten Fundobjekt handelt es sich um eine Münze des Kaisers Hadrian, die jedoch - wegen ihrer starken Abnutzung - erst als "Altstück" in die Zisterne gelangt sein wird.

Die jüngsten Funde sind ein Reibschüsselfragment der Form Gose 152 sowie die zahlreichen Muschelware-Fagmente. Das konstatierte Nutzungsende der Zisterne mag mit den Zerstörungen während der germanischen Invasionen zusammenhängen, welchen um 275/76 n.Chr. auch die unweit gelegenen Thermen von Mamer zum Opfer fielen.


Franziska Dövener : Participation au colloque international «Study Group for Roman Pottery Conference» à Londres (GB) du 2 au 5 mai 2004 et présentation d’un exposé sur «An exceptionnel pottery lid from Mamer, Luxembourg».

An exceptional pottery lid from Mamer, Luxembourg
by Franziska Dövener

The paper was about a large pottery lid (diameter ca. 35 cm) made of light red fabric. It was found in March 2001, broken into several pieces, in a Roman cistern of the vicus at Mamer, Luxembourg. The knob is missing. The upper surface is decorated with two rows of stamped circles and a third row of double grooves in between, engraved with a tool.

On the inside are two post cocturam graffiti, a crossed out square and the name ARTI. Names like Artus or Artius are derived from the Celtic word artos ("bear") and can be frequently found in the Civitas Treverorum. The form of the lid is shield-like, not like any of the smaller lids known from the 1st to the 4th c. (Gose 555-565 etc.): neither is there a prominent, clear-cut rim nor a hollow knob.

The lid has to be dated through the other finds from the cistern, mostly pottery from the mid or late 2nd c. to the 2nd half of the 3rd c. Remaining questions are the following: What was the use of the lid? Did it cover a large storage pot or a dolium ? Was it an everyday object at all?
http://www.sgrp.org.uk/04/2004-12.htm


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